Junge Führerscheinneulinge verursachen überproportional viele Unfälle im Straßenverkehr. Hauptursache sind mangelnde Fahrpraxis und -erfahrung. Peter Tschöpe, Vorsitzender des Fahrlehrerverbandes Baden Württemberg e.V., beschreibt die häufigsten Unfallursachen bei Fahranfängern und wie sie vermieden werden können.
Fahranfängern fehlt vor allem die Erfahrung
Rund 130.000 junge Menschen legen jährlich die Führerscheinprüfung ab. Zwar gibt es bereits in einigen Bundesländern Modelle wie "Begleitetes Fahren ab 17" oder die "Freiwillige zweite Ausbildungsphase" aber die meisten Fahranfänger beteiligen sich direkt nach bestandener Führerscheinprüfung am Straßenverkehr. Allerdings ist man mit der bestandenen Führerscheinprüfung noch lange kein versierter Kraftfahrer.
Im Gegenteil, das Unfallrisiko ist für Fahranfänger besonders hoch, weil ihnen Fahrpraxis und Erfahrungen fehlen: Nach einer Studie des bayerischen Staatsministeriums des Innern sind 18 bis 25-Jährige an ca. 23 % aller tödlichen Autounfälle beteiligt, obwohl diese Altersgruppe nur rund 8 % aller Autofahrer darstellt.
Nach Aussage von Peter Tschöpe, Vorsitzender des Fahrlehrerverbandes Baden Württemberg e.V., legen die Fahrschüler während der fahrpraktischen Ausbildung ca. 700 - 900 km zurück. Für eine gewisse Fahrroutine sind jedoch etwa 70.000 gefahrene Kilometer (oder etwa sieben Jahre Fahrpraxis) nötig.
Fahranfänger automatisieren die parallelen Bewegungsabläufe noch nicht: Gleichzeitiges Kuppeln, schalten, Gas kommen lassen, Lenken und auf die Straße achten ist für sie noch schwierig. Wenn dann noch die Zigarette oder die Sendereinstellung des Autoradios hinzukommen, bleibt erst recht nicht mehr genügend Aufmerksamkeit für den Verkehr und ein Unfall ist schnell passiert.
Auch die Fähigkeit, mögliche Gefahren frühzeitig zu erkennen, ist bei Anfängern noch nicht ausgeprägt und stellt sich erst mit zunehmender Erfahrung ein.
Die Einschätzung unterschiedlicher Witterungsbedingungen erfordert ebenfalls Routine.
Bei Regen, Schnee und Nebel ist die Sicht schlechter, Lenkverhalten und Bremsweg verändern sich. Fahranfänger sind meist nicht in der Lage, diese Faktoren richtig einzuschätzen und ihre Fahrweise anzupassen.
Der Experte weist außerdem darauf hin, dass Fahranfänger nicht übermüdet ans Steuer gehen und bei längeren Fahrten häufig Bewegungspausen einlegen sollten.
Die häufigsten Unfallursachen bei jungen Erwachsenen und wie man sie vermeiden kann:
Überhöhte Geschwindigkeit
Nach einer Studie des Fahrlehrerverbandes Baden-Württemberg e. V. sind 47 % aller Unfälle auf überhöhte Geschwindigkeit zurückzuführen. Selbst Kleinwagen haben oft eine hohe KW-Leistung und sind gerade von unerfahrenen Fahrern bei zu hoher Geschwindigkeit nicht mehr beherrschbar, wenn eine unvorhergesehene Situation eintritt.
Sinnvoll ist es die Geschwindigkeit der Situation anzupassen und im Zweifelsfall den Fuß vom Gas zu nehmen. Problematisch kann es werden, wenn junge Fahranfänger mit Gleichaltrigen im Auto sitzen weiß der Vorsitzende des Baden Württembergischen Fahrlehrerverbandes zu berichten. Die Neigung, sich als flotter Fahrer zu präsentieren, ist dann besonders ausgeprägt. Hier sind auch die Beifahrer gefordert, den Fahrer zu bitten, rücksichtsvoller zu fahren.
Fehler bei der Vorfahrtsregelung
21 % der Unfälle von 18 bis 25-jährigen werden durch Missachtung der Vorfahrtsregeln verursacht. Es gibt im Verkehr viele Situationen, die auf den ersten Blick unklar sind, gerade was die Vorfahrt betrifft. Da ist es besser, erst einmal stehen zu bleiben, beziehungsweise sich mit dem anderen Verkehrsteilnehmer zu verständigen.
Ungenügender Abstand
Ungenügender Abstand zum vorausfahrenden Fahrzeug ist die Ursache bei 18 % aller Unfälle. Selbst das beste Reaktionsvermögen reicht nicht aus, wenn der Bremsweg länger ist, als der Abstand zum Vordermann: Bereits bei 30 Stundenkilometern beträgt der Anhalteweg (Reaktionszeit + Bremsweg) bei trockener Fahrbahn 12 Meter. Bei verschmutzter Fahrbahn oder Schneeglätte braucht das Auto schon 29 Meter, bis es steht.
Je schneller die Fahrt, desto länger der Anhalteweg. Natürlich ist das alles Bestandteil des Lernstoffes in der Fahrschule, aber in der Praxis verschätzt man sich doch sehr leicht. Auf der Autobahn beträgt der Abstand zwischen zwei Leitpfosten 50 Meter. Bei drei Leitpfosten Abstand zum Vordermann ist der Anhalteweg demnach 100 Meter lang. Das reicht gerade für eine Bremsung bei 100
Kmh. Bei Schneeglätte braucht man fast den dreifachen Weg. Es sollte also immer genügend Abstand gehalten werden – der Fahrer, der auf das vorausfahrende Fahrzeug auffährt, trägt in der Regel die Schuld (und damit die Kosten).
Fahruntüchtigkeit durch Alkohol und Drogen
14 % aller Unfälle bei jungen Leuten passieren auf Grund von Alkohol- oder Drogenkonsum obwohl allgemein bekannt ist, dass Alkohol, Drogen und viele Medikamente die Reaktionsfähigkeit einschränken. Deshalb sollte jeder Autofahrer dringend die Finger vom Steuer lassen, wenn er etwas zu sich genommen hat, was die Fahrtüchtigkeit beeinträchtigt. Selbst Alkoholgenuss innerhalb der erlaubten Promillegrenze ist laut Peter Tschöpe für Fahranfänger problematisch, da sie, im Gegensatz zu erfahrenen Autofahrern, selbst leichte Ausfälle noch nicht kompensieren können.
Hier finden Sie weitere Informationen des
Fahrlehrerverbandes Baden Württemberg e.V. Link zu: Fahrlehrerverband Baden Württemberg e.V., www.fahrlehrerverband-bw.de
Eva Blumenfeld, aktualisiert Januar 2010
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