Ist eine Baugenehmigung notwendig?
Die baurechtliche Handhabung von Carports und Garagen ist von Bundesland zu Bundesland verschieden, sagt Rechtsanwalt
Dr. Hans Vietmeier von der Münsteraner Kanzlei Baumeister. So muss in einigen Ländern ein kompletter Bauantrag gestellt werden, während in anderen Ländern die Baugenehmigung entfällt. Manchmal genügt bereits, die Gemeinde über den Carport-Bau zu informieren. Grundsätzlich gilt für Carports die jeweilige Landesbauordnung
(LBO). Die Bauordnungen enthalten für die Zulässigkeit von Carports an der Nachbargrenze unterschiedliche Kriterien, etwa die Länge, die Höhe, die Größe von angebauten Abstellräumen oder das Vorhandensein anderer Nebeneinrichtungen an den Grundstücksgrenzen.
Rechtzeitiges Nachfragen bei Bauamt lohnt sich immer
Teilweise sind Bebauungspläne vorhanden, bei denen eine Bauanzeige ausreicht, sofern keine Ausnahmen oder Befreiungen beantragt werden müssen. Andererseits kann ein Bebauungsplan Festlegungen für die mit Garagen und Carports überbaubare Grundstücksfläche enthalten. Fehlt ein Bebauungsplan, muss sich der Carport nach der überbaubaren Fläche in die Eigenart der näheren Umgebung einfügen. Eine rechtzeitige Erkundigung beim zuständigen Bauamt noch in der Planungsphase lohnt sich deshalb immer. Unerlässlich sind oft Unterlagen wie Bauzeichnung, Baubeschreibung und Statik. Diese erhalten Sie beim Fachmann oder bei Ihrem Carport-Lieferanten.
Sind Unterlagen für den Bauantrag im Preis enthalten?
Viele Anbieter handhaben das Thema Bauantrag für den Carport jedoch unterschiedlich. Während einige für die Unterlagen für den Bauantrag extra Geld verlangen, sind die Papiere bei anderen oft im Preis enthalten. Auch hier gilt deshalb: vorher erkundigen, sonst kann es teure Überraschungen geben.
Weitere Aspekte zur Genehmigung
Bei vielen Städten und Gemeinden reicht das sogenannte Kenntnisnahme-Verfahren aus, also ein Brief ans Bauamt, der über den geplanten Carport-Bau informiert. "Wenn man dann nichts hört, kann man loslegen", sagt Ingenieur Stefan Waiz vom Stuttgarter Ingenieurbüro für Bauwesen und Wissensmanagement (
www.die-ingenieurwerkstatt.de Link zu: Machbar - Die Ingenieurwerkstatt, www.die-ingenieurwerkstatt.de). Wichtig sei grundsätzlich, schon im Vorfeld darauf zu achten, dass der Carport vom Stil zu Haus und Garten sowie zur Nachbarschaft passe. Auch solle man "nicht unbedingt die erstbeste Streichholzschachtel vom Baumarkt kaufen", empfiehlt der Ingenieur. Oft seien Billig-Produkte nicht sturmsicher. Als Faustregel gelte, ein von der Statik her gesehener stabiler Carport koste zwischen 1200 und 2500 Euro.
Auch Daniel Schelske von der Carport-Fabrik in Hamburg hat unterschiedliche Erfahrungen gemacht. "Vor allem in Berlin oder Hessen ist der Carportbau sehr aufwändig", sagt Schelske. In Berlin werde sogar eigens ein Prüfstatiker hinzugezogen. Völlig ohne Schriftverkehr gehe es dagegen in Schleswig-Holstein. "Oft hängt die Genehmigung auch deutlich davon ab, mit welchem Fuß der Beamte aufgestanden ist", sagt Schelske, der seit jahrzehnten Carports in ganz Deutschland baut. Er empfiehlt, sich bei einem beabsichtigten Bau auf jeden Fall vorab bei der Gemeinde zu erkundigen. Dazu müssten eine Bauzeichnung, eine Baubeschreibung und eine Statische Berechnung mitgenommen werden, denn diese würden oft verlangt. "Es ist ein bisschen wie Computer kaufen, da steigt ohne Beratung auch keiner mehr durch", sagt Schelske. Er empfiehlt, folgende Checklistenpunkte der Reihe nach abzuhaken:
Die Carport-Checkliste
- Platzbedarf einkalkulieren:
Berechnen Sie genau wie viel Platz Sie für Ihre Fahrzeuge brauchen. Achtung: Türen brauchen viel Platz beim Öffnen! Der Platzbedarf richtet sich nach der Art des Autos. Testen Sie ruhig einmal Zuhause mit dem Zollstock. Die Erfahrung zeigt: Beim Platz nicht sparen. Überdenken sie auch rechtzeitig, ob vielleicht bald ein zweiter Wagen geplant ist.
- Stauraum planen:
Planen sie zusätzlichen Stauraum beispielsweise für Winterreifen o.ä. ein. Aber auch für andere Dinge, wie Fahrräder, Rasenmäher, Spaten und Gartenmöbel kann leicht Platz benötigt werden. Hier und da sieht man Flachdach-Carports, die auch als Terrassenfläche genutzt wird.
- Problemfrei einfahren:
Achten Sie darauf, dass Sie problemfrei in den Carport einfahren können. Achten Sie aber auch auf natürliche Hindernisse wie Bäume und Sträucher. Von einigen Regelungen kann man befreit werden oder kann eine Ausnahmeregelung in Anspruch nehmen. Durch die offene Einfahrt des Carports sind z.B. Ausnahmen bei der Abstandsregel zur Straße möglich. Insbesondere, wenn es sich um eine wenig befahrene Nebenstraße handelt. Es lohnt sich also für die beste Lösung zu kämpfen. Bei der Planung sollten die Abmessungen immer die Dachaußenmaße sein. Diese sind auch für das Bauamt maßgeblich. Auch der Nachbar freut sich, wenn Sie Ihr Dach nicht über sein Grundstück ragen lassen.
- Rechteck oder Winkel
Bei der Form eines Carports gibt es zahlreiche Varianten. Das Rechteck ist klassisch und oft die preisgünstigste Möglichkeit. Aber auch ein Winkelbau mit seitlichem Abstellraum kommt in Frage. Grundsätzlich empfiehlt sich das Gespräch mit einem Fachmann.
- Dachformen
Die Dachform bestimmt das Gesicht des Carports. Zum einen ist die Wahl Geschmackssache, zum anderen sollte sich das Gesamtobjekt an die Gegebenheiten anpassen. Die einfachste Dachform ist das Flachdach mit einer Neigung von rund zwei Prozent. Belegt werden kann das Dach mit unterschiedlichen Materialien, die sich sowohl in Eigenschaften als auch im Preis deutlich unterscheiden:
- PVC ist sehr leicht und benötigt deshalb nur eine leichte Unterkonstruktion. In Verbindung mit dem günstigen Preis für das PVC-Material ergibt das die wohl günstigste Carport-Variante. Das PVC-Material ist in Wellen- oder in Trapezform erhältlich. Außerdem gibt es klare und getönte Varianten. Der Nachteil: Wenn Bäume in der Nähe stehen oder Vögel in der Nähe nisten, ist das oft verschmutzte Dach auch von unten zu sehen. Dafür verhindert man bei einem Hausanschluss, dass das überbaute Fenster im Dunkeln steht.
- Ein Holzdach ist begehbar. Es besteht aus Schalung und verschiedenen Belegungen. Durch das Gewicht der Materialien ist eine stärkere Unterkonstruktion notwendig.
- Regenwasser bedenken:
Je nach Größe des Carports fällt durch den Sammeleffekt auf dem Dach mehr oder weniger Regenwasser zur Entsorgung an. Die Entwässerungsmöglichkeiten hängen von der Art des Daches ab. Flachdächer mit PVC, Stahl oder Aluminium können mit einer Rinne entwässert werden. Flachdächer mit Holzdach können mit einem Dachgulli bestückt werden. Vorteil: Von der Entwässerung sieht man praktisch nur das Fallrohr. Bei den Walmdächern greift man oft stilgemäß auf eine Kupfer-Rinne zurück. Es gibt Gemeinden und Regionen, die besonderen Wert auf den Entwässerungsplan legen. Bei der Variante "Versickerung auf dem Grundstück" muss auf jeden Fall eine ausreichend große Fläche nachgewiesen werden, auf der das anfallende Regenwasser versickern kann.
Links zum Thema Carport
J. Ollenik, aktualisiert Januar 2008
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