Augen auf beim Autokauf und -verkauf im Internet. Auf vielen Online-Börsen hoffen Betrüger auf leichtgläubige Opfer. Wir haben die wichtigsten Verhaltens-Tipps für Sie zusammengestellt.
Vorsicht bei Billigangeboten
Autoclubs und Verbraucherzentralen warnen vor allzu günstigen Gebrauchtwagen- und Finanzierungs-Angeboten im Internet. "Neben ungewöhnlich günstigen Autos werden mittlerweile auch dubiose Bezahlmodelle offeriert", warnt der Sprecher des
Auto Club Europa (ACE), Rainer Hillgärtner.
Vorsicht bei Vorkasse
Dabei gehen die Betrüger nach Angaben von Verbraucherzentralen nach einem Schema vor: Mit Inseraten extrem günstiger Autos locken Sie Ihre Kunden zur elektronischen Kontaktaufnahme. Der niedrige Preis wird meist mit einem Notverkauf begründet und sie versprechen, das Auto gegen Vorkasse zu liefern. Gefalle der Wagen nicht, so machen sie glaubhaft, werde das Geld zurück überwiesen. Doch wer bezahlt, hat meist verloren. Das Geld ist weg und vom angeblichen Auto bekommt der Käufer nie etwas zu sehen. Auch die oft als Tarnung dazwischen geschaltete Geldtransfergesellschaft kann auf den Kaufpreis nicht mehr zugreifen: Der Empfänger hat es längst unter Vorlage eines gefälschten Ausweises abgeholt, die Polizei ist machtlos.
Vorsicht bei extrem günstigen Finanzierungen
Als unseriös einzustufen sind auch so genannte Auto-Finanzierungssysteme, die für einmalig geringe Beträge eine Neuwagenfinanzierung versprechen. Den Mitgliedern soll es ermöglicht werden, für einen einmalig zu entrichtenden Betrag von wenigen hundert Euro ohne weitere Monatsraten teure Neuwagen kaufen zu können. Die Finanzierung erfolgt über eine Art Schneeballsystem, bei dem jedes Mitglied Folgezahler finden muss.
Auf Netto- und Brutto-Preise achten
Häufig schleichen sich auch Angebote mit deutlich unter dem Durchschnitt liegenden Preisen ein. Meist handelt es sich dabei um Offerten von Händlern für Händler. Die Preise sind hierbei netto angegeben, beinhalten also nicht die Mehrwertsteuer. Wer keine Mehrwertsteuer absetzen kann, sollte sich nicht täuschen lassen. Werden solche Anzeigen den Börsenbetreibern gemeldet, verschwinden sie in der Regel schnell von der öffentlichen Plattform. Autoscout24 hat dafür extra eine eigene Funktion "Anzeigenfehler melden" geschaffen, andere Anbieter prüfen ihre Anzeigen regelmäßig nach.
Tipps für den Autokauf und -verkauf im Internet
- Fahrzeugsuche:
Jeder Marktplatz bietet zahlreiche Suchfunktionen. Eine detaillierte Suche (ABS, Klimaanlage usw.) hilft, die Anzahl der interessanten Fahrzeuge einzuschränken. Mit der Umkreissuche lassen sich zunächst Angebote in der Nähe ermitteln. Wer seine Suche abspeichert, kann sich per E-Mail benachrichtigen lassen, wenn ein möglicherweise gefragtes Auto als Inserat aufgenommen wird.
- Richtig inserieren
Eine möglichst präzise Beschreibung und die Einbindung von im Idealfall fünf Bildern bieten die besten Vorraussetzungen, Interessenten zu gewinnen und das Auto zu verkaufen. Statistiken belegen: So finden jeder dritte PKW und jedes zweite Motorrad, das von einem Privatverkäufer inseriert wird, zeitnah einen Käufer. Viele Angaben zu den Fahrzeugdetails kann man bei der Inseratseingabe direkt aus dem Fahrzeugschein übernehmen. Experten empfehlen, auf Abkürzungen wie SSD (Stahlschiebedach) oder ZV (Zentralverriegelung) möglichst zu verzichten. Wer ein Auto neu einstellt, sollte vor allem in den ersten Stunden nach der Inseratseröffnung erreichbar sein. Studien zufolge erfolgen zu dieser Zeit die meisten Nachfragen.
- Preis prüfen
Wer eine ungefähre Vorstellung vom Wert eines Fahrzeuges haben möchte, kann sich unter www.dat.de Link zu: www.dat.de bei der Deutschen Automobil Treuhand GmbH oder bei vielen Online-Börsen einen ersten Eindruck verschaffen. Handeln ist übrigens auch bei Online-Anzeigen erlaubt.
- Auktion oder Festpreis
Wer sich auf Inserate konzentriert (beispielsweise autoscout24.de Link zu: autoscout24.de) schließt den Handel im Direktkontakt mit dem Anbieter ab. Per Mausklick kauft, wer bei Auktionen oder Festpreisgeboten bietet. Auch bei Marktplätzen wie eBay Motors (www.ebay.de Link zu: www.ebay.de) sollte vor dem Kauf keinesfalls auf eine Besichtigung des Fahrzeugs verzichtet werden. Beim Auktionsverkauf sollte man auf einen Mindestpreis achten. Denn nur wer einen Mindestpreis festlegt, unter dem er den Wagen nicht verkaufen will, kann sicher sein, dass das Auto nicht für weniger Geld als erwartet über den Tisch geht. Auktionen eignen sich vor allem für seltene Wagen und Enthusiasten-Fahrzeuge.
Händler oder Privatverkäufer?
Der wesentliche Unterschied liegt in der Gewährleistung. Privatverkäufer dürfen diese ausschließen, im Allgemeinen gilt dann "gekauft wie gesehen." Dafür sind vergleichbare Fahrzeuge von privat meist etwas günstiger als beim Händler. Händler müssen grundsätzlich Gewährleistung geben. Weicht ein Händler bestimmten Fragen (Laufleistung, Unfallhistorie) aus oder will er diese Punkte nicht in den Vertrag aufnehmen, ist Vorsicht geboten.
Besichtigung und Probefahrt
Besichtigung und Probefahrt gehören zum Kauf eines Autos dazu. Aufgrund der Anonymität im Internet ist jedoch besondere Vorsicht geboten. Der
ACE warnt vor obskuren Übergabe-Orten wie Tiefgaragen oder einsamen Plätzen. Überraschungen nach dem Kauf vermeidet auch, wer ein Wertgutachten (Kosten rund 250 Euro) oder einen Zustandsbericht (Kosten 50 bis 90 Euro) über das Fahrzeug anfertigen lässt. Die örtlichen Werkstätten oder Autoclubs helfen hier weiter.
Papiere zu Vertrag und Kaufabschluss
Bei der Übergabe müssen Fahrzeugbrief und Fahrzeugschein oder Abmeldebescheinigung vorhanden sein. Wer ein Auto kauft, das älter ist als drei Jahre, braucht die
AU-Bescheinigung für die Ummeldung.
Bezahlung
"Auf keinen Fall eine Vorauszahlung leisten. Auch bei Anzahlungen sollte man äußerst vorsichtig agieren", warnt Rainer Hillgärtner. Bargeldtransfer-Dienste eigen sich nicht für Transaktionen mit Unbekannten. Üblich ist eine Zug-um-Zug-Abwicklung, also Geld gegen Fahrzeug und Papiere.
Überblick über ausgewählte Online-Börsen
Lena Stenz, Eva Blumenfeld, aktualisiert Januar 2008.
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