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Beruf + Karriere

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Sabbatjahr: Die Auszeit vom Job

Abbildung: Liegestuhl
Der Berufsalltag wird immer schneller, der Konkurrenzkampf immer größer. Viele Arbeitnehmer kommen mit dem Druck nicht klar oder fühlen sich überlastet. Das sogenannte Burn-Out-Syndrom ist keine Seltenheit. Darüber hinaus kommen das Familienleben und die Zeit für Hobbies und Reisen meist viel zu kurz. Dadurch können Mitarbeiter die Motivation und Freude an der Arbeit verlieren . Um dieser Problematik entgegenzuwirken, genehmigen einige Firmen ihren Mitarbeitern eine Auszeit vom Job, das sogenannte Sabbatjahr. Die Nachfrage nach der Auszeit ist bei den Arbeitnehmern durchaus vorhanden: 38 % aller Deutschen würden sich laut einer Forsa-Umfrage gerne für einige Zeit aus dem Job ausklinken. Unter Managern und Führungskräften beträgt die Quote sogar 69 %, wie eine Studie der Personalberatung Heidrick & Struggles im April 2009 herausfand.

Dennoch ist die Bereitschaft der Unternehmen zu solchen Regelungen in Deutschland noch relativ gering. "Das Sabbatjahr ist bislang ein in Deutschland - zumindest in der Privatwirtschaft - wenig praktiziertes Arbeitszeitmodell. Es ist allerdings zu erwarten, dass die Nachfrage in den kommenden Jahren steigen wird", sagt Rechtsanwalt Dr. Jobst-Hubertus Bauer von der Kanzlei Gleiss Lutz in Stuttgart. Berechnungen des Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Instituts (WSI) der Hans-Böckler-Stiftung aus dem Jahre 2001 ergaben, dass lediglich 2,6 % der deutschen Unternehmen ihre Mitarbeiter ein entsprechendes Angebot wahrnehmen ließen. Dabei war besonders die Betriebsgröße entscheidend: Während 16,4 % der Beschäftigten in einem Unternehmen mit über 500 Mitarbeiter ein Sabbatjahr nehmen konnten, waren es bei Betrieben mit 20-199 Angestellten lediglich 5,8 %.

Was das Sabbatjahr ist

Das Sabbatjahr oder auch Sabbatical ist eine meist drei- bis zwölfmonatige Auszeit vom Job. "Einen gesetzlichen Rechtsanspruch auf ein Sabbatjahr gibt es nicht", sagt Bauer. Einige Unternehmen genehmigen ihren Angestellten jedoch freiwillig diese Auszeit. Das Sabbatjahr kann als unbezahlter Urlaub stattfinden oder vom Arbeitgeber mitfinanziert werden. Wie die bezahlte Variante funktioniert erklärt Arbeitsrechtsexperte Bauer: "Der Arbeitnehmer arbeitet zunächst bei gleicher Arbeitszeit zu reduzierter Vergütung. Für die Reduzierung der Vergütung werden dem Arbeitnehmer auf einem Arbeitszeitkonto Stunden gutgeschrieben. Während des Sabbatjahres wird er dann von der Arbeit freigestellt, erhält aber weiter Vergütung." Beim bezahlten Sabbatjahr übernimmt der Arbeitgeber die Sozialversicherungsbeiträge. Ob und wie alle sonstigen Versicherungen während der Auszeit weiter laufen, muss immer im Einzelfall geklärt werden, da dies von verschiedenen Faktoren abhängt. "Nach Ende des Ruhezeitraums lebt das Arbeitsverhältnis automatisch wieder auf und der Arbeitnehmer muss wieder beschäftigt und bezahlt werden", sagt Bauer.

Das Sabbatjahr wird meist für Reisen um die Welt, Arbeiten am Haus, Entspannungsurlaube, Aufenthalten in Klöstern oder Weiterbildungen genutzt. Das geht aus einer Studie der Universität Bremen aus dem Jahr 2004 hervor, bei der 100 Anwender des Sabbatjahrs befragt wurden. Darüber hinaus war den Ergebnissen zu entnehmen, dass viele Berufstätige das Sabbatical als Reaktion auf eine "sonst nicht lösbare Notsituation" etwa im Bereich der Familie oder der Gesundheit nehmen. Sehr oft mussten die Arbeitnehmer den Wunsch nach einem Sabbatjahr gegen die Kritik von Vorgesetzten, Mitarbeitern und aus dem privaten Umfeld verteidigen.

Ablauf und Vorbereitung eines Sabbatjahres

Bei der Umsetzung eines Sabbatjahres sollten Beschäftigte und Arbeitgeber einige Punkte beachten. Für Lehrkräfte gibt es feste Anträge mit verschiedenen Realisierungsmodellen. Für andere Beamte können abweichende Vorschriften gelten und in der freien Wirtschaft wird die Vereinbarung zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmer frei ausgehandelt. Hierbei ist es für den Beschäftigten wichtig, weit im Voraus mit seinem Chef das Thema Sabbatical zu besprechen, damit dieser langfristig planen kann. Außerdem benötigt der Arbeitnehmer viel Vorlauf, um sich ein Zeit- oder Entgeltpolster anzulegen. Beide Seiten sollten die getroffene Regelung für die Realisierung des Sabbatjahres schriftlich festhalten. In dieser Vereinbarung sollen auch folgende Punkte festgelegt werden:
  • Dauer des Sabbatjahres
  • Art und Weise der Zeitansparung
  • Regelung zur Bezahlung
  • Rückkehr an den Arbeitsplatz
  • Ausschluss oder Anrechnung von Krankheitstagen während der Blockfreizeit auf das Zeitguthaben
  • Kündigungsausschluss während der Abwesenheit (eine Vertragsauflösung von Seiten des Unternehmens aus betrieblichen Gründen ist auch während des Sabbatjahres möglich)
  • Insolvenzsicherung des Arbeitszeitkontos (falls die Firma während der Auszeit insolvent wird)

Was das Sabbatjahr dem Unternehmen bringt

Auf den ersten Blick wird man sich als Chef fragen, warum man einem Mitarbeiter eine Auszeit gewähren soll - womöglich auch noch bezahlt. Doch für das Sabbatical sprechen viele Gründe. Besonders stark gestresste Mitarbeiter, die gefährdet sind das Burn-Out-Syndrom zu bekommen, können durch eine Auszeit neue Kraft und Motivation für den beruflichen Alltag tanken. Nach Expertenmeinung ist auch die Reintegration des Angestellten in das Unternehmen meist kein großes Problem - sofern die Auszeit nicht länger als ein Jahr dauert. Ein Sabbatjahr bedeutet nicht zwangsläufig, dass der Mitarbeiter die ganze Zeit auf der faulen Haut liegt und sich entspannt. Die Auszeit wird sehr oft auch für Weiterbildungsmaßnahmen genutzt, wovon im Endeffekt auch das Unternehmen profitiert.

Nicht zu vernachlässigen ist auch der Aspekt, dass ein Unternehmen durch solche Blockfreistellungsmodelle konjunkturbedingte Rückgänge in der Nachfrage abfedern kann, ohne Mitarbeiter zu entlassen oder Kurzarbeit anzumelden. Zusätzlich kann das Anbieten solcher Auszeiten auch beim Konkurrieren mit anderen Unternehmen um qualifizierte Fachkräfte hilfreich sein. Schließlich kann die Aussicht auf ein Sabbatjahr durchaus ein Argument dafür sein, dass sich ein Jobsuchender gerade für diese Firma entscheidet. Dies haben bereits einige Unternehmen in Deutschland erkannt. Aus einer Studie der Marktforschung Lünendonk im März 2009 ging etwa hervor, dass 38,5 Prozent der IT-Unternehmen den Mitarbeitern in spe eine Auszeit vom Job in Aussicht stellen.

J. Ollenik, aktualisiert Juni 2012
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