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Beruf + Karriere

Karrieretipps

Sabbatjahr: Raus aus dem Arbeitsalltag

Abbildung: Liegestuhl
Ein Jahr nicht arbeiten und sich stattdessen weiterbilden, um die Welt reisen, Zeit mit der Familie verbringen. Was wie ein Traum klingt, kann für Arbeitnehmer Wirklichkeit werden: das Sabbatjahr oder Sabbatical, wie es im Englischen heißt. Dieses Arbeitszeitmodell für einen längeren Sonderurlaub stammt aus den USA. Ursprünglich hatten Professoren an US-amerikanischen Universitäten damit die Möglichkeit, sich ein Jahr lang ungestört der Forschung zu widmen. Später entdeckte auch die Wirtschaft dieses Konzept für sich, wonach Mitarbeiter sich mit Überstunden oder Lohnverzicht einen Freizeitanspruch aufbauen können. Dieser kann an einem Stück genommen werden und ergibt dann das Sabbatjahr - das Einkommen bleibt die gesamte Auszeit hinweg konstant. Dabei muss das Sabbatjahr kein ganzes Jahr umfassen, die Dauer wird individuell festgelegt.

Bei den Deutschen ist diese Pause vom Job beliebt - Tendenz steigend. Fast die Hälfte der Bundesbürger (49,1 Prozent) würde gern zeitlich befristet aussteigen. Das hat eine Studie der Hotelkette Hilton aus dem Jahr 2014 ergeben. Knapp 44 Prozent der Befragten geben Arbeitsstress als Grund an, ebenfalls 44 Prozent wollen mehr und länger reisen. Ein Großteil der Befragten glaubt, dass sie nach einer solchen Auszeit ausgeruhter (52,6 Prozent), motivierter (37,1 Prozent) und produktiver (35,2 Prozent) ihre Arbeit wieder aufnehmen würden.

Verschiedene Varianten des Sabbatjahrs

Zwar sind die drei- bis zwölfmonatigen Auszeiten vom Job beliebt und werden von deutschen Arbeitnehmern immer häufiger genutzt - einen gesetzlichen Anspruch darauf haben sie allerdings nicht. Viele Unternehmen genehmigen ihren Angestellten jedoch freiwillig ein Sabbatjahr.

Grundsätzlich gibt es zwei Varianten des Sabbatjahrs: Es kann als unbezahlter Urlaub genommen oder vom Arbeitgeber mitfinanziert werden. Im letzten Fall erbringt der Arbeitnehmer zunächst die gleiche Arbeitsleistung - jedoch bei reduziertem Gehalt. Im Gegenzug werden dem Arbeitnehmer auf einem Arbeitszeitkonto Stunden gutgeschrieben. Während des Sabbatjahrs wird er dann von der Arbeit freigestellt, erhält aber weiter Gehalt.

Handelt es sich beim Sabbatjahr um unbezahlten Urlaub, muss der Arbeitnehmer selbst für Kranken-, Renten- und Arbeitslosenversicherung sorgen. Ist die Auszeit beendet, wird das Arbeitsverhältnis automatisch wieder aufgenommen und Lohn gezahlt.

Vorbereitung ist das A und O

Bei der Umsetzung eines Sabbatjahrs sollten Beschäftigte und Arbeitgeber einige Punkte beachten. Für Lehrkräfte gibt es feste Anträge mit verschiedenen Realisierungsmodellen. Für andere Beamte können abweichende Vorschriften gelten. In der freien Wirtschaft funktioniert ein Sabbatical nach den Regeln, die Arbeitgeber und Arbeitnehmer miteinander aushandeln.

Für die Beschäftigten kann es daher von großem Vorteil sein, frühzeitig mit der Planung zu beginnen und das Gespräch mit dem Chef zu suchen. Denn nicht nur Arbeitnehmer benötigen ein wenig Vorlauf, um etwa finanziell planen zu können. Auch Arbeitgeber müssen sich überlegen, wie sie ohne ihren Angestellten zurechtkommen. Beide Seiten sollten die getroffene Regelung für die Realisierung des Sabbatjahrs schriftlich festhalten. Diese Vereinbarung sollte folgende Punkte regeln:

  • Dauer des Sabbatjahres
  • Art und Weise der Zeitansparung
  • Regelung zur Bezahlung
  • Rückkehr an den Arbeitsplatz
  • Ausschluss oder Anrechnung von Krankheitstagen während der Blockfreizeit auf das Zeitguthaben
  • Kündigungsausschluss während der Abwesenheit (eine Vertragsauflösung von Seiten des Unternehmens aus betrieblichen Gründen ist auch während des Sabbatjahres möglich)
  • Regelung für den Todesfall (angespartes Guthaben wird an die Erben ausgezahlt)
  • Insolvenzsicherung des Arbeitszeitkontos (falls die Firma während der Auszeit insolvent wird)

Auch ein Vorteil für Unternehmen

Ganz gleich, ob sie sich um pflegebedürftige Familienmitglieder kümmern oder fremde Länder bereisen - für Arbeitnehmer liegen die Vorteile eines Sabbaticals auf der Hand. Was aber haben Unternehmen davon? Sie erhalten im besten Fall gut erholte und um wichtige Erfahrungen reichere Mitarbeiter zurück - davon können Firmen profitieren und idealerweise einen Wettbewerbsvorteil erringen. Auch wirken Sabbatjahre präventiv. Etwa wenn ein Arbeitnehmer erste Anzeichen eines Burnout-Syndroms aufweist und droht, komplett auszufallen. So zählt die Weltgesundheitsorganisation beruflichen Stress zu den größten Gefahren des 21. Jahrhunderts. Da kann es für Arbeitnehmer und Arbeitgeber eine Lösung sein, die Reißleine zu ziehen und nach dem Sabbatjahr einen erholten und leistungsstarken Mitarbeiter zurückzuerhalten.
Ela Orth, aktualisiert Dezember 2014
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