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R+V-Ratgeber Altersvorsorge (Quelle: Thinkstock)

Altersvorsorge

Gesetzliche Rente

Ist Ihr Rentenkonto lückenlos?

Hartmut S. ist 41 Jahre alt und Vater von 2 Kindern. Um seiner Familie einen angemessenen Lebensstil zu gewährleisten, übt er neben seinem Beruf einen Teilzeitjob und einen Minijob aus. Da bleibt wenig Zeit für die schönen Dinge im Leben und noch weniger für die unangenehmen. Auf die Frage nach der Kontoklärung für die Rentenversicherung antwortet er: "Bis zur Rente dauert es ja noch so lange. Für den ganzen Papierkram habe ich jetzt keine Zeit."

Doch allzu lange sollte Hartmut S. nicht mit seinem Antrag auf die Kontoklärung bei der Deutschen Rentenversicherung warten, denn seine Erwerbsbiografie ist erheblich bunter als die von Arbeitnehmern früherer Generationen. Wie war das etwa mit dem Studentenjob als LKW-Fahrer? Existiert die Firma überhaupt noch? Hat man eigene Unterlagen? Was war mit dem ersten festen Arbeitsplatz? Wie lange hat man da eigentlich gearbeitet? War man anschließend nicht ein paar Monate arbeitslos? Hat man sich in dieser Zeit vielleicht um den eigenen Nachwuchs gekümmert?

Möglichst früh Details abklären

Abbildung: Gesprächssituation (Quelle: Thinkstock)
Je älter man wird, desto schwieriger wird es einem fallen, all diese Fragen zu beantworten. Und je länger man die Sache vor sich herschiebt, umso aufwendiger wird es, die versicherungsrelevanten Zeiten mit Unterlagen zu belegen. Wartet man zu lange, kann es schwierig werden, Fehler im Rentenbescheid festzustellen und ändern zu lassen. Hartmut S. hat aber ohnehin nicht mehr lange Zeit, sich freiwillig um sein Rentenkonto zu kümmern. Denn wenn er das 43. Lebensjahr vollendet hat, wird der Rentenversicherungsträger automatisch auf ihn zukommen und die Unterlagen für eine Kontoklärung von ihm anmahnen, sofern bis dahin in früheren Jahren noch keine Kontoklärung erfolgt ist.

Benno Grebe, Rentenexperte von der Deutschen Rentenversicherung Braunschweig-Hannover, rät dazu, sich schon wesentlich früher als mit 43 Jahren mit der Klärung des Rentenkontos zu beschäftigen. "Anfang Dreißig – das ist zwar noch weit weg von der Rente, aber trotzdem das richtige Alter, um sich mit seinem Rentenkonto zu beschäftigen", sagt er. Denn in fast jeder Versicherungsbiografie gebe es irgendwelche Lücken, die später bares Geld kosten könnten. Grebe nennt die wichtigsten Gründe:

  • Die Rentenversicherung bekommt nicht alle für die Rente wichtigen Informationen automatisch ins Haus. Deshalb sind Schul- und Ausbildungszeiten, aber auch Arbeitslosigkeit, Beschäftigungszeiten im Ausland oder Kindererziehungszeiten nicht immer vollständig erfasst.
  • Es gibt Fehler bei den vom Arbeitgeber gemeldeten Beschäftigungszeiten oder beim Verdienst.
"So werden aus 31.000 EUR Jahresverdienst durch einen Zahlendreher schnell mal nur 13.000 EUR. Oder statt des Datums 12.1. steht dort der 1.12. Damit fallen glatt elf Monate Versicherungszeit unter den Tisch", sagt Benno Grebe. Fehler sollten mit der Rentenversicherung so bald wie möglich geklärt werden, empfiehlt der Rentenexperte. "Auch wenn man meint, das Thema Rente habe noch Zeit: Später kann es unter Umständen schwierig werden, die notwendigen Belege für eine Korrektur des Rentenkontos zu besorgen."

Rentenkonto und Versicherungsverlauf

Das Rentenkonto wird für jeden Versicherten beim zuständigen Rentenversicherungsträger verwaltet. Nur ein vollständiges Rentenkonto sichert den maximalen Rentenanspruch und gibt zuverlässig Auskunft über die tatsächliche Höhe der späteren Rente. Wird das Rentenkonto bereits frühzeitig auf den neusten Stand gebracht, erleichtert dies den Übergang in die Rente und beugt möglichen Verzögerungen vor.

Antragsformulare für die Rentenkontoklärung erhält man bei den jeweiligen Rentenversicherungsträgern oder zentral bei der Deutschen Rentenversicherung. Die Antragsformulare kann man schriftlich und telefonisch beantragen oder von den Webseiten der Versicherungen herunterladen. Das "Komplettpaket Kontoklärung" Link zur Internetseite der Deutschen Rentenversicherung
www.deutsche-rentenversicherung.de
enthält alle Antragsvordrucke und Fragebögen, die zur Klärung rentenrechtlich relevanter Zeiten benötigt werden.

Darüber hinaus können bei den Rentenversicherungsträgern die bereits bekannten Versicherungsdaten angefordert werden. So kann man den derzeitigen Stand des Versicherungsverlaufs, Link zur Internetseite der Deutschen Rentenversicherung
www.deutsche-rentenversicherung.de
wie er dem Rententräger bekannt ist, mit dem tatsächlichen Verlauf abgleichen und eventuelle Lücken schließen.

Für die Zeiten, die im Versicherungsverlauf noch nicht vermerkt sind, muss man beglaubigte Nachweise besorgen, die den Anspruch untermauern. So braucht man beispielsweise Belege von der ehemaligen Schule oder Fachhochschule, wenn man diese nach dem 17. Lebensjahr besucht hat. Zeiten von Wehr- oder Ersatzdienst müssen mit Dokumenten belegt werden, falls diese noch nicht im Versicherungsverlauf aufgeführt sind. Kann man sich von einer ehemaligen Arbeitsstelle keinen Nachweis mehr besorgen und hat auch selbst keine Unterlagen mehr zum damaligen Arbeitsverhältnis, so kann man versuchen über die Krankenkasse Daten aus der damaligen Zeit zu ermitteln. Auch der Rentenversicherungsträger ist verpflichtet, bei Zweifelsfällen Ermittlungen anzustellen, um den Rentenanspruch des Versicherten zu sichern. Hierzu kann es nötig sein, eine eidesstattliche Versicherung über die jeweilige Tätigkeit abzugeben.

Die häufigsten Stolpersteine

Nach Angaben des Versicherungsamts Wolfsburg fehlen neben den Zeiten für Schul- und Hochschulausbildung oft auch Nachweise für die Berufsausbildung. Auch die Zeiträume für Kindererziehungszeiten, die zur Zeit bis zum 10. Lebensjahr der Kinder relevant sein können, sind auf dem Rentenkonto oft nicht vorhanden. Außerdem gibt es zahlreiche Spezialfälle, wie Sperrzeiten nach Beginn der Arbeitslosigkeit oder Vorschriften für die Berechnung der Zeiten für Umschulungsmaßnahmen. Sprachkurse für Spätaussiedler können als versicherungsrelevante Zeiten gelten.

Hinweis: Besondere Aufmerksamkeit ist den Beschäftigungszeiten vor 1992 im Beitrittsgebiet (DDR) zu widmen. In der ehemaligen DDR erfolgte keine maschinelle Speicherung der Entgelte. Darüber hinaus endete hier die Aufbewahrungsfrist für staatliche Unterlagen über Arbeitsverhältnisse und Löhne am 31.12.2011. Seit diesem Zeitpunkt ist es für Betroffene sehr schwierig geworden, die relevanten Beitragsjahre mit Dokumenten zu belegen.

Bei Arbeitnehmern, die in verschiedenen Staaten gearbeitet haben und auch dort versicherungspflichtig waren, wird die Rentenkontoklärung noch komplizierter. Jeder Staat hat seine eigenen Vorschriften. Man sollte daher schon möglichst früh bei den jeweils zuständigen Versicherungsträgern der Staaten, in denen man als Arbeitnehmer tätig war, seine Ansprüche geltend machen. Hierbei ist zu beachten, dass im Ausland ein anderes Renteneintrittsalter gilt als in Deutschland. Um hier keine finanziellen Nachteile zu erleiden, sollte man die jeweiligen Fristen für den Rentenantrag recherchieren.

Der Rentenversicherungsbescheid

Nachdem man den Antrag und die Nachweise eingereicht hat, entscheidet der Rentenversicherungsträger, welche Zeiten er in den Versicherungsverlauf mit aufnimmt. Daraufhin wird ein Bescheid erlassen, der die Zeiten, die mehr als sechs Jahre zurückliegen, für verbindlich erklärt. Verbindlich heißt jedoch nicht, dass man nicht im Nachhinein noch Lücken im Versicherungsverlauf füllen kann. Wenn man in der Zukunft neue Unterlagen beibringen kann, die diese Zeiten belegen, darf man diese selbstverständlich nachträglich einreichen. Auch kann bereits nach Erhalt des Bescheides Widerspruch eingelegt werden, wenn man beweisen kann, dass dort Fehler enthalten sind.

Link zu den Antragsformularen für die Rentenkontoklärung

Das "Komplettpaket" zur Kontenklärung finden Sie im Internetauftritt der Deutschen Rentenversicherung:
S. Nies, aktualisiert Februar 2014
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