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Nicht nur im Herbst: Sturmschäden in Deutschland nehmen zu

Schwere Sturmschäden in Deutschland sind nichts Ungewöhnliches mehr. Orkane, wie 2007 Kyrill, sorgen für Schäden in Millionenhöhe. Aber wie entsteht eigentlich solch ein Sturm, und ab welcher Windstärke zahlt die Versicherung einen möglichen Schaden?

Sturmschäden sind in Deutschland die größte Unwettergefahr

Sie verursachen die meisten Kosten – mehr als etwa Blitzeinschläge oder Hochwasser. Denn ein Sturm kann ein großes Zerstörungspotenzial haben.

Das Naturphänomen tritt zu jeder Jahreszeit auf: Sowohl im Herbst und Winter als auch bei Sommergewittern. Oft wird der Sturm von starkem Regen begleitet.

Sturmschäden in Deutschland entstehen an Wohnhäusern, in Gärten, an Fahrzeugen – und leider trifft es auch immer wieder Personen, die zu Schaden kommen.

Wie entsteht ein Sturm?

Ein Sturm ist eigentlich nicht mehr als ein Druckausgleich in der Atmosphäre – aber mit enormen Kräften. Er entsteht so: Die Sonneinstrahlung erhitzt die Luft in der Atmosphäre unterschiedlich stark. Die stärker aufgewärmte Luft dehnt sich aus und steigt nach oben. Sie erhöht dadurch dort den Luftdruck. Kühlere Luft sinkt dagegen nach unten und sorgt hier für höheren Luftdruck. Daher spricht man von Hochs und Tiefs.

Um die Druckunterschiede auszugleichen, strömt die Luft von Gebieten mit hohem Luftdruck zu solchen mit niedrigerem Luftdruck. Je größer die Druckunterschiede sind, desto schneller vollzieht sich der Druckausgleich. Es entsteht Wind oder Sturm.

Wenn es kracht, wird es stärker krachen. Möglicherweise auch häufiger,

prophezeite 2015 ein Experte des Deutschen Wetterdienstes.

Klimawandel trägt dazu bei

Extreme Wetterlagen wie Orkane oder Starkregen werden durch den Klimawandel künftig auch in Deutschland regelmäßiger auftreten.

Beaufort-Skala: Windstärke 0 (Windstille) bis 12 (Orkan)

Windstärken: Wann gilt ein Wind als Sturm?

Meteorologen klassifizieren die Windstärke nach der Beaufort-Skala. Bei einer Windgeschwindigkeit von 62 bis 74 km/h (Windstärke 8) sprechen Meteorologen von „stürmischem Wind“, bei einer Windgeschwindigkeit von 75 bis 88 km/h (Windstärke 9) von einem Sturm. Ein Orkan beginnt bei einer Windgeschwindigkeit von 117 km/h. „Kyrill“ brachte es 2007 in Böen auf Spitzengeschwindigkeiten von 225 km/h.

Hohe Kosten bei Sturmschäden in Deutschland

Besonders gefährdet sind Häuser, die auf Anhöhen, Bergkuppen, Hanglagen oder auf freier Fläche stehen. Wenn der Sturm tragende Elemente beschädigt, kann das Gebäude sogar einstürzen. Ebenfalls eine große Gefahr besteht für Häuser, die sich noch im Rohbau befinden oder gerade umgebaut werden. Ein Sturmschaden durch umgerissene Baugerüste kann dabei hohe Kosten verursachen. Dies gilt auch für Blumenkästen oder leichte Möbel auf Balkon oder Terrasse, wenn sie vom Sturm umgeweht werden.

Hausdächer sind häufig betroffen

Auch das Dach ist bei Sturm in Gefahr. Hier tritt ein Sturmschaden besonders häufig auf. Gefährlich sind vor allem heruntergewehte Dachziegel, die Autos beschädigen oder Passanten verletzen können. Im schlimmsten Fall kann der Sturm ganze Dächer abdecken.

Solche Schäden müssen sofort repariert werden, um weiteren Schaden zu verhindern. So sollten Bewohner beispielsweise undichte Stellen im Dach schnellstmöglich provisorisch schließen lassen, um Böden, Möbel und Geräte – etwa vor Regen – zu schützen.

Hausbesitzer und Mieter müssen Vorsorge treffen

Bei Sturmwarnung:

  • Rollläden an allen Fenstern komplett hochziehen oder herunterlassen, da halb geschlossene Rollläden durch starken Wind ausgehebelt werden können
  • Blumenkästen und leichte Möbel auf Balkon oder Terrasse sichern oder ins Gebäude stellen

Regelmäßig prüfen:

  • ob außen angebrachte Markisen, Satellitenschüsseln und Vordächer ausreichend befestigt sind
  • dass keine Dachziegel locker oder Dachrinnen, Regenfallrohre, Schneefanggitter lose oder verbogen sind
  • dass Schornsteinen keine Risse aufweisen
  • ob Befestigungen von Antennenanlagen, Blitzableitern oder Solarmodulen intakt sind

Gefahr durch morsche Äste

Bäume auf dem eigenen Grundstück bergen bei Sturm ein besonderes Risiko: Herabstürzende Äste oder ein komplett umkippender Stamm richten häufig Schäden an. Das kann Gebäude und Autos betreffen, aber auch Menschen, die sich während oder nach einem Sturm im Freien aufhalten. Dass bei einem Sturm Gefahr droht, kann der Grundstücksbesitzer schon vor einem Unwetter feststellen. Besonders anfällig für einen Sturmschaden sind nämlich frei stehende, alte und kranke Bäume.

Bäume vorbeugend kontrollieren

Mögliche Anzeichen, dass ein Baum erkrankt sein könnte:

  • abgestorbene Äste
  • dürres, trockenes Laub an einzelnen Ästen schon im Sommer
  • Löcher in einem Ast oder im Stamm, da diese Schlupflöcher für Schädlinge sein können
  • beschädigte Rinde, austretendes Harz, Risse oder faule Stellen
  • Pilzbefall am Stamm oder an den Wurzeln

So kann der Grundstückseigentümer Vorsorge gegen Baumschäden treffen:

  • umsturzgefährdete Bäume schnell sichern oder – wenn möglich und zulässig – fällen
  • morsche Äste entfernen
  • Bäume mindestens zweimal pro Jahr in belaubtem und unbelaubtem Zustand überprüfen
  • zusätzliche Überprüfung nach Stürmen
  • alte und kranke Bäume brauchen mehr Aufmerksamkeit als junge und gesunde Bäume
  • hohe Baumkronen rechtzeitig zurechtschneiden lassen, da sie dem Wind besonders ausgesetzt sind

Wer haftet für den Schaden?

Wurde die Verkehrssicherungspflicht erfüllt? Das ist die zentrale Frage bei der Klärung, wer für einen Sturmschaden haftet. Die Entscheidung kann davon abhängen, ob beispielsweise ein Baum allein durch einen Sturm entwurzelt oder umgeknickt wurde oder ob eine Vorschädigung des Baums das begünstigt hat. Ist letzteres der Fall und hätte der Besitzer bei einer vorherigen Prüfung den Schaden erkennen und beseitigen können, muss er für den entstandenen Sturmschaden aufkommen.

Prüfung durch Fachmann

Ob ein Baum noch standsicher oder bereits geschädigt ist, kann ein Hauseigentümer als Laie aber nicht immer erkennen. Die regelmäßige Prüfung sollte er deshalb bei ersten, verdächtigen Anzeichen von einem Fachmann vornehmen lassen. Ansonsten könnte der Hausbesitzer seine Verkehrssicherungspflicht nicht erfüllt haben. So entschied 2012 das Landgericht Magdeburg in einem Urteil.

Ähnlich liegt der Fall bei einem lockeren Dachziegel, der bei einem Sturm herabgefallen ist. Hat der Hauseigentümer die Dachziegel kurz zuvor von einem Fachmann überprüfen lassen, ist seine Verkehrssicherungspflicht erfüllt. Waren die Dachziegel vorher erkennbar locker oder wurde das Dach nicht ausreichend überprüft, muss der Hauseigentümer die entstandenen Schäden und Folgekosten bezahlen.

Gesetzliche Verkehrssiche­rungspflicht

Vorsorge gegen mögliche Sturmschäden zu treffen, ist kein Luxus und erst recht keine Zeitverschwendung. Hausbesitzer müssen dafür sorgen, dass sich ihr Haus immer in einem sichereren Zustand befindet, denn sie unterliegen der gesetzlichen Verkehrssicherungspflicht. Sorgen sie nicht dafür, können nach einem Sturmschaden hohe Schadenersatzforderungen auf sie zukommen.

Wann zahlt die Versicherung bei Sturmschäden in Deutschland?

Hauseigentümer oder Mieter haften immer dann für die Sturmschäden, wenn sie vorhersehbare Gefahrenstellen nicht rechtzeitig entschärft haben. Bei Mietern deckt in dem Fall die Privathaftpflichtversicherung die entstandenen Schäden ab. Bei Hausbesitzern ist es die Haus- und Grundeigentümerhaftpflichtversicherung. Versicherungsschutz bei einem Sturmschaden besteht normalerweise ab Wind der Windstärke 8, also „stürmischem Wind“.

Sturmschäden sofort der Versicherung melden

Wichtig ist, die Schäden sofort der Versicherung zu melden. Die Betroffenen sollten die beschädigten Gegenstände genau auflisten und fotografieren. Erst wenn die Versicherung sich ein Bild von den Schäden machen konnte und eine Reparaturfreigabe erteilt hat, sollten die Schäden beseitigt werden.

Welche Versicherung deckt welche Sturmschäden?

  • Haftet der Hauseigentümer für einen Sturmschaden, übernimmt die Haus- und Grundeigentümerhaftpflichtversicherung die entstandenen Kosten.
  • Verursacht etwa ein herabstürzender Blumenkasten eines Mieters einen Schaden, kommt dessen Privathaftpflichtversicherung dafür auf.
  • Die Wohngebäudeversicherung zahlt Sturmschäden am Gebäude und an fest mit dem Gebäude verbundenen Teilen. Voraussetzung dafür ist, dass in der Police Sturmschäden mitversichert sind.
  • Die Hausratversicherung ist zuständig für Schäden an Gegenständen, die sich in der Wohnung oder im Gebäude befinden: Etwa TV-Geräte, Möbel oder Vorhänge. Wer während des Sturms allerdings Fenster und Türen offen gelassen hat, hat fahrlässig gehandelt und geht möglicherweise leer aus.
  • Das Auto ist über die Teilkaskoversicherung versichert.
  • Zerstört der Baum des Nachbarn ein Garagendach, sollte der Besitzer den Schaden zunächst der eigenen Gebäudeversicherung melden. Diese führt dann gegebenenfalls bei der Haftpflichtversicherung des Nachbarn einen Regress durch.
  • Wenn jemand durch herabfallende Baum- oder Gebäudeteile verletzt wird, übernimmt die Krankenversicherung die Heilbehandlung. Zusätzliche Leistungen können über eine Unfallversicherung gedeckt sein.

Weitere Informationen zum Thema Sturm

Beaufort-Skala vorgestellt vom Deutschen Wetterdienst (DWD) zur Bestimmung der Windstärke.
Von der Flaute zum Orkan wie Wind entsteht beschreibt die ARD in ihrem Internetangebot.

Autor/in

K. Albrecht

Mai. 2017

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