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Mehr Flexibilität für Ihr Unternehmen durch Zeitarbeit

Mitarbeiter sind der größte Kostenfaktor und damit die wichtigste Stellschraube im Unternehmen. Je flexibler die Belegschaft bei Auftragsspitzen oder saisonalen Schwankungen angepasst werden kann, desto sicherer können Unternehmen wirtschaften. Wie funktioniert Leiharbeit und wie erkennt man eine seriöse Zeitarbeitsfirma?

Zeitarbeit: Raus aus der Nische

Seit 1972 wird die Arbeitnehmerüberlassung in Deutschland vom Gesetzgeber geregelt. Das Arbeitnehmerüberlassungsgesetz (AÜG) wird seitdem immer wieder auf den neuesten Stand der Marktentwicklungen gebracht, die jüngste Novelle trat am 1. April 2017 in Kraft. Auch wenn die Zeitarbeit wegen Lohndumpings immer wieder in die Kritik gerät, hat sie sich in den letzten Jahren zu einer festen Größe im Arbeitsmarkt entwickelt.

So funktioniert Leiharbeit

Umgangssprachlich ist die Arbeitnehmerüberlassung auch als Zeitarbeit, Leiharbeit oder Personalleasing bekannt. Sie beschreibt ein Arbeitsverhältnis, das zwischen drei Partnern zustande kommt:

  • dem verleihenden Arbeitgeber
  • dem dort fest angestellten Zeitarbeitnehmer
  • dem entleihenden Unternehmen

Der Zeitarbeiter erhält sein Gehalt sowie sämtliche Sozialleistungen von seinem Arbeitgeber. Dieser überlässt nur die Weisungsbefugnis für den Zeitarbeiter der entleihenden Firma. Basis hierfür ist das Arbeitnehmerüberlassungsgesetz (AÜG), das mit Branchentarifverträgen kombiniert werden kann. Von den Einnahmen durch den Verleih eines Arbeitnehmers muss ein Zeitarbeitsunternehmen folgende Kosten finanzieren:

  • Gehalt des verliehenen Arbeitnehmers
  • Arbeitgeberanteil für Sozialversicherung und Berufsgenossenschaft
  • Rücklagen für Urlaub, Krankheit und Phasen, in denen der Mitarbeiter nicht verliehen werden kann
  • Personalkosten für Disponenten, Lohnbuchhaltung und allgemeine Bürokosten (Miete, Strom usw.)

Zeitarbeit: Zahlen und Fakten

Drei Prozent aller Beschäftigten in Deutschland sind Leiharbeiter.

Im Juni 2016 gab es in Deutschland 1,006 Millionen Leiharbeitnehmer.

Die Mehrzahl der Zeitarbeitnehmer ist männlich und jünger. Personen ohne Berufsabschluss sind anteilig deutlich häufiger vertreten als bei den Beschäftigten insgesamt. Auch der Ausländeranteil ist in der Zeitarbeit höher (Quelle: Bundesagentur für Arbeit, Januar 2017):

Studie „Aktuelle Entwicklungen der Zeitarbeit“

Die zwei größten Zeitarbeitsfirmen in Deutschland sind Randstad und Adecco.

Mehr als 50 Prozent der Leiharbeitsverhältnisse dauern weniger als drei Monate.

In welchen Branchen werden Leiharbeiter am häufigsten eingesetzt?

Mehr als die Hälfte der Leiharbeiter übt eine Helfertätigkeit aus (alle Beschäftigte: jeder Fünfte), also eine Aufgabe mit vergleichsweise niedrigem Anforderungsniveau. Die wichtigsten Tätigkeitsfelder der Zeitarbeitnehmer sind (Stand Juni 2016):

  • Verkehr, Logistik, Sicherheit und Reinigung: 31 Prozent
  • Metall- und Elektrobranche: 28 Prozent
  • Übrige Fertigungsberufe, Landwirtschaft: 13 Prozent
  • Unternehmensorganisatorische Dienstleistungen: 8 Prozent
  • Gesundheit, Soziales Erziehung, Wirtschafts- und Geisteswissenschaften: 8 Prozent
  • Bau, Architektur, Naturwissenschaften: 7 Prozent
  • Kaufmännische Dienstleistungen, Tourismus: 5 Prozent

Grund hierfür ist, dass der Anteil von Ausländern und Personen ohne Berufsabschluss unter den Zeitarbeitern höher ist als bei den übrigen Beschäftigten. Unabhängig vom Bildungsabschluss ist die Zeitarbeitsbranche jedoch beständig auf der Suche nach neuen Arbeitskräften.

Wie erkennt man eine gute Zeitarbeitsfirma?

Leider verführen die Konditionen der Zeitarbeit immer noch verschiedene Anbieter zu unseriösen Angeboten. Deshalb sollten Sie bei der Wahl einer Zeitarbeitsfirma Folgendes beachten:

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Bruttoarbeitsentgelte in Euro insgesamt und von Leiharbeitnehmern (Quelle: Bundesagentur für Arbeit)

Zeitarbeit und Mindestlohn

Seit dem 1. Juni 2016 beträgt der gesetzlich festgelegte Mindestlohn für Leiharbeiter in den alten Bundesländern 9,00 Euro pro Stunde und in den neuen Bundesländern 8,50 Euro. Da in Deutschland Tarifautonomie herrscht, ist die Gestaltung des Arbeitsverhältnisses letztendlich durch den zuständigen Tarifvertrag geregelt, wobei diese Lohnuntergrenzen nicht unterschritten werden dürfen.

Trotzdem liegen die Bruttolöhne von Leiharbeitnehmern mit durchschnittlich 1.799 Euro monatlich deutlich unter dem aller anderen sozialversicherungspflichtig Vollzeitbeschäftigten mit 3.084 Euro (siehe Infografik).

Änderungen im Arbeitnehmer­überlassungs­gesetz zum 1. April 2017

Die jüngste Novelle des Arbeitnehmer­überlassungs­gesetzes (AÜG) gab es zum 1. April 2017. Die Änderungen sollen vor allem unlautere Zeitarbeitspraktiken durch folgende Maßnahmen erschweren:

  • Die Höchstdauer der Überlassung beim selben Entleiher wird auf 18 Monate beschränkt. Auf noch laufende Einsätze von Leiharbeitnehmern hat die Überlassungshöchstdauer vorerst keinen Einfluss.
  • Nach neun Monaten erhalten Leiharbeiter das gleiche Gehalt wie die Festangestellten des Entleihers, wenn sie in demselben Entleibetrieb arbeiten.
  • Leiharbeiter dürfen nicht als Streikbrecher eingesetzt werden. Allerdings dürfen Sie in einem bestreikten Betrieb arbeiten, wenn sie keine Tätigkeit von streikenden Beschäftigten ausführen.

Vorteile der Zeitarbeit für Arbeitgeber und Arbeitnehmer

Durch die Arbeitnehmerüberlassung können Unternehmen unabhängig von der Konjunktur wirtschaftlich arbeiten:

  • Gute Auftragslagen können voll ausgeschöpft werden.
  • Personalengpässe können abgefedert werden.
  • Zusätzliches Know-how kann kurzfristig zugekauft werden.
  • Die Stammbelegschaft wird entlastet.

Auch für die Arbeitnehmer bieten sich viele Vorteile durch die Anstellung bei einer Zeitarbeitsfirma:

  • Sie stellt ein Sprungbrett in die Erwerbstätigkeit dar.
  • Arbeitnehmer können so Berufserfahrung sammeln.
  • Unter Umständen ist die Anstellung ein Türöffner zu internationalen Konzernen.
  • Sozial- und Krankenversicherung sind gesichert.
  • Eine Gehaltsfortzahlung ist auch in Nichteinsatz-Zeiten garantiert.

Sprungbrett in die Arbeitswelt

Personaldienstleister haben sich – gerade vor dem Hintergrund des Fachkräftemangels – zu einem ernst zu nehmenden Partner auf dem Arbeitsmarkt entwickelt. Da die meisten Unternehmen nicht die Ressourcen haben, um aufwendige Bewerbungskampagnen zu bewältigen, überlassen sie diese Aufgabe immer häufiger den Zeitarbeitsfirmen. Denn in der Praxis tritt oft der sogenannte Klebeeffekt auf: Zeitarbeiter werden von den Firmen, von denen sie zuerst nur temporär eingestellt worden sind, als Festangestellte übernommen. Im Durchschnitt bleiben bis zu 20 Prozent der Zeitarbeiter auf diese Weise in einem Unternehmen „kleben“.

Dies ist ein Vorgehen, das sich auch für die Zeitarbeiter auszahlt: So nutzen viele Leiharbeiter eine vorübergehende Stelle, um in einer anderen Branche Fuß zu fassen. Durch die Zeitarbeit bekommen jedoch auch Arbeitskräfte eine Chance, die auf Basis der Stellenbeschreibung des Unternehmens durch das Raster gefallen wären. Dies kann durchaus den Weg zur Weiterbildung und höherer Qualifizierung ebnen und auch ein Weg sein, um dem Fachkräftemangel zu begegnen.

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Autor/in

K. Waldheim

Apr. 2017

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