1. Unternehmer

Frauen im Management

Von 4,1 Millionen Selbstständigen in Deutschland waren im Jahr 2008 nach Angaben des Statistischen Bundesamtes 1,29 Millionen oder rund ein Drittel Frauen. Im Jahr 2000 waren es noch knapp eine Million. Der Verband deutscher Unternehmerinnen hat ermittelt, dass Frauen vor allem in den Bereichen Dienstleistungen (41 Prozent) tätig sind. Ebenfalls beliebte Branchen sind Handel, Gastgewerbe und Verkehr (Taxi, Busunternehmen) mit zusammen 31 Prozent.

Frauen bei Firmengründungen unterrepräsentiert

Insgesamt beträgt die Selbst­ständigen­quote von Frauen nur 7,3 Prozent im Gegensatz zu 13,5 Prozent bei den Männern. Der KfW-Gründungs­monitor, der auf einer Selbst­einschätzung der Befragten beruht, zeigt allerdings, dass zwischen 2006 und 2008 die Neu­gründungen bei Frauen von 40,2 Prozent auf 41,4 Prozent anstiegen. Die Neugründungs­quoten von Männern entwickelten sich im selben Zeitraum rückläufig von 59,8 Prozent auf 58,6 Prozent. Nach Angaben des VdU steigt die Anzahl von Neugründungen durch Frauen somit seit mehreren Jahren kontinuierlich und dynamischer an, als die Anzahl der Gründungen durch Männer. Allerdings bleiben Vollerwerbs­gründungen, so der KfW-Gründungsmonitor, weiterhin mit 66,7 Prozent (2006 und 2008) eine hauptsächlich männliche Domäne.

Noch immer zu wenig Frauen in Führungspositionen

Die Zahl der Frauen, die ein Unternehmen führen oder freiberuflich tätig sind, hat sich in den letzten fünf Jahren nach Angaben des VDU erhöht. "Doch darf das nicht darüber hinweg täuschen, dass Frauen in Führungspositionen und Aufsichtgremien immer noch unterrepräsentiert sind, obwohl Frauen heute hervorragend qualifiziert sind", kommentiert die Präsidentin des Verbandes deutscher Unternehmerinnen, Petra Ledendecker, die aktuelle Lage. Deshalb fordert der VdU die stärkere Berücksichtigung von Frauen bei der Besetzung von Führungspositionen und eine Quote für den Anteil von Frauen in Aufsichtsgremien

Frauen in ausgewählten Bereichen besonders erfolgreich

"Frauen erreichen das gleiche Niveau in ihren Abschlüssen, wählen aber im Durchschnitt eher andere Studienfächer", sagt Annegret Warnecke, Vorstandvorsitzende der Vereinigung für Frauen im Management (FIM). Vor allem in technischen Fächern seien Frauen oft noch unterrepräsentiert. Sonja Bischoff, Professorin für Betriebswirtschaftslehre an der Hamburger Universität für Wirtschaft und Politik, hat ausgewertet, in welchen Geschäftsfeldern Frauen am häufigsten unternehmerisch tätig werden. Seit 1985 befragt Bischoff Unternehmerinnen und Frauen im Unternehmerstatuts, die in der Geschäftsführung sind oder Anteile an einem Unternehmen haben. Ihre 4. Studie "Männer und Frauen in Führungspositionen der Wirtschaft" erscheint im Herbst. "Die meisten Frauen sind im Bereich Finanzen, Rechnungswesen oder Controlling tätig", sagt Bischoff. Frauen hätten offenbar ein besonderes Gespür dafür, richtig mit Geld umzugehen. Das sei auch das Ergebnis von Befragungen der männlichen Kollegen: "Die Frauen können das einfach besser", sei eine häufig gegebene Antwort, berichtet Bischoff.

Teilzeit bevorzugt

"Frauen haben andere Prioritäten als Männer", sagt Bischoff. Frauen arbeiteten zeitlich weniger, verdienten aber auch weniger als Männer. "Seit 1986 haben Frauen im Unternehmerstatus kontinuierlich ihre Arbeitszeit verkürzt", sagt die Expertin. Während 1996 noch 40 % dieser Frauen unter 50 Stunden in der Woche gearbeitet hätten, waren das 1998 bereits 62 %. Mehr als 60 Stunden pro Woche hätten im Jahr 1998 nur 5 % der Frauen gearbeitet - im Vergleich zu 14 % im Jahr 1986. Derzeit wünschten sich mit rund 50 % der befragten Unternehmerinnen so viele Frauen wie noch nie eine Teilzeitposition, sagt Bischoff.

Familie oft wichtiger als Beruf

Bei Paaren erhalten Männer laut Warnecke nach wie vor in vielen Fällen das höhere Gehalt. Nicht zuletzt deshalb werde oft das traditionelle Familienmodell mit dem Mann als Ernährer gewählt, wenn sie in einer Partnerschaft Nachwuchs ansage. Dabei müssen Kinder kein Hinderungsgrund für erfolgreiche Unternehmerinnen sein: Nach einer Studie der Unternehmensberatung Accenture leben die viele beruflich erfolgreichen Frauen in einer Partnerschaft und haben Nachwuchs.

Familie für Unternehmerinnen besser mit Beruf vereinbar

Das deckt sich auch mit den Forschungsergebnissen von Sonja Bischoff. "Eine Unternehmerin kann Beruf und Familie besser als eine Angestellte unter einen Hut bringen", sagt sie. Für Angestellte herrsche ein gewisser Präsenzzwang am Arbeitsplatz. Als Unternehmerin könne sie viel Zeit selbstbestimmt verplanen und viel von zu Hause aus arbeiten. "Da kann Frau sich quasi nebenher auch noch um Familie und Haushalt kümmern", sagt Bischoff. Dass die Kinder dabei zu kurz kommen, habe keine Ihrer Untersuchungen ergeben. Ihren Ergebnissen zufolge habe die klassische, erfolgreiche Unternehmerin zwei Kinder. Trotz Doppelbelastung arbeiteten die meisten Unternehmerinnen zeitlich mehr als ihre angestellten Kolleginnen. Offenbar drücke sich hier die größere Verantwortung als Geschäftsführerin oder Geschäftsleitungsmitglied in einem höheren Engagement aus.

Gesellschaftlicher Wandel erforderlich

Um den Anteil der Unternehmerinnen zu steigern, ist nach Ansicht von Experten ein gesellschaftlicher Wandel erforderlich. "Wenn Frauen und Männer von der Bildung her schon auf dem gleichen Niveau sind, ist das ein gutes Zeichen", sagt Warnecke. In der Gesellschaft von heute aber würden Männer tendenziell eher dazu ermutigt, den Schritt in das Unternehmertum zu gehen. "Oft ist der Mann noch immer der Ernährer der Familie. Dadurch ergibt sich weiterhin eine gesellschaftliche Dynamik, die immer noch zu Gunsten von Männern wirkt", erklärt sie sich die anhaltende Dominanz der Männer. "Frauen sind besser als jemals in der Geschichte qualifiziert", ist Warnecke überzeugt. Sie könnten auch in technischen Berufen sehr gut sein, doch die Berufswahl hängt auch damit zusammen, was Frauen glauben zu können und was ihnen die Gesellschaft an Möglichkeiten zuspricht."

Mit mehr Mut zur Macht

"Wenn eine Frau in einem Unternehmen ganz nach oben kommen will, darf sie sich auf keinen Fall schnell unterkriegen lassen", sagt Petra Schubert, Bereichsleiterin und Partnerin der Beratungsfirma Kienbaum Management Consultants (www.kienbaum.de) im Geschäftsfeld Human Resources Management. "Um oben mitzumachen, braucht es eine ganze Portion Beharrlichkeit und Ausdauer", sagt die Expertin. Zudem hätten Frauen oft ein Problem mit der Selbstvermarktung und der Selbstdarstellung.

Die heutige Gesellschaft sei noch immer vom klassischen Rollenbild "Mann verdient, Frau bleibt zu Hause" geprägt. Männer definierten sich daher in einer Gruppe über die Rangfolge und seien so gewohnt, sich darzustellen. Frauen dagegen wollten vielmehr Teil einer Gemeinschaft sein und stellten ihr Licht öfter unter den Scheffel. Deshalb würden sie bei der Besetzung von Top-Positionen oft nicht beachtet.

"Es liegt nicht daran, dass die Männer die Frauen nicht da oben wollen. Vielmehr zeigen viele Frauen nicht deutlich genug, was sie können", sagt Schubert. Deshalb auch brauchen Frauen nach Ansicht von Warnecke Ermutigung. "Sie brauchen den Mut, auch Risiken einzugehen, das Bewusstsein, dass man an einem Fehler nicht stirbt", sagt Warnecke. Auch die Zuversicht, dass man schaffen kann, was man sich vornimmt, sei wichtig. So wie an akademischem Wissen könne an diesen Einstellungen gearbeitet werden. Vor allem im Umgang mit Macht könnten Frauen noch dazulernen, sagt Warnecke.

Nicht zu sehr an sich zweifeln

Wer als Unternehmerin Karriere machen möchte, solle sich selbst öfter in den Vordergrund bringen, empfiehlt Schubert. "Leistungen und Erfolge sollten offensiver präsentiert werden, das persönliche Vorankommen auch einmal eingefordert werden." Dabei müsse man aber darauf achten, sich selbst treu zu bleiben: "Man darf das Frausein nicht aufgeben. Viele Karrierefrauen werden fast übermännlich und übernehmen männliche Eigenschaften." Dabei sollten sich Frauen gerade bei wichtigen Entscheidungen auf ihre Intuition verlassen. Auch sollten Frauen versuchen, nicht immer sofort an sich selbst zu zweifeln, wenn etwas schief gehe. Oft liege der Grund des Scheiterns nicht an der Person sondern an den Umständen. "Damit tun sich Männer aber leichter", sagt Schubert. Frauen suchten den Grund für einen Fehlschlag zu oft und zu früh bei sich selbst.

Mangelndes Selbstvertrauen aber soziale Kompetenz

Vor allem mangelndes Selbstvertrauen sowie ein verzerrtes, aber durchaus verbreitetes Rollenbild macht auch Susanne Klöß, Geschäftsführerin bei der Beratungsgruppe Accenture (www.accenture.de) in Deutschland, als Erfolgshindernis für Frauen verantwortlich. Nach einer Accenture-Studie, einer Befragung von 83 Managerinnen aus Wirtschaft, Politik und Wissenschaft in Deutschland, Österreich und der Schweiz, streben erfolgreiche Frauen nicht nach Macht und werden von weiblichen Zielen motiviert. Frauen messen der Studie zufolge persönlichen Standards und Sinnanforderungen eine höhere Bedeutung bei, als der autoritären Gestaltung des beruflichen Umfelds. "Etwas Sinnvolles tun motiviert weibliche Talente offenbar mehr, eine Karriere anzustreben, als die Aussicht, mehr Macht zu erlangen," sagt Klöß.

Klarer Wille und Durchsetzungskraft ist wichtig

Zu den Führungsqualitäten erfolgreicher Frauen zählten vor allem Entschluss- und Durchsetzungskraft sowie strategische, kommunikative und analytische Fähigkeiten, Begeisterung für die Sache sowie Motivationsfähigkeit. Weniger wichtig sind der Umfrage zufolge Mut, Selbstdisziplin und Delegationsfähigkeit. "Frau muss vor allem resistent gegen Rückschläge sein und darf sich nicht selbst im Weg stehen", rät Klöß. Angehenden Unternehmerinnen rät Warnecke, sich ihr Geschäftsmodell sehr gut zu überlegen. "Sie müssen den Gang in das Unternehmertum wirklich und eindeutig wollen", sagt sie.

Quotenregelung nicht als Lösung anerkannt

Eine strikte Quotenregelung in Unternehmen sehen die befragten Top-Managerinnen nicht als guten Ansatz, die Situation zu verbessern. Vor allem eine Bereitstellung von Kindertagesstätten, ein kultureller Wandel und flexible Arbeitszeiten seien Grundvoraussetzung für einen höheren Anteil von Frauen im Management und unter Unternehmern. Aber auch Mentor-Programme (Rat gebende erfahrene Manager) und Frauennetzwerke können nach Ansicht der Top-Managerinnen zur erfolgreichen Karriere oder erfolgreichen Unternehmerin beitragen.

Mentoring

Große Veränderungen in der Karriere, schwierige Projekte und weitreichende Entscheidungen geben oft Anlass, den Rat altgedienter Manager einzuholen. So bekommt man eine Rückmeldung zu den Verhaltensweisen und eigenen Wahrnehmungen. Die Mentoren sind Führungskräfte aus dem eigenen oder einem fremden Unternehmen und bieten sich auf für Selbstständige als Hilfe an. Mentoring erfordert gegenseitiges Vertrauen. Im Idealfall arbeitet der Mentor nicht im gleichen Bereich wie die zu fördernde Person. Wichtig ist nach Ansicht von Experten dabei, dass bereits früh die Spielregeln, also die gegenseitigen Erwartungen und Ziele des Mentoring, geklärt werden. Auch Tabuthemen sollten definiert werden.

Netzwerke

Erfolgreiche Netzwerkerinnen haben ihre Karriereziele klar vor Augen und wissen genau, was sie wann wo machen möchten. Zum erfolgreichen Networking gehört es, aktiv auf Menschen zuzugehen. Netzwerker sind offen, interessieren sich für das Leben anderer, suchen im Gespräch nach Gemeinsamkeiten. So knüpfen sie schnell Kontakte und pflegen diese auch. Ein echter Networker geht gerne in Vorleistung und bietet seine Hilfe an. Dabei haben einige institutionelle Frauennetzwerke das Beziehungsmanagement professionalisiert. Sie fördern Karrieren von Frauen in Führungspositionen und bieten einen Erfahrungsaustausch an. Netzwerke - ob geschlechtsspezifisch oder gemischt - unterstützen ihre Mitglieder und bringen sie voran.

Externe Links zum Thema:

Netzwerke:

European Woman's Management Development: www.ewmd.org
Wirtschaftsjunioren: www.wjd.de

Mentorenanlaufstellen:

Young Business and professional Woman: www.bpw-germany.de
Expertinnen Beratungsnetz Hamburg: www.expertinnen-beratungsnetz.de

Autor/in

Eva Blumenfeld

Jan. 2009

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