1. Pflege

Pflegekosten: Vermögensfalle Pflegebedürftigkeit

Nur wenige Dinge im persönlichen Alltag sind so schwer plan- und kalkulierbar wie die Pflege. Und das, weil niemand weiß, ob und in welchem Maß eine Pflegebedürftigkeit eintritt und welche Kosten entstehen.

Sind beispielsweise die Kinder in der Lage, Vater und/oder Mutter zu betreuen, benötigen sie bei der Erledigung der alltäglichen Dinge vielleicht zusätzlich die Unterstützung eines ambulanten Pflegedienstes. Kann die Familie nicht einspringen, müssen Betreuung und Pflege gänzlich in die Hände professioneller Kräfte gegeben werden. Wobei in letzterem Fall zu entscheiden wäre, ob die Pflege zu Hause oder in einem Pflegeheim erfolgt.

Grundsätzlich beteiligt sich die gesetzliche Pflegeversicherung an den Kosten für die Versorgung eines Pflegebedürftigen – aber je nach Pflegestufe und Versorgungsart nur mit einem bestimmten Betrag. Die Differenz ist vom Pflegebedürftigen selbst zu tragen.

Wir zeigen Ihnen in drei Beispielen, welche Kosten entstehen können, welchen Teil davon die gesetzliche Pflegeversicherung übernimmt und welchen Teil der Pflegebedürftige aus eigener Tasche beisteuern muss.

Kostenbeispiel 1: Demenz mit Pflegestufe 0

Menschen mit eingeschränkter Alltagskompetenz (Pflegestufe 0), bei denen keine weitere Pflegestufe vorliegt, können pro Monat 123 EUR Pflegegeld oder bis zu 231 EUR für Sachleistungen durch Pflegedienste erhalten.

Wird der Pflegebedürftige zu Hause gepflegt, sind drei Optionen möglich, die unterschiedliche finanzielle Eigenleistungen zur Folge haben:

  1. Pflege ausschließlich durch Angehörige

    Wird die demente Person ausschließlich durch Angehörige oder andere Personen aus dem privaten Umfeld betreut, gewährt die gesetzliche Pflegeversicherung ein Pflegegeld in Höhe von 123 EUR im Monat.
  2. Pflege durch einen ambulanten Pflegedienst

    Bei einer Betreuung durch einen ambulanten Pflegedient übernimmt die gesetzliche Pflegeversicherung die Kosten bis zu einem Betrag von 231 EUR pro Monat.
  3. Eine Kombination aus privater Pflege und professioneller Unterstützung

    Ausgangspunkt ist die Höhe der durch zum Beispiel einen Pflegedienst abgerechneten Sachleistungen.
    • Schöpft dieser den Maximalbetrag von 231 EUR im Monat voll aus, können der Pflegebedürftige bzw. seine Angehörigen keine weiteren Leistungen aus dem Pflegegeld verlangen.
    • Liegt der abgerechnete Sachleistungsbetrag unter 231 EUR, gibt es die Differenz zwischen Auszahlungsbetrag und maximaler Sachleistung – allerdings nur den prozentualen Anteil. Klingt kompliziert, ist es aber nicht.
      Beispiele: Werden 50 % der Sachleistungen ausgeschöpft (die Hälfte von 231 EUR, also 115,50 EUR), überweist die gesetzliche Pflegeversicherung 50 % von 123 EUR Pflegegeld. Das sind 61,50 EUR. Zusammen zahlt die gesetzliche Pflegeversicherung also 177 EUR monatlich. Berechnet der Pflegedienst drei Viertel des Sachleistungsbetrags (173,25 EUR), zahlt die gesetzliche Pflegeversicherung auch nur ein Pflegegeld in Höhe von einem Viertel von 123 EUR – also 30,75 EUR. Dies ergibt zusammen pro Monat 204 EUR. Heißt auf den kurzen Nenner gebracht: Das (anteilige) Pflegegeld entspricht dem Prozentanteil der nicht in Anspruch genommenen Sachleistungen.

Die Kosten für die häusliche Pflege durch einen Pflegedienst und damit die (maximale) Kostenbelastung für die zu pflegende Person oder ihre Angehörigen sind kaum exakt ermittelbar. Dafür ist der Leistungskatalog zu groß. Angenommen, die Familie wünscht Unterstützung bei der Morgen- und Abendtoilette, bei der Nahrungsaufnahme und beim Gang zu WC, so zahlt sie dafür beispielsweise 1.200 EUR pro Monat. Dem gegenüber steht in diesem Szenario ein Sachleistungsbetrag von 231 EUR pro Monat und damit eine finanzielle Lücke in Höhe von 969 EUR monatlich.

Kostenbeispiel 2: Häusliche Pflege mit Pflegestufe II

Nicht jeder Pflegebedürftige möchte seine eigenen vier Wände gegen einen Heimplatz tauschen – zumal der gewünschte Platz im Pflegeheim nicht immer sofort verfügbar ist. Ein Pflegebedürftiger, der beispielsweise in Pflegestufe II eingruppiert ist und täglich umfangreiche Hilfe bei der Körperpflege und bei der Nahrungsaufnahme benötigt, muss mit monatlichen Kosten in Höhe von durchschnittlich 2.439 EUR rechnen. Von diesen übernimmt die gesetzliche Pflegeversicherung 1.144 EUR. Die finanzielle Lücke beläuft sich auf 1.295 EUR pro Monat bzw. 15.540 EUR im Jahr.

Kostenbeispiel 3: Pflegeheim mit Pflegestufe III

Im Durchschnitt kostet ein Pflegeheimplatz in Deutschland je nach Pflegestufe zwischen 2.492 und über 3.437 EUR pro Monat. Entscheidend für die Kosten sind der Aufwand für die Pflege, der je nach Pflegestufe zunimmt sowie die Ausstattung und Lage des Pflegeheims. Grundsätzlich gilt: Ein Pflegeheim in einer Großstadt ist in der Regel teurer als ein ländliches Heim; eine Seniorenresidenz mit gehobener Ausstattung ist teurer als ein normales Alten- und Pflegeheim.

Die durchschnittlichen monatlichen Heimkosten in Deutschland liegen in der Pflegestufe III bei 3.437 EUR. Davon übernimmt die gesetzliche Pflegeversicherung 1.612 EUR monatlich; das heißt: Mehr als die Hälfte der Gesamtkosten muss der Pflegebedürftige aus eigenen Mitteln beisteuern.

Fazit

Die tatsächlichen Kosten im Fall einer Pflegebedürftigkeit sind in der Regel deutlich höher als die Leistungen der gesetzlichen Pflegeversicherung. Es entstehen große Versorgungslücken, die mit dem eigenen Einkommen und Vermögen reduziert bzw. geschlossen werden müssen. Reichen die finanziellen Mittel des Pflegebedürftigen dafür nicht aus, ist er auf den Unterhalt von Angehörigen oder die Sozialhilfe angewiesen. Die Sozialämter prüfen allerdings genau, ob nahestehende Familienangehörige unterhaltspflichtig sind. Das können Ehe-, Lebenspartner, Kinder oder Eltern sein.

Schützen Sie sich deshalb vor den finanziellen Belastungen im Pflegefall. Die R+V-Pflegetagegelder ergänzen die Grundversorgung der gesetzlichen Pflegeversicherung und bieten einen Einkommens- und Vermögensschutz für Sie und Ihre Angehörigen.

Produktinformationen R+V Pflegetagegelder

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Autor/in

D. Gabriel und C. Hartmann

Dez. 2015

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