1. Gesund leben

Hörsturz und Tinnitus - Rebellion im Ohr

Ein ständiges Klingeln oder Rauschen im Ohr, das besonders in ruhigen Momenten unerträglich wird - das typische Symptom eines sogenannten Tinnitus. Dabei handelt es sich um ein störendes Ohrgeräusch, das meist nur vom Betroffenen selbst wahrgenommen werden kann. Wir geben Ihnen einen Überblick:

Das Ohrgeräusch ist nicht nur lästig, es ist auch ein Warnsignal des Körpers. Dieser sendet es unter anderem als Reaktion auf Stress aus. Zudem kann der Tinnitus das Symptom eines Hörsturzes sein. In jedem Fall ist Eile geboten, damit das Gehör nicht dauerhaft Schaden nimmt.

Tinnitus und Hörsturz im Vergleich

Ein Tinnitus ist ein störendes Ohrgeräusch, das in seiner Art, dem Verlauf und der Häufigkeit ganz unterschiedlich sein kann.

Merkmale des Ohrgeräuschsmögliche Ausprägungen
Art leises Brummen, lautes Pfeifen, Knacken oder Klopfen
Verlauf konstant, an- und abschwellend
Häufigkeit zeitweise oder permanent

Mediziner unterscheiden zwischen subjektivem Tinnitus, bei dem das Geräusch nur vom Betroffenen wahrgenommen wird, und objektivem Tinnitus, bei dem das Geräusch im Ohr nachgewiesen werden kann. Die meisten Betroffenen leiden an subjektivem Tinnitus.

Ein Hörsturz erfolgt meist durch eine Durchblutungsstörung im Innenohr, wobei die genauen Ursachen noch nicht abschließend erforscht sind. Der Betroffene kann plötzlich auf einem Ohr weniger oder kaum noch etwas hören. Begleitet wird der Gehörverlust oft durch Gleichgewichtsstörungen. In manchen Fällen tritt zusätzlich zum Hörsturz auch ein Ohrgeräusch auf, dann ist der Hörsturz meist die Ursache für den Tinnitus. In einigen Fällen kann der Tinnitus aber auch Vorbote eines Hörsturzes sein.

Ursachen von Tinnitus

Verschiedene Faktoren können einen Tinnitus auslösen. Dazu zählen unter anderem Durchblutungs- und Gerinnungsstörungen, Gefäßleiden, Erkrankungen der Halswirbelsäule sowie Entzündungen und Veränderungen der Ohren.

Bei Tinnitus kann aber oft keine genaue medizinische Ursache nachgewiesen werden. Auffällig ist jedoch, dass Tinnitus in den meisten Fällen bei stark gestressten Menschen auftritt. Das liegt daran, dass der Körper unter Stressbelastung vermehrt das Hormon Kortisol freisetzt. Dieses bewirkt, dass sich die Gefäße verengen. Dadurch wird unter anderem das Innenohr weniger durchblutet und schlechter mit Sauerstoff versorgt.

Außerdem werden die Sinneszellen des Ohres beeinträchtigt - wodurch das Ohrgeräusch entsteht. Viele Tinnitus-Betroffene leiden auch an weiteren Stresserkrankungen wie seelischer und körperlicher Erschöpfung, Schlafstörungen oder Depressionen.

So erkennen Sie einen Tinnitus oder Hörsturz

Wenn bei Ihnen plötzlich und ohne ersichtlichen Grund ein einseitiges Ohrgeräusch auftritt, das über Stunden anhält, sollten Sie einen Hals-Nasen-Ohren-Arzt aufsuchen. Denn es könnte ein akuter Tinnitus sein. Vorübergehende Ohrgeräusche können nach starker Lärmbelastung, während einer Erkältung oder nach der Überwindung großer Höhenunterschiede auftreten. Normalerweise verschwinden sie aber schnell wieder. Treten vorübergehende Ohrgeräusche allerdings häufiger auf, sollten Sie auch damit zum Arzt gehen.

Besondere Eile ist geboten, wenn Ihr Hörvermögen auf einem Ohr plötzlich vermindert ist und sich nicht nach einigen Minuten wieder einstellt. Es könnte sein, dass Sie einen Hörsturz erlitten haben. Begleitet wird dieser häufig von Gleichgewichtsstörungen. In jedem Fall sollten Sie sofort einen Arzt aufsuchen, denn bei Hörsturz und Tinnitus gilt: Nur wenn schnell eine Behandlung eingeleitet wird, besteht die Chance, dass das Ohrgeräusch oder der Hörverlust behoben werden kann!

Behandlungsmöglichkeiten

  • Ein akuter Hörsturz oder Tinnitus wird meist medikamentös behandelt. Manchmal ist dafür eine Infusionstherapie nötig, die entweder über mehrere Tage ambulant oder stationär im Krankenhaus erfolgt. Bei weniger schweren Fällen können die Medikamente auch eingenommen werden.
  • Eine andere Methode ist die Überdrucksauerstoffbehandlung, mit deren Hilfe der Sauerstoffgehalt des Blutes gesteigert wird. Dadurch soll das Ohr stärker durchblutet und besser mit Sauerstoff versorgt werden.

Mit diesen Sofortmaßnahmen ist die Behandlung in der Regel nicht abgeschlossen. Die weitere Therapie hängt davon ab, ob es organische Ursachen für den Tinnitus oder den Hörsturz gibt. Wenn ja, müssen diese medikamentös oder operativ behoben werden. Wenn nicht, lautet die Therapie Stressreduzierung.

Wird ein Tinnitus oder Hörsturz nicht im akuten Zustand behandelt, kann unter Umständen ein chronisches Ohrgeräusch oder eine einseitige Gehörreduzierung zurückbleiben. Viele Betroffene fühlen sich dadurch erheblich in ihrer Lebensqualität eingeschränkt. Tinnitus und Hörsturz werden also nicht nur von Stress verursacht, sondern lösen auch selbst Stress aus. Neben Langzeittherapien wie beispielsweise Akupunktur, spielen Entspannungstechniken und Stressbalance deshalb eine wesentliche Rolle bei der Behandlung. Die sogenannte Tinnitus-Retraining-Therapie beispielsweise kombiniert eine Gesprächstherapie mit Entspannungsübungen und dem Erlernen von Strategien zur Stressbewältigung.

Was Sie selbst tun können

Während der akuten Phase beider Erkrankungen ist es enorm wichtig, Stress und auch Lärm völlig zu vermeiden. Jetzt ist in doppelter Hinsicht Ruhe erforderlich! Tun Sie das Ganze nicht als harmloses Ohrensausen ab. Wenn Sie sich jetzt nicht schonen, können dauerhafte Hörschäden zurückbleiben. Lassen Sie sich also unbedingt krankschreiben und setzen Sie sich auch privat keinem Stress aus. Um sich von dem lästigen Ohrgeräusch abzulenken, können Sie leise, rhythmische Musik hören. Das hilft zum Beispiel beim Einschlafen.

Vorbeugen und effektiv gegensteuern kann man im Fall von stressbedingtem Tinnitus und Hörsturz am besten durch gezielte Entspannung. Hier bieten sich Techniken wie Autogenes Training oder Progressive Muskelentspannung. an. Regelmäßig angewendet helfen die Übungen, Stress abzubauen, diesen besser zu verarbeiten und einen Ausgleich für Körper und Seele zu schaffen.

Anlaufstelle für Tinnitus-Geplagte

Detaillierte Informationen, Tipps und Adressen rund um das Thema Tinnitus und Hörsturz erteilt die Deutsche Tinnitus-Liga e.V. (DTL):

Deutsche Tinnitus-Liga e.V. (DTL)
Am Lohsiepen 18
42369 Wuppertal
E-Mail: dtl@tinnitus-liga.de

KLARE SACHE: Krank durch Stress? - Prävention, Krankheitsbilder und Behandlungsmöglichkeiten

Zum Thema "So bleiben Sie gesund" haben wir weitere aktuelle Beiträge für Sie zusammengestellt.

Den zweiten Teil unserer Serie haben wir für Sie auch noch einmal in einem Dokument zusammengestellt, das Sie sich hier ganz einfach herunterladen können.

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