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Mindesthaltbarkeit: Wie lange sind Lebensmittel genießbar?

Ein deutscher Haushalt vernichtet im Jahr durchschnittlich Waren im Wert von ca. 400 Euro. Ein großer Teil der zu früh weggeworfenen Lebensmittel resultiert aus Unkenntnis über den Umgang mit dem Mindesthaltbarkeitsdatum oder allgemein mit vermeintlich abgelaufenen Lebensmitteln im Privathaushalt.

Lebensmittel mit Mindesthaltbarkeitsdatum

In Deutschland werden alle Lebensmittel mit einem Mindesthaltbarkeitsdatum (MHD) auf der Verpackung gekennzeichnet. Dieses Datum gibt für die Konsumenten den Zeitpunkt an, bis zu dessen Erreichen das Lebensmittel mindestens haltbar ist. Fälschlicherweise wird oft angenommen, dass nach Ablauf der angegebenen Frist der Artikel nicht mehr konsumiert werden kann oder sogar darf. In vielen Fällen sind die Waren aber wesentlich länger haltbar und damit auch genießbar.

Die Lebensmittelkennzeichnungsverordnung (LMKV) schreibt vor, dass auf den Verpackungen in bestimmter Weise ein Datum der Mindesthaltbarkeit anzubringen ist. Für das Datum sind allerdings die Hersteller eigenverantwortlich zuständig. Sie können selbst ermitteln, wie lange Sie für die vollständige Qualität ihres Produktes bürgen wollen. Bei langlebigen Produkten wie etwa Konserven reichen hierbei sogar nur eine Monats- und Jahresangabe. Alkohol und frisches Obst benötigen keinen Aufdruck.

So kann es natürlich dazu kommen, dass auf vergleichbaren Produkten verschiedener Hersteller unterschiedlich lange Mindesthaltbarkeitszeiträume angegeben sind.

Für den Verbraucher gilt, dass nach Ablauf des Mindesthaltbarkeitsdatums keinerlei Rückschluss über die Qualität des verpackten Lebensmittels gezogen werden kann. Bis zum Ablauf des Datums bürgt der Hersteller für die einwandfreie Qualität - nach Ablauf des Zeitraumes muss der Verbraucher selbst entscheiden, ob das Produkt noch genießbar ist. Auch ist es nicht verboten, Produkte nach Ablauf des MHD noch in den Handel zu bringen. Allerdings obliegt die rechtliche Verantwortung dann nicht mehr dem Hersteller, sondern dem Verkäufer. Aus diesem Grund werden Lebensmittel kurz vor Ablauf der Frist in Supermärkten zumeist auf Aktionsflächen verbilligt angeboten und nach Ablauf entsorgt.

Kurz und knapp:

  • Bis zum Ablauf des Mindesthaltbarkeitsdatums garantiert der Hersteller die volle Qualität des Produktes. Nach Ablauf entscheidet man selbst, bis wann das Produkt noch genießbar ist.
  • Das Mindesthaltbarkeitsdatum sagt nicht aus, wann ein Lebensmittel verdorben ist.

Lebensmittel mit Verbrauchsdatum

Neben dem Mindesthaltbarkeitsdatum gibt es das sogenannte Verbrauchsdatum, das sich auf schnell verderblicher Ware, wie beispielsweise Frischfleisch befindet. Hier hat der Hersteller eindeutig vorgegeben, bis zu welchem Datum das gekaufte Lebensmittel zu verbrauchen ist. Der Klassiker ist das im Supermarkt abgepackte Hackfleisch. Der Kreis dieser Lebensmittel ist relativ klein, da der Gesetzgeber vorschreibt, nur Produkte mit einem Verbrauchsdatum zu kennzeichnen, die schnell verderblich sind und bei Überschreiten des Ablauftermins eine erhebliche Gesundheitsgefahr für den Verbraucher darstellen können. Das Verbrauchsdatum ist auf jeden Fall einzuhalten und die entsprechenden Lebensmittel nach Ablauf der Frist zu entsorgen. Sie dürfen auch nicht mehr in den Handel gebracht werden.

Kurz und knapp:

  • Das Verbrauchsdatum ist unbedingt einzuhalten. Es kann Gesundheitsgefahr bestehen, wenn Lebensmittel nach Ablauf noch verzehrt werden!

Was ist wie lange genießbar?

Viele Produkte sind noch deutlich über ihr aufgedrucktes Mindesthaltbarkeitsdatum genießbar und vollständig in Ordnung. Es gibt kein allgemein gültiges Rezept, wie lange man über die Datumsangabe hinaus ein Lebensmittel noch verzehren kann. Hier muss sich der Verbraucher auf all seine Sinne verlassen: Riechen, schmecken, sehen und fühlen. Wenn sich das Produkt augenscheinlich nicht von einem frischen Exemplar unterscheidet, ist dies ein erstes Indiz für die noch vollständig erhaltene Qualität. Eine kurze Geschmacksprobe zieht dann auch bei saurer Milch keine gesundheitlichen Probleme nach sich.

Ungenießbare Lebensmittel sind in erster Linie an ihrem Aussehen zu erkennen. Hat sich bereits Schimmel gebildet, so sind diese Produkte zu entsorgen. Ist die Verpackung beschädigt oder wölbt sich der Deckel eines Joghurtbechers nach außen, so kann davon ausgegangen werden, dass bereits ein Gärungsprozess eingesetzt hat. Ist augenscheinlich jedoch nichts an dem bereits abgelaufenen Lebensmittel zu entdecken, so hilft die Geschmacksprobe, ein bereits verdorbenes Produkt zu entlarven. Ist man sich dann noch unschlüssig, ob das betreffende Lebensmittel noch genießbar ist oder nicht, kann man es im Zweifel immer noch entsorgen. In den meisten Fällen wird man jedoch feststellen, dass keinerlei Veränderung stattgefunden hat.

In der Regel gilt: Je frischer die eingekaufte Ware, desto mehr muss der Verbraucher auf ihre Haltbarkeit achten. In Dosen abgefüllte Lebensmittel werden voraussichtlich Jahre über ihrem Mindesthaltbarkeitsdatum noch verzehrbar sein. Frisches Obst und Gemüse, das im Supermarkt selbst abgepackt wird, hat im Kühlschrank oder der Speisekammer eine entsprechend kürzere Überlebensdauer.

Kurz und knapp:

  • Untersuchen Sie die Lebensmittel mit allen Sinnen: Riecht etwas ungewöhnlich, hat es sich augenscheinlich verändert oder schmeckt es einfach schlecht, sollten diese Produkte entsorgt werden.
  • Schimmelige Lebensmittel sollten immer vollständig entsorgt werden.
  • Kontrollieren Sie, ob das angegebene Datum ein Verbrauchs- oder Mindesthaltbarkeitsdatum ist.
  • Generelle Vorsicht ist bei Fleisch und Fisch geboten. Ebenso sind frische Gemüse- und Obstsorten sowie Pilze und Nüsse genauestens zu untersuchen.

Aufbewahrung von Lebensmitteln

Probleme mit der Haltbarkeit der Lebensmittel entstehen in vielen Fällen durch eine falsche Lagerung zuhause. Auf der Verpackung ist fast immer angegeben, wie das Produkt zu lagern ist. Nur so ist gewährleistet, dass das Lebensmittel seine volle Qualität behält. Ist die Verpackung einmal geöffnet, ist auch das Mindesthaltbarkeitsdatum hinfällig. Denn über die Luft oder durch Berührung können Bakterien und andere Keime auf das Produkt gelangen und es entsprechend verändern. Hat man also eine Verpackung eine Woche vor Ablauf der Frist geöffnet, so ist nicht gewährleistet, dass das Lebensmittel nicht schon vorher schlecht wird. Auch hier sind wieder alle Sinne des Verbrauchers gefragt, um festzustellen, ob die Ware bereits verdorben ist oder nicht.

Die korrekte Lagerung verlängert die Haltbarkeit von Lebensmitteln erheblich. Der heimische Kühlschrank, der zur Aufbewahrung eines Großteils der Lebensmittel dient, kann die größte Keimquelle eines Haushalts und dadurch mit verantwortlich für die leichte und schnelle Verderblichkeit unserer Lebensmittel sein.

Nicht nur auf eine sorgfältige Reinigung ist deshalb zu achten, sondern auch auf die unterschiedlichen Kühlzonen innerhalb des Gerätes. Das Gemüse gehört auch wirklich nur in das Gemüsefach und leicht verderbliche Ware wie Fleisch, Wurst oder Fisch in die kälteste Zone darüber. In der Bedienungsanleitung des Kühlschranks finden sich hierzu die Erklärungen der einzelnen Bereiche.

Kurz und knapp:

  • Das Mindesthaltbarkeitsdatum gilt nur bei ungeöffneter Verpackung und korrekter Lagerung
  • Tipp: Reinigen Sie öfters den Kühlschrank vollständig. Befolgen Sie die Befüllhinweise des Herstellers. Nicht jedes Lebensmittel sollte überall im Gerät gelagert werden.
  • Beachten Sie die korrekte Lagerung, die auf den meisten Verpackungen angegeben ist.

Lebensmittel richtig einkaufen

Bereits während des Einkaufes kann man Einfluss darauf nehmen, dass ein gekauftes Produkt später nicht tagelang geöffnet herumliegt. Trotz der Verlockung, größere Packungen zu einem günstigeren Preis zu erwerben, sollte man immer im Hinterkopf behalten, dass das Gekaufte auch entsprechend schnell aufgebraucht werden muss. Der Spareffekt ist auf Dauer mit kleineren Portionen wesentlich größer, als am Ende jedes Mal die zwar günstigere aber nur halbverbrauchte Großpackung entsorgen zu müssen.

Widerstehen Sie sogenannten Lockangeboten, wenn Sie die Produkte nicht wirklich benötigen und verbrauchen können. Fertigt man sich zuhause einen Einkaufszettel mit genau den Dingen, die man wirklich benötigt, ist die Gefahr gering, dass am Ende Waren im Einkaufskorb landen, die zuhause eigentlich überflüssig sind.

Wenn die Möglichkeit besteht, können zu viel gekaufte Lebensmittel auch eingefroren werden. Zwar sind selbst eingefrorene Lebensmittel nicht so lange haltbar wie bereits tiefgefroren gekaufte Ware, aber dennoch können die meisten Produkte so über einen langen Zeitraum haltbar gemacht werden.

Achten Sie schon im Geschäft auf eindeutige Hinweise zur Frische der Lebensmittel und kontrollieren Sie genau, ob nicht bereits Anzeichen eines Verfalls sichtbar sind. Vor allem in Gemüseabteilungen, in denen die Produkte meist für jeden Kunden frei zugänglich sind, können sich schnell Keime ausbreiten. Waschen Sie deshalb auch zuhause frisches Gemüse und Obst grundsätzlich vor der Lagerung und dem Verzehr gründlich ab.

Kurz und knapp:

  • Kaufen Sie Lebensmittel nur in Packungs- oder Portionsgrößen, die Sie schnell aufbrauchen können.
  • Waschen Sie Obst und Gemüse zuhause gründlich ab, bevor Sie diese Produkte im Kühlschrank oder der Obstschale lagern.
  • Kaufen Sie nach Einkaufszettel ein. So vermeiden Sie es, Dinge zu kaufen, die Sie nicht benötigen oder verbrauchen können.

Weiterführende Informationen zum Umgang mit Lebensmitteln und Mindesthaltbarkeit

Verbraucherschutzportal rund um Lebensmittel
Bundesministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz

Autor/in

D. Konrad

Feb. 2012

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