1. Freizeit + Reise

Maut in Europa

Mautkosten können ein ordentliches Loch in die Urlaubskasse reißen. Wir geben einen Überblick zu Mautgebühren in den Ländern Europas und Tipps, wie Sie sparen können.

Mautgebühren werden inzwischen in fast ganz Europa erhoben. Für den deutschen Urlauber sind sicherlich die Gebühren in den klassischen Urlaubs- bzw. Durchfahrtsländern Österreich, Schweiz, Italien, Frankreich und Spanien am wichtigsten. Zu unterscheiden ist zwischen zeitlich begrenzten Vignetten (von einem Tag bis zu einem Jahr) und Einmal-Gebühren für bestimmte Teilstrecken. Außerdem werden für verschiedene Fahrzeugkategorien - Pkw, Pkw mit Anhänger, Wohnmobil, Motorrad oder Lkw - zum Teil auch nach Schadstoffklassen unterschiedliche Tarife berechnet. Auch wer am Urlaubsort angekommen ist, muss dort eventuell mit den zusätzlichen Kosten einer Citymaut rechnen. Diese wird unter anderem in Rom, Mailand, London und Oslo erhoben.

In Deutschland gibt es bislang nur zwei mautpflichtige öffentliche Straßenabschnitte: der Herrentunnel in Lübeck (für Pkw und Motorräder 1,30 Euro) und der Warnowtunnel in Rostock (ca. 3,20 Euro). Nach Einführung der Lkw-Maut wird jedoch auch in Deutschland eine Autobahngebühr für Pkw diskutiert, was von den deutschen Automobilklubs jedoch abgelehnt wird. So hält Sabine Götz vom Automobilclub von Deutschland (AvD) "eine weitere Belastung der Autofahrer für völlig inakzeptabel".

Wie kommt man an eine Vignette?

Vignetten sind an den Grenzübergängen, an den Tankstellen entlang der Autobahnen und in einigen Ländern wie in Rumänien und Slowenien auch auf den Postämtern erhältlich. Vignetten für Österreich, Tschechien und für die Schweiz kann man in allen ADAC-Geschäftsstellen, ADAC-Vertretungen und im Internet unter www.adac/shop.de erwerben. Auch auf der Homepage des Automobilclubs von Deutschland (AvD) kann man Vignetten für die drei Länder und VIA-Karten für Italien bestellen.

I. Sparen

Beim Kauf von Zeitvignetten ist es selbstverständlich von Vorteil, wenn man einen genauen Urlaubsplan hat und sich so für die günstigste angebotene Variante entscheiden kann.

Ein Ausweichen auf gebührenfreie Nebenstrecken lohnt sich nur selten: Neben dem Zeitverlust sind die höheren Spritkosten ein Nachteil. Nur wer es nicht eilig hat und beim Fahren die landschaftlichen Reize genießen will, dem ist, zum Beispiel bei der Überquerung der Alpen, das Umfahren der mautpflichtigen Strecken zu empfehlen. Wenn also der Weg schon das Ziel ist und auch eine zusätzliche Übernachtung mehr Lust als Frust bedeutet, kann man zum Beispiel von Deutschland mautfrei bis nach Andalusien fahren. Dies ist besonders für Fahrer mit Wohnwagenanhänger und Wohnmobilen interessant, da die Maut für Fahrzeuge mit mehr als zwei Achsen oder höherem Gesamtgewicht in einigen Ländern sehr viel höher ist, als die PKW-Maut.

Ein nützliches Instrument, um die Mautkosten gering zu halten, sind Mautrechner im Internet. Auf dem Mautrechner des ADAC können sich auch Nichtmitglieder des ADAC europaweit eine Route inklusive Mautangaben berechnen lassen. Die Maut wird den unterschiedlichen Streckenverläufen angeglichen, wobei die Gebühr für die Zeitvignetten noch hinzugerechnet werden muss.

Eine weitere Möglichkeit, Geld zu sparen, ist der Vorab-Erwerb von Mauttickets: Der ADAC und der österreichische Automobilclub ÖAMTC bieten für einige wichtige Verbindungen vergünstigt Mautkarten an. Das Pkw-Ticket für die Großglocknerstraße zum Beispiel kostet 24 Euro (Ersparnis vier Euro), das für den Felbertauerntunnel 18 Euro für zwei Fahrten (Ersparnis zwei Euro).

II. Hauptreiseziele

Frankreich

Die Autobahnmaut in Frankreich ist strecken- und fahrzeugabhängig. Für einen Pkw fallen für 100 Autobahnkilometer rund fünf Euro an. An den Mautstellen werden auch Kreditkarten akzeptiert, bei Fremdwährung nur Scheine. Für die Benutzung des Fréjus- und des Mont-Blanc-Tunnels fallen zusätzliche Gebühren von je 32,30 Euro an. Einige kurze Autobahnabschnitte in Grenznähe sowie die Stadtumgehungsautobahnen von Paris, Lyon, Bordeaux und Marseille sind gebührenfrei.

Italien

Für die meisten Autobahnstrecken wird eine Maut erhoben. Der Großteil der Strecken wird im geschlossenen System betrieben: Die Höhe der Maut errechnet sich nach zurückgelegter Entfernung und Fahrzeugklasse. Pro 100 Kilometer fallen für Pkw etwa fünf Euro an. Bezahlt wird beim Verlassen der Autobahn. Einige Strecken werden im offenen System betrieben, bei dem an der Mautstation ein Pauschalbetrag fällig wird. Das gilt für folgende Strecken: Como-Mailand, Varese-Mailand, Turin-Bardonecchia, Morgex-Aosta, Rom-Civitavecchia, Neapel-Salerno, Messina-Furiano und Cefalù-Buonfornello. Gezahlt wird in bar, mit Kreditkarte oder mit einer Prepaid-Karte, der sogenannten VIA-Card. Diese ist zu 25,25 und 50,50 Euro bei den deutschen Autoclubs und an Mautstellen und Raststätten in Italien erhältlich. Die VIA-Card ist zeitlich begrenzt und kann übertragen werden.

Österreich

Die Jahresvignette ("Pickerl") für Autobahnen kostet 76,50 Euro, die Zweimonatsvignette 23,00 Euro, das Zehntage-Pickerl 7,90 Euro. Für Motorräder fallen für ein Jahr 30,50 Euro, für zwei Monate 11,50 Euro und für zehn Tage 4,50 Euro an. Die Jahresvignette gilt für ein Kalenderjahr inklusive der Anschlussmonate. Bei Wohnmobilen über 3,5 Tonnen richtet sich die Maut nach der Emissionsklasse. Die Mauthöhe kann unter www.go-maut.at/go berechnet werden.

Im Pkw ist die Autobahnvignette an der Innenseite der Windschutzscheibe aufzukleben. Automobilclubs raten, das österreichische Pickerl genau nach Vorschrift anzubringen. Bei einem Verstoß wird an Ort und Stelle ein Bußgeld von 120 Euro fällig. Wer nicht sofort zahlt, muss mit bis zu 3000 Euro rechnen.

Zudem fallen in Österreich für mehrere Strecken zusätzliche Gebühren an. Wer die Schlange bei der Abfertigung vermeiden will, kann für die Pyhrnautobahn (12 Euro), den Arlbergtunnel (8,50 Euro), die Tauern- (10,00 Euro) und die Brennerautobahn (8 Euro) über www.videomaut.at oder bei den Automobilclubs bereits vor Fahrtantritt Tickets für die sogenannte Videomaut kaufen. Das beim Kauf freigeschaltete Kennzeichen wird in der Videomaut-Spur automatisch erfasst. Das System gilt nur für Autos ohne Anhänger. Wer die acht Euro für die Brennerautobahn sparen will, kann auf dem Weg nach Süden in Innsbruck-Süd auf die gut ausgebaute Brenner-Bundesstraße (B 182) ausweichen und bei Sterzing oder Brixen wieder auf die Autobahn zurückkehren.

Die Zusatzmaut für bestimmte Strecken kann auch in Form eines Jahrestickets geleistet werden, die mit einem Jahrespickerl für die allgemeine Autobahnmaut kombiniert werden kann, was sich jedoch nur für Vielfahrer lohnt.

Schweiz

Für Autobahnen und ähnliche Straßen (mit weiß-grüner Beschilderung) zahlen Fahrer von Fahrzeugen bis zu 3,5 Tonnen - also Pkw, Pkw mit Anhänger und Motorradfahrer - einheitlich 31,50 Euro für die Jahresvignette. Die Anschlussmonate, also Dezember des Vorjahres und Januar des folgenden Jahres, sind eingeschlossen.

Wer in der Schweiz ohne Vignette angehalten wird, muss zusätzlich zum Kaufpreis der Vignette ein Bußgeld von rund 65 Euro zahlen. Wie in Österreich auch, werden in der Schweiz an vielen Streckenabschnitten zusätzliche Gebühren erhoben. Die Fahrt über den Großen St. Bernhard kostet etwa 20,00 Euro.

Spanien

Gebührenpflichtige Straßen werden durch Schilder mit weißem "A" (Autovias) bzw. einem "AP" (Autopistas) auf blauem Grund angekündigt. Die Höhe der Gebühren richtet sich nach der gefahrenen Strecke und der Fahrzeugkategorie. Die Gebühren können an den Mautstellen mit allen gängigen Kreditkarten gezahlt werden, an wichtigen Strecken auch mit einer Prepaid-Karte, der sogenannten VIAT-Card. Mit rund 8 Euro pro 100 Km für PKW gehöhren die spanischen Autobahnen zu den teuersten in Europa.

III. Restliches Europa

Bulgarien

Für alle Fahrzeuge wird eine pauschale Einreisegebühr von ca. 8,70 Euro erhoben. Dazu wird eine entfernungsabhängige Maut erhoben, je nach Strecke zwischen 5 und 15 Euro.

Dänemark

Die Storebaeltbrücke über den Großen Belt zwischen den Inseln Fünen und Seeland ist mautpflichtig und kostet für Pkw 29 Euro. Für die Benutzung der Öresundbrücke zwischen Kopenhagen und Malmö (Schweden) werden je nach Fahrzeuglänge zwischen 34 und 63 Euro fällig.

Griechenland

Für einige Autobahn- und Nationalstraßenabschnitte, Tunnels und Brücken - so etwa für die Rion-Antirion-Brücke über den Golf von Korinth - wird an Mautstationen eine Gebühr erhoben, die pro Streckenabschnitt für Pkw ca. zwei bis drei Euro beträgt.

Kroatien

Alle Autobahnen des Landes sind gebührenpflichtig. Die Maut reicht von einem bis ca. acht Euro. Sondergebühren fallen für den Ucka-Tunnel, die Brücke zur Insel Krk und die Mirna-Brücke auf der Strecke Koper-Pula an.

Mazedonien

Für die Autobahnstrecke Skopje-Tetovo-Gostivar werden ca. 1,70 Euro fällig, für die Strecke Kumanovo-Skopje-Veles-Gradsko rund fünf Euro.

Niederlande

Noch gibt es in den Niederlanden nur drei gebührenpflichtige Strecken: Mit Pkw oder Motorrad zahlt man für den Kiltunnel zwischen Dordrecht und Hoeksche Waard etwa 1,50 Euro, für die Prinz-Willem-Alexander-Brücke (N 323) rund 1,50 Euro und für den Tunnel von Coudorpen Richtung Terneuzen (N 62) 4,50 Euro. Ende 2012 soll ein neues, entfernungsabhängiges Mautsystem zunächst für Lastwagen starten, ab 2013 für Pkw.

Norwegen

Für einige Straßen, etwa Peer Gynt Vegen und Jotunheimvegen, und an manchen Brücken und Tunnels wird eine Maut erhoben. Darüber hinaus gibt es City-Mautringe, etwa um Oslo. Die Gebühren betragen zwischen zwei und 15 Euro.

Polen

Die Autobahn A 4 von Katowitz nach Krakau und die A 2 zwischen Nowy Tomyśl und Lodz/Stryków II sind mautpflichtig. Die Gebühren betragen für Pkw, Minibusse und Wohnmobile etwa zwei Euro, Teilstrecken der Autobahn kosten einen Euro.

Portugal

Für einen Großteil der Autobahnen müssen für Pkw Gebühren von etwa 4,50 Euro pro 100 Kilometer gezahlt werden.

Rumänien

Für Pkw, Wohnmobile und Gespanne ist eine Straßennutzungsgebühr zu entrichten. Motorräder sind frei. Zeiträume und Preise der Vignetten: ein Tag 0,00 Euro, sieben Tage 3,00 Euro, 30 Tage 7,00 Euro und ein Jahr 28,00 Euro. Die Preise beziehen sich auf PKW bis 3,5 to. Die Vignette ist an Grenzübergängen, Tankstellen und Postämtern erhältlich. Bei Kontrollen muss der Zahlungsbeleg vorgewiesen werden.

Schweden

Maut wird lediglich für die Öresundbrücke zwischen Malmö und Kopenhagen (Dänemark) erhoben. Sie beträgt für Pkw etwa 28 Euro, für Motorräder ca. 15 Euro. Es kann mit Kreditkarte oder bar gezahlt werden.

Serbien

Autobahnen und autobahnähnlich ausgebaute Straßen sind gebührenpflichtig. Die Maut wird streckenabhängig erhoben. Es gibt 4 Kategorien, abhängig von Fahrzeughöhe und Anzahl der Achsen. In der Kategorie I (PKW bis 1,30 Höhe) sind pro 100 Km rund 2,30 Euro zu zahlen. Wegen des oft schlechten Straßenzustands ist vom Ausweichen auf Landstraßen abzuraten.

Slowakei

Die Benutzung von Autobahnen in der Slowakischen Republik ist vignettenpflichtig. Für Pkw bis 3,5 Tonnen kostet die Siebentagesvignette 6,80 Euro, die Monatsvignette 13,80, die Jahresvignette 51,00 Euro. Motorräder sind frei.

Slowenien

Die Benutzung von Autobahnen und Schnellstraßen ist mautpflichtig. Die Jahresvignette für Pkw und Wohnmobile bis zu 3,5 Tonnen kostet 95 Euro, die Berechtigung für einen Monat 30, die für sieben Tage 15 Euro. Motorradfahrer zahlen für 6 Monate 25 Euro, ansonsten die Hälfte der PKW-Maut.

Tschechien

Alle Autobahnen und Schnellstraßen sind vignettenpflichtig. Motorräder haben freie Fahrt. Die Jahresvignette für Pkw und Wohnmobile bis zu 3,5 Tonnen kostet umgerechnet ca. 47 Euro, das Ticket für einen Monat ca. 14, das für zehn Tage ca. zehn Euro. Wer ohne gültige Vignette unterwegs ist, zahlt umgerechnet rund 200 Euro Strafe.

Ungarn

In Ungarn muss vor dem Befahren einer Autobahn eine sogenannte E-Vignette erworben werden, auf der das Kennzeichen gespeichert wird. Die Vignette ist an Grenzstationen und Tankstellen erhältlich. Die Viertagesvignette kostet in der Hauptsaison (1.5.-30.9.) für Pkw bis 3,5 Tonnen, Pkw mit Anhänger und Motorräder ca. 5,50 Euro, in der Nebensaison (1.10.-30.4.) ca. vier Euro. Saisonunabhängig sind die Vignetten für längere Zeiträume: Die Mautgebühr für zehn Tage beträgt ca. neun Euro. Für einen Monat werden ca. 17 und für ein Jahr ca. 136 Euro fällig.

Autor/in

Eva Blumenfeld

Juni 2011

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