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Prüfungsangst? Nein, Danke!

Schwitzige Hände, ein ungutes Gefühl in der Magengegend, Nervosität. Reaktionen auf Ängste, die Viele aus Prüfungssituationen in der Schule kennen. Was ist jedoch, wenn Prüfungsangst das gesunde Maß überschreitet und zu einer starken Beeinträchtigung in Schule oder Studium ausartet?

Beratung bei Prüfungsangst

In einer Befragung unter Studenten aus Baden-Württemberg in 2011 hatten 30% der Studenten in den letzten 12 Monaten Beratungs- und Informationsbedarf zu Themen wie Lern- und Leistungsprobleme, depressive Verstimmungen, Prüfungsangst oder mangelndes Selbstwertgefühl.

Wir zeigen auf, wie junge Menschen selbst vorbeugen und Eltern ihren Schützlingen im Schulalltag zur Seite stehen können.

Was ist Prüfungsangst?

Prüfungsangst bezeichnet Angstzustände vor einer Prüfungssituation. Es entsteht die Befürchtung, das Geforderte nicht leisten zu können. Schweißausbrüche, zittrige Hände, Schlaflosigkeit bis hin zum völligen Blackout können Begleiterscheinungen sein. Diese Angstsituationen ziehen sich durch alle Bevölkerungsschichten und Prüfungssituationen.

Ob nun das Schulkind vor einer Mathearbeit, der Student vor einer Klausur oder der Führerscheinneuling vor der Prüfungsfahrt – sie alle können der Gefahr ausgesetzt sein, dass das gesunde Maß an Respekt vor der Prüfungssituation überschritten wird. Wird der Leidensdruck des Prüflings so groß, dass die möglichen Leistungen nicht mehr abgerufen werden können, ist Hilfe angebracht.

Zwangsläufig eintretende Misserfolge verschlimmern die Situation weiter. In den meisten Fällen steigert sich die eigentliche Angst vor einer Prüfung zur Angst vor eben genau dieser Prüfungsangst. Eine ordentliche Vorbereitung wird damit bereits im Keim erstickt und ist kaum noch möglich.

Prüfungsangst als Lampenfieber

Eine positive Angst oder Aufregung, das sogenannte Lampenfieber, hilft, den Fokus auf die zu erwartende Prüfung zu richten. Man ist sich der Wichtigkeit der Aufgabe bewusst und daher besonders konzentriert und aufmerksam. Diese Angst ist hilfreich.

Prüfungsangst als Blackout

Verursachen die Angstzustände vor einer Prüfung Denkblockaden, kommt es zu vollständigen Blackouts. Eine vernünftige Vorbereitung ist aufgrund zu starker Beeinträchtigung gar nicht mehr möglich. Das gesunde Maß an Prüfungsangst ist überschritten.

Wie entsteht Prüfungsangst?

Die Ursachen von Prüfungsangst können verschieden sein. Experten zufolge kann ein sehr strenger Erziehungsstil bei Kindern Auslöser sein. Häufige Bestrafung bei Versagen, Überforderung oder ständiges Vermitteln von Regeln und Verboten führen in der Regel zu einem erhöhten Erfolgsdruck.

Eigene schlechte Erfahrungen oder an sich selbst gestellte zu hohe Erwartungen können ebenso Ängste vor künftigen Prüfungen hervorrufen. Hoher Leistungsdruck, Zeitdruck oder auch finanzielle Hintergründe können die Angstsymptome zusätzlich verstärken.

Auch Prüfer können durch falsches Verhalten dazu beitragen, dass während einer Prüfung die Angst, zu versagen, enorm gesteigert wird. Oft werden zum Beispiel vorrangig die Schwächen des Prüflings aufgezeigt, anstatt seine Stärken hervorzuheben und das Gespräch auf Augenhöhe zu führen.

Rechtzeitiges Eingreifen verhindert schlimmeres!

Insbesondere bei Schulkindern kann sich die Prüfungsangst langsam aufbauen. So steht zu Beginn meist nur ein negatives Erlebnis. Durch eine schlechte Vorbereitung oder auch einfach nur durch mangelndes Verständnis kann es schnell zu einer schlechten Note in einer Klassenarbeit kommen. Passiert dies dann häufiger, kann sich eine Angst vor den Arbeiten regelrecht entwickeln.

Wird an dieser Stelle nicht rechtzeitig eingegriffen, entsteht eine gewisse Hilflosigkeit und Gleichgültigkeit. Der Eindruck, man schaffe es ja eh nicht, gewinnt die Überhand und es ist nur schwer aus diesem Teufelskreis wieder herauszukommen. Prüfungsängste in einzelnen Fächern können sogar zu einer umfassenden Schulangst ausufern, heißt es beim Institut für integratives Lernen und Weiterbildung (IFLW) in Berlin.

Wie können sich Prüflinge ihre Prüfungsangst selbst nehmen?

Experten zufolge kann sich der Prüfling in einem gewissen Maße selbst die Angst vor einer bevorstehenden Prüfung nehmen.

  • Eine gute Lernstruktur und eine angenehme Umgebung schaffen Sicherheit. Schlecht durchdachtes und unsortiertes Lernen hingegen verstärken das Unsicherheitsgefühl.
  • Weiterhin kann man selbst erlernen, die aufkommenden negativen Gedanken in etwas Positives umzuwandeln. Anstatt "diese Prüfung schaffe ich nie" sollte der Prüfling sich sagen: "Ich schaffe das, weil ich mich gut vorbereite".
  • Diese Selbstbestärkung in Form von Selbstinstruktionen bewirkt laut Institut für integratives Lernen und Weiterbildung (IFLW) Zuversicht und Vertrauen in die eigenen Leistungen und fördert die Konzentrationsfähigkeit.
  • Auch körperliche Entspannung, Meditationskurse oder autogenes Training können gegen Prüfungsangst helfen. Angebote zu solchen Kursen finden sich in jeder Stadt an der Volkshochschule, den Universitäten oder bei speziellen Therapieeinrichtungen.

Was können Eltern bei Prüfungsangst tun?

Eltern sollten zunächst herausfinden, wovor ihr Kind genau Angst hat. Ist es die Prüfung und die Vorbereitung darauf oder bauen sich Angstsymptome erst während einer Prüfung auf? Möglicherweise hat das Kind auch Angst vor einer möglichen Bestrafung bei Nichtbestehen.

Dem Kind vorgegebene Ziele sollten nicht durch Belohnung oder Bestrafung hervorgehoben werden. Sowohl eine Belohnung als auch eine Bestrafung kann unnötigen Erwartungsdruck hervorrufen. "Wenn ich die Prüfung nicht schaffe, bekomme ich mein Fahrrad nie", heißt es dann beispielhaft.

Eine falsche Anerkennung von guten Leistungen können Eltern umgehen, indem sie die Belohnung nicht schon vor der Prüfung ankündigen. Das Kind sollte erst von seinem "Preis" erfahren, wenn die Prüfung geschafft ist.

Eltern sollten realistisch einschätzen, was man dem Kind zumuten kann. Erwartungen dürfen nicht zu hoch gesetzt werden. Häufig ist es sinnvoll, über einen Schulwechsel oder die Klassenwiederholung nachzudenken. Die Lehrkräfte sollten hierfür unbedingt in die Entscheidungen einbezogen werden. Sie können besser beurteilen, zu was das Kind fähig ist oder nicht.

Wie können Eltern Ihr Kind unterstützen?

Eltern sollten ihrem Kind in Prüfungssituationen unterstützend zur Seite stehen und keinesfalls zusätzlichen Druck erzeugen. In Gesprächen lässt sich manchmal die wirkliche Ursache der Angst ermitteln.

Vor Prüfungssituationen benötigt das Kind Unterstützung. Eltern sollten in keinem Fall selbst in Panik verfallen, sondern ihrem Kind klarmachen, dass es zwar aufgeregt sein kann, aber keine Angst haben muss. Das Simulieren von Prüfungssituationen oder Hilfe beim Lernen sind einfache Mittel, dem Kind Mut zu machen.

Selbst wenn Eltern fachlich überfordert sein sollten und ihrem Kind inhaltlich nicht weiterhelfen können, sollten sie das Kind nicht allein mit seiner Prüfungsangst lassen. Auch die zeitliche Einteilung des Lernens sowie die richtige Lernumgebung sind wichtige Faktoren, die Eltern mit ihrem Kind optimieren sollten.

Eltern, die sich selbst mit der Situation überfordert sehen, sollten externe Hilfe annehmen. Auch hierfür ist der erste Ansprechpartner die Lehrkraft bzw. die Schule.

Unsere Tipps für Eltern:

  • Stellen Sie Belohnungen nicht bereits vor der Prüfung in Aussicht. Überraschen Sie Ihr Kind und belohnen Sie es unangekündigt nach einer guten Arbeit. Vermeiden Sie "Bestrafungen" und drohen Sie vor einer Prüfung nicht damit.
  • Analysieren Sie genau, welche Leistungen Ihrem Kind abgefordert werden können. Scheuen Sie sich nicht vor einem Schulwechsel oder Klassenwiederholungen. Dazu unbedingt die Lehrkräfte ansprechen.
  • Unterstützen Sie Ihr Kind schon in der Prüfungsvorbereitung. Achten Sie auf Lernzeiten, Erholungsphasen und Ablenkung durch Handy, TV und Spielekonsole.

Richtig Lernen ohne Prüfungsangst

Garant für gute Prüfungsergebnisse ist eine gute Vorbereitung. Je strukturierter das Lernen abläuft, desto wirksamer kann das erlernte Wissen auch abgespeichert werden. Beginnen sollte man damit, den Tagesablauf genau zu planen und die Phasen des Lernens sowie der Freizeit abzustecken. Nur bei einer klaren Zeiteinteilung ist sichergestellt, dass man selbst nicht unter Zeitdruck gerät und vielleicht viel zu spät merkt, dass das Lernpensum in der verbleibenden Zeit bis zur Prüfung nicht zu schaffen ist.

Wichtig ist dabei, dass die eingeplante Freizeit auch wirklich Freizeit bleibt. Nur so bekommt man den Kopf frei von den Gedanken an die bevorstehende Prüfung.

Um eine gute Zeiteinteilung der Lernphasen zu schaffen, muss der Stoff, der für die Prüfung zu erlernen ist, vollständig bekannt sein. Hilfreich ist eine Übersicht, was genau abgefragt werden könnte, was davon bereits bekannt ist und was davon noch gelernt werden muss. Dann gilt es, das bevorstehende Lernpensum in kleine Portionen einzuteilen und diese mehrfach zu wiederholen.

Während des Lernens ist eine angenehme und störungsfreie Umgebung entscheidend. Handy, MP3-Player oder die Fernbedienung des Fernsehers gehören zum Beispiel nicht zwischen die Bücher. Das benötigte Lernmaterial sollte rechtzeitig sortiert und bereit gelegt werden.

Unsere Tipps für Prüflinge:

  • Schaffen Sie eine vernünftige Zeiteinteilung der Lerntage. Freizeit muss Freizeit bleiben.
  • Machen Sie sich einen Überblick über den Stoff und teilen Sie diesen in kleine Portionen auf.
  • Ein ordentlicher Arbeitsplatz schützt vor Ablenkung. Sortierte Lernmaterialien sparen Zeit.
  • Bauen Sie ausreichend Pausen während des Lernens ein. Ein 20-minütiger Spaziergang nach mehreren Stunden Lernen verschafft Entspannung und hilft das erlernte Wissen dauerhaft abzuspeichern.

Autor/in

D.Konrad

Aug. 2012

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