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Hausgeld bei Eigentums­wohnungen

Beim Kauf einer Eigentumswohnung in einem Mehrfamilienhaus erwirbt man neben der Wohnung immer auch einen Anteil am gesamten Anwesen etwa für Keller, Treppenhaus, Speicher, Tiefgarage und Grundstück. Damit besitzt der Käufer neben dem persönlichen Wohneigentum auch einen Anteil am Gemeinschaftseigentum. Die Kosten für das Gemeinschaftseigentum werden auf alle Wohnungsbesitzer umgelegt.

Was ist das Hausgeld?

Folgende Kosten fallen für das Gemeinschaftseigentum an:

  • Betriebskosten für Müllentsorgung, Wasser, Hausstrom, Versicherungen (außer Hausrat), Hausmeister, Treppenhaus- und Gartenpflege,
  • Heizkosten (nicht jedoch die Gasetagenheizung in der Eigentumswohnung),
  • Verwaltungskosten wie Verwalterhonorar, Kontogebühren usw.,
  • Instandhaltungskosten für das Gemeinschaftseigentum (Reparaturen in der Eigentumswohnung muss der Eigentümer selbst beauftragen und bezahlen)

Bei den Betriebskosten gilt naturgemäß: Je luxuriöser die Ausstattung der Wohnanlage, desto höher sind die Betriebskosten. Ein Aufzug erfordert regelmäßige Wartungsarbeiten und auch der Unterhalt eines Schwimmbades ist teuer.

Auch die Instandhaltungskosten können unter Umständen sehr hoch sein, wenn beispielsweise das Dach neu gedeckt oder die Außenfassade erneuert werden muss. Damit diese Kosten die einzelnen Eigentümer nicht zu sehr belasten, wird eine Instandhaltungsrücklage gebildet. Auch diese Rücklage ist Bestandteil des Hausgeldes. Je neuer die Wohnanlage ist, desto niedriger kann hier die Instandhaltungsrücklage und damit das Hausgeld angesetzt werden. Die Instandhaltung wird in den ersten Jahren eines Neubaus keine große Rolle spielen. Mit steigendem Alter des Objektes werden sich sowohl Sanierungs- und Renovierungskosten, als auch erhöhte Energiekosten einstellen, die naturgemäß für ein modernes Gebäude weniger hoch sind.

Für alle ausstehenden Kosten sowie die Rücklage muss jährlich ein Wirtschaftsplan von der Hausverwaltung erstellt und von der Eigentümerversammlung beschlossen werden. Dieser Plan enthält die voraussichtlichen Einnahmen und Ausgaben für die Verwaltung des Gemeinschaftseigentums sowie die zu leistenden Beiträge für die Instandhaltungsrückstellung. Er beinhaltet auch die Verpflichtung der Wohnungseigentümer, die Kosten für die Verwaltung, die Instandhaltung sowie die Bildung von Rücklagen anteilmäßig zu übernehmen.

Beim Kauf einer Eigentumswohnung auch auf das Hausgeld achten

Damit auf den Kauf einer Eigentumswohnung kein böses Erwachen folgt, sollten Sie vorher in Erfahrung bringen, wie hoch das zu zahlende Hausgeld tatsächlich ist. Lassen Sie sich die Wirtschaftspläne der letzten Jahre zeigen. Dort ist auch ersichtlich, ob und welche Instandsetzungsarbeiten in den letzten Jahren vorgenommen wurden. Es kann nämlich passieren, dass das monatlich zu zahlende Hausgeld sehr niedrig angesetzt wurde. Beschließt die Mehrheit der Eigentümerversammlung dann eine umfangreiche Instandsetzungsarbeit für die die Rücklagen nicht ausreichen, werden die Eigentümer mit einer hohen Sonderumlage zur Kasse gebeten. Grundsätzlich gilt: Je neuer ein Haus ist, desto geringer ist das zu zahlende Hausgeld und die Gefahr einer kostspieligen Sanierung.

Hausgeldspiegel bietet Vergleichsmöglichkeit

Der Verein "Schutzgemeinschaft für Wohnungs-Eigentümer und Mieter e.V. hat im Sommer 2013 seinen bereits in der 10. Auflage jährlich aktualisierten Hausgeld- und Betriebskosten-Spiegel mit aktuellen Abrechnungszahlen von 2012 herausgebracht, der über die Internetseite www.hausgeld-vergleich.de angefordert werden kann. Durch die Einsendung von vielen tausend Hausgeldabrechnungen ist der Verein mittlerweile in der Lage für 15 Großregionen in Deutschland aussagekräftige Mittelwerte über die Höhe des Hausgeldes und der Betriebskosten anzugeben. Unterschiede von bis zu 400% innerhalb der gleichen Stadt sind dabei keine Seltenheit.

Der Verein hält Vergleichszahlen für Berlin, Hamburg, Bremen, Hannover, Braunschweig, Kassel, Frankfurt, Heidelberg, Nürnberg, Augsburg, München, Regensburg, Stuttgart und die jeweilige Umgebung der Städte sowie die Stadtgebiete in Nordrhein-Westfalen, die neuen Bundesländer und den Bundesdurchschnitt bereit.

Die Experten raten unbedingt dazu, immer wieder Kontrollen der Abrechnungen und aufgestellten Wirtschaftspläne durchzuführen, um Einsparpotentiale offen zu legen. Bei fehlenden Sachkenntnissen oder auch ganz einfach fehlender Zeit helfen die Mitarbeiter des Vereins natürlich auch hinsichtlich der Prüfung weiter und geben Tipps zur Kontrolle der Arbeitsweise und Abrechnungsmodalitäten der jeweiligen Hausverwaltung.

Weitere Informationen

Hören Sie dazu auch in unseren Podcasts, worauf beim Kauf einer Eigentumswohnung zu achten ist, will man unliebsame Überraschungen vermeiden.

Hören Sie hier Teil 1 unseres Podcasts über den Kauf einer Eigentumswohnung:

Hier können Sie Teil 2 unseres Podcasts über den Kauf einer Eigentumswohnung hören:

Checkliste für den Wohnungskauf
Nebenkosten beim Hauskauf oder Wohnungskauf
Eigentümergemeinschaft - die eigene Wohnung verpflichtet

Autor/in

Eva Blumenfeld

März. 2014

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