Die fünf häufigsten Pflege-Irrtümer im Fakten-Check

Wiesbaden, 09.05.2017:

Tipps von R+V für pflegende Angehörige zum „Tag der Pflege“ am 12. Mai

„Ich werde kein Pflegefall“ – „Falls doch, zahlt alles die Pflegeversicherung“ – „Ich werde später mal von meinen Kindern gepflegt“: Obwohl es in Deutschland mittlerweile fast 2,9 Millionen Pflegebedürftige gibt, kursieren noch immer viele Irrtümer und Vorurteile. Hier die fünf häufigsten im Fakten-Check.

Irrtum 1: Ich werde kein Pflegefall – allenfalls im hohen Alter

Fakt ist: Ab dem 30. Lebensjahr werden mehr als die Hälfte der Männer und drei von vier Frauen im weiteren Leben pflegebedürftig. Bei Paaren liegt die statistische Wahrscheinlichkeit, dass einer der beiden zum Pflegefall wird, damit sogar bei fast 90 Prozent. Pflegebedürftigkeit hat auch nichts mit dem Alter zu tun. Grund kann zum Beispiel ein schwerer Unfall sein. Jeder sechste Pflegebedürftige ist jünger als 65 Jahre.

Irrtum 2: Wenn ich gepflegt werde, dann nur kurz

Fakt ist: Über 70 Prozent aller Pflegefälle werden ambulant versorgt. Eine R+V-Umfrage zur privaten häuslichen Pflege durch Frauen zeigt: Mehr als ein Viertel der Frauen, die Angehörige zu Hause pflegen, tut dies schon fünf Jahre oder länger.

Irrtum 3: Ich werde von meiner Familie gepflegt

Fakt ist: Intakte Familienstrukturen nehmen stark ab. Oft wohnen Angehörige räumlich weit entfernt. Dann muss ein professioneller Pflegedienst ran. Dieser steht übrigens für die Deutschen bei der häuslichen Pflege auf Platz eins (76 Prozent) – noch vor der Betreuung durch Angehörige (64 Prozent), so eine R+V-Umfrage.


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Irrtum 4: Ich habe eine Pflegeversicherung. Mehrkosten zahle ich privat

Fakt ist: Die gesetzliche Pflegeversicherung bietet nach wie vor lediglich eine „Teilkasko“-Absicherung. Je nach Versorgungsart und Pflegegrad kann schnell eine Eigenbeteiligung von 1.500 Euro und mehr pro Monat entstehen, die dann privat zu finanzieren ist. Fakt ist auch: Jeder achte Pflegebedürftige benötigt Sozialhilfe. Kein Wunder, dass vier von fünf Deutschen über eine private Pflege-Vorsorge nachdenken.

Irrtum 5: Die Pflege von Angehörigen schaffe ich neben meinem Job

Die häusliche Pflege von Angehörigen ist oftmals ein „Halbtagsjob“ mit mehr als drei Stunden – dies zeigt eine R+V-Umfrage. Kaum verwunderlich: Nur 42 Prozent der Frauen, die Angehörige pflegen, sind überhaupt berufstätig. Und mehr als die Hälfte von ihnen hat ihre Arbeitszeit reduziert oder flexibler gestaltet.

Weitere Infos

R+V-Studie „Freiraum fürs Leben: Wie Frauen fürs Alter vorsorgen“