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Recht + Finanzen

Mediation: Streitfälle einvernehmlich lösen

Abbildung: Schüttelnde Hände
Gerichtsverfahren kosten Zeit, Geld und Nerven. Deshalb gehen die wenigsten gerne vor Gericht. Außerdem geht der im Verfahren Unterlegene meist leer aus. Damit ist das Verhältnis zwischen den Konfliktparteien in der Regel zerstört – mit oft schwerwiegenden Folgen.

Ein typisches Fallbeispiel

Stellen Sie sich folgendes Szenario vor: In einem Familienunternehmen streiten die Erben um die Nachfolge des Inhabers und die Verteilung der Anteile. Das Klima unter den Beteiligten ist emotional sehr aufgeladen. Sie gehen vor Gericht. Und bekommen nach jahrelangem teurem Rechtsstreit ein Urteil. Es regelt die Nachfolge. Der Gewinner des Prozesses wird aber zugleich verurteilt, die Unterlegenen auszuzahlen. Um das zu finanzieren, muss das Unternehmen erhebliche Mittel aufbringen, die dessen Wettbewerbsfähigkeit nachhaltig schwächen. Und: Die Erben bleiben zerstritten, der nächste Konflikte ist programmiert.

Ein Urteil beendet zwar einen aktuellen Konflikt, löst ihn aber häufig nicht. Einen Ausweg bietet die Mediation. Das ist ein freiwilliges außergerichtliches Verfahren, in dem Konflikte für beide Seiten gewinnbringend gelöst werden können. Dabei bestimmen die Konfliktpartner selbst, wie diese Win-Win-Situation aussehen soll. Bei der Suche danach werden Sie von einem Vermittler, dem Mediator, unterstützt

Beachtliche Erfolgsquoten

Insbesondere in der Wirtschaft spricht sich immer mehr herum, dass einvernehmliche Konfliktlösungen billiger und nachhaltiger sind als oft jahrelang währende Prozesse mit verhärteten Fronten. Amerikanischen Forschungsergebnissen zufolge haben Mediationen im wirtschaftlichen Umfeld Erfolgsquoten zwischen 70 und 90 Prozent.

"Aus diesem Grund bauen immer mehr Firmen Mediation als festen Bestandteil in ihr Konfliktregelungssystem ein", erklärt Jupp Schluttenhofer vom Vorstand des Bundesverbandes Mediation in Wirtschaft und Arbeitswelt. "Mehr und mehr Unternehmen schulen etwa Personalverantwortliche als Mediatoren. Die können dann sehr früh eingreifen, wenn Konflikte gerade erst entstehen, und dadurch oft noch leicht zu lösen sind." So gewinnen die Firmen Zeit und Geld, denn lähmende Auseinandersetzungen werden vermieden.

Dabei sind die Anwendungsbereiche der Wirtschaftsmediation vielfältig und betreffen sowohl den innerbetrieblichen Bereich als auch Konflikte zwischen Unternehmen und mit Dritten. Beispiele sind etwa Mobbing, Mitbestimmungskonflikte oder Konflikte bei Fusionen sowie Wettbewerbsstreitigkeiten.

Qualifizierte Mediatoren wählen

Der Mediator muss sein Fach verstehen. Dazu empfiehlt Inge Thomas-Worm, Geschäftsstellenleiterin des Bundesverbandes Mediation (BM): "Gute Mediatoren sind in der Regel von einem der drei großen Berufsverbände anerkannt oder haben ihre Ausbildung an einer Hochschule absolviert. Bei diesen Mediatoren sind Sie in guten Händen." Die drei großen Berufsverbände sind der BM, der Bundesverband Mediation in Wirtschaft und Arbeitswelt sowie die Bundesarbeitsgemeinschaft für Familienmediation.

Viele Mediatoren haben als Praktiker im jeweiligen Umfeld Erfahrung. So kommt zum Beispiel mehr als die Hälfte der Mediatoren in der Wirtschaft aus juristischen Berufen. "Und die anderen sind Führungskräfte oder Selbständige aus beratenden Tätigkeiten wie Personal- oder Organisationsentwicklung", so Jupp Schluttenhofer. Der Wirtschaftsmediator empfiehlt, möglichst einen Mediator zu wählen, der viel Erfahrung in dem entsprechenden Umfeld mitbringt.

Ablauf einer Mediation

Grundsätzlich können alle Streitenden eine Mediation versuchen. Eine Garantie für eine erfolgreiche Lösung gibt es aber nicht. Denn beide Seiten müssen die Einigung wollen und einen gemeinsamen Konsens zum Ziel haben.

Die Konfliktparteien verständigen sich daher zunächst auf eine freiwillige Mediation und suchen gemeinsam einen Mediator. Mit dem Vermittler wird ein Vertrag geschlossen, in dem sich alle Seiten zu einer konstruktiven Mitarbeit verpflichten. Zugleich werden etwa auch Dauer und Preis der Mediation vereinbart. Anschließend wird festgelegt, welche Konflikte in dem Prozess gelöst werden sollen. Daran schließt sich die Bearbeitung dieser Konflikte an, die im Idealfall zu einer einvernehmlichen Lösung führt. Dieses Ergebnis wird von den Parteien nochmals überprüft, zum Beispiel durch einen Rechtsanwalt, und schließlich schriftlich in einer so genannten Mediationsvereinbarung verbindlich festgehalten.

Mediation: Überaus vielseitig

Mediationen sind so erfolgreich, dass nahezu alle Bundesländer Modellvorhaben dazu betreiben. Ziel ist es dabei, die Gerichte durch mehr Mediation von Verfahren – auch im Strafrecht - zu entlasten. Grundsätzlich wird die Mediation – neben der Wirtschaft - in den verschiedensten Konfliktfeldern angewendet.
  • Familienmediation: Trennungs- und Scheidungsstreitigkeiten sind das klassische Feld der Mediation. Erfolgreich ist sie hier vor allem, weil Mütter und Väter im Interesse Ihrer Kinder gemeinsam nach Lösungen suchen, die ein Miteinander ohne Groll auch nach der Trennung ermöglichen. Mediationen erbringen aber auch gute Ergebnisse etwa bei der Verhandlung von Unterhaltsfragen.


  • Ebenfalls im familiären Umfeld angesiedelt sind Erbschaftsstreitigkeiten. Hier kann eine Mediation dazu führen, dass der Familienfrieden wieder hergestellt wird. Indem alle Beteiligten ein Modell erarbeiten, das den jeweiligen Interessen auf Dauer gerecht wird.


  • Mediation im öffentlichen Bereich: Bei Genehmigungsverfahren für Großanlagen, Raumordnungsverfahren oder Industrieansiedlungen etwa setzt auch die öffentliche Hand immer mehr auf Mediation. Allerdings ist die Vielzahl und Unterschiedlichkeit der Interessen oft so groß, dass eine große einvernehmliche Lösung nicht möglich ist. Hier bleibt meist nur die Verständigung auf den kleinsten gemeinsamen Nenner.


  • Schulmediation: Noch recht neu, aber immer weiter auf dem Vormarsch ist die Mediation an Schulen. Hier hat es sich im Kampf gegen die zunehmende Gewalt an Schulen als erfolgreich erwiesen, Schüler zu "Streitschlichtern" oder "Konfliktlotsen" auszubilden. Ziel solcher Initiativen ist es, das soziale Klima an der Schule zu verbessern und der Gewalt unter den Schülern vorzubeugen sowie soziale Kompetenz zu fördern.


  • Täter-Opfer-Ausgleich: Diese Form der Mediation ist schon länger in der Strafprozessordnung und im Strafgesetzbuch verankert. Dabei geht es in erster Linie darum, den Schaden wieder gut zu machen, den Täter angerichtet haben. Im günstigsten Fall steht am Ende der Mediation die dauerhafte Versöhnung von Täter und Opfern.

Weiterführende Links

Wenn Sie mehr über Mediation wissen wollen oder einen Mediator suchen, stehen Ihenen auf folgenden Seiten weitere Informationen zur Verfügung:
Lena Stenz, Eva Bumenfeld, aktualisiert September 2010.
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