Ihr Ansprech-partner vor Ort
Finden Sie Berater in Ihrer Nähe:
R+V-Ratgeber Unternehmen (Quelle: Thinkstock)

Unternehmen

Management + Personal

Zeitarbeit - Flexibles Wachstumsinstrument

Abbildung: Kalender
Wenn die Nachfrage saisonal stark schwankt oder der Auftragseingang überraschend angestiegen ist, können Unternehmen auf das flexible Instrument der Zeitarbeit zurückgreifen: Anstatt ein festes Arbeitsverhältnis mit einem Arbeitnehmer zu schließen, leihen sie sich für einen gewissen Zeitraum eine Arbeitskraft aus. Wir haben das Wichtigste für Arbeitgeber und Arbeitnehmer zusammengefasst.
Egal ob man von Zeitarbeit, Arbeitnehmerüberlassung, Personalleasing oder Leiharbeit redet - gesetzliche Grundlage ist das Arbeitnehmerüberlassungsgesetz (AÜG). Darin sind die Regeln für das "Verleihen" eines Arbeitnehmers festgehalten. Bei der Zeitarbeit ist der Arbeitnehmer bei einer Leihfirma fest angestellt und zwar in einem voll sozialversicherungspflichtigen Arbeitsverhältnis. Der Arbeitnehmer hat das Recht auf Kranken- und Urlaubsgeld. Er bekommt seine Renten- und Arbeitslosenbeiträge abgezogen. Tätig ist der Zeitarbeiter aber bei einer anderen Firma und zwar für weniger Geld als in diesem Betrieb üblich. "In der Praxis verdienen Zeitarbeitnehmer meist deutlich weniger als ihre festangestellten Kollegen", so die Bundesagentur für Arbeit.

Noch immer mit "Schmuddelimage"

Obwohl die Zeitarbeit in Deutschland seit Jahren weit verbreitet ist, hat sie das Schmuddelimage noch nicht abgelegt. Ein Grund dafür ist die große Zersplitterung der Branche, die schwarzen Schafen genug Raum lässt. Dem Statistischen Bundesamt zufolge gibt es rund 22.000 Verleihbetriebe in Deutschland. Der Markt wird aber von den großen drei Anbietern Randstad mit 63.000 Zeitarbeitern, Adecco mit 52.600 und Manpower mit 26.700 Zeitarbeitern im Jahr 2008 dominiert. Durch die Wirtschaftskrise sind die Beschäftigtenzahlen heute weit geringer, weil viele Unternehmen die Zeitarbeiter als erstes abgebaut haben. Außerdem sind die Zeitarbeitsfirmen in verschiedenen Verbänden organisiert, die unterschiedliche Tarifverträge anwenden. Der Bundesverband für Zeitarbeit (BZA) und der Interessenverband Deutsche Zeitarbeitsunternehmen (iGZ) haben ihre Tarifverträge mit dem Deutschen Gewerkschaftsbund (DGB) geschlossen. Der Arbeitgeberverband Mittelständischer Personaldienstleister (AMP) ist Partner der Tarifgemeinschaft Christliche Gewerkschaften Zeitarbeit und Personalserviceagenturen (CGZP). "Das Auftreten von drei Branchenverbänden mit unterschiedlichen oder nicht abgestimmten Programmen vermittelt ein Bild der Uneinigkeit", räumt auch iGZ-Hauptgeschäftsführer Werner Stolz ein, der vor allem weitere Eingriffe zur Regulierung aus der Politik fürchtet. Gleichzeitig plädiert er für die Abschaffung des Zeitarbeitverbots im Bauhauptgewerbe. Auch Fahrer im Werksverkehr dürfen nicht im Rahmen der Arbeitnehmerüberlassung eingesetzt werden.

Gleiche Bedingungen wie für Angestellte

Seit der Überarbeitung des AÜG im Jahr 2004 ist im Gesetz der Gleichstellungsgrundsatz festgeschrieben. Damit gelten für den Zeitarbeiter die gleichen Bedingungen - auch bei der Bezahlung - wie für die festangestellten Mitarbeiter des Einsatzbetriebs. Allerdings weichen die Verleihfirmen in der Regel davon ab, wie der BZA klarstellt. Grundlage ist der jeweilige Tarifvertrag, der einzelvertraglich vereinbart wird. Laut der Bundesagentur für Arbeit ist dies der Normalfall, denn sonst gäbe es keinen Grund, auf Leiharbeiter zuzugreifen. Die Behörde rät, die Vertragskonditionen in den Tarifverträgen genau zu prüfen, da es große Unterschiede gibt. Diese betreffen neben der Vergütung und eventuellen Zuschlägen auch die Dauer des Beschäftigungsverhältnisses - inklusive Probezeiten und Kündigungsfristen. Ebenfalls geregelt werden der Arbeitszeitrahmen, die Urlaubsansprüche sowie der Ausgleich von Mehrarbeit durch Arbeitszeitkonten.

Bei der Auswahl von Zeitarbeitsfirmen sollten Arbeitgeber darauf achten, dass diese über eine unbefristete Erlaubnis der Bundesagentur für Arbeit verfügen. Während Zeitarbeiter früher nur für 24 Monate an einen Betrieb ausgeliehen werden durften, ist dies mittlerweile ohne zeitliche Beschränkung möglich. Der Leiharbeiter darf auch wieder eingestellt werden, wenn er zwischenzeitlich von seiner Personalleasingfirma gekündigt wurde.

Betriebe profitieren

Die Zeitarbeit hat für Unternehmen drei große Vorteile: Sie können saisonale oder kurzfristig eintretende Auftragsspitzen flexibel ausgleichen, ohne die Fixkosten zu erhöhen. Auch längere Fehlzeiten von Mitarbeitern - etwa durch Mutterschutz - lassen sich so einfach überbrücken. Zweitens gibt das Personalleasing den Betrieben die Möglichkeit, neue, interessante Mitarbeiter über einen längeren Zeitraum zu testen. Eine Festanstellung kann aber erst nach Ablauf des Leiharbeitsverhältnisses erfolgen. Drittens trägt die Verleihfirma die Kosten für Fehl- und Nichteinsatzzeiten des Leiharbeiters. Geeignet ist die Zeitarbeit grundsätzlich für alle Tätigkeiten: Von der Produktion über die Forschung und Entwicklung bis zur Verwaltung. Das Spektrum reicht von der einfachen, ungelernten Hilfskraft bis zum hochspezialisierten Experten mit Studium.

Vorteil für Arbeitnehmer

Vor allem für Arbeitslose ist die Zeitarbeit die Chance, Geld zu verdienen und sich gleichzeitig für eine neue Stelle zu qualifizieren. Immerhin erwerben Zeitarbeiter Rentenansprüche und sind voll sozial- und krankenversichert. Voraussetzung für eine solche Tätigkeit ist große Flexibilität, was den Einsatzort und die -zeiten angeht. Überstunden werden gewöhnlich mit Freizeit abgegolten. Hilfreich ist das "Merkblatt für Leiharbeitnehmer" der Bundesagentur für Arbeit.

Zeitarbeit im Wandel

Durch die hohe Zahl der Zeitarbeitsfirmen herrscht großer Konkurrenzdruck in der Branche. Gleichzeitig geht der Trend weg vom Verleih von Hilfskräften für die Produktion und hin zum Personalleasing von erstklassigen Fachleuten und akademisch ausgebildeten Spezialisten. "Durch die zunehmende Globalisierung, die anziehende Konjunktur und auch den demographischen Wandel entwickeln sich die Personaldienstleistungsunternehmen zunehmend zu Maklern für hochqualifizierte Arbeitskräfte", so iGZ-Regionalkreisleiter Matthias Stief. Immer mehr junge Berufseinsteiger zögen es vor, die Zeitarbeit als Alternative zu wählen, um praktische Erfahrungen zu sammeln, sich auf unterschiedlichen Gebieten zu qualifizieren und damit auch den eigenen Marktwert zu steigern. Nicht zuletzt durch den demographischen Wandel rechnen Experten künftig mit großen Engpässen bei den akademischen Berufen - insbesondere Mathematiker, Informatiker, Naturwissenschaftler und Techniker. Nach Aussage des Instituts für Wirtschaftsforschung in Halle werden in den kommenden Jahren besonders die Sektoren Dienstleistung und Gesundheit verstärkt Zeitarbeit nachfragen. Insgesamt ist damit zu rechnen, dass Verleihfirmen sich stärker spezialisieren oder eigene Bereiche für die Vermittlung hochqualifizierter Arbeiter schaffen. Nach dem vorläufigen Tief im Mai 2009 als nur noch rund 517.000 Zeitarbeiter beschäftigt wurden, sieht die Branche nun den Tiefpunkt erreicht: Bis 2011 solle es in Deutschland wieder eine Million Zeitarbeiter geben, so die Hoffnung.


Eva Blumenfeld, April 2010

Weitere Informationen:

zum Seitenanfang