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R+V-Ratgeber Unternehmen (Quelle: Thinkstock)

Unternehmen

Management + Personal

Gesundheitsmanagement als Chance

Abblidung: Mann mit Kopfschmerzen

Unternehmen bekommen die Auswirkungen der konjunkturschwachen Lage auf unterschiedliche Art und Weise zu spüren. Eine davon ist die Folge eines aus Kostengründen reduzierten Personalbestands.

Kranke Mitarbeiter - ein Problem für das Unternerhmen

Durch krankheitsbedingte Ausfälle tragen oft weniger Mitarbeiter als zuvor ein gleich gebliebenes Aufgabenpensum, hierdurch werden Druck und Stress erhöht. Gleichzeitig wirkt sich die Angst um den Arbeitsplatz auf das Betriebsklima und die individuelle Leistung aus. Zwei Folgeerscheinungen sind möglich: Entweder der Krankenstand erhöht sich oder die Arbeitsqualität sinkt.

Um dies zu vermeiden, können Sie systematisches betriebliches Gesundheitsmanagement in Ihre Organisationsstrukturen integrieren. Wichtig ist eine gut vorbereitete und gezielte Vorgehensweise, bei der Sie sich an den bei Ihnen vorhandenen betrieblichen Verhältnissen mit den individuellen Interessenlagen, Risikofaktoren und Konflikten orientieren. Sowohl Gesundheit als auch Krankheit werden stark durch die Qualität der Arbeit, des Arbeitsumfeldes und der Arbeitsbeziehungen bestimmt. Sie können also durch ein strukturelles und verhaltenssteuerndes Gesundheitsmanagement mittelfristig zu einer verbesserten Wettbewerbsfähigkeit Ihres Unternehmens beitragen.

Praxislösung

Wenn Sie Ihr betriebliches Gesundheitsmanagement erfolgreich optimieren möchten, sollten Sie vorab vier wichtige Erkenntnisse aus der Organisationsentwicklung berücksichtigen:
  • 1. Der Prozess bestimmt das Ergebnis:
    Für eine Neuorientierung muss die Bereitschaft zur Veränderung im gesamten Unternehmen vorhanden sein. Diese ergibt sich nur, wenn alle Mitarbeiter am Prozess beteiligt werden. Oftmals werden dabei die Führungskräfte vergessen, was dazu führen kann, dass sie das Gesundheitsmanagement nicht unterstützen. Schließen Sie auch die Arbeitnehmervertretung in die Veränderungsprozesse mit ein.
  • 2. Die Maßnahmen müssen dem Reifegrad des Unternehmens entsprechen:
    Die Entwicklung entspricht einem Lernprozess, in dem Ihre Mitarbeiter Fähigkeiten entfalten und effiziente Lösungen für organisatorische Probleme entwickeln können. Hier ist das Menschenbild, dass im Unternehmen vorherrscht, von großer Bedeutung.
  • 3. Die Maßnahmen müssen zum richtigen Zeitpunkt erfolgen:
    Entscheidungsträger und Betroffene sprechen die Maßnahmen ab und setzen einige davon relativ schnell um, um die Motivation zu erhalten.
  • 4. Die Maßnahmen sollten in sich "stimmig" sein:
    In vielen Unternehmen haben die Führungskräfte eine gute Beziehung zu ihren Mitarbeitern. So wurden z. B. schon immer Rückkehrgespräche geführt und Hausbesuche mit positiver Wirkung gemacht. In Firmen, in denen die Vorgesetzten über die Sachaufgabe hinaus kaum mit den Beschäftigten reden, werden solche Maßnahmen nicht greifen, weil sie hier wie Kontrollmaßnahmen wirken und nicht stimmig sind.

Instrumente des betrieblichen Gesundheitsmanagements

Das betriebliche Gesundheitsmanagement wird besonders gut von folgenden Instrumenten unterstützt:
  • Projektgruppen: Sie ist das entscheidende Instrument bei der Durchführung von Veränderungen und unterstützt die Planung und Steuerung des Veränderungsprozesses. Die Gruppe hat die Aufgabe, organisationale, ergonomische und personale Maßnahmen zu entwickeln, diese umzusetzen und auf ihren Erfolg hin zu kontrollieren. Für eine erfolgreiche Projektgruppenarbeit gelten folgenden Rahmenbedingungen: Beteiligen Sie alle Betroffenen, wobei die Gruppe aus höchstens neun Mitarbeitern bestehen sollte. Die Zusammensetzung der Gruppe sollte abteilungs- und hierarchieübergreifend sein. Gestalten Sie die Arbeit zielorientiert und zeitlich befristet. Durch regelmäßige Rücksprache aller von einer Veränderung betroffenen Mitarbeiter sollen spezielle Problemfelder mit berücksichtigt werden.


  • Motivationsanalyse: Hier steht die Befragung der Mitarbeiter im Vordergrund, diese kann sowohl schriftlich als auch mündlich stattfinden. Bei einer schriftlichen Befragung werden aber offene Fragen von den Mitarbeitern selten beantwortet und bei geschlossenen Fragen die Antworten gleich mitgeliefert. Dafür können Sie mit relativ wenig Aufwand eine große Zahl von Mitarbeitern befragen. Die genannten Nachteile einer schriftlichen Befragung können Sie mit Einzelinterviews vermeiden, allerdings verursachen diese einen nicht unerheblichen Aufwand. Beides hat zwar seine Vor- und Nachteile, die besten Ergebnisse erzielen Sie aber immer noch, wenn Sie die spezifischen unterschiedlichen Vorgehensweisen miteinander kombinieren.


  • Datenrückkopplung: In einigen Unternehmen haben die Mitarbeiter resigniert, nach dem Motto: "Hier ändert sich sowieso nichts". Um eine solche Haltung zu vermeiden, sind Datenrückkopplungen wichtig. Informieren Sie Ihre Beschäftigten über die Ergebnisse und die daraus resultierenden Maßnahmen. Diskutieren Sie die Befragungsergebnisse in den Abteilungen und erforschen Sie die Ursachen für bestimmte Resultate. So lassen sich gemeinsam mit den Mitarbeitern Maßnahmenkataloge für eine verbesserte Arbeitssituation entwickeln. Sie zeigen, dass es Ihnen mit dem Gesundheitsmanagement ernst ist und wirken damit motivationsfördernd auf das Betriebsklima ein. Die Identifikation Ihrer Mitarbeiter mit dem Unternehmen verstärkt sich. In rein schriftlicher Form können Sie die Rückkopplung über ein Informationsrundschreiben oder einen Artikel in der Betriebszeitung realisieren. Bei einer rein mündlichen Form sollten Sie visuelle Hilfsmittel zur Unterstützung einsetzen.


  • Gesundheitszirkel: Mit der Einführung von Gesundheitszirkeln haben Sie ein Instrument zur Verfügung, mit denen die Mitarbeiter die Belastungen aus ihrer Arbeitssituation heraus reduzieren können. Das Team eines Zirkels besteht aus sechs bis neun Beschäftigten, die sich über einen begrenzten Zeitraum in regelmäßigen Abständen und unter der Leitung eines geschulten Moderators treffen. Dabei werden die Arbeitsanforderungen des eigenen Arbeitsbereichs, die die Mitarbeiter als gesundheitlich beeinträchtigend erleben, gesammelt und Vorschläge zur Verringerung bzw. Beseitigung gemacht. Bei den Zirkeln stehen zwei Fragen im Vordergrund:
    1. Welche Tätigkeiten einer Abteilung oder Arbeitsgruppe verursachen körperliche oder psychische Beschwerden?
    2. Welche Möglichkeiten gibt es, um diese Belastungen zu reduzieren?

Maßnahmen im betrieblichen Gesundheitsmanagement

Die Ergebnisse der Befragung, der Datenrückkopplung und der Gesundheitszirkel sind die Basis für gezielte Maßnahmen in Ihrem Unternehmen. Dabei unterscheiden Sie zwischen Verhaltensprävention (z.B. das Rauchen aufgeben, mehr Bewegung, gesündere Ernährung) und Verhältnisprävention (ergonomische Arbeitsplätze, benutzerfreundliches Werkzeug, aber auch Verbesserungen der Organisationsstruktur oder der Unternehmenskommunikation). Oft wird Prävention mit Gesundheitsmanagement gleichgesetzt, das betriebliche Gesundheitsmanagement geht jedoch über eine Verhaltens- und Verhältnisprävention hinaus. Während die Prävention Krankheiten verhindern und den bestehenden Gesundheitszustand sichern will, strebt das Gesundheitsmanagement eine Verbesserung der Gesundheit an.
  • Personale Maßnahmen: Hierzu gehören Qualifizierungsmaßnahmen für Mitarbeiter und Vorgesetzte.
  • Ergonomische Maßnahmen: Gestaltung des Arbeitsplatzes (Tisch, Stuhl, Beleuchtung, Klima).
  • Organisationale Maßnahmen: Durchführung von Gesundheitszirkeln, Entwicklung einer offenen Vertrauenskultur.

Fachliteratur zum Thema

  • Braun, M.: Unternehmensstrategie Gesundheit. Expert Verlag, Malmsheim-Renningen 2004.
  • Busch, R.: Unternehmensziel Gesundheit. Hampp Verlag, Mering 2004.
  • Kuhn, D. / Sommer, D.: Betriebliche Gesundheitsförderung. Gabler Verlag, Wiesbaden 2004.
  • Ulich, E. / Wülser, M.: Gesundheitsmanagement in Unternehmen. Gabler Verlag, Wiesbaden 2005.
Quelle: Das Wissens-Portal www.pro-manager.de Link zu: www.pro-manager.de.

Lena Stenz, E.Blumenfeld, aktualisiert Oktober 2009.
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