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eBay - Schnäppchenjagd mit Fallstricken

Abbildung: Notebook
Rund 20 Millionen registrierte Mitglieder hat eBay in Deutschland. Im Jahr 2005 setzten sie auf dem deutschen Online-Marktplatz ein Handelsvolumen (der Wert aller bei eBay gehandelten Waren und Dienstleistungen) von 6,5 Milliarden EUR um. Im Durchschnitt waren dabei ständig mehr als 8,8 Millionen Artikel im Angebot. Diese Zahlen belegen eine wachsende Fangemeinde der Online-Auktionen beim amerikanischen Marktführer. Doch nicht alle Kunden sind zufrieden. Immer wieder werden eBay-Nutzer Opfer von Betrügern. Dabei ist die Liste der Verfehlungen lang. Bezahlte Ware, die nie versandt wird, frisierte Bewertungsprofile oder irreführende Angebote - statt des erhofften Schnäppchens bleibt für die Geprellten am Ende nur eine böse Überraschung.

Betrügerische Preistreiberei

Manche Verkäufer bieten von einem oder mehreren eBay-Accounts für ihre eigenen Waren mit und treiben den Preis so künstlich in die Höhe. Experten empfehlen vor diesem Hintergrund den eBay-Bietagenten nicht zu nutzen. Durch das bei ihm eingestellte Maximalgebot kann der geübte Verkäufer leicht erkennen, wo das individuelle Preislimit liegt und den tatsächlichen Preis entsprechend nah an diese Grenze treiben. Empfohlen wird vielmehr, erst kurz vor Ende der Auktion einzusteigen, um sich nicht unnötig am Preishochtreiben zu beteiligen. Bei der Abgabe dieser Last-Minute-Gebote sollte der Nutzer allerdings stets die Geschwindigkeit seines Online-Zugangs mit einkalkulieren. Ein langsamer Zugang kann dazu führen, kein passendes Gebot mehr abgeben zu können.

Kauf gegen Vorkasse

Überwiegend werden bei eBay Waren gegen Vorkasse erworben. Das Problem dabei ist die Zeitspanne zwischen der Überweisung des Geldes und dem Versand der Waren. Hier gab es in der Vergangenheit wiederholt Fälle, in denen beispielsweise hochwertige technische Produkte wie Laptops im großen Stil angeboten wurden. Diese wurden dann von Kunden ersteigert und bezahlt, aber vom Versteigerer nie verschickt. Dies macht sich erst nach Tagen oder Wochen durch negative Bewertungen bemerkbar. Auch wenn der Händler dann vom Handel ausgeschlossen wurde, war es für die meisten Geprellten bereits zu spät. Das Geld war weg und der Betrüger verschwunden.

Treuhandkonto vermeidet Probleme

Experten empfehlen daher beim Bezahlen bei eBay auf sichere Zahlungsmethoden wie etwa den Treuhandservice oder das elektronische Zahlungssystem PayPal zu setzen. Treuhandkonten bieten sich vor allem bei hochwertigen und entsprechend hochpreisigen Artikeln an. Hier zahlt der Käufer den Kaufpreis (gegen eine kleine Gebühr) auf ein neutrales Treuhandkonto, das erst dann frei geschaltet wird, wenn die Ware beim Käufer angekommen ist. Der Treuhandservice wird von der iloxx AG unter dem Namen iloxx SAFETRADE angeboten und kann für Transaktionen in Deutschland und Österreich sowie zwischen diesen beiden Ländern genutzt werden. Für die Teilnahme an dem Treuhandservice muss man sich auf der Internetseite www.iloxx.de registrieren. Dabei wird das Geld an iloxx überwiesen, diese meldet dem Verkäufer den Geldeingang. Daraufhin versendet der Verkäufer die Ware. Wenn der Käufer iloxx den ordnungsgemäßen Eingang der Ware meldet, wird das Geld von iloxx an den Verkäufer überwiesen.

Paypal ist die Online-Bezahlungstochter von eBay. Hier eröffnet der Kunde ein Konto und kann von diesem die Bezahlung von entsprechend gekennzeichneten Artikeln mit wenigen Mausklicks erledigen. Als Zahlweisen werden Lastschrift, Giropay, die Kreditkarten Visa oder Mastercard oder Guthaben auf dem Paypal-Konto angeboten. Bei Paypal-Transaktionen liegt der Käuferschutz für eBay-Artikel mit 500 Euro deutlich über dem Standard-Käuferschutz.

Verträge sind bindend

In einem richtungweisenden Urteil zu einer Onlineauktion hat der Bundesgerichtshof entschieden, dass verbindliche Verträge zustande kommen, wenn sich aus den allgemeinen Geschäftsbedingungen oder Vorbehalten des Anbieters nichts anderes ergibt. Das heißt, auch eine Online-Auktion führt zu einem bindenden Vertrag. "Wer als Verkäufer einen Artikel bei eBay einstellt, gibt ein verbindliches Angebot auf Abschluss eines Vertrages über diesen Artikel ab. Wenn Sie ein Gebot für einen Artikel abgeben oder den Artikel über "Sofort-Kaufen" erwerben, erklären Sie damit die Annahme des Angebots.", heißt es dazu im kürzlich eingerichteten eigenen Rechtsportal von eBay. Und weiter: "Grundsätzlich sind alle Gebote bei eBay verbindlich".

eBay-Rechtsportal

eBay selbst hat bereits einen steigende Nachfrage nach Informationen über Rechtsfragen registriert. Entsprechend hat das Unternehmen unter www.ebay.de/rechtsportal Link auf das ebay-Rechtsportal
http://pages.ebay.de/rechtsportal/
im Frühjahr 2007 ein neues Rechtsportal eingerichtet, mit Informationen für alle, die auf dem Online-Marktplatz handeln oder handeln wollen und über die dabei geltenden rechtlichen Rahmenbedingungen. Das Portal erläutert nach Themenfeldern geordnet und in einzelnen Rubriken für Käufer, private Verkäufer und gewerbliche Händler rechtlich relevante Grundbegriffe und die wesentlichen Abläufe auf dem eBay-Marktplatz.

Polizei oder Anwalt einschalten

Kommt es zu Streitigkeiten oder offensichtlichem Betrug bleibt dem Nutzer letztendlich nur der Gang zur Polizei und einem Anwalt, der die eigenen Ansprüche zivilrechtlich durchsetzt. eBay selbst bietet einen so genannten "Käuferschutz" an. Dieser ist eine Kulanzleistung, die eBay seinen Mitgliedern kostenlos anbietet. Der Käuferschutz greift nach Unternehmensangaben wenn ein Artikel bezahlt aber nicht angekommen ist und wenn der Artikel im Wert erheblich von der Artikelbeschreibung abweicht. Der Haken dabei: eBay übernimmt lediglich Kosten von bis zu 200,00 EUR und nimmt dafür eine Bearbeitungsgebühr von 25,00 EUR. Entsprechend werden Kosten über 200 EUR nur anteilig ersetzt. Artikel unter 25 EUR sind wegen der Bearbeitungsgebühr nicht sinnvoll für diesen "Käuferschutz".

Grundlegende Ratschläge

Ein paar grundlegende Ratschläge für die Teilnehmer von Onlineauktionen hat die Verbraucherzentrale Thüringen e.V. erstellt. Sie rät auf ihrer Internetseite www.vzth.de Link zur Verbraucherzentrale Thüringen
www.vzth.de
unter anderem:

  • Sich vorab zu informieren, was ein Produkt regulär kosten würde.
  • Nachzuschauen, was üblicherweise für adäquate Produkte geboten wird
  • Ein Höchstgebot vor Beginn der Versteigerung fest zu legen und an diesem dann auch konsequent festzuhalten.
  • Die Versandkosten in den Gesamtpreis mit einzukalkulieren.
  • Sich vor der Abgabe eines Gebotes über den Versteigerer zu informieren. Anhaltspunkte können die Bewertungen oder auch Hinweise in den Diskussionsforen der Anbieter sein. Bei den Bewertungen sollten auch die Begründungen sorgfältig durchgelesen werden.
  • Bei Zahlung per Vorkasse: Nur überweisen, wenn vom Versteigerer eine ladungsfähige Adresse vorliegt. Hier wird eine gesonderte Bestätigung vom Verkäufer über Adresse und Kontendaten beispielsweise via E-Mail empfohlen.
  • Hinweise des Versteigerers zur Qualität des Produktes beachten. Bei Unklarheiten nachfragen.
Generell gilt, auch im Internet den gesunden Menschenverstand walten lassen: Klingt ein Angebot zu gut, ist es nicht unwahrscheinlich, dass daran etwas faul ist. Zudem sollten alle wichtigen Schritte bei der Online-Versteigerung entsprechend dokumentiert werden. Das gilt vor allem für die Angebotsbeschreibung. Diese kann entweder auf dem Rechner gespeichert oder ausgedruckt werden. So kann sich der Nutzer vor nachträglichen Manipulationen schützen.

H. Neufeldt, April 2007
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