R+V Ratgeber Partnerschaft + Familie

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Grundschule und dann?

Nach dem erfolgreichen Abschluss der vierten Klasse an der Grundschule stehen in der Regel drei Grundformen für eine weiterführende Schule offen. Die Bundesländer Berlin und Brandenburg bilden mit dem System einer sechsjährigen Grundschule eine Ausnahme.

Schulformen

1. Hauptschule

Ziel der Hauptschule ist es, Schüler für die Arbeit in Handwerk, Industrie und einfachen Dienstleistungen berufsfähig zu machen. Entsprechend ist der Unterricht stark praxisorientiert, vermittelt aber ebenso wissenschaftliche Grundlagen. Die unterrichteten Fächer (auch Fächerkanon genannt) entsprechen denen der anderen Schulen. Auf das Fach Arbeitslehre wird dabei ein besonderes Augenmerk gerichtet. Den Schülern wird mit verschiedenen Maßnahmen bei der Berufwahl geholfen. Mehrere Betriebspraktika geben die Möglichkeit Erfahrungen in der Arbeitswelt zu sammeln sowie Vorlieben und Begabungen zu erkennen. Der Hauptschulabschluss wird in der Regel nach dem neunten oder zehnten Schuljahr erreicht.

2. Realschule

Die Realschule soll Schüler darauf vorbereiten, eine Berufsausbildung zu beginnen oder eine weiterführende Schule (beispielsweise Fachoberschule) zu besuchen. Neben dem normalen Fächerkanon können sich Realschüler ab der siebten Klasse in verschiedenen Fächerausrichtungen spezialisieren. In der Regel orientieren sich diese Ausbildungszweige am mathematisch-naturwissenschaftlichem und technischem Bereich, Wirtschaft oder Sozialwesen und Fremdsprachen. Wie die einzelnen Zweige gestaltet sind, hängt vom Bundesland und auch der gewählten Schule selbst ab. Ziel der Ausbildung ist nach zehn Schuljahren der Realschulabschluss, der auch "Mittlere Reife" genannt wird.

3. Gymnasium

Das Gymnasium soll Schüler in erster Linie auf ein Studium vorbereiten. Wer das Gymnasium erfolgreich absolviert, erhält mit dem Abitur die "allgemeine Hochschulreife" und kann damit an Universitäten oder Fachhochschulen studieren. Das Abitur ist aber auch bei der Wahl einer beruflichen Ausbildung in der Regel kein Nachteil, in manchen Fällen sogar von Vorteil. Die gymnasiale Ausbildung setzt in allen Fächern auf anspruchsvolle und theoretisch fundierte Bildungsinhalte. Die Schulzeit teilt sich auf in die Sekundarstufe I von der fünften bzw. siebten bis zur zehnten Klasse und die Sekundarstufe II (Oberstufe) von der elften bis zum Abschluss. Je nach Schule und Bundesland kann entweder nach der 12. oder der 13. Klasse das Abitur gemacht werden. Viele Gymnasien legen bei ihrer Ausbildung bestimmte Inhaltschwerpunkte.

So gibt es:
  • Humanistische Gymnasien (Schwerpunkt bei den "alten" Sprachen Griechisch und Latein)
  • Musikgymnasien
  • Neusprachliche Gymnasium (Schwerpunkt bei den "neuen" Sprachen Englisch, Französisch und Spanisch)
  • Naturwissenschaftliche Gymnasien
  • Sportgymnasien
  • Wirtschaftsgymnasien

4. Sonderform Gesamtschule

Die Gesamtschule ist eine weiterführenden Schule, die in mehreren Bundesländern als Alternative zum traditionellen dreigliedrigen Schulsystem (Hauptschule, Realschule, Gymnasium) angeboten wird. Prinzipiell ist die Gesamtschule eine Mischform, die alle drei Schulformen zu verbinden versucht. Wie das System und die Lerninhalte und –ziele ausgestaltet sind, ist von Bundesland zu Bundesland und von Schule zu Schule verschieden.

Schulempfehlungen

Schulempfehlungen geben Anhaltspunkte

Mit dem Halbjahreszeugnis für das vierte Schuljahr (außer in Berlin und Brandenburg) wird auch eine Empfehlung abgegeben, welche weiterführende Schule der oder die Lehrer der Grundschule für das Kind geeignet halten. Sie ist ein Anhaltspunkt wohin die "Schulreise" später gehen wird. Grundlage der Empfehlung sind in der Regel die Schulnoten des Kindes in der vierten Klasse. Diese Empfehlungen sind allerdings nicht unumstritten.

Empfehlungen oft zweifelhaft

Laut einer aktuellen Studie von Rainer Block von der Universität Duisburg-Essen sind Übergangempfehlungen der Grundschulen zum Besuch der weiterführenden Schulen "wenig zuverlässig". Das ergab eine Analyse des Bildungsexperten auf Basis der repräsentativen PISA-Umfrage. Demnach hat der überwiegende Teil der Schüler, die von einer höheren auf eine niedrigere Schulform wechseln mussten, eine Empfehlung für die Schulform erhalten, auf der sie "letztendlich gescheitert sind". 73 Prozent aller 15-jährigen Realschüler, die von einem Gymnasium gewechselt sind, hatten eine Empfehlung für das Gymnasium. Bei Hauptschülern, die einen Schulformabstieg hinter sich haben, sind es der Untersuchung zufolge 69 Prozent, denen von der Grundschule eine höhere Bildungslaufbahn prognostiziert wurde.

Dabei liege das Risiko, in Folge einer falschen Grundschulempfehlung einer nicht geeigneten oder zu hohen Schulform zugewiesen zu werden, um ein Vielfaches höher als aufgrund überhöhter Bildungsansprüche der Eltern. Der Studie zufolge ist dabei nicht mangelnde Kompetenz der Grundschullehrer Grund für die falschen Empfehlungen. Autor Block verweist vielmehr auf die grundlegende Tatsache, dass sich das Leistungsvermögen Zehnjähriger und deren weitere Entwicklung nicht hinreichend sicher einschätzen und voraussagen lässt.

Was Sie tun können

1. Sich selbst ein Bild machen

Um die möglichst optimale weiterführende Schulform zu finden, raten Schulexperten den Eltern einhellig, sich selbst ein möglichst umfangreiches Bild vom Leistungsvermögen des Kindes zu machen. Einen ersten Anhaltspunkt bieten hier bereits die Schulnoten der dritten Klasse. Eltern sollten jedoch unabhängig von den Noten bereits frühzeitig das Gespräch mit den Schulvertretern über den Ausbildungsstand des Kindes suchen. Erster Ansprechpartner ist hier der Klassenlehrer. Er kann in der Regel am Besten ein Gesamtbild vermitteln und die Stärken und Schwächen des Kindes aufzeigen. Auch der Leistungstand im Vergleich zum Rest der Klasse ein verlässlicher Anhaltspunkt. Experten raten zudem, den Wunsch des Kindes zwar in die Überlegungen mit einzubeziehen, ihm aber nicht zu viel Gewicht zu geben. In dem Alter, in dem der Schulwechsel ansteht, können Kinder in der Regel die Tragweite dieser Entscheidung nicht überschauen und orientieren sich vornehmlich an dem Verhalten ihrer Freunde und Klassenkameraden.

2. Beratungsangebote nutzen

Grundschulen bieten in der Regel im ersten Schulhalbjahr der vierten Klasse eine Beratungsveranstaltung zu den weiterführenden Schulen an. Experten empfehlen, darüber hinaus regelmäßig konkrete Gespräche mit den Lehrern zu suchen. Viele Schulen haben auch einen speziellen Beratungslehrer bestimmt, der sich mit der Thematik des Schulwechsels besonders intensiv befasst. Da die Schulausbildung unter die Hoheit der Bundesländer fällt, gibt es in jedem Bundesland eigene individuelle und unabhängige Beratungsstellen für Eltern und Schüler. Sie können anhand der jeweiligen Begebenheiten mit Beratung und Praxiserfahrungen bei der Entscheidungsfindung helfen. Einen Überblick und weiterführende Links zu den Beratungsstellen bietet der Deutsche Bildungsserver

3. Kandidaten persönlich prüfen

Vor der Anmeldung ist es ratsam, die Schule gemeinsam mit dem Kind persönlich in Augenschein zu nehmen. Die meisten Schulen bieten entsprechende Informationsveranstaltungen wie einen "Tag der offenen Tür" an. Hier können Klassenräume, technische Ausstattung der Lehrräume, Zustand und Sauberkeit der Gebäude und – wenn an einem "richtigen Schultag" veranstaltet - auch Lehrer und künftige mögliche Mitschüler in Augenschein genommen werden.

Beachten Sie dabei

Eingeschränkte Wahl in manchen Ländern

Unabhängig von der Einschätzung der Eltern sind die Voraussetzungen, nach denen ein Kind an einer Schule angemeldet werden kann, je nach Bundesland unterschiedlich gestaltet. In einigen Bundesländern ist die Empfehlung der Grundschule in bestimmten Bereichen verbindlich. So kann beispielsweise in Schleswig-Holstein ein Grundschüler mit einer Hauptschulempfehlung nicht an einem Gymnasium angemeldet werden. Auch kann die Aufnahme an einer Schule von einer Aufnahmeprüfung abhängig gemacht werden. Ebenso wie die Aufnahmebedingungen sind auch die (gesetzlichen) Möglichkeiten der Eltern sich über Empfehlungen hinwegzusetzen oder diese anzufechten unterschiedlich geregelt. Einen Überblick über die wichtigsten schulgesetzlichen Regelungen bietet die IHK 24 Berlin Link zur IHK 24 Berlinauf ihrer Website.

Rechtzeitig anmelden

Ein generelles Recht auf freie Schulwahl gibt es nicht. So ist die Wahl der Schule auch davon abhängig, wie die Schulen belegt sind. Schüler können unter Beachtung von Zumutbarkeitskriterien wie etwa der Entfernung zum Wohnort auch anderen Schulen als der Wunschschule zugewiesen werden, wenn diese bereits voll ist. Experten raten daher, sich rechtzeitig über die Anmeldefristen der in Frage kommenden Schulen zu informieren. Viele Schulen bitten im Februar, März oder April um die Anmeldung für ihre neuen Schüler.

Linktipp

Weitergehende Informationen rund um das Thema Schule und Ausbildung für Eltern und Kindern bietet der "Deutsche Bildungsserver" unter der Internetadresse http://www.bildungsserver.de Link zum Deutschen Bildungsserver

H. Neufeldt, Februar 2006
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Letzte Änderung: 21.12.2009
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