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Mobbing in der Schule

Abbildung: Drohender Schüler
Mobbing ist den gängigen Definitionen von Psychologen und Sozialwissenschaftlern zufolge "offen oder subtil ausgeübte Gewalt, die sich über Wochen oder Monate gegen einen oder mehrere Betroffene richtet." Dabei kann die Gewalt physisch wie auch psychisch ausgeübt werden. Die Grenzen zwischen alltäglicher Aggression in der Schule und Mobbing sind fließend. Vor allem der "Psychoterror" zeigt sich in vielerlei Gestalt: Die direkte Form durch Hänseln, Beschimpfen, Bloßstellen oder Drohungen oder die subtilere Variante durch Ausgrenzen, üble Nachrede oder Verleumdungen. Offene körperliche Gewalt, bei der die Opfer physisch gequält werden, nennt sich "Bullying". Generell zeigt sich, dass die Form des Mobbings sich mit zunehmendem Alter eher von offener körperlicher hin zu den subtilen psychischen Quälereien verschiebt.

Opfer und Täter

Nach Untersuchungen von Psycholgen scheinen gewisse Persönlichkeitsmerkmale bei Mobbing-Opfern öfter vorzukommen. Demnach erhöhen etwa ein geringes Selbstwertgefühl, ein überangepasstes Verhalten und Ängstlichkeit das Risiko, Opfer von Mobbing-Attacken zu werden. Auch äußerliche Erscheingsmerkmale wie andersartiges Aussehen, Ungeschicklichkeit, Unsportlichkeit oder Übergewicht können Mobbing provozieren. Bei den Tätern gibt es den Untersuchungen zufolge ebenfalls gewisse Auffälligkeiten in der Persönlichkeit zu beobachten. Aktive Mobber versuchen mit ihren Taten Stärke und Macht zu demonstrieren und damit Selbstwert und Ansehen in der Gruppe zu steigern.

Mobbing in der Schule weit verbreitet

Mobbing in der Schule ist dabei viel weiter verbreitet als von vielen gedacht. So kommt eine Studie des Robert Koch Institutes über Berliner Schüler zu dem Ergebnis, dass sich jeder dritte Befragte in der Schule oder auf dem Heimweg drangsaliert fühlt. Nach Angaben der Polizei werden Mobbing-Fälle zwar immer öfter zu einer Anzeige gebracht. Dennoch gibt es dabei nach wie vor eine enorme Dunkelziffer.

Auswirkungen bei Betroffenen

Ein häufiges Problem bei Mobbing-Opfern ist laut Psychologen, dass diese die Fehler und Ursachen für das Problem zunächst bei sich selbst suchen. Sie kommunizieren die Probleme nicht offen gegenüber Lehrern, Mitschülern oder Eltern und verbauen sich somit die Chance auf eine schnelle Abhilfe. Dabei kann Mobbing fatale Auswirkungen auf die Psyche und Gesundheit haben. Neben einem zerstörten Selbstbewusstsein können psychosomatische Folgeerscheinungen wie etwa Appetitlosigkeit, Schlaf- und Konzentrationsstörungen auftreten. Mobbing über einen längeren Zeitraum kann bis zu einer Depression führen.

Anzeichen bei Mobbing-Opfern

Für Eltern ist es nicht leicht, zu erkennen, wenn ihr Kind das Opfer von Mobbing-Attacken ist und dies aus Scham oder von den Tätern eingeschüchtert nicht erzählt. Auch für Lehrer ist es schwer, Mobbing-Aktivitäten in ihrer Klasse zu identifizieren. Oft finden die Quälereien nicht im Unterricht selbst, sondern in den Pausen und dem Hin- und Rückweg zur Schule statt. Psychologen haben bei Opfern jedoch eine Reihe von übereinstimmenden Verhalten identifiziert, die als Anzeichen für Mobbing gedeutet werden können:
  • Schwächer werdende Leistungen in der Schule
  • Nicht mehr in die Schule gehen wollen
  • Der Wunsch auf dem Schulweg von den Eltern begleitet zu werden
  • Das Essens- und Getränkegeld wird regelmäßig "verloren"
  • Kinder ziehen sich in sich selbst und von Freunden zurück
  • Alpträume in der Nacht
  • Stottern

Schnelles Handeln das Wichtigste

Wer bei seinem Kind entsprechende Anzeichen erkennt, sollte so schnell wie möglich handeln. "Das Dümmste, was man machen kann, ist warten und hoffen, dass es vorbei geht", sagt Mobbing-Experte Werner Edner. Der Lehrer berät gemeinsam mit psychologischen Experten seit mehreren Jahren Mobbing-Opfer oder deren Eltern und betreibt unter anderem das Online-Portal www.schueler-mobbing.de Link auf www.schueler-mobbing.de. "In 95% der Fälle wird viel zu lange gewartet, bis etwas unternommen wird", sagte der Experte und verweist auf die möglichen dramatischen Folgen. Dabei liege es an Eltern und Lehrern, die Missstände zu erkennen. Von den Opfern selbst gehe in der Regel keine Initiative zur Abhilfe aus. Wobei Experte Edner dieses den Opfern nur raten kann: "Habe Mut und wende Dich an Eltern oder Lehrer!"

Empfehlungen für Eltern

Experte Edner gibt aus seiner praktischen Erfahrung in diesem Bereich konkrete Empfehlungen für Eltern und Opfer. So sollten Eltern stets auf Anzeichen von Kummer bei ihrem Kind achten. Und sie sollten aktiv Interesse am Leben des Kindes und seinem Bekanntenkreis zeigen. Dazu gehörten Gespräche über Freundschaften, die Freizeitgestaltung und darüber, was auf dem Schulweg alles passiert.

Strategien entwickeln

Wenn Eltern wissen, dass ihr Kind ein Opfer von Mobbing und Gewalt ist, sollte dem Kind im Gespräch zunächst klar gemacht werden, dass an ihm nichts falsch oder schlecht ist. Vorwürfe und Vorhaltungen sollten unter allen Umständen vermieden werden. Sie führen zum genauen Gegenteil eines notwendigen Vertrauensverhältnisses. Eltern sollten dem Kind zudem raten, nicht zu zögern, einem Erwachsenen - zum Beispiel einem Lieblingslehrer - darüber zu berichten. Gemeinsam mit dem zuständigen Lehrer und Kind sollte eine konkrete Strategie ausgearbeitet werden, wie das Mobbing beendet werden kann. Dabei sollte der Lehrer, nicht den speziellen Mobbing-Fall des Opfers diskutieren, sondern lieber aufzeigen, welche Konsequenzen Mobbing jeglicher Art in Zukunft für die Täter haben wird. Unterlassen sollten Eltern dagegen persönlich mit dem Täter oder dessen Eltern zu reden. Dieses wirkt sich laut Edner im Endeffekt in der Regel negativ auf das Opfer aus.

Umgehend die Schule benachrichtigen

Wenn Eltern glauben, dass ihr Kind das Opfer von Mobbing oder Gewalt ist, dann sollten Sie die Schule benachrichtigen und um einen Termin mit dem Lehrer bitten, der sich der Probleme der Kindes annehmen sollte. Mobbing-Berater Edner empfiehlt Aufzeichnungen, falls die Angriffe gegen das Kind fortgesetzt werden. Dabei sollten die Eltern versuchen, folgende Fragen zu klären: Was genau, ist wie wo und wann geschehen und wer war daran beteiligt?

Maßnahmen absprechen

Hilfsmaßnahmen für das Kind sollten mit dem zuständigen Lehrer besprochen werden. Unterstützt dieser entsprechende Maßnahmen nicht, sollten Elternvertreter oder eine übergeordnete Stelle wie das Schulamt oder der schulpsychologische Dienst kontaktiert werden. Wird das Kind auch außerhalb Schule gemobbt, empfiehlt Experte Edner einen Anwalt hinzuziehen. Dieser kann in einem Brief an die Eltern des Täters die möglichen rechtlichen Konsequenzen bei einer Wiederholung der Angriffe darstellen.

Mehr Informationen im Internet




Heike Neufeldt, August 2007
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Letzte Änderung: 21.12.2009
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