Depression- was ist das?
Traurigkeit allein ist noch keine Depression. Jeder Mensch ist einmal traurig. Die Traurigkeit gehört in das normale Gefühlsspektrum eines jeden und hat dort auch ihren Nutzen. Schmerzhafte Erfahrungen für die Seele können durch sie verarbeitet und überwunden werden.
Wenn die Stimmung sich jedoch auch nach Wochen nicht hebt und keine Aufmunterung mehr möglich ist, könnte bei folgenden Symptomen eine Depression vorliegen:
- Eine Veränderung der Gefühlswelt. Während im gesunden Zustand die verschiedenen Stimmungslagen je nach Tagesform und Erlebnissen immer wieder schwanken, herrscht in der Depression eine wochen- oder monatelang gleich bleibende, düstere Stimmung. Bei manchen kann die Depression sogar über Jahre anhalten.
- Hoffnungslosigkeit, Hilflosigkeit, Verzweiflung, Schuld, Angst und die Unfähigkeit zu fühlen sind die dominierenden Emotionen. Dazu gesellen sich häufig negative Einstellungen zur eigenen Person, der Zukunft, ein ausgeprägter Grübelzwang, die Unfähigkeit sich zu entscheiden und sich zu konzentrieren. Auch wahnhafte Überzeugungen (z. B. unheilbar erkrankt zu sein oder die eigene Familie in den Ruin getrieben zu haben) sind nicht selten und häufig mit Suizidgedanken verbunden.
- Ein verändertes Verhalten kann Angehörigen und Bekannten Anhaltspunkte liefern. Jemand zieht sich zurück, verliert das Interesse an geliebten Hobbys, kümmert sich nicht mehr um seine sozialen Kontakte, kann kaum noch den Alltag bewältigen. Die gefühlte innere Starre ist manchmal auch im Gesicht erkennbar. Sowohl Mimik als auch Gestik wirken wie versteinert. Der Bewegungsdrang nimmt dagegen in vielen Fällen zu, ziel- und pausenloses Umherirren ist die sichtbare Folge.
- Verschiedene körperliche Beschwerden können ebenfalls Indizien für eine mögliche Depressionserkrankung liefern: verminderter Appetit mit der Folge eines Gewichtsverlustes, Schlaflosigkeit, der Verlust sexueller Bedürfnisse und rasche Ermüdung. Auch Kopf- oder Magenschmerzen treten häufig auf.
Volkskrankheit der entwickelten Länder. Als solche gilt die Depression laut einer Studie der Weltgesundheitsorganisation (WHO) von 2006. In Deutschland erkrankt etwa jede 4. Frau und jeder 8. Mann mindestens einmal im Leben an einer Depression, rund vier Millionen Menschen sind aktuell in Deutschland an einer Depression erkrankt. Es werden jedoch nur ein Bruchteil der Betroffenen richtig behandelt - obwohl mit antidepressiv wirksamen Medikamente und Psychotherapie sehr gute Behandlungsmöglichkeiten existieren.
Oft nicht als ernste Krankheit angesehen. Doch genau darum handelt es sich und da eine Depression nur selten alleine überwunden werden kann, ist eine Behandlung unabdingbar! Zumal ein erhebliches Risiko für das Leben der Betroffenen besteht. Die Zahl der Suizidversuche aufgrund von Depressionen liegt bei erschreckenden 50 Prozent, ca. 15 Prozent der schwer Depressiven nehmen sich tatsächlich das Leben.
Ursachen
Der "Grund" für eine Depression ist schwer nachzuvollziehen, da meist ein Zusammentreffen
verschiedener Faktoren zu der Erkrankung führt. Zum einen kann die Erkrankung körperlich, zum anderen seelisch bedingt sein. Oder beides liegt zugrunde.
- Wesentliche körperliche Faktoren, die hierbei eine Rolle spielen können, sind die genetische Veranlagung, Störungen des Gehirnstoffwechsels und hormonelle Veränderungen. Auch ein Lichtmangel in der dunklen Jahreszeit kann das Depressionsrisiko erhöhen oder zu einer zeitlich begrenzten Depression führen- zur "Seasonal Affective Disorder" - geläufiger als "Winterdepression".
- Seelische Mitverursacher können einschneidende Erlebnisse oder Veränderungen wie der Verlust oder Tod eines geliebten Menschen, der Beginn der Rente, zwischenmenschliche Konflikte, Arbeitslosigkeit oder sogar eine Heirat sein. Risiko erhöhend wirken sich ebenfalls dauerhafter Stress oder Überlastung aus. Aber auch bestimmte Persönlichkeitsmerkmale können für eine Depression anfälliger machen - anfällig sind besonders sehr leistungsorientierte, selbstkritische Menschen mit hohem Verantwortungsgefühl.
Behandlungsmöglichkeiten
Je nach Verursacher für die Depression, müssen
Körper oder
Seele des Erkrankten behandelt werden. In den meisten Fällen
beides. Hierfür stehen zum einen die Behandlung mit Medikamenten und zum anderen die Psychotherapie zur Verfügung.
- Medikamentöse Therapie: Bei den bewährten Medikamenten handelt es sich um so genannte "Antidepressiva". Sie regulieren die Menge der Botenstoffe (Serotonin und Noradrenalin) im Gehirn, die während der Depression aus dem Gleichgewicht gerät. Ihre Wirkung entfaltet sich erst bei längerfristiger und regelmäßiger Einnahme. Ein Abhängigkeitsrisiko oder die Gefahr der Persönlichkeitsveränderung bestehen nicht.
- Psychotherapie: Darunter versteht man die seelische Behandlung der Depression durch Gespräche, Rollenspiele und ähnliches. Der Therapeut versucht entweder die Gründe für die Erkrankung im Lebenslauf des Patienten zu ermitteln (tiefenpsychologischer Ansatz) oder bestimmte negative Denkmuster des Betroffenen zu entschlüsseln, damit diese verändert werden können (verhaltenstherapeutischer Ansatz).
Was Betroffene tun können
- Reden ist Silber-Schweigen ist Gift. Es ist sehr wichtig über eine Depression oder eine mögliche Depression zu sprechen! Der Hausarzt oder eine Beratungsstelle können ermitteln, ob eine Depressionserkrankung vorliegt bzw. wie schwerwiegend diese ist.
- Auch Angehörige oder gute Freunde sollten informiert werden. Dann können diese sich auf die neue Situation einstellen und die richtige Hilfestellung geben. Beispielsweise den Arztbesuch begleiten oder Unterstützung bei Dingen des Alltags geben, die plötzlich "zu viel" erscheinen.
- Raus aus dem Schneckenhaus. Auch wenn man am liebsten gar nichts tun möchte - Aktivität ist der erste Schritt heraus aus der Depression. Man sollte sich dabei nicht überfordern. Kurze Spaziergänge an der frischen Luft bewirken oft schon eine kleine Verbesserung. (Insbesondere bei der "Winterdepression" da hier Sonnenlicht und Bewegung den Stoffwechsel im Gehirn ankurbeln.)
- Gesunde Ernährung ist wichtig. Wenn durch Appetitlosigkeit und Gewichtsverlust ein Mineral- und Vitaminmangel auftritt, dann wirkt sich dies wiederum negativ auf die Depression aus. Frisches Obst und Gemüse zu sich nehmen, kann hier hilfreich sein, Alkohol sollte man besser vermeiden.
Wie Angehörige und Freunde helfen können
- Die Behandlung unterstützen Angehörige können den Betroffenen unterstützen, indem sie an die regelmäßige Einnahme der Medikamente erinnern und dabei helfen, dass der Betroffene seine Arzt-/Therapietermine auch tatsächlich wahrnimmt.
- Gut Zuhören. Gerade in einer Zeit in der alles hoffnungslos und der Betroffene sich selbst kraftlos erscheint, sind Menschen hilfreich, die zuhören und trösten. Die außerdem hin und wieder versuchen, den Betroffenen zu kleinen Aktivitäten zu motivieren oder feste Termine für gemeinsame Unternehmungen zu vereinbaren.
- Im Alltag unterstützen. Eine große Hilfe ist auch das Übernehmen von "kleinen Dingen" des Alltags, wie z. B. einkaufen. Für den Betroffenen wirken Sie wie eine weitere Kraft raubende Belastung.
- Nicht drängen. Ein großer Fehler wäre es hingegen den Betroffenen aufzufordern, sich zusammenzureißen. Er hat nicht die Kraft dazu. Ein solcher Ausspruch wirkt demotivierend - ebenso jegliche Vorwürfe. Er wird sich daraufhin nur weiter in sein Schneckenhaus zurückziehen.
- Drohungen des Patienten sich etwas anzutun auf jeden Fall ernst nehmen. Verständigen Sie den behandelnden Arzt.
- Gefahr der "Ansteckung" meiden. Angehörige und Freunde müssen sich bewusst machen, dass sie den Betroffenen unterstützen, ihn aber nicht heilen können. Wenn Sie sich überfordern, kann sie das frustriert und niedergeschlagen machen. Auf längere Frist birgt sich darin auch für sie die Gefahr einer Depression. Sie sollten also weiterhin unbedingt auch eigenen Aktivitäten nachgehen.
- Geduld. Sowohl Angehörigen als auch Betroffenen muss immer wieder bewusst werden, dass eine Depression vorübergeht.
Adressen
- Ein nach Postleitzahlen geordnetes Verzeichnis von Krisendiensten findet man unter www.deutsche-depressionshilfe.de unter "Hilfe für Betroffene".
- Weitere Anlaufstellen sind Hausärzte und Psychologische Beratungsstellen. Diese stehen im örtlichen Telefonbuch z. B. unter www.telefonbuch.de
- Auch die Telefonseelsorge steht als Ansprechpartner zur Verfügung. Tel.: 0800 1 11 01 11 oder 0800 1 11 02 22
Kinder- und Jugendtelefon (bundesweit wochentags von 15 bis 19 Uhr). Tel.: 0800 111 0 33
- Hilfe für Angehörige bietet der Bundesverband der Angehörigen psychisch Kranker e.V. (BApK)Thomas Mann Str. 49 a
53111 Bonn
Tel.: 0228 - 63 26 46
Fax.: 0229 - 65 80 63
e-mail: bapk@psychatrie.de
www.bapk.de
Weitere Informationen zum Thema Depression finden Sie auf
www.deutsche-depressionshilfe.de
Quelle:
www.deutsche-depressionshilfe.de
Heike Neufeldt, Lisa-Marie Hartmann, aktualisiert November 2011
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