Eine eisige Nacht verwandelt das Wageninnere in einen Kühlschrank und es dauert eine Weile bis die Motorheizung wärmt. Mit einer Standheizung lässt sich nicht nur das persönliche Wohlbefinden erhöhen. Sie sorgt auch für mehr Sicherheit und schont den Motor und die Umwelt.
Standheizungen wärmen das Auto vor Fahrtantritt auf. Aktiviert werden die Geräte über eine Zeitschaltuhr, eine Funkfernbedienung oder via Handybefehl. Nach dem Einschalten benötigt eine herkömmliche Standheizung je nach Außentemperatur und Autogröße einen bestimmten Zeitraum, um das Fahrzeug auf die gewünscht warme Temperatur zu bringen. Bei einem Auto der Kompaktklasse etwa reichen 20 Minuten meist aus. Bei neueren Modellen kann die Innenraumtemperatur sogar über das Handy oder die Fernbedienung abgefragt werden. Die größten Hersteller für treibstoffbetriebene Standheizungen in Deutschland sind die Autozulieferer Eberspächer und Webasto. Es gibt aber auch elektrisch betriebene Standheizungen. Diese haben jedoch den Nachteil, auf Strom aus der Steckdose angewiesen zu sein. Bei Bussen und größeren Fahrzeugen wärmen meist Luftheizungen den Innenraum auf, ohne den Umweg über den Wasserkreislauf zu machen.
Kalte Motoren verbrauchen mehr
"Eine Standheizung wärmt nicht nur den Innenraum des Fahrzeugs, sondern auch den Motor", sagt Klaus Hemmer, Leiter der deutschen Niederlassung von Webasto. Bei kaltem Motor ist der Benzinbedarf mit bis zu 40 Litern pro 100 Kilometer besonders hoch und entsprechend steigt auch der Schadstoffausstoß. Der Katalysator ist noch nicht voll funktionsfähig weil noch zu kalt. Auch das Motoröl ist - gerade im Winter - zähflüssig. Der Motor ist erst nach ungefähr vier Kilometern warm gefahren und erreicht so nur schrittweise seine Leistung bei normalem Verbrauch. Dieser anfängliche Mehrverbrauch kann mit einer Standheizung deutlich reduziert werden.
Spritbilanz
Der größte deutsche Automobilclub hat im Auftrag von Webasto den Mehrverbrauch durch die Nutzung einer Standheizung getestet. Dafür wurden zwei VW Golf, ein Benziner mit 80 PS und ein Diesel mit 140 PS, auf -7 Grad Celsius abgekühlt und je einmal mit und einmal ohne Standheizung auf einem 20-minütigen simulierten Fahrzyklus (Motorprüfstand) getestet. Der nicht vorgewärmte Benziner verbrauchte auf der Strecke 0,96 Liter Benzin. Mithilfe von 0,22 Liter Benzin vorgewärmt benötigte der Golf nur noch 0,91 Liter für die Teststrecke. Damit wurden unterm Strich zwar 0,17 Liter mehr Benzin (beim Selbstzünder 0,10 Liter Diesel) mehr als beim Kaltstart verbraucht. Jedoch mussten Scheibenheizung und Luftgebläse im vorgewärmten Auto nicht auf volle Stärke eingestellt werden. Allein die Enteisung der rückwärtigen Scheibe verbraucht nach Angaben von Webasto 200 bis 300 Watt. Ein in Volllast betriebenes Gebläse liege in der gleichen Größenordnung. Demnach verursacht eine Kilowattstunde im Auto einen Verbrauch von rund einem Liter Treibstoff. So kann also der Spritverbrauch und damit der
CO2-Ausstoß mithilfe der Standheizung im Kurzstreckenbetrieb reduziert werden. Zudem bieten die Heizgeräte andere Vorteile.
Motorverschleiß
Hier kann mit der Standheizung klar Geld gespart werden. Die Experten bei Webasto sind überzeugt, dass sich die geringen Mehrkosten durch den reduzierten Verschleiß im Motorraum auf lange Sicht nahezu ausgleichen. "Eine Standheizung schon die Umwelt und senkt den Motorverschleiß", sagt Hemmer. So können Reparaturkosten, die für eventuelle Kaltstartschäden anfallen würden, eingespart werden.
Besonders bei kurzen Fahrten bieten sich Standheizungen zum Vorwärmen an. Nach Expertenmeinung sind Kaltstarts für den Motor noch schädlicher, wenn man nur kurze Strecken fährt. Ein Auto braucht schließlich eine gewisse Zeit, um auf Temperatur zu kommen. Das Anlassen und Ausschalten, ohne dass zwischendurch die Betriebstemperatur erreicht wird, schadet dem Motor und anderen empfindlichen Teilen erheblich.
Umweltbilanz
Standheizungen verbrauchen je nach Modell rund einen halben Liter Sprit in der Stunde. 20 Minuten Vorwärmzeit reichen aber meist aus, damit die Scheiben frei sind und der Motor so weit auf Temperatur gebracht wird, dass er durch den optimalen Betrieb den Mehrverbrauch der Standheizung beinahe wettmacht. "Ein vorgewärmter Motor startet leichter, da er schon vom Start weg auf Betriebstemperatur ist und emittiert daher deutlich weniger Schadstoffe", sagt Hemmer. Die Umweltbilanz: Mit einer Standheizung, die das Kühlwasser und damit den Motor erwärmt, sinkt die Emission von Kohlenwasserstoffen und Kohlenmonoxid in der Anfangsphase einer Fahrt um mehr als 50 Prozent. Darüber hinaus würden Autofahrer mit einer Standheizung nicht mehr das Auto durch das umweltschädigende und spritverbrauchende Laufenlassen des Motors im Stand - beispielsweise beim Eiskratzen - manuell vorwärmen. Dies ist zwar ohnehin verboten, aber dennoch leider weit verbreitet.
Plus an Sicherheit
Ein aufgewärmter Innenraum kann nach Ansicht von Experten die Sicherheit des Autofahrers erhöhen. Dicke Jacken oder Mäntel können die Funktionstüchtigkeit des Sicherheitsgurts beeinträchtigen. Durch die dicke Kleidungsschicht liegt der Gurt nicht eng am Körper. Durch diesen weiten Gurt wird der Insasse im Falle eines Unfalls weiter nach vorn geschleudert, als mit einem eng anliegenden Gurt. Ist das Auto vorgewärmt, müssen die Insassen keine dicken Jacken tragen. "Die Konsequenz: der Sicherheitsgurt sitzt und schützt perfekt", sagt Webasto-Mann Hemmer. Darüber hinaus sind die Scheiben in einem vorgeheizten Auto von Anfang an frei und der Fahrer muss nicht durch ein schnell freigekratztes Guckloch den Straßenverkehr beobachten. "Eine Standheizung verhindert den gefährlichen Feuchtigkeitsbeschlag und die Wiedervereisung von innen", so Hemmer.
Weiterführende Links:
Eva Blumenfeld, Januar 2010
zum Seitenanfang