Wer in Deutschland seinen Führerschein verliert, muss in der Regel in einer medizinisch-psychologischen Untersuchung (MPU) nachweisen, dass er zum Führen von Kraftfahrzeugen wieder geeignet ist.
Das A und O: Eine gute Vorbereitung
"Eine gute Vorbereitung und die Bereitschaft, sich zu ändern, erhöhen die Chance auf ein positives Gutachten bei der
MPU", so Adalbert Allhoff-Cramer, Verkehrspsychologe und Gutachter beim
TÜV. Denn es zählt nicht nur, was Sie in der
MPU selbst tun oder sagen, sondern auch, wie Sie sich in den Monaten davor verhalten haben. Fachleute raten, die Zeit sofort nach Verlust des Führerscheins zu nutzen und sich mit dem Thema zu beschäftigen.
Doch bedenken Sie: Am Anfang steht eine ehrliche Bestandsaufnahme. Werden Sie sich darüber klar, was Sie falsch gemacht haben und warum. Denn im Kern geht es in jeder
MPU genau darum, und natürlich um die Frage, wie Sie sich in Zukunft angemessen verhalten können. Haben Sie zu viele Punkte im Verkehrszentralregister kassiert, stehen Ihre Einstellungen zum Autofahren und Ihre Fahrweise im Fokus.
Hilfsmöglichkeiten gibt es genügend: Der Buchmarkt offeriert viele Ratgeber zum Thema. Relativ neu ist eine Software, mit der die bei einer
MPU üblichen interaktiven Tests zu Hause am PC trainiert werden. Fahrschulen, Begutachtungsstellen und niedergelassene Verkehrspsychologen veranstalten seriöse Vorbereitungskurse. Genauso soziale Einrichtungen wie Anonyme Alkoholiker,
DRK und Drogenberatungsstellen. Grundsätzlich wird empfohlen, sich gleich zu Beginn an eine kompetente Anlaufstelle zu wenden.
Davon zu trennen ist juristischer Rat, etwa wenn es um eine eventuelle Verkürzung der Sperrfrist geht. Dieses kann beispielsweise möglich sein bei einmaliger Trunkenheitsfahrt mit niedrigem Promillegehalt. Die Profis hier: Verkehrsanwälte.
Seriöse Beratung im Vorfeld
Weil die Kosten für Vorbereitung und
MPU selbst zu tragen sind und um die Chance auf ein positives Gutachten zu nutzen, prüfen Sie gründlich, wem Sie sich anvertrauen. Ein schwer überschaubarer und gesetzlich nicht geregelter Markt kann die Orientierung schwer machen. Was sich für alle Services empfiehlt, gilt auch für die
MPU: Informieren Sie sich genau bei mehreren Anbietern. Im Gegensatz zur Untersuchung unterliegt die Beratung im Vorfeld keiner staatlichen Kontrolle. Letztlich kann hier jeder Leistungen anbieten.
So tummeln sich auf dem Markt auch "schwarze Schafe". Seien Sie vorsichtig, wenn Ihnen ein positives Gutachten oder der Erfolg garantiert werden oder etwa von Geld-Zurück-Garantien die Rede ist. Denn niemand kann das Ergebnis einer
MPU vorhersagen. Pauschalpreise und -angebote sind ebenfalls mit Vorsicht zu genießen.
Achten Sie auf durchschaubare und verständliche Qualifikationsnachweise des Beraters und seriöse Werbeauftritte. Als Anlaufstelle für orientierende Informationen und empfehlenswerte Adressen können Sie die kommunalen Führerscheinstellen oder den Verein BAF e.V. kontaktieren.
Die medizinisch-psychologische Untersuchung (MPU)
Sie wenden sich an eine Begutachtungsstelle für Fahreignung Ihrer Wahl. Alle sind amtlich anerkannt, denn die
MPU unterliegt gesetzlicher Regelung.
Überprüft wird die Eignung zum Führen von Kraftfahrzeugen. Es geht es um einen Ausschnitt Ihrer Person, die so genannte Mobilitätskompetenz: Ihre körperlichen und geistigen sowie verhaltens- und einstellungsbezogenen Voraussetzungen zum Führen von Kraftfahrzeugen.
Im Kern müssen Sie sich erneut als sicherer Fahrer beweisen. Waren Alkohol oder andere Suchtmittel im Spiel, müssen Sie glaubhaft machen, dass Sie sich künftig nicht mehr unter deren Einfluss fahren. Bei überhöhter Geschwindigkeit stehen Ihre diesbezüglichen Einstellungen im Fokus. Merkmale Ihrer Person wie Zuverlässigkeit fließen in das Ergebnis ein. Grundsätzlich machen die Gutachter eine Aussage über Ihr zu erwartendes Verhalten.
Das Gutachten entscheidet
Das Gutachten dient der Fahrerlaubnisbehörde als gesetzlich vorgeschriebene Entscheidungshilfe bei der Entziehung und Neuerteilung des Führerscheins.
Viele Gründe können zu einem negativen Ergebnis führen: Verhalten und Einstellungen können bei dem Gutachter Zweifel an der Fahreignung zurücklassen, so Allhoff-Cramer. Das gelte gleichermaßen für
MPUs im Zusammenhang mit Alkohol, Drogen oder Punkten, hier insbesondere bei Schnellfahrern. "Es gibt auch Betroffene, die einfach in der Erwartung einer Formsache zur
MPU kommen. Sie sind überzeugt, ihre Strafe abgesessen zu haben und den Führerschein auf jeden Fall zu erhalten. Hier helfen direkte, ehrliche Rückmeldungen von unserer Seite."
Gutachten werden nach verbindlichen Kriterien erstellt. Deswegen können sie von der Fahrerlaubnisbehörde nur dann abgelehnt werden, wenn sie die formalen und inhaltlichen Qualitätsstandards nicht erfüllen oder begründete Zweifel an der Objektivität bestehen. Auch bei einem negativen Gutachten kann die
MPU wiederholt werden.
Literaturtipps:
- Carmen Liebs "Promillefahrt mit Folgen" Rowohlt Tb
- Walter Altmannsberger "Der MPU-Ratgeber" 2.Auflage Hogrefe-Verlag
- Carsten Krumm "Führerschein weg-was nun?"
Weitere Informationen zum Thema
Silke Dörting, Eva Blumenfeld aktualisiert Mai 2012
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