Sommerzeit ist Reisezeit. Millionen Deutsche beladen jedes Jahr das Auto und fahren mit der Familie in den Urlaub. Für Kinder wird die Zeit bis zur Ankunft am Urlaubsort zur Geduldsprobe und für die Eltern oft zur Nervenprobe. Wie man während der Fahrt die lieben Kleinen beschäftigt.
Überfüllte Autobahnen, gefühlte 30 Grad im Auto und ungeduldige, quengelnde Kinder auf den Rücksitzen, die beschäftigt werden wollen. Die Autoreise in den Urlaub mit der Familie kann unter Umständen zu einer echten Qual werden. Die schönste Zeit des Jahres soll aber unter keinen Umständen schon bei der Anreise getrübt werden. Wir haben einige Tipps gesammelt, wie der Urlaubsanfang stressfreier gestaltet werden kann. Als Grundsatz gilt: Versuchen Sie immer, die Ruhe zu bewahren. Ihre Kinder quengeln schließlich nicht, um Sie zu ärgern.
Planung ist das A und O
Für eine entspannte Reise mit der Familie ist die gründliche Planung elementar wichtig. Bedenken Sie, dass Sie lange mit Ihrer Familie auf engstem Raum zusammen sind und die Kleinen über einen längeren Zeitraum beschäftigen müssen. Dafür bieten sich verschiedene Spiele an, wie etwa Kartenspiele, "Ich sehe was, was du nicht siehst" und "Ich packe meinen Koffer". Diese Beschäftigungen erfordern nicht viel Zubehör und lassen sich unkompliziert im Auto spielen.
Hörbücher und CDs
Falls Ihre Kinder bei Hörbüchern und Musik nicht den gleichen Geschmack haben, können CD- und MP3-Player mit Kopfhörer jedes Kind individuell zufriedenstellen. Und auch Sie müssen sich dann nicht die neuesten Abenteuer von Spongebob & Co. anhören. Ihre eigenen Bedürfnisse sollten Sie hier jedoch immer zurückstellen und das kleine Übel auf sich nehmen, selbst wenn Ihre Kinder immer wieder die gleiche Kassette oder CD hören wollen.
Bücher, Comics oder die oft angebotenen Videoscreens für die Kopfstützen der Fahrer- und Beifahrersitze bieten sich hingegen weniger an, da vielen Kindern beim Lesen oder Videoschauen im Auto übel wird. Gleiches gilt auch für Spielkonsolen. Für den Fall der Fälle sollten Sie jedoch immer mit Reisekaugummis und Spucktüten vorgesorgt haben.
Spiele während der Fahrt
Es gibt unzählige Kinderspiele für eine lange Fahrt. So kann man versuchen, alle Kennzeichen einzubinden, die man sieht. Beispielsweise muss ein Tier gesucht werden, das mit dem Kennzeichenbuchstaben anfängt. Oder jemand denkt sich ein Tier aus, die anderen müssen es erraten, der Rätselsteller gibt nach jeder Runde einen weiteren Tipp ab, wie den Anfangsbuchstaben oder spezielle Eigenschaften des Tieres. Auch erzählte Märchen, bei denen kleine Details verändert werden (Birne statt Apfel, Riesen statt Zwerge) sorgen für Erheiterung. Ebenfalls sehr einfach aber spaßig: Radio an, und wer den nächsten Song erkennt, bekommt Punkte. Am Zwischenstopp oder Zielort wird abgerechnet. Ein gutes Spiel, um im Auto für Ruhe zu sorgen, ist das Lippenlesen. Dabei spricht ein Teilnehmer unhörbar aber deutlich Wörter oder kurze Sätze, der andere guckt genau auf die Mundbewegungen und versucht, zu verstehen und zu wiederholen. Dass dabei der Fahrer nicht mitmachen kann, versteht sich von selbst.
Checkliste
Bereits einige Tage vor der Abreise sollten Sie sich eine Liste mit Dingen machen, die Sie auf jeden Fall benötigen, wie etwa Medizin, Kamera, Geld, Papiere und Versicherung. Aber fast ebenso wichtig ist der Hausfrieden und so gehören beispielsweise Lieblingsstofftiere, Schmusedecke und beliebtes Spielzeug der Kinder ebenso ins Urlaubsgepäck.. Denken Sie daran: Wichtige Dinge müssen griffbereit für die Kinder oder den Beifahrer verstaut sein. Schließlich macht es wenig Spaß, dauernd anzuhalten, um etwas Bestimmtes aus dem Kofferraum zu kramen. Sind die Kinder älter, können diese selbst die Verantwortung übernehmen und ihren eigenen Rucksack mit den wichtigsten Dingen packen. Es schadet natürlich nicht, wenn Sie persönlich den Inhalt vor Abfahrt nochmals überprüfen.
Unbedingt sollten Sie auch an Verpflegung für die Fahrt denken. Dabei spielt die geplante Dauer eine untergeordnete Rolle - schließlich kann Sie eine Panne, ein Unfall oder ein Stau immer länger als geplant aufhalten. Kleinere Snacks wie belegte Brote, Kekse oder Apfelstücke gehören ebenso in den Proviantbeutel wie ausreichend Getränke.
Decken und Jacken sollten zudem griffbereit sein. Auch Kleidungsstücke zum Wechseln vom T-Shirt bis zur Hose sollten griffbereit verstaut werden - man weiß ja nie, ob sich nicht bei einem plötzlichen Bremsmanöver die Sprudelfalsche entleert. Bei Kleinkindern und Babys gilt dies besonders für Windeln und Wickelunterlage.
Vor dem Losfahren
Die Autoclubs melden regelmäßig die Stauwarnungen für die kommenden Tage (Siehe Links). Besonders im Sommer können viele Autobahnen überfüllt sein. Wer am ersten Ferienwochenende oder -tag in einen Stau kommt, muss sich nicht lange nach den Gründen fragen. Auch im Internet gibt es zahlreiche Stauprognosen. Eine Fahrt über Nacht ist manchmal eine sinnvolle Alternative, ebenso eine antizyklische Urlaubsplanung.
Anschnallen
Auch wenn es die Kinder nervt: Ohne Gurt geht nichts! Selbst wenn diese bereits dem Kindersitzalter entwachsen sind: Herumlümmeln auf der Rückbank ist zu gefährlich.
Während der Fahrt
Nachtfahrten haben den Vorteil, dass oft weniger Verkehr herrscht und es deutlich kühler ist als tagsüber. Trotzdem sollten Sie darauf achten, dass Sie sich nur topfit ans Steuer setzen. Wechseln Sie sich notfalls mit Ihrem Partner ab. Oft schlafen die Kinder und Sie haben zumindest die ersten Stunden der Fahrt Ihre Ruhe. Planen Sie eine längere Urlaubsfahrt, sollten Sie auch die Möglichkeit eines Zwischenstopps in einem Hotel ins Auge fassen. Schließlich schläft es sich in einem Bett besser als auf der Rückbank eines fahrenden Autos. Grundsätzlich sollten Sie versuchen, die Abend- und Morgenstunden zu nutzen. In der heißen Mittagssonne zwischen 12 und 15 Uhr kann - sofern von der Planung her möglich - eine Pause an einem schattigen Plätzchen vielleicht sogar mit Badegelegenheit sinnvoll sein. Lassen Sie dabei niemals Kinder und oder Tiere im heißen Auto zurück - ein Hitzschlag droht.
Genügend Pausen einlegen
Legen Sie unbedingt genügend Pausen ein, um dem Bewegungsdrang Ihrer Kinder gerecht zu werden. Als Faustregel gilt hier: Im Durchschnitt jede Stunde einen kurzen Stopp machen und nicht mehr als 500 Kilometer pro Tag zurücklegen. Im Internet können Sie analog zu Ihrer Reiseroute nach Autobahnraststätten mit speziellem Kinderservice suchen (siehe Links).
Einen kühlen Kopf behalten
Achten Sie darauf, Ihre Kinder vor der Hitze zu schützen, falls es sehr heiß ist. Wenn Sie eine Klimaanlage haben, lassen Sie die Fenster geschlossen und klimatisieren Ihr Auto auf die gewünschte Temperatur. Stellen Sie die Anlage jedoch nicht zu kalt ein. Ein zu starkes Herunterkühlen belastet den Kreislauf enorm. Der Unterschied zwischen Innen- und Außentemperatur sollte daher nicht mehr als sechs Grad Celsius betragen, empfehlen Autoclubs. Gegen Sonneneinstrahlung können verdunkelte Scheiben und Sonnenblenden, die mit Saugnäpfen von innen an die Scheibe geklebt werden, helfen. Bei offenem Verdeck sollten Ihre Kinder mit Sonnencreme eingeschmiert sein und vor Zug geschützt werden.
Genügend Trinken
Immens wichtig ist bei langen Reisen die Flüssigkeitsaufnahme. Sie sollten immer genügend Wasser oder Säfte dabeihaben, um Ihre Kinder auch in einem Stau oder bei einer Panne mit Getränken versorgen zu können. Aber nicht nur Ihre Kinder sollten einen kühlen Kopf bewahren. Nach Aussage von Automobilclubs verunglücken Autofahrer in den Sommermonaten häufig infolge von Herz-Kreislauf-Störungen. Oft ist der Grund eine zu geringe Flüssigkeitsaufnahme. Dabei gefährden Sie nicht nur sich, sondern auch andere Verkehrsteilnehmer. Sie sollten daher als Fahrer rund drei Liter am Tag trinken. Ideal hierfür sind Mineralwasser, verdünnter Obstsaft oder kalter Tee. Weniger empfehlenswert ist Kaffee, weil das enthaltene Koffein Herz und Gefäße negativ beeinflusst und die Wasserausscheidung anregt. Alkohol am Steuer ist immer tabu.
Eva Blumenfeld, aktualisiert Juni 2011
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