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Tagfahrlicht - wann und wo ist es Pflicht?

Abbildung: Autoscheinwerfer
In vielen Ländern Europas ist es schon Pflicht, und auch in Deutschland müssen zumindest Neuwagen ab 2011 laut EU-Verordnung mit Tagfahrlicht ausgestattet sein. Aber auch ältere Autos müssen nicht mit dunkler Front fahren. Hersteller wie Philips oder Hella bieten Tagfahrleuchten-Nachrüstsets für nahezu jedes Modell an. Wir beleuchten das Thema für Sie.

Gesetzliche Rahmenbedingungen

Das Tagfahrlicht oder ein eingeschaltetes Abblendlicht am Tag ist bereits in vielen Ländern Europas Pflicht, teilweise jedoch nur im Winter. Zu diesen Ländern zählen laut TÜV Süd: Bosnien und Herzegowina, Dänemark, Estland, Finnland, Island, Italien, Kosovo, Kroatien, Litauen, Lettland, Mazedonien, Norwegen, Polen, Rumänien, Russland, Schweden, Slowenien, die Slowakei, Tschechien, Ungarn und Weißrussland. Es muss jedoch nicht überall mit speziellen Tagfahrleuchten gefahren werden. Meist reicht es, das Abblendlicht auch tagsüber einzuschalten. Nirgendwo ist das Fahren mit Licht am Tag verboten. In Österreich war es zwischen 2005 und 2008 Pflicht, tagsüber mit Licht zu fahren. Dann wurde die Pflicht jedoch wieder abgeschafft.

Ab Februar 2011 sollen alle Neufahrzeuge im Pkw- und Transporterbereich laut einer Verordnung der Europäischen Union (EU) mit Tagfahrleuchten ausgestattet sein. Also müssen sich auch deutsche Autofahrer darauf einstellen, künftig tagsüber mit Licht zu fahren. Bisher gibt es hierzulande - wie auch in Frankreich oder der Schweiz - lediglich eine Empfehlung dafür.

Kombination aus Tagfahrlicht und Abblendlicht verboten

Bei den Tagfahrleuchten handelt es sich um lichtschwache und langlebige Leuchten, die weniger stark scheinen, als das Abblendlicht. Sie haben aber mehr Leuchtkraft als das gewöhnliche Standlicht. Die Zusatzleuchten sind unterhalb der normalen Scheinwerfer angebracht oder in diese integriert. Hersteller wie etwa Audi, Mercedes, BMW und VW bieten Tagfahrlicht mittlerweile bereits ab Werk an. Doch auch ältere Fabrikate können problemlos und auch in Eigenarbeit mit Tagfahrlicht, meist in Form von LEDs (lichtemittierende Dioden) nachgerüstet werden. Die Kosten für die Nachrüstteile bewegen sich in einer Preisspanne von 50 bis 200 Euro. Hinzu kommen die Werkstattkosten, sofern man das Nachrüstset nicht selbst einbaut. Das Abblendlicht ist schräg nach unten gerichtet, eine spezielle Tagfahrlichtvorrichtung wirft das Licht gerade nach vorn und trägt somit besser zur frühzeitigen Erkennung von weit entfernten Fahrzeugen bei.

Eine Alternative zu den speziellen Tagfahrleuchten sind so genannte Fahrlichtschaltungen. Hierbei sind Halogenlampen in die Hauptscheinwerfer integriert und dimmen das Abblendlicht auf eine verminderte Leuchtkraft herunter. Fachwerkstätten bieten auch diese Variante zur Nachrüstung an. Nachgerüstete und original verbaute Tagfahrleuchten schalten sich mit dem Drehen des Zündschlüssels ein. Beim Einschalten des Abblendlichts gehen die Tagfahrleuchten automatisch aus. Die verbotene Kombination aus Abblend- und Tagfahrlicht ist so nicht möglich. Eine Ausnahme bildet das "adaptive Tagfahrlicht", das von Autobauern wie Audi und VW offeriert wird. Dieses Tagfahrlicht wird bei eingeschaltetem Abblendlicht auf Standlichtniveau gedimmt und ist somit parallel zum Abblendlicht zulässig.

Tagfahrlicht kann Unfälle vermeiden

Am Thema Tagfahrlicht scheiden sich die Geister. Befürworter argumentieren meist damit, dass Fahrzeuge mit Tagfahrlicht im Straßenverkehr früher gesehen werden. Das SWOV-Institute for Road Safety Research hat im Auftrag der EU eine Studie dazu durchgeführt. Demnach war bei rund 50 Prozent aller Unfälle am Tag das nicht rechtzeitige Erkennen beziehungsweise das Übersehen anderer Fahrzeuge eine Unfallursache. Die SWOV-Experten errechneten, dass sich mit der Einführung des Tagfahrlichts in der Europäischen Union jährlich 5500 Unfalltote und 155.000 Verletzte vermeiden ließen. Auch Norbert Kühnl, Sprecher für den Automobilbereich bei der Prüforganisation Dekra, glaubt, dass so Unfälle vermieden werden können: "Gerade in den dunklen Monaten oder bei Regen und Bewölkung wird ein Fahrzeug mit Licht einfach besser gesehen. So kann man auch schneller reagieren", sagt er.

Tagfahrlicht hat auch noch einen Vorteil für Vergessliche: Fährt man noch im Hellen los und vergisst bei einbrechender Dunkelheit während der Fahrt das Licht einzuschalten wird man von anderen Verkehrsteilnehmern sehr schlecht gesehen. Ist von vornherein das Tagfahrlicht eingeschaltet, fährt man wenigstens nicht komplett im Dunkeln. "Gerade in der Wechselzeit zwischen den Jahreszeiten, ist Tagfahrlicht daher interessant", sagt Frank Volk, Lichtexperte beim TÜV Süd.

Motorradfahrern geht das Alleinstellungsmerkmal verloren

Gegner des Tagfahrlichts argumentieren, eine generelle Tagfahrlichtpflicht würde den schwächeren Verkehrsteilnehmern schaden, da diese nun kaum noch Beachtung fänden. Man habe sich schließlich daran gewöhnt, nur noch auf Lichter zu achten. Mit dieser Begründung wurde die Lichtpflicht in Österreich wieder aufgehoben. Besonders große Kritik am Tagfahrlicht kommt aus den Reihen der Motorradfahrer. Für die Biker gilt bereits heute eine generelle Lichtpflicht. Bei einer allgemeinen Einführung dieser Pflicht würde den zweirädrigen Fahrern dieses Alleinstellungsmerkmal im Straßenverkehr abhanden kommen.

Als zweites Argument gegen Tagfahrlicht bemühen Gegner steigende Verbrauchs-Kosten. Die Glühbirnen könnten schneller verschleißen und auch der Spritverbrauch steige bedingt durch die vermehrt benötigte elektrische Energie an, heißt es. Doch so richtig zieht dieses Argument nicht. Nach Berechnungen des TÜV Süd verbraucht ein Wagen bei ganztägig eingeschaltetem Abblendlicht rund 0,2 Liter Benzin auf 100 Kilometer mehr. Bei LEDs jedoch, wie sie neuerdings meist für das Tagfahrlicht verwendet werden, ist laut Volk "kein seriös zu errechnender Mehrverbrauch" erkennbar. Auch Kühnl ist überzeugt, dass der "Mehrverbrauch durch Tagfahrlicht zu vernachlässigen ist". LEDs haben außerdem eine sehr lange Lebensdauer, die auch das Argument des erhöhten Verschleißes teilweise entkräftet. Philips verspricht bespielsweise, seine LED Daytime Lights würden die volle Lebensdauer eines Autos (5.000 Stunden oder 250.000 Kilometer bei einer Durchschnittsgeschwindigkeit von 50 km/h) erreichen.

Strenge Vorschriften beim Nachrüsten

Tagfahrlicht selbst nachzurüsten kann für Laien heikel werden. Schließlich kann man dabei einiges falsch machen. Zwar versprechen einige Hersteller eine problemlose Montage. Dennoch warnen Experten vor diesem Schritt. "Bei sicherheitsrelevanten Bauteilen empfehle ich, die Montage immer in einer Werkstatt prüfen zu lassen", sagt Kühnl.
Ein weiteres Argument für diesen Schritt sind die strengen Vorschriften für die Anbringung. "Das Nachrüstteil muss ein Zulassungszeichen tragen", sagt Frank Volk, Lichtexperte beim TÜV Süd. Dieses besteht aus einem "E" und einer kleinen Zahl in einem Kreis. Das Tagfahrlicht muss unbedingt mit einer elektrischen Vorrichtung ausgestattet werden, die es unmöglich macht, mit Abblendlicht und Tagfahrlicht gleichzeitig zu fahren. "Für die Anbringung am Fahrzeug gibt es darüber hinaus strenge Vorschriften", so Volk. Die Leuchten müssen demnach mindestens 25 Zentimeter über dem Boden gebracht sein, höchstens aber 150 Zentimeter. Der Außenrand der Leuchtfläche darf nicht mehr als 40 Zentimeter vom Außenrand des Fahrzeuges entfernt sein. Die Innenränder der Leuchten müssen mindestens 60 Zentimeter Abstand voneinander haben. Dieser Abstand darf auf 40 Zentimeter verringert werden, wenn das Fahrzeug nicht breiter als 130 Zentimeter ist.
Wer diese Vorschriften nicht beachtet, bekommt bei der Hauptuntersuchung die Bewertung "erhebliche Mängel". Eine Prüf-Plakette wird dann nicht erteilt. Im Falle eines Verkehrsunfalls könnte eine nicht genehmigte Nachrüstung mit Tagfahrlicht nach Angaben des TÜV sogar Auswirkungen auf die rechtliche Beurteilung der Situation haben.

Eva Blumenfeld, Dezember 2009

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