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Begleitetes Fahren - Führerschein mit 17

Abbildung: Auto mit mehrern Insassen

Jugendliche können - bis zum Jahresende noch im Modellversuch - die Fahrerlaubnis B oder BE bereits mit 17 Jahren erwerben. Zum 01.01.2011 wird der Führerschein ab 17 bundesweit eingeführt. Was dabei alles wichtig ist.
Die Idee zum Begleiteten Fahren entstammt einem Modellversuch des Verkehrsministeriums in Niedersachsen. Ziel der Regelung war, die erschreckend hohen Unfallquoten von Fahranfängern zu senken. Mittels der Begleitung der Führerschein-Neulinge durch eine erfahrene Person im Auto sollte die Risikobereitschaft der Jugendlichen gedämpft und gleichzeitig die Fahrpraxis nach den meist wenigen Fahrschulstunden schnell aufgebaut werden. Daher heißt der Führerschein mit 17 - wie er umgangssprachlich genannt wird - im Behördendeutsch Begleitetes Fahren (BF 17 oder BEF 17).

Wissenschaftliche Untersuchungen ergaben bald, dass der Modellversuch die Unfallquoten der Fahranfänger signifikant reduzierte. Aufgrund dieser positiven Auswirkungen übernahmen schließlich nach und nach die anderen Bundesländer dieses Projekt. Als Rechtsgrundlage für das Begleitete Fahren dient bis zum 31. Dezember 2010 eine bundeseinheitliche Regelung, die auf dem neu geschaffenen §§ 6e Straßenverkehrsgesetz (StVG) und § 48a Fahrerlaubnisverordnung (FeV) basiert. Es handelt sich also nach wie vor um einen Modellversuch. Aber eine bis zum 31. Dezember 2010 erworbene Fahrerlaubnis behält natürlich seine Gültigkeit. Ab dem 1. Januar 2011 wird das begleitete Fahren nach Angaben von Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer (CSU) dauerhaft bundesweit eingeführt. Dann soll die befristete bundeseinheitliche Regelung durch ein unbefristetes Bundesgesetz ersetzt werden.

Bedingungen für das Begleitete Fahren mit 17

Ab einem Alter von 16-einhalb Jahren kann man bei der jeweils zuständigen Führerscheinstelle einen Antrag auf Teilnahme an dem Modellversuch stellen. Diesem Antrag müssen die Erziehungsberechtigten zustimmen. In der Antragstellung müssen bereits die Namen der Begleitpersonen genannt werden. Diese müssen darüber hinaus schriftlich erklären, dass sie über die Aufgaben und die Rolle, die sie als Begleitperson einnehmen, informiert worden sind. Die Anzahl der Begleitpersonen ist nicht limitiert, allerdings müssen sie mindestens 30 Jahre alt und mindestens fünf Jahre ununterbrochen im Besitz eines Führerscheins der Klasse BE oder höher sein. Sie dürfen auch nicht mehr als drei Punkte im Verkehrszentralregister des Kraftfahrtbundesamtes in Flensburg gesammelt haben.

Die Begleitperson darf bei Fahrten die Promillegrenze von 0,5 Promille (für den Fahranfänger gilt die 0,0-Promille-Grenze!) nicht überschreiten und sie darf auch nicht unter dem Einfluss berauschender Mittel stehen. Sie muss zudem den eigenen Führerschein mitführen. Für die Einhaltung der Vorschriften ist nicht die Begleitperson, sondern der Fahrzeugführer verantwortlich. Eine Teilnahme an einem Vorbereitungsseminar ist für Begleitpersonen nicht vorgeschrieben, jedoch wird sie von Experten dringend empfohlen. Die Begleitperson darf nicht in die Fahrzeugführung eingreifen, sie darf nur verbal Anweisungen oder Ratschläge geben. Vor allem diese Rollenverteilung zwischen Kommunikationspartner und Fahrer, also meist Eltern und Kind, sollte daher in einer Vorbereitungsveranstaltung geübt werden. Die Begleitperson sollte dem Jugendlichen Sicherheit sowie Ruhe vermitteln und nicht zusätzlich nervös machen. Die Fahrerlaubnis gilt nur für Fahrten innerhalb Deutschlands.

Die Fahrerlaubnisprüfung

Jugendliche, die noch keine Punkte in Flensburg gesammelthaben, können normalerweise mit einer Genehmigung der Behörden zur Teilnahme am Modellversuch rechnen. Ist diese Hürde überwunden, können sie sich bereits mit 16-einhalb Jahren bei einer Fahrschule anmelden und mit der Ausbildung beginnen. Die theoretische Prüfung kann frühestens drei Monate vor Vollendung des 17. Lebensjahres abgelegt werden. Nach erfolgreicher Theorie-Prüfung dürfen sich Jugendliche frühestens einen Monat vor Vollendung des 17. Lebensjahres für die praktische Prüfung anmelden. Nach Vollendung des 17. Lebensjahres und nach bestandener praktischer Prüfung wird zunächst noch kein Führerschein sondern lediglich eine Prüfungsbescheinigung ausgehändigt, die dem Besitzer erlaubt unter den Bedingungen des Modellversuchs, ein Fahrzeug zu führen. Da diese Prüfungsbescheinigung kein Foto des Inhabers enthält, muss der Inhaber bei Fahrten zusätzlich einen Lichtbildausweis mitführen. Mit Ausstellung der Prüfungsbescheinigung beginnt die zweijährige Probezeit für Fahranfänger. Teilnehmer des Modellversuchs Begleitetes Fahren sind also schon im Alter von 19 Jahren von den strengen Auflagen des Führerscheins auf Probe befreit - vorausgesetzt natürlich, sie haben sich in der Probezeit nichts zuschulden kommen lassen.

Da die Führerscheine für die Klassen M (Kleinkrafträder), S (Quads) und L (Traktoren) bereits mit 16 Jahren erworben werden können, gilt die Prüfungsbescheinigung für das Begleitete Fahren mit 17 gleichzeitig als gültiger Führerschein für diese Klassen. Fahrzeuge dieser Klassen können innerhalb Deutschlands ohne Begleitperson gefahren werden. Lässt sich der Inhaber einer Prüfungsbescheinigung einen regulären Führerschein für diese Klassen aushändigen, darf er damit auch im Ausland fahren.

Mit Vollendung des 18. Lebensjahres können die Prüfungsbescheinigung bei der Straßenverkehrsbehörde der zuständigen Kommune gegen einen regulären Führerschein umgewandelt werden. Die Prüfungsbescheinigung verliert ihre Gültigkeit jedoch erst drei Monate nach dem 18. Geburtstag. In diesen drei Monaten kann der Inhaber bereits ohne Begleitperson ein Fahrzeug führen. Allerdings ist von Fahrten ins Ausland ohne vollwertige Fahrerlaubnis abzuraten, da es noch keine einheitlichen Vorschriften zur Anerkennung dieser Bescheinigung im Ausland gibt.

Verstoß gegen die Auflagen

Der geringste Verstoß, das Nicht-Mitführen der Prüfungsbescheinigung oder des zugehörigen Lichtbildausweises, wird mit einem Bußgeld von zehn Euro belegt.

Wird ein Inhaber der Prüfungsbescheinigung bei einer Fahrt ohne Begleitperson erwischt, so hat dies zwingend einen Widerruf der Fahrerlaubnis zur Folge. Dieser Verstoß gilt zwar nicht als Tatbestand des Fahrens ohne Führerschein, jedoch wird er zusätzlich mit einem Bußgeld von mindestens 50 Euro und mindestens einem Punkt beim Verkehrszentralregister in Flensburg geahndet. Um erneut eine Fahrerlaubnis zu erhalten, muss der Jugendliche erst ein Aufbauseminar, eine sogenannte Nachschulung, besuchen. Das Aufbauseminar besteht aus einem theoretischen und einem praktischen Teil. Der Teilnehmer erhält bei erfolgreicher Teilnahme eine Bescheinigung für die Straßenverkehrsbehörde, bei der er eine erneute Ausstellung einer Prüfungsbescheinigung für das Begleitete Fahren beantragen kann.

Bei Trunkenheitsfahrten gelten dieselben Vorschriften wie für den Führerschein auf Probe. Hier muss der Missetäter ein besonderes Aufbauseminar besuchen. Es ist von längerer Dauer und die Aufgaben, die während des Kurses erfolgreich erledigt werden müssen, sind deutlich anspruchsvoller.

Studienergebnisse zum Begleiteten Fahren

Nach zahlreichen Studien führt das Begleitete Fahren ab 17 zu einer "erheblichen Verbesserung der Fahrkompetenz von Fahranfängern." Zu diesem Ergebnis kommt auch die Bundesanstalt für Straßenwesen (BASt) in ihrer aktuellen Evaluation der Fahranfängermaßnahme "Begleitetes Fahren ab 17". Die Evaluation greift eine Studie aus dem Jahr 2009 auf, die über 18.000 junge Autofahrer im Alter von 18 Jahren im ersten Jahr ihres selbstständigen Fahrens betrachtet hat.

Darin wurden Fahranfänger, die mindestens drei Monate Praxis innerhalb des Begleiteten Fahrens mit 17 erhalten hatten, mit Fahranfängern verglichen, die den Führerschein auf herkömmliche Weise erworben hatten. Es zeigte sich, dass die vorher begleiteten Fahranfänger einen um 19 Prozent geringeren Anteil an erheblichen Unfallbeteiligungen und einen um 18 Prozent niedrigeren Anteil an erheblichen Verkehrsverstößen pro 1.000 Fahranfängern und Jahr aufwiesen.

Eine andere Studie aus dem Jahr 2007 verglich 4.454 Teilnehmer des Begleiteten Fahrens ab 17 mit 2.421 herkömmlich ausgebildeten Fahranfängern in den ersten 18 Monaten selbständigen Fahrens hinsichtlich der Delikt- und Unfallauffälligkeit im Verkehrszentralregister (VZR). Das Ergebnis: Bei jungen Fahrern, die in Begleitung unterwegs waren, ließen sich gegenüber anderen Fahranfängern bis zu 22,5 Prozent weniger Verkehrsverstöße und 28,5 Prozent weniger Unfälle feststellen.


Eva Blumenfeld, Mai 2010
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