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Steigende Spritpreise machen alternative Antriebe attraktiv

Abbildung: Zapfsäule (Quelle: www.pixelio.de)
Stetig steigende Benzinpreise, Unklarheit über die künftige Besteuerung von Kraftfahrzeugen und der sinkende Preisunterschied zwischen Diesel und Benzin haben zu einer Verunsicherung der Autokäufer geführt. Die Frage, welche Antriebsart am günstigsten ist, lässt sich jedoch nicht pauschal beantworten. Eine individuelle Rechnung ist unerlässlich, will man den für seine Bedürfnisse günstigsten Antrieb ermitteln.

So ist beispielsweise durch die kaum mehr vorhandene Preisdifferenz von Dieselkraftstoff zu Benzin der bislang einkalkulierte Spareffekt des Selbstzünders nahezu dahin. Fahrzeuge mit Dieselantrieb sind in der Regel in der Anschaffung und der Versicherung sowie in der jährlichen Steuer meist etwas teurer als vergleichbare Benziner. Durch einen etwas geringeren Verbrauch und die Preisdifferenz von bis zu 15 Cent pro Liter zu Superbenzin hatten sie sich aber schon mit relativ geringen Fahrleistungen von 10.000 bis 15.000 Kilometer im Jahr rentiert. Bei höherer Jahreskilometerleistung war die Entscheidung für den Antrieb schon gefallen.

Da aber nun der Preis für einen Liter Diesel an der Zapfsäule mittlerweile an den Preis für Superbenzin herankommt und Normalbenzin ohnehin ähnlich teuer wie Super gemacht wurde, müssen schon erhebliche Fahrleistungen erreicht werden, um in einer Vollkostenrechnung noch günstiger unterwegs zu sein. Und so ergeben sich Chancen für alternative Antriebskonzepte wie Erd- oder Autogas oder einen Hybridantrieb. Aber auch der traditionelle Benziner kann durch spezielle Maßnahmen wie Aerodynamik-Pakete mit Luftleitblechen am Wagenboden, geänderte Motorsteuerungen und Sonderausstattungen wie eine Start-Stopp-Automatik oder eine Schalthilfe wieder attraktiv werden. Ob diese Konzepte nun Blue Motion (VW) oder Efficient Dynamics (BMW) heißen, spielt dabei keine große Rolle.

Diesel versus Benziner

Einer aktuellen Studie der DEKRA und der Zeitschrift "Firmenauto" zufolge hat der Diesel bei den Kilometerkosten trotz der aktuellen Preisentwicklung unterm Strich die Nase zwar noch leicht vorn. Doch hängt das sehr stark vom jeweiligen Modell und der individuellen Fahrweise ab. In einem DEKRA-Test mit drei Varianten des Ford Focus - als Benziner, Diesel und Erdgas-Auto - und einem Toyota Prius als Hybrid-Fahrzeug wurde über eine Teststrecke von 750 Kilometern der Verbrauch gemessen. In die Gesamtrechnung flossen zudem Anschaffungspreis, Steuern, Versicherungen und Wertverlust mit ein. Das Ergebnis: Der Diesel war mit 60,95 Cent pro Kilometer noch die günstigste Alternative, jedoch knapp gefolgt vom Erdgas-Focus mit 62,51 Cent und dem Benziner mit 63,96 Cent. Vor allem durch seinen höheren Anschaffungspreis kommt der Prius mit 66,68 Cent je Kilometer der Rechnung zufolge letztlich am teuersten. Allerdings hat der Hybrid seinen großen Vorteil in der Stadt, wo andere Fahrzeuge mehr verbrauchen. Und bei hoher Kilometerleistung dürfte sich auch der Erdgaswagen noch deutlich verbilligen. Das belegt auch ein aktueller Test der ZDF-Sendung WISO. Danach wurde ein Ford Focus mit allen vier Antriebsarten (Benzin, Diesel, Erdgas, Autogas) geprüft. Das Ergebnis: Mit einem erdgasbetriebenen Ford Focus ist die 100-Kilometer-Fahrt am preiswertesten.

Der Autozulieferer und Dieselspezialist Robert Bosch schätzt zwar ähnlich wie Automobilclubs, dass sich die Anschaffung eines Diesels aufgrund des Minderverbrauchs gegenüber anderen Antriebsarten je nach Größe des Fahrzeugs noch immer zwischen einer Jahreslaufleistung von 10.000 und 25.000 Kilometern lohnt. Für einen Audi A4 erhöhe sich beim aktuellen Dieselpreis die notwendige Laufleistung aber bereits auf etwas über 19.000 Kilometer, während im Februar nur knapp 17.000 Kilometer notwendig waren.

Biodiesel und Pflanzenöl

Wem der Diesel zu teuer ist, der kann auch auf Biodiesel umsteigen. Dieser kostet momentan etwa zehn Cent pro Liter weniger als normaler Diesel. Allerdings müssen viele Diesel-Motoren mit teuren Teilen vorher für den Verbrauch von Bio-Diesel modifiziert werden. Die Kosten für den Umbau können je nach Hersteller, Modell und Umbauart von rund 600 bis zu 4.000 Euro betragen. Grundsätzlich kann jeder Diesel-Motor biodiesel-tauglich gemacht werden, aber man weiß meistens erst nach einer Anfrage beim Hersteller, ob man den eigenen Diesel umbauen lassen muss, oder ob er schon für einen solchen Betrieb ausgelegt ist.

Auch Pflanzenöle als Kraftstoff fürs Auto sind mittlerweile möglich. Hier sind die Umbaukosten für den Motor sogar geringer und liegen bei 200 bis 600 Euro. Mit Preisen um die 1,18 Euro netto bewegen sich die Pflanzenöle in ähnlichen Preisdimensionen wie Bio-Diesel, punkten allerdings durch den günstigeren Umbau des Motors.

Entgegen der Annahme, mit der Nutzung von Biodiesel oder Pflanzenöl gleichzeitig einen Beitrag zum Umweltschutz zu leisten, ist diese Antriebsart sehr umstritten. Würden laut Bericht des Umweltbundesamtes vom 01.09.2006 nur 5% des Dieselverbrauches von Biodiesel oder Pflanzenöl abgedeckt, müsste bereits die Hälfte der gesamten deutschen Ackerfläche für den Anbau von Raps verwendet werden. Bereits heute werden in Drittweltländern enorme Flächen für den Anbau ölhaltiger Pflanzen für die Produktion von Biodiesel und Pflanzenöl verwendet. Nicht selten werden riesige Urwaldgebiete dafür abgeholzt und gerodet. Diese gewaltigen Monokulturen wirken sich katastrophal auf die Umwelt aus, weil die Böden versteppen, was Klimaänderungen zur Folge hat. Hinzu kommt, dass der Umstieg von der Erzeugung von Lebensmitteln auf Ölpflanzkulturen zu einer Verknappung und damit Verteuerung von Nahrungsmitteln führt.

Erdgas und Autogas

Erd- und Autogas sind ebenfalls Alternativen zum Diesel. Ein Erdgas-Auto kann allerdings nicht mit Autogas betankt werden und umgekehrt. Erdgasfahrzeuge haben viele Hersteller im Programm (www.erdgasfahrzeuge.de). Und eine Umrüstung auf Autogas ist bei den meisten Benzinern möglich. Diese kostet je nach Modell zwischen 2.000 und 3.500 Euro. Auch bieten einige Hersteller Autogastanks in Neuwagen an. Das Tankstellennetz für Autogas ist in Deutschland und Europa besser ausgebaut als das Netz der Erdgastankstellen. Der Liter Autogas kostet derzeit etwa 68 Eurocent, das Kilogramm Erdgas etwa 88 Eurocent. Dafür hat Erdgas eine höhere Energieausbeute, die sauberere Verbrennung und könnte von der geplanten CO2-Besteuerung besser profitieren. Die Reichweiten der Fahrzeuge mit Gasantrieb hängen von der Größe des Gastanks ab. Aktueller "Reichweitenmeister" unter den Erdgasfahrzeugen ist derzeit Volkswagens Caddy Maxi, der in Tests über 550 Kilometer mit Erdgas fuhr. Zudem verfügen Autogas- und Erdgasautos meist über einen zusätzlichen Benzintank, so dass auch eine Fahrtstrecke mit geringer Gastankstellen-Dichte ohne große Probleme überwunden werden kann.

Durch die unterschiedliche Energiedichte der Treibstoffe Erdgas und Autogas ergeben sich unterschiedliche Verbrauchsdaten gegenüber Benzin. Bei Autogas (Flüssiggas) in der Regel zwischen 10 und maximal 30 % mehr (je nach verbauter Anlage und Fahrzeug), bei Erdgas rund 30 Prozent weniger als Benzin. (1 Kilogramm Erdgas entspricht der Energieausbeute von 1,5 Litern Benzin). Grob gerechnet, liegen die reinen Spritkosten pro Kilometer bei derzeitigen Preisen bei Erdgas etwa 20 Prozent unter denen von Diesel und etwa 30 bis 40 Prozent unter denen von Benzin.

Hybrid

Eine weitere im Betrieb kostengünstige und umweltschonende Variante ist ein Hybrid-Fahrzeug. Ein Hybridfahrzeug ist nach der umgangssprachlichen Bedeutung eine Art "Mischlingsfahrzeug": Die am weitesten verbreitete Hybridvariante ist die Kombination aus Verbrennungsmotor (also Diesel oder Benziner) als Hauptenergiequelle und elektrischer Maschine mit einem elektrischen Speicher in Form einer Batterie, Brennstoffzelle oder SuperCaps. Die in Europa verkauften Hybrid-Autos haben in der Regel einen Benzin- und einen Elektromotor. Dabei läuft der Elektromotor hauptsächlich beim Anfahren und langsamen Geschwindigkeiten (Stadtverkehr) mit. Auf Landstraßen und Autobahnen dagegen fährt der Wagen meist mit dem konventionellen Antrieb. Die Anschaffung eines Hybriden ist meist teurer, als die eines vergleichbaren Benziners oder Dieselfahrzeuges. Und wie bei allen Sprit sparenden Technologien sind auch beim Hybrid-Fahren die Fahrweise und die Fahrgewohnheiten maßgebend. So wird durch den Wechsel der beiden Motoren im Stadtverkehr der Verbrauch erheblich gesenkt, auf der Autobahn aber ist kaum eine Ersparnis gegenüber Benziner oder Dieselantrieb zu verzeichnen.

Wasserstoff

Beim Wasserstoffantrieb wird Wasserstoff als Kraftstoff genutzt. Derzeit gibt es nur wenige Modelle und die meisten haben noch Studien- oder Prototypencharakter. Auch ist bis auf wenige Tankstellen noch kein dichtes Netz an Nachfüllstationen vorhanden.

Elektroantrieb

Die Elektrotechnik steckt noch in den Kinderschuhen, kein Hersteller hat bisher ein serienreifes Modell entwickelt. Allerdings plant der Konzern Daimler für das Jahr 2010 einen elektronisch betriebenen Smart Fortwo und eine A-Klasse. Auch andere Hersteller, wie VW, arbeiten mit Hochdruck an der Entwicklung eines Modells für die Serienproduktion. Diese Technologie kann alle anderen Antriebe in Punkto Kosten und Emissionen um Längen schlagen. Allerdings ist der Nachteil dieser Technik der durch die teuren Batterien bedingte noch relativ hohe Anschaffungspreis. Auch die Reichweite kann anderen Antrieben noch keine Konkurrenz machen.

Fazit:

Es gibt viele verschiedene Möglichkeiten, die Mobilitätskosten geringer zu halten als bislang. Dazu gibt es auch zahlreiche Musterrechnungen für nahezu alle Modelle. Wer jedoch sicher gehen will, muss seine individuelle Rechnung aufmachen. In diese sollten neben Anschaffungspreis und Wertverlust (lässt sich beispielsweise bei der deutschen Automobil Treuhand, der DEKRA oder bei Eurotax-Schwacke erfahren) auch die individuelle Versicherungsprämie, die Steuer und die voraussichtliche Fahrleistung sowie die Wartungs- und Reparaturkosten einfließen.

Entscheidend für den Verbrauch ist allerdings das individuelle Fahrverhalten. Durch eine Sprit schonende Fahrweise kann man nach Angaben von Experten - unabhängig vom Antrieb - problemlos ein bis zwei Liter gegenüber beispielsweise einer besonders sportlichen Fahrweise einsparen. Entsprechende Spritsparkurse bieten außer den Herstellern auch die Autoclubs an.

Links:

Infos zu Erdgasfahrzeugen Link zu http://www.erdgasfahrzeuge.de
Infos zum Thema Autogas Link zu: www.autogastanken,de
Information zu Autoherstellern und -Importeuren Link zu: Informationszentrale für die europäische Automobilwirtschaft, www.dat.de
Ermittlung des Werts von Gebrauchtfahrzeugen Link zu: www.schwacke.de
Fahrzeugbewertung durch Sachverständige Link zu: DEKRA, www.dekra.de


Eva Blumenfeld, Juli 2008
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