Ihr Ansprech-partner vor Ort
Finden Sie Berater in Ihrer Nähe:
R+V-Ratgeber Fahrzeug + Verkehr (Quelle: Thinkstock)

Fahrzeug + Verkehr

Kauf + Verkauf

Ratgeber Autokauf 2009

Abbildung: Euroscheine
Die Neuzulassungen von Kraftfahrzeugen in Deutschland gehen zurück, zum einen wegen der Finanzkrise aber auch wegen der unsicheren Spritpreisentwicklung und der Diskussionen um CO2-Werte. Die Fahrzeuge auf deutschen Straßen haben ein immer höheres Durchschnittsalter.

Um dem abzuhelfen, hat die Bundesregierung Steuerbefreiungen für Neuwagen die eine bestimmte Abgasnorm erfüllen, beschlossen. Wir sagen, worauf man beim Autokauf nun achten muss.

In Zeiten der CO2-Diskussion, Unsicherheit über künftige Besteuerung von Kraftfahrzeugen und einer nicht absehbaren Entwicklung der Benzin- und Dieselpreise will die Entscheidung zum Autokauf gut überlegt sein. Es gilt, viele verschiedene Faktoren zu beachten und gegeneinander abzuwägen. Der Autokunde muss sich fragen, wie viel ihm etwa der kürzlich beschlossene Steuererlass beim Kauf eines umweltfreundlichen Neuwagens unterm Strich bringt. Doch trotz der Finanzkrise und einer schwächelnden Wirtschaft ist die Situation für Neuwagenkäufer zurzeit besser als seit langem.

Viele Hersteller bieten Rabatte beim Autokauf

"Unabhängig von der Kfz-Steuer-Befreiung ist die Ausgangslage derzeit verhältnismäßig günstig, weil die Bereitschaft für Rabatte auf Neuwagen beachtlich gut ist", sagt Rainer Hillgärtner vom Auto Club Europa (ACE). Auch Ferdinand Dudenhöffer, Professor und Direktor des Center for Automotive Research (CAR) an der Universität Duisburg-Essen, sieht eine große Rabattwelle kommen: Die durchschnittlichen Rabatte der Industrie werden nach seiner Schätzung in den ersten drei Monaten 2009 auf 18 Prozent steigen. "Dann werden wir den Tiefpunkt der Autonachfrage erreicht haben", sagte Dudenhöffer im Dezember in Duisburg. Im Oktober hatte das durchschnittliche Rabattniveau seinen Berechnungen nach in Deutschland noch 16 Prozent betragen. "Zusammen mit den von Kanzlerin Angela Merkel in Aussicht gestellten Vergünstigungen für umweltfreundliche Autos können die Rabatte sogar auf 20 Prozent steigen", sagt Dudenhöffer.

In Zeiten der Klimadebatte und stark schwankender Spritpreise werden dabei vor allem verbrauchsstarke Autos mit Rabatten und Sonderaktionen verkauft. Doch bei solchen Angeboten ist Vorsicht geboten, denn die Rabatte allein machen noch kein Schnäppchen. Einige Kunden neigen dazu, nur den Kaufpreis eines Fahrzeugs in die Entscheidung, für ein bestimmtes Auto mit einfließen zu lassen. "Vor einem Autokauf muss jeder für sich die individuellen Kosten ausrechnen und entscheiden, ob er auch nach zwei oder drei Jahren noch günstig mit dem Wagen fährt. Viele verkalkulieren sich bei den Unterhaltskosten", so Hillgärtner.

So raten Autoclubs nicht zum Gebraucht- sondern zum Neuwagenkauf, da die sinkende Nachfrage zu einem sehr niedrigen Preisniveau geführt habe.

Befreiung von der Kfz-Steuer als Verstärkungsmoment

Auch die von der Bundesregierung beschlossene Befreiung von der Kfz-Steuer für Neuwagen dient als Anreiz für die Autokäufer, zu einem neuen Fahrzeug zu greifen. Für jeden PKW der zwischen dem 5. November 2008 und dem 30. Juni 2009 neu zugelassen wird, muss im Jahr 2009 keine Kfz-Steuer gezahlt werden. Und Fahrzeuge, die jetzt schon die Euro5- und Euro6-Norm erfüllen, sind maximal zwei Jahre steuerfrei. Wer ein Euro5-Norm taugliches Auto gekauft hat, das bereits vor dem 5. November 2008 zugelassen wurde, profitiert im Jahr 2009 noch von einer Sonderregelung und fährt ebenfalls Kfz-Steuerfrei.

Aktuell wird die Kfz-Steuer nach Hubraum berechnet. Pro 100 Kubikzentimeter zahlt der Besitzer eines Benziners der die Euro5-Norm erfüllt im Schnitt 6,75 Euro im Jahr. Bei einem Diesel sind 15,44 Euro pro hundert Kubikzentimeter Hubraum fällig.

Eine genaue Kalkulation lohnt sich: Bei 1500 Kubikzentimetern Hubraum brächte die Steuerbefreiung durch den Neuwagenkauf im Jahr 2009 eine Ersparnis von 101,25 Euro (Benziner) beziehungsweise 231,60 Euro (Diesel). Allerdings stellt sich die Frage, ob die Höhe der Steuerersparnis wirklich den gewünschten Effekt auf den Markt haben wird.

Zukunft der Kfz-Steuer ungewiss

Außerdem ist bislang vollkommen unklar, wie lange die gerade beschlossene Regelung auch wirklich in Kraft bleiben wird. Die Umstellung auf eine Kfz-Steuer-Berechnung nach CO2-Ausstoß ist für 2011 im Gespräch und wird in anderen Ländern der EU schon praktiziert. Für Deutschland gilt deshalb: Gerade die Fahrzeuge, die durch ihre großen Hubräume derzeit besonders großes Sparpotenzial beim Neupreis bieten, könnten schon bald am teuersten in der Kfz-Steuer sein, da sie meist mehr CO2 ausstoßen als Autos mit kleineren Hubräumen. Das Finanzministerium verspricht zwar, dass nach einer entsprechenden Änderung kein Autofahrer mehr zahlen müsse als zum gegenwärtigen Zeitpunkt. Doch wie bindend diese Aussage 2011 sein wird, ist noch nicht abzusehen. "Der Kunde will einfach wissen, was da an Steuerreformen auf ihn zu kommt, damit er planen kann", kritisiert ein Autoclub-Sprecher die derzeitige Situation.

Spritpreisentwicklung nicht vorhersehbar

Ähnlich unsicher, wie die Kfz-Steuer-Reform, ist auch die Spritpreisentwicklung. Im Sommer 2008 kletterten die Preise für Diesel und Benzin über die 1,50 Euro Marke, Ende 2008 sank Diesel wieder kurzzeitig auf einen Preis von unter einem Euro. Die Frage bleibt aber, wie lange das niedrige Niveau gehalten werden kann. Die beiden Treibstoffarten näherten sich im Sommer preislich immer mehr einander an. Diesel zu fahren lohnte sich im Vergleich zum Benziner nur noch bei hohen Fahrleistungen. Die Dieselautos wurden zu Ladenhütern. Nun sieht die Situation wieder etwas anders aus, doch die Entscheidung zum Diesel muss jeder individuell durch kalkulieren. Denn oft ist die individuelle Fahrleistung entscheidend. Auf seiner Internetseite bietet der ACE einen Fahrleistungsrechner an, mit dem ausgerechnet werden kann, ab wann sich der Kauf eines Dieselfahrzeugs bei den derzeitigen Spritpreisen lohnt.
Den Rechner finden Sie hier Link zum Automobilclub Europa, www.ace-online.de.

Alternativen Autogas und Erdgas

Die gasbetriebenen Autos bieten eine gute Alternative, um den Spritpreisschwankungen aus dem Weg zu gehen. Hier blieben die Preise bisher weitgehend konstant und die Regierung hat versprochen, beide Antriebsarten bis 2018 mit der Reduzierung der Mineralölsteuer zu subventionieren. Vorsicht ist jedoch geboten, da auch Gaspreise nicht vollends von Preisschwankungen ausgeschlossen sind. Außerdem sind Gastankstellen noch nicht so weit verbreitet. Im Oktober 2008 gab es in Deutschland rund 4.100 Autogas-Tankstellen (LPG). Fahrer eines Erdgas-Fahrzeugs(CNG) konnten auf ein Netz aus gut 800 entsprechenden Tankstellen zurückgreifen, das 2009 vergrößert werden soll. Ein Autokunde, der sich für den Kauf eines gasbetriebenen Fahrzeugs interessiert, sollte also vorher genau prüfen, in wie weit er in seiner Umgebung über ein entsprechendes Versorgungsnetz verfügt. Auch bei geplanten Fahrten ins Ausland sollte bedacht werden, wie verbreitet Gastankstellen im jeweiligen Land sind. Das gilt besonders für Erdgasfahrzeuge.

Weitere Informationen zu diesem Thema finden Sie auch in unserem Artikel "Steigende Spritpreise machen alternative Antriebe attraktiv".

Neue Alte statt neue Neue

Eine weitere Alternative zu den neuesten Fahrzeugen sind aber auch Modellreihen, die zwar mittlerweile durch einen Nachfolger abgelöst wurden, aber immer noch als Neuwagen gefertigt sind. Entsprechen ihre Motoren den neuen Abgaswerten, ist diese Überlegung durchaus lohnenswert. Entsprechende Angebote gab es Ende 2008 für die Marken Skoda, Renault, Citroen und Fiat.

Fazit

Die Entscheidung welches Auto man sich kaufen möchte, sollte nicht übers Knie gebrochen werden, sondern wohl überlegt sein. Grundlegend muss sich der potenzielle Autokäufer überlegen, was für ein Fahrzeug er für seine Zwecke benötigt und wie stark er es nutzen wird. Die Rabatte auf den Kaufpreis oder eine günstige Finanzierung müssen ebenso wie steuerliche Vergünstigungen ins Verhältnis zu den späteren Unterhaltskosten gesetzt werden. Hierbei gilt es, auch mögliche Schwankungen der Spritpreise zu berücksichtigen. Vor diesem Hintergrund lohnt sich auch ein Blick auf die Möglichkeiten der alternativen Antriebe wie Auto- und Erdgas. Jeder muss also für sich persönlich die verschiedenen Kriterien gegeneinander abwägen, um dann eine Entscheidung zu treffen, die auf lange Sicht die meisten Kosten spart. Sicher scheint jedoch: Wer beim Autokauf auf die Umweltwerte (CO2, Verbrauch, Partikel- oder Abgasfilter, Schadstoffklasse) achtet, hat später sicherlich weniger Probleme, als Käufer von Autos mit veralteten Motoren, hohen CO2-Werten oder ohne Partikel-Filter.

Eva Blumenfeld, Januar 2009
zum Seitenanfang