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Beruf + Karriere

Bewerbung

Bewerbungsgespräch: Der Körper spricht mit

Körpersprache hat eine große Bedeutung - insbesondere in einem Bewerbungsgespräch. Denn Gesten und Körperhaltungen können mit entscheiden, ob ein Bewerber den Job bekommt oder nicht.

Welche Bedeutung hat die Körpersprache?

Abbildung: Bewerber mit vergrößerter Hand (Quelle: Thinkstock)
Lernt man eine neue Person kennen, macht das Gesagte nur 7 Prozent ihrer Glaubwürdigkeit aus, die Körpersprache dagegen 55 Prozent. Dies ist das Ergebnis einer wissenschaftlichen Studie von 1971, die nach Ansicht von Experten auch heute noch ihre Gültigkeit hat. Daher ist es für Bewerber wichtig, sich nicht nur inhaltlich gründlich auf das Vorstellungsgespräch vorzubereiten. Bewerber müssen sich im Vorfeld ebenso überlegen, wie sie im Bewerbungsgespräch auftreten möchten, wie sie den potenziellen neuen Arbeitgeber begrüßen, wie sie sitzen, sprechen und gestikulieren möchten.

Was sollten Sie in einem Bewerbungsgespräch verkörpern?

Wenn Sie sich für einen Job bewerben, sollten Sie auch mittels Körpersprache gesundes Selbstbewusstsein, Offenheit und Interesse signalisieren. Rhetoriktrainerin und Körpersprachen-Expertin Angelina Haug erklärt: "Alles, was zwischen Fuß und Kopf geschieht, ist wichtig. Der ganze Mensch wirkt, durch viele Kleinigkeiten."

Vor dem Bewerbungsgespräch

Angelina Haug rät, vor dem Bewerbungsgespräch die richtige Einstellung zu dieser Situation zu finden. "Es handelt sich um keine negativ mit Angst besetzte Prüfungssituation, sondern um ein Kennenlernen. Der Bewerber muss zu sich stehen, mit sich im Reinen sein und Lockerheit mitbringen. Der Körper zeigt, wie man zu dem Gespräch steht." Die richtige Einstellung ist also Grundvoraussetzung für eine positiv wirkende Körpersprache.

Der Beginn des Bewerbungsgesprächs

Die Expertin erklärt dazu: "Der Beginn des Bewerbungsgesprächs - man spricht auch von den magischen sieben Sekunden - hat entscheidende Bedeutung." Wichtig sind ein zielstrebiger Gang, ein offenes Lächeln, Augenkontakt und ein fester Händedruck. "Dies kann man auch zuhause üben", rät Haug.

Worauf Sie im Bewerbungsgespräch achten sollten

Im Gespräch selbst sollten Sie zunächst die richtige Sitzposition wählen. "Man sollte immer gerade sitzen", sagt Angelina Haug. Wer sich zurücklehnt, wirkt schnell arrogant, wer sich stark nach vorne lehnt, kann fordernd wirken. Dabei sollten Sie ihre Beine nicht übereinander schlagen, dies kann abweisend erscheinen. Den Kopf sollten Sie gerade halten. "Wer zu Boden schaut, kann unterwürfig wirken, wer zur Decke schaut, kann desinteressiert rüberkommen", erklärt Haug.

Die Arme sind zu Beginn des Gesprächs am besten entspannt auf der Mitte der Oberschenkel aufgehoben, keinesfalls auf dem Tisch. Dies könnte der Personaler als Übergriff in seine Sphäre werten. Auch sollten Sie, so Haug, "niemals die Arme verschränken". Ihre Hände dürfen dagegen durchaus zum Einsatz kommen. Vermeiden Sie "drohende" Gesten, wie geballte Fäuste oder mit den Händen über den Tisch auf den Interviewer zu deuten. "Bewerber dürfen ihre Hände für natürlich und gelassene Gesten benutzen", sagt Haug. "Schließlich ist Gelassenheit die schönste Form des Selbstbewusstseins." Unbedingt vermeiden sollten Sie auch das Spielen mit Gegenständen und Handbewegungen zum eigenen Kopf. "Am Kopf kratzen, an die Lippen, Ohren oder Nase greifen nimmt dem Bewerber Status. Diese Gesten wirken kompensierend."

Blickkontakt ist entscheidend im Bewerbungsgespräch

Sehr entscheidend bleibt während des ganzen Vorstellungsgesprächs der Blickkontakt. "Natürlich sollte man sein Gegenüber nicht anstarren", erklärt der Profi. Sie sollten ihn oder sie aber schon rund 80 Prozent der Zeit mit aufrechtem und geradem Kopf anschauen. Ihre Miene bleibt während des Gesprächs interessiert, nie verkrampft. "Ein echtes Lächeln zur rechten Zeit", so Haug, schadet nie. "Schließlich wollen wir zeigen, dass wir uns freuen, hier sein zu dürfen und unseren möglicherweise neuen Arbeitgeber kennenzulernen."

Auch auf die Stimme müssen Bewerber achten. Sie sollten lebendig und deutlich sprechen, ohne übertrieben oder aufgesetzt zu wirken. Ihre Kleidung sollte gepflegt und ordentlich sein, der Bewerber muss sich in ihr aber wohl fühlen. "Personaler sehen, wenn ein Bewerber sich verkleidet hat und sich unwohl fühlt", sagt Haug. Wenn Frauen also keine hohen Schuhe gewohnt sind, sollten sie auch im Bewerbungsgespräch lieber flachere Schuhe tragen.

Soll der Bewerber versuchen, die Körpersprache seines Gegenübers zu lesen?

Expertin Haug rät Bewerbern, sich auf das Bewerbungsgespräch und sich selbst zu konzentrieren und nicht zu versuchen, ihrerseits aus Gesten des Personalers Informationen zu ziehen. Dies bringe nicht viel, da das Gegenüber geschult ist und die meisten Bewerber ohnehin schon nervös genug und mit sich selbst beschäftigt sind. Außerdem bestehe die Gefahr von Missdeutungen des Verhaltens des anderen, schließlich sehe man diese Person zum ersten Mal.

"Ganz wichtig ist und bleibt die Einstellung des Bewerbers", sagt Haug. "Wer nicht verkrampft mit der Einstellung 'Ich muss diesen Job haben!' antritt, sondern mit der Einstellung 'Ich schau mir das mal ganz offen und in Ruhe an', der wird auch von der Körpersprache her ein gutes Bild machen."
D. Konrad, aktualisiert Mai 2012
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