Seit rund 70 Jahren hatten die Schornsteinfeger in Deutschland eine Monopolstellung. Rund 8.500 Bezirksmeister herrschten bis zur Rente konkurrenzlos über ihre deutschen Kehrbezirke. Doch dieses Monopol wird demnächst gelockert. Was sich dadurch für Sie ändert und wie Sie so möglicherweise Geld sparen können.
In der aktuellen Heizsaison können Hausbesitzer erstmals seit 1935 frei ihren Schornsteinfeger für die gesetzlich vorgeschriebenen Reinigungen wählen. Das Monopol der Bezirksschornsteinfeger ist gelockert worden und bereits rund 100 freie deutsche Schlotfeger sowie Unternehmen aus dem EU-Ausland machen ihnen kräftig Konkurrenz. Auf Druck der Europäischen Union (EU) wurde das 70 Jahre alte Kehrmonopol bereits im Dezember 2008 abgeschwächt und der Weg frei gemacht für einen europaweiten freien Markt. Grundlage für die Lockerung ist die seither gültige neue Handwerksverordnung. Die EU-Kommission befand, dass das alte Gesetz gegen den freien Dienstleistungsverkehr in der Union verstoße. So können nun Schlotfeger aus allen europäischen Ländern sowie der Schweiz beauftragt werden, den heimischen Kamin zu fegen. Das Netz der freien Schornsteinfeger aus Deutschland ist zwar noch nicht flächendeckend, wird aber zunehmend dichter.
Das Gesetz im Überblick
Mit Inkrafttreten der neuen Handwerksverordnung werden Kehrbezirke nur noch auf sieben Jahre vergeben. Die Inhaber behalten zwar zunächst die "hoheitlichen" Aufgaben beim Brandschutz. Kehr- und Wartungsarbeiten können künftig aber nun auch von qualifizierten Kräften aus dem EU-Ausland durchgeführt werden. Die Regelung hat noch eine Übergangsphase, die Ende 2012 abgeschlossen ist. Ab 2013 fällt dann auch die Gebührenordnung weg, die bisher regional die Preise relativ eng festlegt. Somit kann dann der freie Wettbewerb komplett greifen. Bis dahin müssen deutsche Schornsteinfeger ein besonderes Schlupfloch nutzen, wollen sie Kehraufträge in einem fremden Bezirk bekommen.
Deutsche Schornsteinfeger müssen einen Umweg gehen
Bis Ende 2012 sind deutsche Schornsteinfeger noch an ihre Kehrbezirke gebunden, sollen sich aber schon einmal an den Wettbewerb mit den EU-Nachbarländern gewöhnen. Will ein deutscher Schornsteinfeger dennoch bereits jetzt den anderen Kehrbezirken Konkurrenz machen, so muss er einen Umweg gehen. Über die Anstellung in einer in Deutschland zugelassenen EU-Firma, etwa mit Sitz in den Niederlanden oder Österreich, kann er bereits jetzt schon im fremden Revier "herumfegen".
Etwa 100 freie Schlotfeger haben diese Lücke bereits für sich entdeckt und sind nun als unabhängige Dienstleister auf dem heimischen Markt tätig. Auf der
Internetseite der Vereinigung Link zu: Freie Schornsteinfeger, www.freie-schornsteinfeger.eu , kann man sich darüber informieren, wie man vom freien Wettbewerb im Kehrgewerbe profitieren kann. Kaminkehren und Feueranlagen prüfen kann nach Ansicht von Experten zehn bis 30 Prozent billiger werden. Darüber hinaus können mit den "Freien" auch einfacher Termine am Samstag oder am frühen Abend vereinbart werden.
Was der Verbraucher tun muss
Bisher musste man seinen Schornstein von einem zugewiesenen Schlotfeger säubern und warten lassen, konnte keine Angebote vergleichen oder den günstigsten Anbieter auswählen. Doch auch nach Inkrafttreten der neuen Handwerksordnung ist dies vorerst noch etwas kompliziert. Wer seinem Monopol-Kaminkehrer den Rücken kehren will, muss noch eine Formalität erledigen. Seit Juni 2009 ist der sogenannte Feuerstättenbescheid bei jedem Haus vorgeschrieben. Dieser muss beim bisherigen Bezirksschornsteinfeger eingeholt werden, damit man dann einen freien Dienstleister beauftragen kann. Man kauft sich quasi aus dem Monopol frei. Die Kosten hierfür variieren je nach Bundesland und Objekt. Für ein Einfamilienhaus in Baden-Württemberg etwa zahlt der Besitzer rund zehn Euro. Auf Grundlage dieser Stammdaten des Hauses darf man sich dann ein Angebot von einem ausländischen Dienstleister aus einem EU-Land oder der Schweiz einholen.
Eva Blumenfeld, Januar 2010
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