Ihr Ansprech-partner vor Ort
Finden Sie Berater in Ihrer Nähe:
R+V-Ratgeber Recht + Geld (Quelle: Thinkstock)

Bauen + Wohnen

Geld + Recht

Der intelligente Stromzähler

Abbildung: Stromzähler mit Doktorhut

Bei vielen Kunden werden derzeit die Stromzähler ausgetauscht. Die alten analogen Zähler werden durch digitale "intelligente" Stromzähler ersetzt. Wir sagen, was es mit der neuen Technik auf sich hat.
Unternehmen nutzen die Technik von intelligenten Stromzählern bereits seit etwa zehn Jahren. In den vergangenen Monaten setzten die Energieversorgungsunternehmen diese Technik nun auch verstärkt bei Privatverbrauchern ein. Profitieren sollen davon alle Beteiligten. Vorangetrieben wird der Einsatz der neuen Technik sowohl in Deutschland als auch auf EU-Ebene. In einigen Ländern wie Großbritannien oder Italien werden intelligente Stromzähler bereits flächendeckend eingesetzt.

EU treibt Energieeffizienz voran

Die Europäische Union hat eine Richtlinie zur Energieeffizienz und zu Energiedienstleistungen verabschiedet, nach der Bürger mehr Informationen über ihren Energieverbrauch erhalten müssen. Der deutsche Gesetzgeber hat diese Richtlinie im Jahr 2008 übernommen und über das Energiewirtschaftsgesetz im nationalen Recht verankert. Dem Gesetz zufolge sollen ab 2010 in allen Neubauten intelligente Stromzähler eingebaut werden. Ab dem Jahr 2011 müssen die Energieversorger ihren Kunden über zeit- und lastabhängige Tarife Anreize zum Energiesparen bieten.

Fernübertrag der Daten

Hintergrund der Umstellung ist auch die Tatsache, dass alte Drehscheibenzähler bislang lediglich Kilowattstunde um Kilowattstunde zusammengezählt haben. Eine Differenzierung - etwa nach Tageszeiten und Tarifen - gab es nicht. Die neuen digitalen Stromzähler - auch Smart Meter genannt - messen nun detailliert, wann und exakt wie viele Kilowattstunden verbraucht wurden. Der Zähler meldet die Daten dann in regelmäßigen Abständen an die Stromversorgungsunternehmen. Dabei gibt es verschiedene Übertragungswege, die von den Anbietern derzeit getestet werden. Dazu gehören Internetverbindungen ebenso wie Mobilfunklösungen und die Übertragung von Daten über die Stromkabel. Wie für die analogen Drehscheibenzähler muss der Kunde auch für den digitalen Zähler eine Gebühr an das Stromversorgungsunternehmen entrichten.

Keine teuren Nachzahlungen

Der Vorteil dieser regelmäßigen Fernablesung für den Verbraucher ist, dass dieser nun keine zu hohen Abschlagszahlungen mehr leisten muss. Auch eine böse Überraschung durch eine kräftige Nachzahlung am Jahresende ist nun ausgeschlossen, da der Kunde am Monatsende eine Rechnung mit dem tatsächlich verbrauchten Strom erhält. Viele Anbieter bieten ihren Kunden auch eine Online-Übersicht über ihren Verbrauch an. So kann der Nutzer über eine passwortgeschützte Internetseite auf seine Daten zugreifen und sich den Verbrauch nach Tagen, Wochen oder Monaten anzeigen lassen. In der Regel werden diese vom Anbieter auch grafisch aufbereitet, so dass man sich den Verbrauch etwa in Diagrammen anzeigen lassen kann. Das hilft, Tendenzen besser zu erkennen.

"Stromfresser" identifizieren

Durch die detaillierte Aufschlüsselung kann der Verbraucher zukünftig besser Stromfresser im Haushalt identifizieren. Die Stromzähler zeichnen zwar nicht auf, welches Gerät exakt wie viel Strom verbraucht, aber die zeitgenaue aktuelle Anzeige der Verbrauchlast lässt Rückschlüsse auf die einzelnen Geräte zu. So muss man sich etwa lediglich einmal notieren in welchem Zeitraum die Waschmaschine lief, der Herd eingeschaltet wurde oder etwa ein Föhn benutzt wurde. Anhand dieser Daten kann der Verbraucher seinen Haushalt auf Effizienz trimmen und so bares Geld sparen. Dass ein geringerer Stromverbrauch auch der Umwelt hilft, ist dabei natürlich ein willkommener positiver Nebeneffekt.

Spitzenlasten vermeiden

Für die Versorgungs-Unternehmen bieten die intelligenten Stromzähler die Möglichkeit, individuellere Tarife anzubieten und damit auch den Stromverbrauch zu steuern. So können sie Anreize für die Kunden schaffen, möglichst dann Strom zu verbrauchen, wenn dieser auch ausreichend zur Verfügung steht - wie etwa Nachts - und nicht zu Spitzenlastzeiten. Für die Stromversorger hat das den Vorteil, weniger zusätzliche Kapazitäten in den Spitzenlastzeiten bereitstellen zu müssen. Die Erzeugung dieses zusätzlichen Stroms ist vergleichsweise teurer, als außerhalb der Spitzenzeiten.

Es droht Unübersichtlichkeit

Wenn die Stromtarife sich ähnlich wie die Telefontarife entwickeln, droht auch eine vergleichbare Unübersichtlichkeit. Die Flexibilität nutzen nämlich nur Kunden, die über das eigene Verbrauchsverhalten gut informiert sind und es zudem weitgehend kontrollieren können. Wer dagegen Stromverbrauch zu Spitzenlastzeiten nicht vermeiden kann oder einfach einen über den Tag relativ konstanten Stromverbrauch hat, muss mit der flexiblen Abrechnung oft tiefer in die Tasche greifen als mit dem alten Einheitstarif.

Schnelle Stromsperre möglich

Mit den neuen Stromzählern haben die Stromunternehmen aber noch ganz andere Möglichkeiten. Nun können sie auch aus der Ferne den Strom ein- und ausschalten. Vorteilhaft: Bei einem Einzug müssen die Kunden nicht mehr lange warten, bis Strom anliegt. Bei Zahlungsverzug können die Unternehmen viel schneller den Strom ausschalten, ohne dass die Kunden sich wehren können.

Eva Blumenfeld, Juli 2009
zum Seitenanfang