Die Tür fällt ins Schloss und der Schlüssel steckt von innen oder liegt noch auf dem Küchentisch. Wenn dann kein Schlüssel beim Nachbarn deponiert oder das Schloss von innen blockiert ist, muss ein Schlüsseldienst her. Die speziell ausgebildeten Handwerker können nahezu jedes Schloss in wenigen Minuten öffnen.
Böses Erwachen mit der Rechnung
Doch Vorsicht: Diese schnelle Dienstleistung kann dabei oft unerwartet teuer werden. Zwar sind Schlüsselnotdienste in der Regel teurer als ein normaler Schlüsseldienst, da sie neben der Anfahrt auch rund um die Uhr zu erreichen sind. Doch manche Anbieter langen bei der Rechnung unverhältnismäßig kräftig zu. Laut Verbraucherzentralen sind Rechnungen um die 200 Euro und manchmal sogar von 500 bis 600 Euro keine Seltenheit. Teuer sind in der Regel vor allem die Anfahrtswege. So können aus einem am telefonisch vereinbarten Festpreis von 60 Euro für das reine Öffnen der Tür schnell 250 Euro inklusive Anfahrt werden.
Türöffnern auf die Finger schauen
Ein anderer Trick von so manchem Schlüsseldienst ist, beim Öffnen der Tür möglichst viel Schaden anzurichten, warnen Verbraucherzentralen. Die zerstörten Schlösser und Schließfächer werden direkt vor Ort gegen (meist) teure neue ausgetauscht. Hier stellen die Dienste teilweise nicht nur die Materialkosten sondern auch oft den Einbau zu teuren Notdienst-Konditionen in Rechnung.
Im Fall der Fälle raten die Verbraucherzentralen:
- Bewahren Sie zunächst Ruhe und handeln Sie nicht überstürzt!
- Wählen Sie einen Schlüsseldienst in der Nähe aus. Suchen Sie dabei nicht gleich den ersten Anbieter aus dem Branchenbuch raus. Hier versuchen sich oft Anbieter zu positionieren, die sich mehrere As in den Namen nehmen, um möglichst weit vorne zu stehen. Tests der Verbraucherzentralen haben ergeben, dass gerade diese Notdienste in der Regel nicht zu den günstigsten gehören. Auch sollten Sie nicht unbedingt auf die angegebene Ortsvorwahl vertrauen. Sie müssen keinen Aufschluss über den tatsächlichen Anfahrtsweg geben. Fragen sie daher immer, von wo der Nothelfer wirklich kommt.
- Vermeiden Sie Dienstleistungen außerhalb der normalen Öffnungszeiten. Wenn möglich, ist es deutlich günstiger, eine Übernachtung bei Freunden oder der Familie in Betracht zu ziehen und die Tür am kommenden Tag von einem örtlichen Schlüsseldienst öffnen zu lassen.
- Prüfen Sie Alternativen zum Tür-Aufbrechen. Manchmal kann es zudem günstiger sein, eine kleine Scheibe einzuschlagen und diese zu ersetzen als den teuren Notdienst zu wählen.
- Vergleichen Sie die Preise. Vor der Beauftragung sollten die Angebote (inklusive Anfahrt) mehrerer Notdienste eingeholt werden, um diese vergleichen zu können und den günstigsten auszuwählen.
- Vereinbaren Sie die Kosten eines Schlüsseldienstes vorher. Der Preis für das Öffnen einer Tür sollte vorab am Telefon, am Besten unter Zeugen vereinbart werden. Achten Sie auch darauf, dass der Preis sämtliche Kosten, z. B.auch die für Anfahrt und Material, beinhaltet. Hier ist es ratsam, sich möglichst auf einen Festpreis zu einigen.
- Zahlen Sie nicht bar und sofort und lassen Sie sich schon garnicht nötigen, zum Bankautomaten zu gehen, das macht kein seriöser Schlüsseldienst. Besser ist es, sich eine Rechnung geben zu lassen und den Betrag später zu überweisen. So können Sie die Rechnung in Ruhe prüfen und bei Bedarf reklamieren. Außerdem können Sie die Kosten für den Schlüsseldienst nur dan als haushaltsnahe Dienstleistung von der Steuer absetzen, wenn Sie eine Rechnung vorweisen können.
- Beaufsichtigen Sie die Arbeiten, um unnötig hohe Kosten durch unsinnige Zerstörung zu vermeiden. So ist es bei einer zugeschlagenen Tür in der Regel nicht notwendig, das Schloss aufzubrechen. Auch bei einem abgebrochenen Schlüssel im Zylinder muss nicht zwangsläufig ein neues Schloss eingebaut werden, da Fachleute die Reste leicht entfernen können.
Gegen überhöhte Rechnungen vorgehen
Sollte eine offensichtlich überhöhte Rechnung für die erbrachten Dienstleistungen gestellt werden, raten Verbraucherzentralen dazu, allenfalls eine Anzahlung zu leisten. Die Rechnung kann dann bei anderen Schlüsseldiensten, den Handwerkskammern oder Verbraucherzentralen überprüft werden. Auch juristisch ist ein Vorgehen möglich und bei entsprechenden Voraussetzungen auch Erfolg versprechend. So gab beispielsweise das Münchner Amtsgericht einer Klage statt, bei der eine Kundin gegen eine überhöhte Rechnung geklagt hatte, die sie bereits bezahlt hatte. Die Firma hatte der Frau 180 Euro in Rechnung gestellt, obwohl der übliche Tarif sich lediglich auf 50 Euro belief. Das Amtsgericht stellte fest, dass die Rechnung des Schlüsseldienstes ein "die Wuchergrenze übersteigendes Entgelt" sei und verurteilte diesen zu einer entsprechenden Rückzahlung.
Vorsorge treffen
Die günstigste Lösung sich vor dem Aussperren aus der eigenen Wohnung zu schützen ist allerdings immer noch das Deponieren eines Ersatzschlüssels bei Nachbarn, Freunden oder Verwandten. Zudem empfehlen die Verbraucherzentralen sich vorab über einen preisgünstigen Schlüsseldienst in der näheren Umgebung zu informieren. Diese Information sollte man dann allerdings nicht in der dann unzugänglichen Wohnung aufbewahren.
Eva Blumenfeld, aktualisiert Dezember 2009
Links:
Im Webportal der Verbraucherzentralen sind die Adressen und Kontaktdaten der jeweils zuständigen Verbraucherzentralen in den einzelnen Bundesländern zu finden.
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