Eine Weiterentwicklung des Passivhauses ist das Nullenergiehaus, ein Haus welches überhaupt keine externen Energiequellen mehr benötigt. Das heißt, dass ein Nullenergiehaus auch an extrem kalten Wintertagen ohne Notheizung auskommt. Technisch ist es zwar schon möglich, solch ein Haus zu bauen, aber nur mit einem enormen Kostenaufwand. Aus diesem Grund ist diese Hausform noch nicht weit verbreitet. Beim Nullenergiehaus wird der gesamte Strom- und Wärmebedarf von der Sonnenenergie gedeckt. Diese wird von Sonnenkollektoren auf dem Dach eingefangen und von Photovoltaikanlagen in nutzbare Energie umgewandelt.
Für den Energiebedarf eines Vier-Personenhaushaltes sind etwa sechs Quadratmeter Sonnenkollektoren auf dem Dach und ein 300 Liter Solarwasserspeicher nötig. Außerdem muss das Haus so ausgerichtet und gebaut sein, dass ein Maximum an Sonnenlicht eingefangen werden kann. Wie beim
Passivhaus sind hervorragende Dämmung und Lüftungstechnik die Grundvoraussetzung, um die eingefangene Energie optimal zu nutzen. Die Weiterentwicklung vom Passivhaus zum Nullenergiehaus beinhaltet auch die Aufbereitung von Regen- und Brauchwasser.
Allerdings gibt es behördliche Auflagen, die Planung und Bau eines Nullenergiehauses enorm verteuern und erschweren können. Hier zeigt sich dann auch, dass Aufwand und Kosten für ein Nullenergiehaus den erwirtschafteten Nutzen immer noch übersteigen. Aber auch ökologisch ist der Begriff Nullenergiehaus irreführend, nämlich dann, wenn zur Herstellung mehr Energie verbraucht wird, als für Heizung und Warmwasser eingespart werden kann.
Heizwärmebedarf der einzelnen Haustypen
Die Klassifizierung nach Niedrigenergiehaus, Passivhaus und Nullenergiehaus wird nach dem Verbrauch von Heizenergie vorgenommen. Dafür wird der Heizwärmebedarf in Kilowattstunden (KWh) pro Quadratmeter und Jahr ermittelt.
Jahresverbrauch in KWh pro Quadratmeter pro Jahr
- Altbau: ca. 125-300 KWh
- Herkömmlicher Neubau: ca. 125 KWh
- Niedrigenergiehaus: 40-79 KWh
- Passivhaus: max. 15 KWh
- Nullenergiehaus: 0 KWh
Plusenergiehaus und energieautarkes Haus
Diese Hausformen sind noch Zukunftsvisionen. Vereinzelt wurden zu Demonstrationszwecken solche Häuser entworfen und gebaut, aber die Kosten liegen noch über den Herstellungskosten eines Nullenergiehauses. Das Plusenergiehaus erzeugt durch Sonnenenergie und Photovoltaikanlagen mehr Energie, als es verbraucht. Das bedeutet, dass die Solaranlage entsprechend dimensioniert sein muss. Die überschüssige Energie wird in das Stromnetz eingespeist.
Anders verhält es sich bei dem energieautarken Haus: Hier wird die überschüssige Energie mittels Elektrolyse in Wasserstoff umgewandelt, der im Haus gespeichert wird. Eine Brennstoffzelle wandelt den Wasserstoff teilweise wieder in Strom um. Das heißt, dass selbst die geringe Energie, die für die Lüftungsanlage und für den Haushaltsstrom benötigt wird, nicht aus dem Netz genommen sondern selbst erzeugt, gespeichert und umgewandelt wird. Das energieautarke Haus ist zwar technisch möglich, wird aber auf lange Sicht eine Zukunftsvision bleiben, da es nicht nur überproportional viel Energie erzeugt, sondern diese auch noch für die kalte und dunkle Jahreszeit speichern muss.
Die Kosten für den Bau und Unterhalt eines solchen Hauses stehen in keinem Verhältnis zur Einsparung.
Fazit
Niedrigenergiehäuser sind bereits Standard bei Neubauten. Die Mehrkosten von fünf bis zehn Prozent für ein Passivhaus lohnen sich, da es von der Kreditanstalt für Wiederaufbau Förderungen für Passivhäuser gibt. Außerdem werden die Mehrkosten sehr schnell durch die Einsparungen bei den Energiekosten aufgefangen. Der finanzielle Aufwand für Nullenergiehäuser und für Plusenergiehäuser ist aus heutiger Sicht noch zu hoch im Verhältnis zur Energieeinsparung gegenüber den Passivhäusern. Energieautarke Häuser werden auch in absehbarer Zukunft nur mit unvertretbar hohem Aufwand zu realisieren sein, zumal sie keinen Umweltvorteil gegenüber Häusern vorweisen, die überschüssig erzeugte Energie ins Netz einspeisen.
Quellen:
www.solarserver.de Link zum Solarserver: www.solarserver.de,
www.passivhaustagung.de Link zum Passivhausinstitut: www.passivhaustagung.de
Eva Blumenfeld, aktualisiert März 2011
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