Der R+V-Bauherrenratgeber: Preiswert bauen? (Öko)logisch!
Wer ökologisch baut, hilft der Natur und schon zugleich den eigenen Geldbeutel. Investitionen in energiesparende Technik und umweltverträgliche Materialen rentieren sich. Wir geben einen Überblick über Vorteile und Möglichkeiten für den umweltbewussten Bauherren.
Der Einsatz von Umwelttechnik und den entsprechenden Materialen muss von Anfang in die Planung des Hauses einbezogen werden. Erster Ansprechpartner für Fragen, Wünsche und Anregungen ist daher zunächst immer der Architekt. Wer sich bereits im Vorfeld über die bestehenden Möglichkeiten informieren will, sollte Experten zu Rate ziehen. Zahlreiche unabhängige Institutionen (siehe Linkliste unten) wie etwa der Bund für Umwelt- und Naturschutz bieten umfangreiches Informationsmaterial und betreiben Beratungsstellen zum Thema ökologisches Bauen.
Fördergelder vom Staat
Umweltbewusstes Bauen wird vom Staat finanziell gefördert, es gibt eine Vielzahl an regionalen Förderprogrammen. Diese sind sowohl bei den Ländern als auch bei den Kommunen angesiedelt. Weiter helfen können hier die zuständigen Bauämter oder Umweltbehörden. Überregional bietet der Bund über seine Förderbank Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) unter dem Motto "Energieeffizient bauen" ein zinsgünstiges Kreditprogramm an. Die unterschiedlichen Programme staffeln sich nach dem Umfang der eingesetzten umweltschonenden Komponenten. Der Zins liegt nach Angaben der KfW in jedem Fall unter den marktüblichen Konditionen. Abgewickelt werden die Kredite in der Regel über die eigene Hausbank, die die KfW-Darlehen an den Bauherren weiterreicht. Umfangreiche Informationen zu den Konditionen, Fördervoraussetzungen und dem Antragsverfahren bietet die
KfW auf ihrer Website (Link zu: Kreditanstalt für Wiederaufbau, www.kfw-foerderbank.de)
Vom Naturholz bis zur Solaranlage - Die Möglichkeiten im Überblick:
Baumaterial:
Hier gilt vor allem: Wer auf natürliche Produkte setzt, tut nicht nur der Umwelt, sondern auch seiner Gesundheit einen Gefallen. Denn Ausdünstungen von Giftstoffen können richtig krank machen. Mehr zu diesem Thema finden Sie
hier. Experten empfehlen aus ökologischer Sicht für die jeweiligen Baubereiche folgende Materialien:
- Außenwände: Holz, Lehm, Ziegel (unglasiert), Kalk, Gips und Textilien. Diese offenporigen Baustoffe können Raumfeuchtigkeit gut aufnehmen und auch wieder abgeben.
- Dämmen: Zellulose aus Altpapier, Baumwolle, Flachs-Matten, Holz- und Kokosfaser-Matten, Korkschrot, Schilfmatten und Schafwolle.
- Innenverkleidung: Wenn Holz verwendet werden soll, dann nur mit umwelt- und Gesundheit schonenden Lacken und Lasuren behandelte Balken oder Platten. Einen Hinweis auf diese Eigenschaften bieten verschiedene Zertifikate, wie etwa der "Blaue Umweltengel".
Wasser sparen
- Regenwasseranlage: Mit einer entsprechenden Anlage wird Regen aufgefangen und in den Wasserkreislauf des Hauses eingespeist. Als Faustregel gilt: Je umfangreicher das Regenwasser genutzt werden soll, desto aufwendiger und damit in der Regel auch teurer ist der Einbau bzw. Anschaffungspreis.
- Einfache Hilfsmittel wie Durchflussbegrenzer und Perlatoren verwenden
- Sensor-Wasserhähne: Diese Bauteile sind zwar relativ teuer, helfen aber mit individuellen Konfigurationsmöglichkeiten für Temperatur und Durchfluss den Wasserverbrauch um bis zu 70 % zu senken.
- Toiletten mit zwei "Spül-Stopp-Tasten" und/oder "Zwei-Mengen-Spülung"
- Badewanne mit möglichst geringem Fassungsvermögen im Verhältnis zur Größe einbauen
- Wassersparende Wasch- und Spülmaschinen einbauen
Strom sparen
Schon beim Bau des Hauses sollte darauf geachtet werden, möglichst Strom sparende Elektrogeräte zu verwenden. Energiesparlampen im Wohnraum und für die Außenbeleuchtung sollten dabei ebenso verwendet werden, wie verbrauchsarme Kühlschränke und Strom sparende Wasch- und Spülmaschinen.
Heizung und Warmwasser
Wärmepumpe:
Sie funktioniert wie ein umgekehrter Kühlschrank. Die Energie zum Heizen wird aus der Luft, der Erde oder aus dem Trinkwasser entnommen. Die kostenlose Wärme zirkuliert mit Hilfe einer Strompumpe und eines Wärmetauschers durch das Heizungssystem des Hauses.
Warmwasserspeicher:
In großen Boilern wird erwärmtes Wasser sozusagen auf Vorrat erwärmt. Durch die Größe der Boiler wird der Energiebedarf beispielsweise für eine warme Badewanne deutlich reduziert.
Niedrigtemperatursysteme/Wand- bzw. Bodenheizungen:
Je größer die Fläche der Wärmeabgabe bei einer Heizung, desto geringer muss die Temperatur sein. Bei gleichem Temperaturempfinden ermöglichen sie eine geringere Raumtemperatur und sparen damit Energiekosten. Waren früher Temperaturen von über 70 Grad Celsius direkt an der Heizung notwendig, kommen die modernen Anlagen mit gerade mal 25 bis 55 Grad Celsius aus. Besonders hohe Wirkungsgrade weisen Wand- oder Fußbodenheizungen auf.
Brennwertkessel:
Geräte, die neben dem Öl oder Gas als Brennstoff auch die im Wasserdampf der Abgase enthaltene Kondensationswärme ausnutzen. Der mitgeführte Wasserdampf kondensiert an der kühleren Rücklaufwasserheizung und setzt dabei Wärme frei. Der Nutzungsgrad des Heizkessels kann damit um bis 11 % (Erdgas) und bis zu 6 % bei Erdöl erhöht werden.
Biomasse-Heizungen:
Biomasse aus Scheitholz, Hackschnitzeln oder den so genannten Pellets ist CO2-neutral und wird stark von der öffentlichen Hand gefördert. Auch der Anschluss an eine Biomasse-Nahwärmeanlage ist, wenn möglich, als Alternative empfehlenswert.
Solartechnik:
Solarzellen und -kollektoren können sowohl zur Stromgewinnung als auch zur Wassererwärmung genutzt werden. Die technischen Fortschritte haben den Wirkungsgrad ebenso wie die Einsatzmöglichkeiten dieser Technik deutlich erhöht. Anhaltend hoch ist die Förderung von Solarenergie durch den Staat. Die optimale Nutzung ist allerdings stark von den individuell gegebenen Voraussetzungen abhängig. Interessierte Bauherren sollten sich daher am Besten an entsprechende Spezialisten (Siehe Liste) wenden und sich die verschiedenen Modelle vorstellen und auch durchrechnen lassen.
Weitere Informationen finden Sie auch in unserem
Energiespar-Special.
Linkliste:
BINE-Bürgerinformation Neue Energietechniken:
www.bine.info (Link zu BINE-Informationsdienst, www.bine.info)
Bund für Umwelt- und Naturschutz:
www.bund.de (Link zu Bund für Umwelt- und Naturschutz, www.bund.de)
Informationsseite der Solarbranche:
www.solarserver.de (Link zu den Informationsseiten der Solarbranche, www.solarserver.de)
Bund der Energieverbraucher:
www.energienetz.de (Link zum Bund der Energieverbraucher, www.energienetz.de)
Institut Wohnen und Umwelt:
www.iwu.de (Link zum Institut Wohnen und Umwelt, www.iwu.de)/
Eva Blumenfeld, aktualisiert Juli 2010