R+V-Ratgeber Ausbildung + Berufseinstieg

Ausbildung + Berufseinstieg

Studium

Studieren im Ausland

Abbildung: Junge Frau
Während des Studiums können Sie in der Regel ein oder mehrere Semester im Ausland studieren. Je nach Studiengang empfiehlt das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) verschiedene Zeitpunkte, zu denen der Auslandsaufenthalt am sinnvollsten ist. So sollten Medizinstudenten etwa nicht vor dem ersten Abschnitt der ärztlichen Prüfung an eine ausländische Hochschule gehen. Für andere Studiengänge hingegen ist ein Aufenthalt im Ausland erst nach dem Abschluss des Studiums möglich und sinnvoll. Im Bereich Sprach- und Kulturwissenschaften kann der Aufenthalt bereits während des Grundstudiums empfehlenswert sein. Allerdings sollte ein Praxissemester im Ausland grundsätzlich erst nach dem zweiten Semester angetreten werden, empfiehlt das BMBF. In der Regel ist das Spektrum der möglichen Tätigkeiten im Ausland größer, je mehr Kenntnisse Sie in Ihrem gewählten Studienfach bereits erlangt haben.

Austausch im Rahmen organisierter Programme

Viele deutsche Hochschulen bieten regelmäßig die Möglichkeit, ein oder zwei Semester an einer ausländischen Universität zu verbringen. Hierfür gibt es teilweise feste Partnerschaftsvereinbarungen zwischen den jeweiligen Hochschulen. Solch organisierte Programme bieten Ihnen oft die Option, Studiengebühren erlassen zu bekommen, in Studentenwohnheimen untergebracht oder mit finanziellen Zuschüssen unterstützt zu werden. Auch Förderprogramme der Europäischen Union gewinnen zunehmend an Bedeutung. Vereinzelt gibt es Studiengänge an bestimmten Hochschulen, etwa im Bereich der Betriebswirtschaft, bei denen ein Auslandsaufenthalt während der Hochschulausbildung verpflichtend ist. Informieren Sie sich daher vor Beginn des Studiums an der gewünschten Universität, welche Kontakte zu ausländischen Hochschulen bestehen und welche Möglichkeiten sich dort für einen Auslandsaufenthalt bieten.

Wenn Sie Ihr gesamtes Studium im Ausland absolvieren und ein ausländisches Examen machen möchten, sollten Sie bedenken, dass ein im Ausland erworbener Studienabschluss in Deutschland nicht in allen Fällen uneingeschränkt anerkannt wird. Darüber hinaus kann ein Vollstudium im Ausland meist nicht durch Stipendien gefördert werden. Bei kürzeren Studienaufenthalten von ein bis zwei Semestern außerhalb Deutschlands sieht das ganz anders aus. Hierfür gibt es zahlreiche Förderungsformen und -Möglichkeiten.

Vorbereitung des Auslandsaufenthalts

Ein Studienaufenthalt im Ausland sollte wohl überlegt und gut geplant sein. Das BMBF empfiehlt, mit der Planung mindestens ein Jahr im Voraus zu beginnen. So können Sie sich genug Zeit nehmen, um sich insbesondere folgende Fragen zu stellen:
  • Welches Land ist am besten geeignet für meinen geplanten Aufenthalt?
  • Verfüge ich dafür über die geeigneten und vorgeschriebenen Sprachkenntnisse oder muss ich hier nachbessern?
  • Wie finanziere ich meinen Aufenthalt? In wie weit brauche ich ein Stipendium und welche Voraussetzung brauche ich für einen entsprechenden Antrag?
  • Wann muss ich mich bei der Gasthochschule bewerben, um die dortigen Fristen einzuhalten?
  • In wie weit werden meine Studienzeit und -leistung im Ausland auch hier in Deutschland anerkannt?
  • Sollte ich mich von meiner Heimathochschule beurlauben oder exmatrikulieren lassen?
Für diese Überlegungen können Sie sich bei verschiedenen Beratungsstellen Hilfe suchen. Nach Angaben des BMBF ist die erste und meist am leichtesten zu erreichende Auskunftstelle das Akademische Auslandsamt (AA). Eine zentrale Beratungsstelle bietet der Deutsche Akademische Austauschdienst e.V. (DAAD). Was im Ausland und beim Studium an einer ausländischen Hochschule zu beachten ist, erfahren Sie bei den konsularischen Vertretungen der Gastländer.

Sprachkenntnisse erforderlich

Ein Auslandssemester kann nur von Erfolg gekrönt sein, wenn Sie die benötigte Fremdsprache in ausreichendem Maße beherrschen. Nur so können Sie auch von den Lehrveranstaltungen im Ausland profitieren. Die Hochschulen im fremdsprachigen Ausland verlangen daher oft den Nachweis entsprechender Sprachkenntnisse. Diese variieren je nach Studiengang. Teilweise reicht der Nachweis der Teilnahme an einem Sprachkurs, teilweise müssen Sprachtests an den konsularischen Vertretungen absolviert werden. Interessenten für einen Studienaufenthalt im Ausland sollten daher - sofern sie nicht bereits über die geforderten Sprachkenntnisse verfügen - zur Vorbereitung Sprachkurse an Hochschulen, Volkshochschulen oder ähnlichen Einrichtungen besuchen. Auch die Möglichkeit, die jeweilige Fremdsprache im Ausland zu lernen, sollte in Betracht gezogen werden. Diese Sprachreise sollte jedoch unbedingt vor dem Studienaufenthalt im Ausland stattfinden.

Finanzierungsmöglichkeiten

Grundsätzlich sind die durchschnittlichen Gesamtkosten für ein Studium im Ausland höher als in Deutschland. Die Lebenshaltungskosten liegen allerdings oft unter denen in der Bundesrepublik. Sie können nicht damit rechnen, den Auslandsaufenthalt komplett finanziert zu bekommen. Nach Angaben des BMBF sorgt die Mehrzahl der im Ausland studierenden Deutschen auch selbst für die Finanzierung. Die Finanzierung aus öffentlichen Mitteln ist beschränkt auf die Förderung derjenigen, die nicht über die finanziellen Mittel verfügen, den Aufenthalt selbst zu finanzieren, und diejenigen, die durch ihre Leistungen besonders qualifiziert sind. Möglichkeiten zur Finanzierung eines Auslandstudiums sind:
  • BAföG
    Um BAföG zu erhalten müssen Sie Ihren ständigen Wohnsitz im Inland haben und über ausreichend Sprachkenntnisse der Unterrichts- und Landessprache verfügen. Mit dem BAföG kann Ihr Auslandsaufenthalt nur dann gefördert werden, wenn Sie Grundkenntnisse in einem mindestens einjährigen Studium im Inland erworben haben und die Ausbildung im Ausland zumindest teilweise auf die im Inland begonnene Ausbildung angerechnet werden kann. Die Förderung wird in der Regel für einen einzigen zusammenhängenden Zeitraum bis zu einem Jahr (mindestens drei Monate) gewährt. Eine Verlängerung für drei weitere Semester ist möglich, wenn der Besuch der ausländischen Hochschule für die Ausbildung von besonderer Bedeutung ist. Die Leistungen umfassen zusätzlich zum Grundbedarfssatz Auslandszuschläge, notwendige Studiengebühren und Reisekosten.
  • Stipendien des DAAD
    Diese Leistung kann grundsätzlich nicht für Studienanfänger geltend gemacht werden. In der Regel wird für die Vergabe des Stipendiums ein Studium von mindestens vier Semestern an einer deutschen Hochschule vorausgesetzt. Bei der Vergabe der Stipendien findet meistens ein Auswahlverfahren statt, in dem bisherige Studienleistungen, Begründung der Studienabsicht oder des wissenschaftlichen Vorhabens sowie Sprachkenntnisse von Bedeutung sind.
Darüber hinaus fördern verschiedene Begabtenförderungswerke und europäische Forschungsorganisationen Studenten, die einen Teil ihrer Hochschulausbildung im Ausland verbringen möchten, mit Stipendien. Auch die Europäische Union (EU) bietet verschiedene Förderprogramme für Studenten an. Diese können teilweise zusätzlich zum BAföG oder den Stipendien des DAAD in Anspruch genommen werden. Die EU hatte beispielsweise zur zusätzlichen Förderung von Studenten das sogenannte ERASMUS-Programm ins Leben gerufen, das später in das Bildungsprogramm SOKRATES umgewandelt wurde. Hierbei können Studiengebühren erlassen werden und es wird ein monatlicher Mobilitätszuschuss an die Studenten gezahlt, die an einer ausländischen Universität studieren.

Weiterführende Links zum Thema Studieren im Ausland:

J. Ollenik, April 2010
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Letzte Änderung: 26.04.2010
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