Wie zufrieden sind Studenten mit ihrem Studium und ihrer Lebenssituation und wie schätzen sie ihre Zukunftsperspektiven ein? Drei aktuelle Studien liefern interessante Erkenntnisse über die Einstellungen der Studenten zu Studium, Karriere, Familie und Alterssicherung.
Zufriedenheit mit Studien- und Lebenssituation
Noch nie waren die Studenten mit ihrem Studium so zufrieden wie heute. Das ist das Ergebnis des
10. Studierendensurveys, das im August 2008 vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) veröffentlicht wurde. Die Befragung wird seit 25 Jahren regelmäßig von Forschern der Universität Konstanz durchgeführt. Erstmals überwiegen in der Befragung die positiven Bewertungen zu allen vier Grundbestandteilen der Studienqualität: inhaltliche Qualität, Aufbau des Studiengangs, Durchführung der Lehrveranstaltungen sowie Beratung und Betreuung durch die Lehrenden. Die Betreuung jedoch schneidet dabei, wie bereits in den Jahren zuvor, weniger gut ab, was maßgeblich aus den Ergebnissen bei den Universitätsstudenten resultiert, da hier nur ein Drittel der Befragten zufrieden ist.
Der neue Bachelor-Abschluss stößt bei den Studenten zunehmend auf Skepsis und konnte bisher nicht das erforderliche Vertrauen gewinnen. Zwar haben sich die Studienbedingungen durch die Einführung der gestuften Studienabschlüsse verbessert, jedoch fühlen sich viele Studenten durch den verschulten Lehrplan in der freien Gestaltung ihres Studiums eingeengt. Jeder Zweite spricht dem Bachelor-Abschluss zudem die wissenschaftliche Qualität ab. Auch den Vorteil der kürzeren Ausbildungsdauer der Bachelor-Studiengänge kann das Misstrauen der Studenten nicht mindern, denn kaum einer der Befragten erhofft sich bessere Chancen auf dem Arbeitsmarkt.
Laut einer Umfrage des Hochschul-Informaions-Systems (HIS) in Zusammenarbeit mit ZEIT Campus sind 64 Prozent der Studenten trotz umfangreicher Studienreformen und Einführung der Studiengebühren sehr zufrieden mit ihrem Leben - vor allem Absolventen der Naturwissenschaften und Ingenieure blicken zuversichtlich in ihre berufliche Zukunft und sind glücklich. Bei der finanziellen Situation jedoch fühlt sich fast die Hälfte aller Befragten nicht ausreichend versorgt und hätte gerne etwas mehr Geld zu Verfügung.
Was ist wichtiger: Familie oder Karriere?
Für die Studenten rückt das private Glück immer mehr in den Vordergrund, so dass berufliche Ziele an Bedeutsamkeit verlieren und erst an zweiter Stelle stehen. Auf die Frage, ob die Studenten wegen der Karriere auf die Gründung einer Familie verzichten würden, antworteten 73,2 Prozent mit "nein" und wollen sich der Familie
bzw. Partnerschaft widmen. Dies ist eines der zentralen Ergebnisse der
5. Continental-Studentenumfrage, die im Juni 2008 vorgestellt wurde. Im Auftrag des Reifenherstellers Continental hatte TNS/Infratest Anfang 2008 rund 1.000 Studierende befragt.
Die HIS-Umfrage zeigt allerdings, dass die Prioritäten bei der Lebensplanung je nach Studiengang unterschiedlich gesetzt werden. Studenten der Wirtschaftswissenschaften liebäugeln eher mit einer Führungsposition, als Lehramtsstudenten, die dem Familienleben einen höheren Stellenwert einräumen. Die gewonnen Ergebnisse unterscheiden sich kaum zwischen Männern und Frauen.
Ein genereller Kinderwunsch besteht laut Continental-Studentenumfrage bei nahezu drei Vierteln der Befragten, lediglich 2,2 Prozent möchten auf keinen Fall Kinder. Mehr als die Hälfte der Studenten möchte sich den Kinderwunsch im Alter von 30 bis 35 Jahren erfüllen und
ca. 90 Prozent sind dazu bereit, für eine garantierte ganztägige Kinderbetreuung Teile des Gehalts einzusetzen. Die Möglichkeit vor einer Familiengründung Zeitguthaben für eine Familienphase anzusparen, würden rund 80 Prozent der Befragten in Erwägung ziehen und dafür sogar eine 50-Stunden-Woche in Kauf nehmen.
Die Rentenlücke im Alter ist vielen bewusst, aber nur wenige handeln
Eine beunruhigende Entwicklung im Bezug auf das Thema Altersvorsorge hat die Continental-Studentenumfrage aufgedeckt. Die Relevanz und politische Aktualität des Themas Alterssicherung ist den Studenten zwar durchaus bewusst, spielt für sie persönlich jedoch eine eher untergeordnete Rolle.
86,6 Prozent der Befragten rechnen in den kommenden Jahren mit weiteren Änderungen am deutschen Rentensystem, insbesondere mit einem höheren Renteneintrittsalter, Rentenkürzungen und der Verpflichtung zu privater Absicherung. Mehr als die Hälfte der Hochschüler erwartet sogar, dass mindestens zwei Drittel des Einkommens aus Eigenvorsorge stammen werden. Das Interesse an der eigenen Alterssicherung ist im Gegensatz dazu jedoch um mehr als 10 Prozentpunkte gefallen, von 62 Prozent in 2005 auf 50,2 Prozent. Laut Continental-Vorstand Heinz-Gerhard Wente ist dies ein Grund zur Besorgnis: "Die Studierenden sehen zwar weitere Rentenreformen kommen, überblicken aber weder Tragweite noch Auswirkungen auf die eigene Zukunft."
Weitere Informationen zu den Studien
Ausführliche Informationen zu den Studien finden Sie unter folgenden Links:
J. Ollenik, D. Konrad, August 2008
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