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Beruf + Karriere

Studium

Serie: Studieren - aber wo?

Nicht das Fach wegen des Wunschortes wählen

Abbildung: Mann mit Landkarte
Bevor ein Studienort gewählt wird, sollte sich der Schulabgänger zuerst den richtigen Studiengang suchen, rät Thomas Vielhauer, Leiter des Hochschulteams in der größten Zweigstelle der Bundesagentur für Arbeit in Hamburg. Man solle sich das Studium auf keinen Fall nach der Stadt aussuchen, sagt Vielhauer. Bei dieser Entscheidung sollten Neigungen und Interessen des Studienbewerbers im Vordergrund stehen und weniger "strategische" Gesichtspunkte, wie beispielsweise die künftigen Aussichten auf dem Arbeitsmarkt. Denn seriöse Prognosen über die künftigen Verhältnisse in der Arbeitswelt nach einem Studium sind nicht möglich, weiß der Leiter des Studienabteilung an der Berliner Humboldt-Universität, Joachim Baeckmann.

Grundrichtung bestimmen

In einem ersten Schritt sollte die Grundrichtung des Studiums bestimmt werden. Anhaltspunkte dafür können beispielsweise die Leistungskurse in der Schule oder auch außerschulische Aktivitäten sein. Unbedingt nutzen sollten die Bewerber die Informations- und Beratungsangebote der regionalen Agenturen für Arbeit, empfiehlt Vielhauer. Im Gespräch mit den Beratern können die Schulabgänger ihre Interessen näher eingrenzen und sich über die entsprechenden Ausbildungsmöglichkeiten informieren. Denn im Vergleich zu einer Ausbildung in einem Unternehmen ist ein Studium kein linearer Weg. Der Student kann und muss seine Ausbildung selbst gestalten. "Entscheidend ist daher die Motivation für das gewählte Studienfach", sagt Ausbildungs-Experte Vielhauer. Eine Studienberatung kann bei Wahl allerdings keine Lösung anbieten, sondern nur helfen, eine eigene Entscheidung zu finden, warnt Studienberater Baeckmann vor übertriebenen Erwartungen. Weitere Tipps zur Entscheidung für einen Studiengang finden Sie in unserem Artikel "Was soll ich studieren?".

Internet nutzen

Erst wenn die Wahl auf eine Fachrichtung gefallen ist, kann im zweiten Schritt die passende Universität ausgewählt werden. Einen Überblick über die angebotenen Studiengänge und Schwerpunkte an den Universitäten erhalten Studienbewerber am einfachsten im Internet. Das "Berufenet" der Bundesagentur der Arbeit oder verschiedene Datenbanken wie die der Bund-Länder-Kommission für Bildungsplanung und Forschungsförderung (BLK) bieten ausführliche Informationen. In der "Studien- und Berufswahl"-Datenbank können Sie direkt von hier recherchieren, welche Studiengänge wo angeboten werden. Sind die in Frage kommenden Studiengänge eingegrenzt, sollten sich die Interessenten direkt an den entsprechenden Hochschulen informieren. Jede Hochschule bietet eine allgemeine oder auch fachspezifische Studienberatung an. Kontaktmöglichkeiten und Sprechzeiten finden sich in der Regel auf den offiziellen Webseiten der Universitäten.

Rankings nicht entscheidend

Viel Beachtung in der Öffentlichkeit finden die von verschiedensten Institutionen erstellten Hochschulrankings. Magazine wie "Der Spiegel", "Stern", "Focus" oder die "Wirtschaftswoche" veröffentlichen regelmäßig Ranglisten der vermeintlich besten Hochschulen Deutschlands. Den Experten zufolge sind diese Rankings jedoch nur bedingt aussagekräftig. Dabei kritisieren sie vor allem die unterschiedlichen Bewertungskriterien der einzelnen Untersuchungen. Während die einen die für Forschung und Wissenschaft vorhandenen Mittel bewerten, sind für andere das Verhältnis von Dozenten zu Studenten und die Ausstattung der Hochschule mit Lehrmitteln entscheidend. Für die Qualität des Studiums selbst können solche Maßstäbe nur unvollständig Auskunft geben. Die Experten raten Studienbewerbern daher, sich am besten aus erster Hand bei eingeschriebenen Studenten über das Studium an der entsprechenden Hochschule zu informieren. An fast jeder Uni werden in den Fachschaften neben der offiziellen auch eine von den Studenten organisierte Beratung angeboten.

Probleme zu Beginn nicht unterschätzen

Universitäts-Experte Baeckmann hat die Erfahrung gemacht, dass viele Studienanfänger die Probleme zu Beginn eines Studiums unterschätzen. "Die meisten stellen sich die Uni als Fortsetzung der Schule vor - das ist es aber nicht", so Baeckmann. Vor allem der Umzug in eine andere Stadt bringt grundlegende Änderungen mit sich. Der mit dem Auszug von zu Hause verbundene Verlust des sozialen Umfelds ist für manchen Neustudenten ein regelrechter Schock. Mit beschränkten Mitteln den eigenen Lebensunterhalt finanzieren und die Anonymität an der Universität stellen in jedem Fall eine nicht zu unterschätzende Herausforderung dar. "Jeder sollte daher schauen, was er sich zutraut", rät Baeckmann. Vor diesem Hintergrund sind die privaten Aspekte bei der Wahl des Studienorts oft wichtiger, als die Feinheiten eines Studiengangs. Die Wahl zwischen Groß- oder Kleinstadt gehört ebenso in diesen Bereich der persönlichen Vorlieben, wie die Ansprüche des Studenten an den Freizeitwert ihrer neuen Heimat.

Studienwahl kein Wunschkonzert

Bei der Wahl des Studienorts sollten die Bewerber möglichst flexibel bleiben und sich nicht auf eine bestimmte Universität oder Stadt versteifen. Denn eine Garantie, den gewünschten Studienplatz zu erhalten, gibt es nicht. Die Zahl der Zulassungen an den Universitäten ist begrenzt. Die Auswahl erfolgt nach Leistungskriterien wie Abiturnote und Wartesemestern auf der einen und der Ortsnähe des Bewerbers auf der anderen Seite.

Ortwechsel erwünscht

Studenten, die keine Zulassung für ihren Wunschstudienort sollten nicht verzweifeln. Jeder Student kann seine Universität noch zu einem späteren Zeitpunkt wechseln. Den Studienexperten zufolge ist ein Ortwechsel auch kein Makel, sondern in der Wirtschaft gerne gesehen. Er zeigt Flexibilität sowie Mobilität und kann im späteren Verlauf des Studiums sinnvoll für eine Spezialisierung in einem Fachgebiet sein. Die ZVS bietet ihren Bewerbern stets eine Alternative an, wenn der gewünschte Studienort nicht erfüllt werden kann. Wer sich direkt bei den Unis bewirbt, sollte möglichst immer eine Notfall-Bewerbung bei einer Uni mit niedrigen Zulassungshürden in der Hinterhand haben. Denn studieren, egal wo, ist besser, als zu Hause abzuwarten.

Weitere Informationen finden Sie im Internet unter folgenden Adressen:

Weitere Teile der Serie: Studieren - aber wo?

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J. Ollenik, aktualisiert Januar 2010
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