Studieren ohne Abitur oder Fachhochschulreife ist auch an einer Universität oder Fachhochschule möglich. Viele Bundesländer bieten Praktikern mit Berufserfahrung inzwischen die Möglichkeit, an einer Hochschule zu studieren und sich so weiterzubilden.
Welche Zugangsvoraussetzungen müssen erfüllt werden?
In Deutschland ist die berufliche Vorbildung für ein Studium ohne Abitur unerlässlich. Der Abschluss in einem anerkannten Ausbildungsberuf gilt bundesweit als Mindestvoraussetzung. Außerdem wird von den Studienanfängern ohne Abitur auch Berufserfahrung erwartet. Die Dauer der für den (Fach-)Hochschulzugang notwendigen Berufserfahrung variiert jedoch von Bundesland zu Bundesland.
Neben der beruflichen Qualifikation müssen die Bewerber aber auch noch weitere Zulassungsvoraussetzungen erfüllen, um ein Studium aufnehmen zu können. Diese variieren ebenfalls abhängig vom Bundesland, teilweise auch von Universität zu Universität. So verlangen manche Hochschulen eine Hochschulzugangsprüfung, einige ein Probestudium, wieder andere den Nachweis einer Fortbildungsprüfung nach der Berufsausbildung (
z. B. Meister, Fachwirt, Techniker,
etc.).
Wie läuft das Studium ab?
Die Art und Weise, wie das Studium ohne Abi abläuft, hängt stark von den persönlichen Zielen und Möglichkeiten ab. Den Bewerbern stehen im Prinzip alle Studiengänge offen, sofern sie die notwendigen Qualifikationen vorweisen können. Nur in Bayern ist das Spektrum der möglichen Fächer begrenzt. Zudem gilt bundesweit: Studierende, die nicht die allgemeine Hochschulreife besitzen, können ihren Studiengang nicht mehr wechseln - wohl aber den Studienort.
Auch verschiedene Studienformen sind möglich. Ein Vollzeitstudium erfordert volle Arbeitszeit und -leistung, in der Regel mindestens 40-Stunden pro Woche. Das Vollzeitstudium bietet die Möglichkeit, innerhalb von wenigen Jahren ein vollständiges Hochschulstudium zu absolvieren und dabei Fachwissen sowie die Fähigkeit zum wissenschaftlichen Arbeiten zu erwerben. Nebentätigkeiten sind dabei jedoch nur begrenzt möglich, ein reguläres Arbeitsverhältnis lässt sich nicht mit dem Vollzeitstudium vereinbaren.
Anders ist dies bei einem Teilzeitstudium. Hier wird nur ein Teil der wöchentlichen Arbeitszeit und -kraft für das Studium verwendet. Dies ist jedoch nur möglich, wenn die Hochschule auch Studiengänge anbietet, die berufsbegleitend absolviert werden können. Sofern der Arbeitgeber zustimmt, und für den Besuch der Lehrveranstaltungen ggf. eine Freistellung erteilt, kann man so studieren und gleichzeitig arbeiten gehen. Der Nachteil hierbei: Das Studium dauert länger und kann zusammen mit Beruf und Familie zur Belastung werden.
Noch mehr Flexibilität bietet ein Fernstudium. Die Lehrinhalte werden anhand von Materialien im Selbststudium erarbeitet. Je nach Universität gibt es außerdem Wochenend- oder Blockveranstaltungen sowie Interneteinheiten. Studien- und Lernzeiten richten sich nach den eigenen Arbeitszeiten, familiären Verpflichtungen oder anderen persönlichen Bedürfnissen. Für ein Fernstudium ist jedoch viel Selbstdisziplin und Motivation notwendig.
Welche persönlichen Voraussetzungen sind wichtig
Die Entscheidung für ein Studium ohne Abitur ist gerade nach einigen Jahren Berufspraxis ein erheblicher Einschnitt in das bisherige Leben. Zunächst sollten Sie sich bewusst werden, welches Ziel Sie mit dem Studium verfolgen. Weiter sollten Sie vorher unbedingt die eigenen Fähigkeiten und Neigungen realistisch beurteilen. Belastbarkeit, Flexibilität und Konfliktfähigkeit werden notwendig sein, um die kommende Herausforderung zu meistern. Auch das private Umfeld muss stimmen. Man sollte im Vorfeld klären, mit welcher Unterstützung man von Familie und Freunden rechnen kann.
Wenn Sie sich sicher sind, der neuen Aufgabe gewachsen zu sein und Ihre beruflichen und persönlichen Ziele kennen, ist der nächste Schritt, zu prüfen, welcher Studiengang und welche Hochschule in Frage kommen. Hilfe und Beratung bieten Ihnen die Bundesagentur für Arbeit, die Gewerkschaften, sowie Kammern und Verbände. Nutzen Sie dazu auch die Beratungsangebote der Universitäten und Fachhochschulen. Hier erfahren Sie außerdem, welche Zulassungsvoraussetzungen Sie im Einzelnen erfüllen müssen.
Der Schritt in die neue berufliche Zukunft ist zwar mit Risiken verbunden, bietet aber auch beste Zukunftsaussichten. Untersuchungen belegen, dass Studierende ohne Abi genauso erfolgreich abschließen wie ihre Kommilitonen mit allgemeiner Hochschulreife.
J. Ollenik, aktualisiert Februar 2009
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