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Richtiges Prüfungsverhalten - Balanceakt zwischen Schweiß und Frustration

Abbildung: Bleistift und Hefte auf Schulbank
Penetrant klingelnd zwingt Sie der Wecker am Prüfungstag zum Aufstehen. Missmutig und voll dunkler Vorahnung begeben Sie sich zum Hörsaal. Der zuständige Prüfungsleiter händigt Ihnen, vermessen grinsend, ein doppelseitig bedrucktes Blatt Papier aus. Zunächst schaffen Sie es auch noch, die in Ihnen aufkeimende Nervosität zu bändigen. Doch bei der dritten Aufgabe scheint alles verloren zu sein, eine Leere vom Ausmaß eines ungefüllten Schwimmstadions macht sich in Ihrem strapazierten Kopf breit. Typischer Fall von Blackout! Langsam beginnt sich die Magengegend unvorteilhaft zu verkrampfen, Schweißperlen rinnen an den Schläfen herab, und Ihr Schreibinstrument produziert wegen des ununterbrochenen Zitterns Ihrer Hände nur noch kaum entzifferbare Kringel.

Falls Sie davon ausgehen, dass beschriebenes Szenario auf Ihre nächste Prüfungssituation zutreffen könnte, nehmen Sie sich einen Augenblick Zeit und lesen Sie diesen Artikel zu Ende. Wir haben einige Tipps zur Stressprävention am Prüfungstag für Sie vorbereitet.

Die schriftliche Prüfung - Zeiteinteilung als oberste Priorität

Auch wenn der Inhalt des Aufgabenblattes auf den ersten Blick vollkommen unverständlich wirkt, kann an dieser Stelle aufmerksames Durchlesen enorm zur Leidersparnis beitragen. Orientieren Sie sich zunächst an den Aufgaben, die Ihnen vertraut sind. Meistens handelt es sich dabei um zeitaufwendige Reproduktionsaufgaben, die Sie direkt zu Beginn der Prüfung abhandeln sollten. Knobelaufgaben mit erweitertem Schwierigkeitsgrad nehmen Sie am besten zum Schluss ins Visier, sofern Ihnen nicht augenblicklich die Lösung einfällt. Gerade im geisteswissenschaftlichen Bereich gilt es jedoch, sich an den jeder Aufgabe zugewiesenen Bewertungseinheiten grob einen Überblick zu verschaffen. Was muss ich zum bloßen Bestehen der Prüfung beantworten, wo habe ich Spielräume zur Notenaufbesserung? Sofern der Aufgabensteller vernünftige Arbeit geleistet hat, sind zehn von 100 Bewertungseinheiten einer Aufgabe gleichbedeutend mit einem zehnprozentigen Aufwand gemessen an der Gesamtbearbeitungszeit. Gliederungen und Stichwortzettel helfen dabei, selbst im Falle eines vorübergehenden Blackouts wieder schnell den Anschluss an das zuvor Geleistete zu finden.

Sollten Sie jedoch vom durch den enormen Sauerstoffverbrauch stickigen Klima des Prüfungsraumes immer stärker negativ beeinflusst werden, gönnen Sie sich eine kurze Pause. Verlassen Sie, sofern möglich, für zehn Minuten den Prüfungsraum und lenken Sie sich ab. Der Zeitverlust, den Sie dabei hinnehmen müssen, lässt sich durch den neuen Energiezuwachs schnell wieder ausgleichen.

Auch die richtige Ernährung während der Prüfung hat entscheidenden Einfluss auf Ihr Resultat. Stellen Sie ausreichend Flüssigkeit in Form von Wasser oder Fruchtsaft bereit. Kristallzuckerhaltige Getränke wie Cola oder Limonade hemmen den Denkprozess. Obst und Gemüse steigern zudem Ihre Leistungsfähigkeit.

Die mündliche Prüfung - Präsentation der eigenen Fähigkeiten

Im Gegensatz zu einer schriftlichen Prüfung herrscht bei der mündlichen im Allgemeinen eine lockere Atmosphäre vor. In der Regel stellt man Ihnen nur eine Frage gleichzeitig, die Sie rein mündlich oder unter Zuhilfenahme der Tafel lösen müssen. Selbstverständlich spielt auch hier Nervosität eine Rolle. Da der Prüfer aber im Gegensatz zum Aufgabenblatt ein fühlendes, menschliches Wesen darstellt, kann und wird er Ihnen, wenn er Unsicherheitserscheinungen feststellt, durch Hilfsfragen zur Seite stehen, um Ihnen eine faire Chance zu bieten.

Ansonsten gilt: Versuchen Sie, sich gut zu verkaufen. Protokollieren Sie Ihre Gedankengänge auch durch sprachliches Wiederholen. Bei einem kurzzeitigen Blackout schadet es nicht, erst einmal langsam und laut die Frage zu wiederholen, was automatisch das Gehirn zum Denken anregt. Benutzen Sie Fachvokabular, wenn Sie es als angemessen erachten. Doch Vorsicht: Versuchen Sie nicht, den Prüfer durch übermäßigen Gebrauch von Fremdwörtern über Ihre eigentliche Unwissenheit hinweg zu täuschen. Meistens versteht dieser nämlich mehr von der Materie als Sie selbst und wird Ihren Täuschungsversuch sofort durch Verändern von Mimik und Gestik entlarven können. Allerdings ist es auch an dieser Stelle ratsam, sich lieber erst einmal inhaltlich von der Frage zu entfernen und ein wenig abzuschweifen, falls Ihnen nichts konkret einfällt. Durch einen geschlossenen Mund und unschuldiges Schulterzucken Unwissenheit zu signalisieren, wird vom Prüfer gewiss nicht positiv ausgelegt. Wenn es erst einmal läuft, lassen Sie sich selbst gewähren. Wachsen Sie mit Ihrem eigenen Redefluss, sprechen Sie die Anwesenden direkt und unmittelbar an. Falls Sie nicht gerade unter Zeitdruck etwas an der Tafel rechnen müssen, zahlt es sich zudem aus, Ihre Antworten sehr umfassend zu formulieren, sofern die Arbeitsanweisung nichts Gegenteiliges vorsieht. Denn so bleibt dem Prüfer am Ende der Prüfungszeit keine Möglichkeit mehr, Sie mit Fragen zu löchern, da im Vorraum bereits der nächste Prüfling wartet.

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Christian Simon, aktualisiert Februar 2009
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