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Beruf + Karriere

Karrieretipps

Jobwechsel: richtig geplant - richtig gemacht

Abbildung: Mann hält einen grünen Pfeil nach oben
Liege ich mit einem Wechsel des Arbeitgebers richtig und bin ich danach zufriedener? Diese entscheidenden Fragen stellen sich wohl alle potenziellen Jobwechsler im Vorfeld der anstehenden Entscheidung. Eine Garantie kann es allerdings nicht geben. Ein Jobwechsel ist immer mit einer gewissen Anzahl an unbekannten Faktoren verbunden.

Motivation für den Jobwechsel beleuchten

Wie hoch die Bereitschaft für einen Jobwechsel bei deutschen Arbeitnehmern insgesamt ist, dazu gehen die Meinungen auseinander. Eine Gallup-Studie verweist darauf hin, dass gut jeder fünfte Deutsche bereits "innerlich gekündigt" hat. In anderen Studien ist davon die Rede, dass die Mehrheit der Beschäftigten unzufrieden mit ihrem aktuellen Job ist. Eine Studie der Unternehmensberatung Towers Perrin aus dem Jahr 2007 hingegen unterstreicht, dass Unternehmen in Deutschland sich auf einen bemerkenswert hohen Anteil an loyalen Mitarbeitern stützen können. Knapp die Hälfte der befragten Deutschen hatten demnach - auch in einem konjunkturell positiven Umfeld - kein Interesse an einem Wechsel des Arbeitgebers. Ganz gleich, wie Sie zu Ihrem derzeitigen Arbeitgeber stehen, in einem ersten Schritt sollte Sie Ihre Motivation für einen Jobwechsel gründlich hinterfragen. Ausschlaggebend für die Entscheidung des Arbeitgeberwechsels können viele Faktoren oder individuelle Anreize sein:
  • Die Suche nach neuen Herausforderungen oder Aufgabenbereichen
  • Das Verlangen nach mehr Verantwortung
  • Ein höheres Einkommen
  • Probleme mit dem Vorgesetzten
  • Schlechtes Arbeitsklima oder gar Mobbing
  • Angst um den bisherigen Arbeitsplatz

Eigeneinschätzung vornehmen

Personalberater empfehlen, bevor Sie sich konkret um einen Wechsel des Arbeitsplatzes bemühen, sollten Sie in Ruhe für sich selbst die Situation analysieren und Ihre eigenen Ziele definieren. Dazu gehört die strategische Karriereplanung ebenso wie eine realistische Einschätzung der eigenen Qualitäten und Voraussetzungen. Folgende Fragen sollten Sie sich daher beantworten:
  • Wo möchte ich mittelfristig, also in drei bis fünf Jahren stehen. Was möchte ich langfristig, also in zehn Jahren oder mehr für eine Tätigkeit ausüben?
  • Reicht meine Qualifikation dafür bereits aus und in welchen Bereichen möchte ich mich weiterbilden?
  • Wie sieht meine private Lebensplanung aus? Wie wird sich die Familiensituation verändern?
  • Welche finanziellen Ansprüche habe ich an meine berufliche Zukunft?
  • Wie sicher ist mein aktueller Arbeitsplatz in naher und mittlerer Zukunft?
Um sich eine Bewertung zu erleichtern, hilft es, die eigenen Ziele möglichst umfassend schriftlich festzuhalten. Dabei sollten Sie auch zwischen Schwächen und Stärken abwägen und diese Argumente mit konkreten Beispielen belegen und notieren. Das hilft Ihnen später auch in einem Bewerbungsgespräch weiter. Wichtig ist bei dieser Innenbetrachtung, sich ausreichend Zeit zu nehmen und ehrlich zu sich selbst zu sein.

Spontane Launen oder aktueller Ärger sind in der Regel keine gute Basis für solche weitreichenden Entscheidungen wie einen Jobwechsel. Tipp: Wechselwillige sollten neben der eigenen Einschätzung auch Freunde, Familienangehörige und vertrauenswürdige Kollegen nach deren Meinung zu den eigenen Fähigkeiten und Perspektiven fragen. Hier können sich oft Eigenschaften offenbaren, die Sie im eigenen Selbstbild so bislang nicht wahrgenommen haben. Das gilt sowohl für positive als auch negative Eigenschaften.

Den richtigen Zeitpunkt finden

Personalberater verweisen darauf, dass sich viele Arbeitnehmer aus Angst vor der Ungewissheit zu spät für einen Jobwechsel entscheiden. Manche schaffen den Absprung gar nicht und bleiben unzufrieden mit ihrem Arbeitsplatz zurück. Zu früh sollten Sie einen Arbeitsplatz allerdings auch nicht wechseln. Bei den Personalverantwortlichen könnte beim Blick auf einen Lebenslauf mit vielen Jobwechseln innerhalb einer kurzen Zeit der Eindruck eines unzuverlässigen "Jobhoppers" entstehen. Der richtige Zeitpunkt für einen Jobwechsel ist oft gegeben, wenn Sie das Gefühl haben, dass Ihre eigene Entwicklung stagniert und die Lernkurve im derzeitigen Aufgabenbereich zunehmend abflacht. Das ist Studien zufolge nach drei bis fünf Jahren der Fall. Sind Sie allerdings grundsätzlich unzufrieden mit Ihrem Tätigkeitsbereich, dem Arbeitsumfeld oder der Branche allgemein, sollten Sie auch schon zu einem früheren Zeitpunkt einen Wechsel in Betracht ziehen. Aus diesen verschiedenen Parametern ergibt sich eine Chancen/Risiken-Aufstellung, die Sie Ihrer Entscheidung zu Grunde legen sollten. Dabei gilt: Kein Jobwechsel ist ohne jegliches Risiko zu realisieren.

Den Jobwechsel richtig organisieren

Wenn Sie den Entschluss gefasst haben, den Arbeitgeber zu wechseln, sollten Sie - zumindest am Arbeitsplatz - über dieses Vorhaben zunächst noch Stillschweigen bewahren. Die Gefahr besteht, dass Vorgesetzte aber auch Kollegen solche Absichten als Vertrauensbruch werten und die Zusammenarbeit entsprechend erschweren. Vor allem wenn der geplante Jobwechsel dann doch nicht wie erwartet klappt, kann sich das als nachhaltiges Problem herausstellen. Bei den Verhandlungen um einen neuen Arbeitsvertrag sollten Sie unbedingt die Kündigungsfristen beachten. Diese sind im Bürgerlichen Gesetzbuch, dem Tarifvertrag oder dem individuellen Arbeitsvertrag verbindlich geregelt. Auf eine vorzeitige Ausscheidensregelung mit dem aktuellen Arbeitgeber sollten Sie nicht vertrauen. Kommt diese wider Erwarten nicht zustande und die Beendigung des alten Arbeitsverhältnisses überschneidet sich mit dem neuen, können Schadensersatzansprüche des alten oder neuen Arbeitgebers entstehen. Generell raten Personalexperten dringend, den alten Job erst zu kündigen, wenn der neue Arbeitsvertrag unterschrieben ist. Im schlimmsten Falle stehen Sie bei einer voreiligen Kündigung ohne Arbeitsplatz und entsprechendem Einkommen dar. Das kann dann auch die Ansprüche auf das Arbeitslosengeld negativ beeinflussen.

In den richtigen Job wechseln

Wenn Sie sich mit den konkreten Möglichkeiten für einen Jobwechsel befassen, lautet die grundsätzliche Frage: Was können Sie dem neuen Arbeitgeber bieten, und was können Sie im Gegenzug dafür verlangen? Dabei sollten keinesfalls nur finanzielle Aspekte eine Rolle spielen, sondern auch andere wichtige Punkte wie der Aufgabenbereich, die Geschäfts- und gegebenenfalls Personalverantwortung. In Folge dessen sollten Sie in Betracht ziehen, dass ein neuer Job auch einen Ortswechsel mit sich bringen kann. So weist eine Studie von TNS Infratest unter Personalberatern darauf hin, dass bei einem Jobwechsel im mittleren Management etwa jeder Zweite seinen neuen Arbeitsplatz nur an einem neuen Ort findet. Nach Angaben von mehr als zwei Drittel der befragten Personalexperten müssen sich Berufseinsteiger auf fünf bis sechs Ortswechsel in ihrem Berufsleben einstellen.
Wichtig ist zudem, dass Sie sich möglichst umfassend über den potenziellen neuen Arbeitsplatz, die Firma und deren Unternehmenskultur informieren. Ziehen Sie dabei, gerade in einem schwierigen wirtschaftlichen Umfeld, auch die mittel- und langfristigen Perspektiven eines Unternehmens in Betracht.

J. Ollenik, August 2009
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