Noch vor einem Jahr war der Tenor, Fachkräfte händeringend gesucht. Doch dann kam die Krise und alles änderte sich. Fast die Hälfte der 20- bis 35-Jährigen war schon einmal arbeitslos, wie der Stern berichtet, Tendenz steigend. Dabei haben sie sich nichts vorzuwerfen, gute Abschlussnoten, Auslandsaufenthalte und zahlreiche Praktika schmücken Ihre Lebensläufe. Der einzige Fehler, den sie machen, ist ihr Studium zum falschen Zeitpunkt zu beenden.
Auch die gut ausgebildete Generation der Hochschulabsolventen ist mittlerweile von der Wirtschaftskrise betroffen. Ohne eigenes Fehlverhalten, sind sie in eine Lage geraten, von der sie während ihres Studiums nicht ausgehen konnten. Laut Handelsblatt ist der Einstieg in den Arbeitsmarkt im Vergleich zu den vergangenen Jahren deutlich härter geworden. Nun heißt es kreativ werden und die Zeit sinnvoll nutzen.
Studium fertig und dann...? - Was man tun kann, um die persönliche Lage zu verbessern.
Einerseits kann man die unliebsame Auszeit für eine kreative Pause nutzen oder im Ausland Erfahrungen sammeln. Andererseits profitieren auch viele Absolventen von ihrer neu gewonnenen Freiheit und beginnen ein weiterführendes Studium, um die beruflichen Chancen zu verbessern und nicht als Dauerpraktikant die gewünschte Berufserfahrung zu erlangen. Viele hätten mit anderen Voraussetzungen wohl darauf verzichtet.
Fachleute raten Hochschulabsolventen, sich Zeit zu nehmen und nicht in Panik zu verfallen.
Vertiefungen, wie
Masterstudiengänge oder eine
Promotion, sind sehr beliebt in Zeiten der Unsicherheit, denn es gibt kaum verhängnisvolleres, als die Lücke im Lebenslauf, so die einhellige Meinung der Absolventen und Experten. Studien zeigen, dass dies momentan auch mit der einzige Ausweg, aus dem Strudel der drohenden Arbeitslosigkeit ist.
Finanzielle Chance und Risiken in der Krise
Einige Hochschulabsolventen sind besonders hart getroffen, denn sie gelangen zusätzlich in eine finanzielle Schieflage. Die eigene Wohnung, der Bildungskredit oder der
Bafög-Anteil, der in den nächsten Jahren fällig wird, für manche Studenten ergibt dies einen Berg voll Schulden, den Sie nur schwer bewältigen können. Ohne Berufserfahrung ist es in Zeiten der Krise schwierig eine feste Anstellung zu finden und endlich auf eigenen Beinen zu stehen.
Studenten, die auf einen Studienkredit angewiesen sind, profitieren dagegen von der momentanen Lage. Die Krise der letzten Monate hat verstärkt zu sinkenden Zinsen für Studienkredite öffentlicher Banken geführt. Die Spanne der Kreditzinsen reicht von 2,78 Prozent bei Landesbanken bis zu 8,9 Prozent bei privaten Banken. Das hat ein Studien-Kredit-Test des Centrums für Hochschulentwicklung
CHE in Gütersloh aufgezeigt. Es wurden 33 Studiendarlehen verglichen und nach Kundensicht bewertet. Laut CHE ist es jedoch wichtig Studienkredite nicht nur nach den niedrigsten Zinsen auszuwählen, sondern die individuellen Bedürfnissen in den Vordergrund zu stellen.
Die Krise erschwert für viele den Berufseinstieg, eine Lösung: Zeitarbeit
Mehr als die Hälfte der Berufseinsteiger sehen ihren Einstieg ins Berufsleben derzeit als erschwert an. Anpassungsfähigkeit ist nun ein wichtiges Thema von Berufseinsteigern, denn nicht nur Fachwissen reicht heute aus, sondern auch eine Flexibilisierung der Arbeitszeit.
Neben dem nicht enden wollenden Bewerbungsmarathon und dem schier endlosen durchforsten von Stellenangeboten ist die Beschäftigung über eine Zeitarbeitsfirma eine weitere Alternative. Im Gegensatz zum momentanen Trend bietet die Krise für Personaldienstleister, die eine bestimmte Klientel, wie Fachkräfte und Akademiker unter Vertrag haben, immense Chancen. Nach Jahren der Flaute, befindet sich derzeit eine Menge hochqualifiziertes Personal auf dem Markt.
Beiden Seiten, sowohl Arbeitgeber als auch Arbeitnehmer, bietet das einfache Prinzip der Zeitarbeit viele Vorteile.
Das Unternehmen als Arbeitgeber hat die Möglichkeit nach Bedarf und wirtschaftlicher Lage auf die Anzahl der Einstellungen zu reagieren, da der Arbeitnehmer über die Zeitarbeitsfirma nur ausgeliehen wird. Viele Unternehmen nutzen Zeitarbeitsfirmen als Möglichkeit, hochqualifizierte Mitarbeiter für mehrjährige projektbezogenen Tätigkeiten zu gewinnen, an sich zu binden, um sie gegebenenfalls in der Zukunft zu übernehmen.
Positive Effekte ergeben sich auch für den Arbeitnehmer, denn dieser ist durch seinen Zeitarbeitsvertrag nicht an das Unternehmen gebunden. So bleibt er flexibel, ohne sich die Möglichkeit einer Festanstellung zu verbauen.
Diese Flexibilität ermöglicht der Zeitarbeitsbranche eine Zukunft, auch nach der Krise. "Die Zeiten, als Zeitarbeiter nur Ungelernte und Geringverdiener waren, sind vorbei", sagt Thomas Rehder, Geschäftsführer des Personaldienstleisters Tiempo Personal Leasing.
Ein Netzwerk als Chancenverstärker
Ein weiterer Vorteil für Berufsanfänger, die durch eine Beschäftigung in einer Zeitarbeitsfirma verschiedene Arbeitgeber kennenlernen, ist die Möglichkeit sich ein Netzwerk an beruflichen Kontakten aufzubauen. Ohne ein solches Netzwerk wird es immer schwieriger im Berufsleben Fuß zu fassen. Mittlerweile sind bei vielen Einstellungen Empfehlungen von Kontaktpersonen ausschlaggebend.
Seit Beginn der Wirtschaftskrise steigt die Mitgliederzahl von Sozialen Netzwerken im Web, wie MySpace oder Xing sprunghaft an. Laut LinkedIn, Marktführer im Bereich der beruflichen Onlinenetzwerke, verbuchen die Anbieter alle zwei Wochen bis zu eine Millionen neuer Mitglieder
Aussichten
Ein Großteil der Absolventen 2009 sieht seine Aussichten auf dem Arbeitsmarkt für die Zukunft aber dennoch positiv.
Wie der Bonner Presseblog berichtete, offenbart eine Umfrage des internationalen Nachrichten- und Karriere-Portals internationalStudentsClub unter 354 Absolventen, dass 77 Prozent der Befragten ihre Berufschancen trotz Krise als sehr gut ansehen, 11 Prozent als gut und 12 Prozent als nicht gut.
Gute Chancen für die Zukunft haben Absolventen der so genannten MINT Fächer: Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und technische Studiengänge, da hier noch immer nach Fachkräften gesucht wird. Laut absolventa.de wird auch der unternehmensbezogene Dienstleistungsbereich, wie Werbung, PR oder Unternehmensberatung, in der Zukunft weiter stark nachgefragt werden.
Man sollte außerdem nicht erst nach dem Ende des Studiums Kontakte knüpfen, sondern schon vorher durch Praktika, Praxissemester oder als studentische Aushilfe erste Erfahrungen sammeln. Dadurch kann man sich von der wachsenden Konkurrenz abgrenzen und die eigenen Chancen auf eine Neueinstellung verbessern.
C. Frei, September 2009
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