Viele Menschen entscheiden sich, auf dem zweiten Bildungsweg ihre beruflichen Qualifikationen und somit ihre Chancen auf dem Arbeitsmarkt zu verbessern. Unabhängig von der individuellen Karriereplanung sollte man sich in der heutigen Arbeitswelt auf ein lebenslanges Lernen einstellen. Wer sich bequem zurücklehnt und sich auf seinen Fertigkeiten und Fähigkeiten ausruht, läuft Gefahr, im Beruf auf der Stelle zu treten oder schlimmstenfalls seinen Arbeitsplatz zu verlieren. Bessere Chancen und mehr Sicherheiten im Berufsleben hat, wer sich gezielt weiter qualifiziert.
Disziplin als Grundvoraussetzung
Entscheidendes Kriterium für den Erfolg der Weiterbildung ist die realistische Einschätzung des zu erwartenden (Zeit-) Aufwands sowie vor allem der eigenen Disziplin und Motivation. Denn das Lernen neben der normalen beruflichen Tätigkeit oder am eigenen Schreibtisch erfordert viel Disziplin. Abhängig von der Art der Aus- oder Weiterbildung muss man einplanen, über einen längeren Zeitraum mehrere Stunden Freizeit in der Woche zu opfern. Ein Fernstudium in Teilzeit nimmt laut Regelstudienzeit mehrere Jahre in Anspruch, in denen der Fernstudent abhängig von der Auffassungsgabe etwa 20 Stunden pro Woche für den Abschluss arbeiten muss. Nicht jedem gelingt es, sich dabei immer wieder selbst zu motivieren. Wer damit Probleme hat, sollte zumindest von einer Fernausbildung absehen und lieber Angebote mit festen Kurszeiten und Anwesenheitspflicht wählen.
Große Auswahl in Deutschland
Die Auswahl von Weiterbildungsangeboten ist in Deutschland nahezu unüberschaubar. Nach dem grundgesetzlichen Leitsatz der Chancengleichheit wird der Zweite Bildungsweg staatlich gefördert. Dadurch wird es erleichtert, Schulabschlüsse nachholen, zusätzliche Aus- und Weiterbildungen zu absolvieren oder auch Hochschulabschlüsse zu erwerben. Da die staatlichen Weiterbildungsmaßnahmen nach Bundesländern organisiert sind, ist es schwierig, den Überblick über die vielen Angebote zu behalten. Eine Übersicht der Angebote bietet der
Deutsche Bildungsserver Link zu: Deutscher Bildungsserver, www.bildungsserver.de. Neben den staatlichen Weiterbildungsmöglichkeiten hat sich in Deutschland inzwischen auch ein schnell wachsender Markt von privaten Anbietern für Erwachsenenbildung etabliert.
Die klassischen Wege der Erwachsenenbildung:
- Volkshochschulen
Volkshochschulen (VHS) sind kommunal organisierte Weiterbildungsträger. Dort werden Kurse, Seminare und auch Studienreisen angeboten. Im Vergleich zu den meisten anderen Angeboten sind die VHS-Kurse kostengünstig, da sie sich neben den Teilnehmergebühren vor allem aus staatlichen Zuschüssen finanzieren. Die VHS-Lehrveranstaltungen sind zeitlich unterschiedlich lang. Üblich ist eine Kursdauer von einer bis zu 15 Wochen. Teilweise sind die Kurse auf die Bedürfnisse von Berufstätigen zugeschnitten und finden meistens abends statt. Einen Überblick bietet die Internetseite www.vhs.de Link zu: Verzeichnis für Volkshochschulen, www.vhs.de.
- Abendsschule
Die Abendschule ist speziell auf die Aus- und Weiterbildung von berufstätigen Erwachsenen ausgerichtet. Der Unterricht findet überwiegend am Abend und auch teilweise am Samstag statt. Bei den Abendschulen gibt es unter anderem das Abendgymnasium (Abitur), die Abendrealschule (Mittlere Reife), die Technikerschule sowie handwerkliche Einrichtungen für den Erwerb eines Meistertitels. Einen Überblick über die Abendschulen im deutschsprachigen Raum ist in dem Webverzeichnis www.abendschulen.info Link zu: abendschulen.info, www.abendschulen.info zu erhalten.
- Fernschule
In der Fernschule erhalten die Teilnehmer die Lehrmaterialen nach Hause oder an den Arbeitsplatz geschickt. Dies kann in Form von klassischen Lehrbriefen, Computersoftware oder Onlineinhalten erfolgen. Aufgaben, Arbeiten und Korrekturen werden auf dem gleichen Wege wie die Inhalte versand. Umfangreiche Informationen zum Thema Fernunterricht gibt es auf der Webseite der Staatlichen Zentralstelle für Fernunterricht Link zu: Staatliche Zentralstelle für Fernunterricht, www.zfu.de.
- Fernuniversität
Eine Hochschulausbildung auf dem zweiten Bildungsweg bietet in Deutschland ausschließlich die Fernuniversität Hagen. An ihr können Bachelor-, Master- und Diplomstudiengänge der Fachrichtungen Elektro- und Informationstechnik, Informatik, Kultur- und Sozialwissenschaften, Mathematik, Rechtswissenschaft und Wirtschaftswissenschaft belegt werden. Das Lehrmaterial wird entweder durch Studienbriefe oder über das Internet verteilt. Im Zuge des Studiums müssen wie an anderen Universitäten Klausuren, Hausarbeiten und Referate erstellt werden und an Seminaren - oft am Wochenende - teilgenommen werden. Mündliche und schriftliche Prüfungen müssen ebenfalls absolviert werden.
Passende Beratungsstellen recherchieren
Zwar gibt es viele Beratungsangebote im Bereich der Erwachsenenbildung, überregional oder fachrichtungsübergreifend sind diese jedoch nur selten. So gibt es auf Bundesebene keine zentrale staatliche Einrichtung, die eine individuelle Beratung anbietet. Auch auf Länderebene ist dieses in der Regel nur bei den einzelnen zuständigen Trägern oder Institutionen möglich, die die Weiterbildungen anbieten. Informationen und Beratung bekommt man beispielsweise bei den Interessenverbänden der einzelnen Berufsgruppen wie etwa den Industrie- und Handelskammern, den kommunalen Beratungsstellen und den Volkshochschulen. Für Arbeitslose ist zunächst die zuständige Arbeitsagentur der erste Ansprechpartner. Auf jeden Fall ist schon bei der Auswahl der Fortbildung Eigeninitiative bei der Recherche von geeigneten Angeboten und Beratungsstellen gefragt.
Online-Datenbanken helfen bei der Übersicht
Kosten steuerlich absetzbar
Tipp: Weiterbildungskosten lassen sich in der Regel von den Steuern absetzen. Auch die Kosten für Fahrten und Aufenthalte können unter bestimmten Umständen beim Finanzamt geltend gemacht werden.
J. Ollenik, Juni 2006
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