Seit Jahren schon gibt es in Deutschland zu wenige Lehrstellen. Zum 30. September dieses Jahres lautete das Fazit der Bundesagentur für Arbeit: Mehr Ausbildungsverträge, aber auch mehr Bewerber, die leer ausgehen. Zwar wurden 2006 mehr Ausbildungsverträge geschlossen, aber trotzdem standen Ende September 2006 noch rund 49.500 unvermittelte Bewerber
ca. 15.400 unbesetzten Ausbildungsstellen gegenüber. Rein rechnerisch fehlen somit 34.100 Ausbildungsplätze, das sind 6.100 mehr als im Vorjahr.
Jugendliche ohne Ausbildungsplatz sollten daher clever sein und die Warteschleife zur Weiterbildung zu nutzen. Das verbessert die Chancen bei der nächsten Bewerbung. Sechs gute Überbrückungsmöglichkeiten für die kommenden zwölf Monate werden hier vorgestellt.
Mit der "Einstiegsqualifizierung Jugendlicher" einen Fuß in die Tür stellen
Wer von einem Ausbildungsbetrieb nur abgelehnt wurde, weil sich das Unternehmen keinen Lehrling leisten konnte, sollte den Kontakt erneut aufnehmen. Denn auch in diesem Jahr besteht mit dem Programm Einstiegsqualifizierung Jugendlicher (
EQJ) wieder die Möglichkeit, ein mehrmonatiges Praktikum in einem Ausbildungsbetrieb zu absolvieren. Das Programm zur Einstiegsqualifizierung Jugendlicher wurde um ein Jahr verlängert und ab Oktober 2006 von 25.000 auf 40.000 Plätze aufgestockt. Die Deutsche Industrie und Handelkammer verweist in diesem Zusammenhang auf die guten Erfahrungen der letzten Jahre: Vielen Jugendlichen gelang es, von den Firmen als Auszubildende übernommen zu werden. Die übrigen erhielten wichtige Qualifikationen, die den Einstieg im folgenden Jahr erheblich erleichtern. Das Programm begegnet zudem einem der größten Probleme der Jugendlichen: Der oftmals unzureichenden Ausbildungsreife und den leider allzu oft fehlenden schulischen Grundkenntnissen.
Um ein gefördertes Praktikum zu bekommen, muss der Jugendliche mit einem Betrieb einen Arbeitsvertrag über sechs bis zwölf Monate abschließen. Durch seine Tätigkeit müssen ihm berufsrelevante Kenntnisse vermittelt werden, die ihm bei einer späteren Ausbildung angerechnet werden können. Dem Betrieb werden folgende Kosten für den Praktikanten erstattet:
- Eine Vergütung von bis zu 192 EUR monatlich.
- Der Gesamtsozialversicherungsbeitrag von 102 EUR monatlich.
Diesen Zuschuss muss der Betrieb bei der Agentur für Arbeit in seinem Ort beantragen.
Auf Berufsfachschulen oder in Lehrgängen weiter lernen
Es gibt zwei Formen von Berufsfachschulen: Die einen lassen sie sich nutzen, um einen Schulabschluss nachzuholen. Dies ist zum Beispiel sinnvoll, wenn man sich nachträglich für den Besuch des Gymnasiums entscheidet und die Aufnahmeberechtigung dafür erwerben möchte. Diese ein- bis zweijährigen Berufsfachschulen vermitteln auch das Grundwissen für einen bestimmten Beruf und erleichtern es dadurch, einen Ausbildungsplatz zu finden.
Bei der zweiten Form von Berufsfachschule lässt sich ein Beruf erlernen, auch ohne Ausbildungsbetrieb. Das Angebot reicht vom Physiotherapeuten bis zum Mediengestalter oder Bürokaufmann. Die Ausbildung dauert in der Regel drei Jahre und ist kostenpflichtig. Das Schulgeld kann jedoch im Einzelfall durch einen Ausbildungszuschuss des Bundes in Form von BAföG finanziert werden. Ein BAföG-Rechner ist auf
www.bafoeg.bmbf.de Link zu: Bundesministerium für Bildung und Forschung, www.bafoeg.bmbf.de zu finden.
Weiterführende Informationen und Adressen von einzelnen Berufsfachschulen sind bei der Agentur für Arbeit im Heimatort erhältlich. Dort können Jugendliche auch nach so genannten berufsvorbereitenden Bildungsmaßnahmen fragen. Die Arbeitsagentur bietet diese Lehrgänge für verschiedene Berufsbilder an.
Freiwilliges Soziales Jahr
Das freiwillige soziale Jahr ist mittlerweile als Möglichkeit zur persönlichen Weiterbildung sehr anerkannt. Es dauert mindestens sechs, in der Regel zwölf Monate. Meist wird es in Krankenhäusern und Altenheimen geleistet. Bewerben können sich junge Menschen zwischen 16 und 27 Jahren zum Beispiel bei der Arbeiterwohlfahrt, den Kirchen oder dem Deutschen Roten Kreuz.
Für die soziale Arbeit erhalten die Freiwilligen ein monatliches Taschengeld - in der Regel etwa 150 bis 165
EUR - und, falls notwendig, Verpflegung und eine Unterkunft. Sie sind sozial-, kranken-, pflege- und unfallversichert und haben Anspruch auf Urlaub. Das freiwillige soziale Jahr wird als Wehrdienstersatz anerkannt. Natürlich können männliche Jugendliche auch den Wehrdienst selbst oder den Zivildienst in der Wartezeit ableisten. Dafür allerdings müssen sie mindestens 18 Jahre alt sein.
Sowohl das freiwillig soziale Jahr, als auch den Zivildienst kann man auch im Ausland verbringen. Verschiedene Hilfsorganisationen bieten Möglichkeiten zur Mithilfe in Kranken- oder Waisenhäusern, Straßenkinderprojekten und viele mehr.
Freiwilliges Ökologisches Jahr
Auch durch die Mitarbeit in Umweltprojekten lässt sich ein Jahr in der Warteschleife gut überbrücken. Es gelten die gleichen Bestimmungen wie beim sozialen Jahr. Eine umfangreiche Datenbank mit Projekten im In -und Ausland befindet sich auf
www.oekojobs.de Link zu: Oekojobdatenbank, www.oekojobs.de.
Als Au-pair ins Ausland gehen
Egal ob weiblich oder männlich - wer Kinder mag und mindestens 18 Jahre alt ist, kann das Wartejahr auch als
Au-pair im Ausland verbringen. Ein
Au-pair ist eine Haushaltshilfe, die mit einer Gastfamilie unter einem Dach wohnt und vor allem für die Betreuung der Kinder zuständig ist. Die Vorteile für den Jugendlichen bestehen in der persönlichen Erfahrung und der Verbesserung der Sprachkenntnisse.
Au-pair-Stellen gibt es in ganz Europa sowie in den
USA und Kanada. Meist werden diese für mindestens sechs und höchstens zwölf Monate angeboten. Die wöchentliche Arbeitszeit beträgt in der Regel 30 Stunden. Vermittelt werden Stellen von so genannten
Au-pair-Agenturen. Adressen seriöser Anbieter sind auf
www.au-pair-agenturen.de Link zu: au-pair-agenturen.de, www.au-pair-agenturen.de erhältlich.
Durch Jobben Geld verdienen und Erfahrungen sammeln
Etwas Glück gehört dazu, aber mitunter lässt sich nach der Schule ein Aushilfsjob finden. Der hat nicht nur den Vorteil, den Geldbeutel wieder etwas aufzufüllen, der Job vermittelt auch erste Praxiserfahrungen in der Berufswelt. Diese werden bei einer Bewerbung von jedem Ausbildungsbetrieb gern gesehen. Besonders gut ist es, einen Aushilfsjob in der Branche zu finden, in der man einen Beruf erlernen möchte. Stellenangebote stehen in den Lokalzeitungen oder sind im Internet zu finden. Neben der Datenbank der
Bundesagentur für Arbeit Link zu: Bundesagentur für Arbeit, www.arbeitsagentur.de lohnt sich ein Blick auf Jobbörsen wie
www.monster.de Link zu: monster.de, www.monster.de,
www.jobscout24.de Link zu: jobscout24.de, www.jobscout24.de oder
www.jobpilot.de Link zu: jobpilot.de, www.jobpilot.de. Jugendliche ab 16 Jahren dürfen übrigens voll beschäftigt werden, solange die tägliche Arbeitszeit nicht über acht Stunden liegt. Der Lohn muss - außer bei
Minijobs bis 400
EUR - dann aber versteuert werden.
Anlaufstellen für Ausbildungsplatzsuchende
Wer eine Lehrstelle sucht, sollte unbedingt den Kontakt zur Agentur für Arbeit in seinem Heimatort aufnehmen. Dort erhalten Jugendliche zumindest erste Informationen, welche Möglichkeiten ihnen offen stehen. Man sollte sich jedoch nicht nur darauf verlassen, dass einem die Arbeitsagentur eine Lehrstelle vermittelt - Eigeninitiative ist gefragt. Über die Industrie- und Handelskammer (
IHK) sowie die Handwerkskammern lässt sich der Kontakt zu ausbildenden Unternehmen herstellen. Die Adressen der Kammern sind im Telefonbuch zu finden. Auch Kontakte über Bekannte und Freunde sollten ruhig genutzt werden.
J. Ollenik, Oktober 2006
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