Der Sektor Zeitarbeit erfreut sich in den vergangenen Jahren in Deutschland stetiger Wachstumsraten und wird für die Wirtschaft immer wichtiger. "Keine Beschäftigungsform ist in den zurückliegenden Jahren so stark gewachsen wie die Zeitarbeit", heißt es in einer im Dezember 2007 veröffentlichten Studie des Instituts für Wirtschaft und Gesellschaft (
IWG). Auf der anderen Seite ist die Zeitarbeit auch heftig umstritten. Besonders Gewerkschaften beklagen Lohndumping und eine Verwässerung der Kündigungsschutzregeln.
Was ist Zeitarbeit?
Zeitarbeit ist die etablierte Form der Arbeitnehmerüberlassung. Der Arbeitnehmer ist bei einer Zeitarbeitsfirma fest angestellt und wird als überbetrieblicher Mitarbeiter in deren Kundenunternehmen eingesetzt, um dort Personalengpässe zu vermeiden oder Auftragsspitzen zu bewältigen.
Zielgruppen
Besonders geeignet ist eine Zeitarbeitstätigkeit für alle, die Wartezeiten zwischen Jobs und/oder Ausbildungen überbrücken, sich beruflich umorientieren, neue Branchen und Arbeitgeber kennen lernen oder nach einer (Familien-)Pause in das Berufsleben zurückkehren möchten. Angesichts der nach wie vor für viele Menschen angespannten Arbeitsmarktlage ist eine Anstellung als Zeitarbeitnehmer zudem für immer mehr Menschen auch ein Ausweg aus der Arbeitslosigkeit.
Chance auch für Arbeitslose
Zeitarbeit ist in Folge zahlreicher Deregulierungen auf dem Arbeitsmarkt nicht mehr nur für Hochqualifizierte und am Arbeitsmarkt gefragte Fachkräfte interessant. "Für zahlreiche Arbeitslose ist Zeitarbeit die Brücke zurück in den Arbeitsmarkt", heißt es in der
IWG-Studie. Das gelte inzwischen auch für nicht oder gering Qualifizierte. So seien etwa 90% der Zeitarbeiter diesem Bereich der "Standardzeitarbeit" zuzurechnen. Nur 10% der Zeitarbeiter sind der Studie zufolge Hoch- oder Gutqualifizierte.
Dauer der Zeitarbeit
Das Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (
IAB) hat in seiner jüngsten Studie herausgefunden, dass die Beschäftigungsverhältnisse in der Zeitarbeit zunehmend kürzer geworden sind. Dabei haben die Experten aber auch eine breite Streuung der Beschäftigungsdauer in der Branche festgestellt. So gebe es zum einen viele Leiharbeitnehmer, die nur wenige Tage beschäftigt sind. Andererseits sind auch zahlreiche Zeitarbeitsangestellte mehrere Jahre in diesem Sektor tätig.
Gefahr für reguläre Arbeitsplätze?
Die IAB-Experten sehen die Befürchtung, dass Unternehmen systematisch reguläre Arbeitskräfte durch Leiharbeiter ersetzen, nicht bestätigt. Sie verweisen darauf, dass nach wie vor lange Arbeitsverhältnisse selten sind, und nur diese eine Gefahr für das reguläre Personal darstellen könnten. Auch unter Verweis auf die genannten Chancen für Arbeitslose zieht die IAB-Studie mit Blick auf die Deregulierung der Zeitarbeit in den vergangenen Jahren "eine zwiespältige Bilanz". Zwar sei dadurch ein Beschäftigungswachstum erzielt worden, andererseits dieses auch an eine verkürzte Beschäftigungsdauer gekoppelt. Arbeitnehmer zahlen als Preis für die verbesserten Beschäftigungschancen also eine geringere Beschäftigungsstabilität, so die Nürnberger Arbeitsmarktforscher.
Rechte
Seit dem Jahr 2004 gilt generell die Regelung, nach der Leiharbeitnehmer zu den gleichen Bedingungen beschäftigt werden müssen wie die "regulären" Arbeitnehmer in dem Unternehmen, das die Zeitarbeit in Anspruch nimmt. Im Prinzip bedeutet das gleiche Arbeitszeit, gleiches Entgelt und die gleichen Urlaubsansprüche für Zeitarbeiter, wie für die Stammbelegschaft. Änderungen können sich allerdings aus tarifvertraglichen Regelungen ergeben, die etwa Gewerkschaften mit Mitgliedsunternehmen von Zeitarbeitsverbänden wie dem Bundesverband Zeitarbeit (
BZA) geschlossen haben. Weiterführende Informationen dazu bietet etwa der BZA auf seiner Webseite unter der Rubrik "Tarifverträge
BZA".
Vorsicht vor schwarzen Schafen! Vor dem Abschluss eines Arbeitsvertrags sollten Interessenten sicherstellen, dass die Zeitarbeitsfirma über eine unbefristete Genehmigung der Bundesagentur für Arbeit zur Arbeitnehmerüberlassung und eine Mitgliedschaft im
BZA verfügt.
Pflichten für Zeitarbeiter
Sollte der Zeitarbeitnehmer gelegentlich nicht in dem vertraglich vereinbarten Bereich eingesetzt werden können, muss er vorübergehend auch eine artverwandte und/oder minderqualifizierte Tätigkeit akzeptieren (
z. B. die Verrichtung einfacher kaufmännischer Aufgaben durch eine Chefsekretärin).
Falls der Zeitarbeitnehmer einmal keinen Einsatz bei einem Kundenunternehmen der Zeitarbeitsfirma hat, kann er zwar zu Hause bleiben, muss jedoch seine unmittelbare Erreichbarkeit oder Verfügbarkeit gewährleisten. Außerdem hat sich der Zeitarbeitnehmer nach der regionalen Lage und Verteilung der Arbeitszeiten des jeweiligen Kundenunternehmens zu richten.
Chancen
Immer mehr Unternehmen schreiben ihre freien Stellen nicht aus, sondern besetzen diese nach Angaben von Branchenkennern "unter der Hand". Viele Einsätze bei Kundenunternehmen der Zeitarbeitsfirmen beinhalten daher eine Option auf die Übernahme in eine Festanstellung. Das Kundenunternehmen und der Zeitarbeitnehmer können einander auf diese Weise unverbindlich testen und bei gegenseitigem Interesse einen Arbeitsvertrag schließen.
Risiken
Insbesondere bei befristeten Zeitarbeitsverträgen und/oder in der Probezeit sollten Sie die sehr kurzen Kündigungsfristen (ein bis zwei Wochen) nicht unterschätzen. Diese haben zwar den Vorteil, dass Sie zügig aus dem Vertrag aussteigen können, falls Ihnen eine "echte" Festanstellung angeboten wird. Angesichts der zurzeit auch auf dem Zeitarbeitsmarkt schwierigen Auftragslage müssen Sie jedoch ebenso auf eine schnelle Entlassung vorbereitet sein.
Tipps für Zeitarbeiter
Interessenten sollten sich parallel bei möglichst vielen Zeitarbeitsfirmen bewerben und alle angebotenen Vorstellungstermine wahrnehmen. Der BZA bietet etwa auf seiner Webseite unter der Rubrik "Mitgliederliste" eine Suchfunktion, um Zeitarbeitsfirmen nach Namen oder Sitz des Unternehmens zu finden.
Es bietet sich dabei an, nicht nur ausschließlich auf Stellenanzeigen zu reagieren, sondern sich nach vorheriger telefonischer Anfrage auch initiativ zu bewerben. So dienen Stellenanzeigen den Zeitarbeitsfirmen zuweilen nur dazu, ihren Kandidatenpool aufzufrischen. Nicht immer verbergen sich dahinter die erhofften, kurzfristig zu vergebenden Einsätze. Außerdem gilt: Wer sich auf eigene Faust um Arbeit bemüht, hat weniger Konkurrenten.
Nach erfolgter Einstellung (insbesondere bei Kurzzeiteinsätzen und befristeten Verträgen) sollten erfolgreiche Bewerber nicht sofort bei allen anderen Zeitarbeitsfirmen absagen. Hier sollte vielmehr angesichts der kurzen Kündigungsfristen ein Sicherheitspuffer eingebaut werden: Schließlich könnten sich kurz- oder mittelfristig attraktive Alternativen (auch längere Einsätze,
ggf. mit Übernahmeoption) anbieten. Darauf sollten Zeitarbeiter flexibel reagieren können.
Weitere Informationen
J. Ollenik, Januar 2008
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