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R+V-Ratgeber Beruf + Karriere (Quelle: Thinkstock)

Beruf + Karriere

Karrieretipps

Karrieresprung dank Doktortitel?

Abbildung: Doktorhut
Ein Doktortitel verspricht ein höheres Einstiegsgehalt, eine schnellere Karriere und gesellschaftliche Anerkennung. Andererseits kostet die Promotion auch etwas - und zwar vor allem Zeit. Drei bis vier zusätzliche Jahre sollten Doktoranden bis zum Abschluss der Dissertation einplanen. Eine Zeit in der andere Hochschabsolventen bereits in den Beruf einsteigen und Geld verdienen sowie die ersten Sprossen auf der Karriereleiter erklimmen. Absolventen sollten daher zunächst ihre Möglichkeiten auf dem Arbeitsmarkt mit und ohne Promotion prüfen. Denn neben der Ausbildungsqualität ist in vielen Firmen auch das Alter ein entscheidendes Einstellungskriterium. Überspitzt formuliert kann man das auf die Formel bringen: Jetzt einen Job ohne Doktor oder später einen Doktor, aber keinen Job.

Kosten und Nutzen abwägen

Entscheidend für den Nutzen eines Doktortitels ist vor allem das angestrebte Berufsfeld. Während im medizinischen Bereich eine Promotion fast zwingend ist und in der Regel bereits neben dem regulären Studium vorangetrieben wird, variiert der Wert eines Doktortitels in der Wirtschaft abhängig vom Betätigungsfeld und angestrebter Promotion. Für eine Karriere in der Wissenschaft ist eine Promotion sehr sinnvoll und in vielen Bereichen auch Voraussetzung für ein berufliches Weiterkommen. Wer in Forschung und Entwicklung in der Industrie arbeiten will, für den bedeutet ein Doktortitel eine viel versprechende Eintrittskarte in den Job. Vor allem in stark naturwissenschaftlich orientierten Berufen - etwa in der Pharma- oder Chemieindustrie - wird viel Wert auf eine umfassende wissenschaftliche Ausbildung gelegt. Im Management- und Marketing-Bereich oder im IT-Sektor dagegen spielt eine Promotion für den erfolgreichen Karrierestart eher eine untergeordnete Rolle.

Promovieren steigert das Einstiegsgehalt

Neben seiner Funktion als Türöffner zahlt sich der Doktortitel aber oft auch finanziell aus. Laut einer Studie von Kienbaum Unternehmenskommunikation bekommen Absolventen ohne Doktortitel ein Jahresgesamtgehalt von ca. 42.000 Euro. So genannte High Potentials mit Auslandserfahrung und sehr guten Studienabschlüssen erhalten im Durchschnitt 45.000 bis 50.000 Euro im Jahr. High Potentials mit Promotion steigen weitaus höher ein. Sie verdienen durchschnittlich 50.000 bis 60.000 Euro.

MBA als Alternative

In vielen Berufsfeldern wie etwa bei Ingenieuren und Naturwissenschaftlern haben sich Anforderungen in den vergangenen Jahren deutlich verändert. Neben dem Fachwissen wird vor allem auch organisatorische und kaufmännische Kompetenz verlangt. Eine Alternative zum Doktortitel ist hier der Master of Business Administration (MBA) als Zusatzqualifikation. Der Kienbaum-Studie zufolge wird der MBA im Vergleich zur Promotion von fast allen Branchen bevorzugt. Insbesondere die Konsumgüterbranche und der Handel legen dabei den Angaben zufolge kaum Wert auf einen Doktortitel. Die wichtigsten Zusatzkriterien für High Potentials sind demnach nach wie vor Praktika und Sprachen. Es folgen Studienschwerpunkte und Auslandsaufenthalte, die laut Kienbaum-Studie zunehmend an Bedeutung gewinnen.

Wo promovieren?

  • Universität
    Die Promotion an einer Universität ist für die Mehrzahl der Absolventen der Weg zum ersehnten Doktorhut. Dazu werden vor allem zwei Dinge benötigt: Ein Thema für die Dissertation und einen Doktorvater. Hier sollte sorgfältig ausgewählt werden. Denn generell gilt, je experimenteller die wissenschaftliche Forschung, desto größer ist die Gefahr von zeitraubenden Fehlschlägen. Viele Doktoranden verdienen zugleich als wissenschaftliche Mitarbeiter ihren Lebensunterhalt an der Universität. Das kann allerdings zu Lasten einer zügigen Promotion gehen. Wissenschaftliche Mitarbeiter werden oft über den vereinbarten Rahmen hinaus mit zusätzlichen Aufgaben wie etwa der Studentenbetreuung betraut.
  • Graduiertenkolleg
    Ein Graduiertenkolleg ist ein befristetes Studien- und Forschungsprogramm, das von Universitäten, Stiftungen oder wissenschaftlichen Organisationen wie der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) organisiert und finanziert wird. Doktoranden können hier ihre Forschungsarbeiten systematisch und von mehreren Hochschullehrern betreut durchführen. In einem Kolleg wird die wissenschaftliche Arbeit inhaltlich gebündelt und die Arbeit der Doktoranden organisatorisch strukturiert. Die Teilnehmer erhalten in der Regel ein Stipendium und können sich daher voll und ganz auf die Forschungsarbeit konzentrieren. Die Plätze sind daher sehr begehrt und die Aufnahmebedingungen entsprechend anspruchsvoll.
  • Industrie und Wirtschaft
    Die Promotion in der Industrie und Wirtschaft bietet eine attraktive Kombination aus Theorie und Praxis im Unternehmen. Eine Vielzahl von großen Unternehmen bieten entsprechende Forschungsprojekte für Hochschulabsolventen an. Doktoranden können so bereits unternehmerische Praxis bekommen und Kontakte zu einem möglichen Arbeitgeber knüpfen. In der Regel erhalten die Doktoranden befristete Arbeitsverträge, mit denen sie in der Promotionszeit finanziell abgesichert sind. Im Gegenzug müssen sie dafür oft tageweise in den zuständigen Abteilungen mitarbeiten.
J. Ollenik, aktualisiert Januar 2009
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