Wer in seinem Unternehmen in eine Führungsposition aufsteigt, steht vor einer neuen Herausforderung. Man muss Mitarbeiter führen, die möglicherweise vorher Kollegen waren. Das kann Probleme und Spannungen hervorrufen.
Die Probleme für die neue Führungskraft können vielerlei Gründe haben. Denn mit dem Aufstieg in eine Führungsposition werden die Beziehungen zu bisher gleichgestellten Kollegen zwangsläufig neu definiert. Neid und Missgunst der Kollegen können das Arbeitsklima belasten. Auch können falsche oder übertriebene Erwartungen an den Chef - aber auch umgekehrt an die Mitarbeiter - die Zusammenarbeit erschweren.
Positionen klären
Die schwierigste Gratwanderung ist in der Regel den ehemaligen Kollegen klar zu machen, dass man nicht mehr Kollege sondern Vorgesetzter ist. Als dieser steht man nun zwischen den Stühlen. Zum einen erwartet der Chef des neuen Vorgesetzten, dass dieser die vorgegebenen Aufgaben und Ziele umsetzt. Zum anderen muss der neue Vorgesetzte dieses seinen Mitarbeitern vermitteln und diese zum Erreichen dieser Ziele motivieren. Hier gilt die Regel, dass Erfolge immer im Team errungen werden, bei Fehlleistungen jedoch die Führungskraft alleine den Kopf hinhalten muss. Diesen Hintergrund sollten neue Führungskräfte daher bei allen Entscheidungen berücksichtigen und ihre Entscheidungen auf deren Tragweite und möglichen Folgen abklopfen.
Souveränität und Konsequenz
Personalberater raten frisch gebackenen Führungskräften dazu, den Mitarbeitern auf nette aber bestimmte Art klar zu machen, wie die Verantwortlichkeiten künftig verteilt sind. Ein häufig gemachter Fehler ist dabei, dass aus Unsicherheit mit übertriebener Härte und überzogener Führung auf erste Konfliktsituationen reagiert wird. Dieses ist alles andere als förderlich, da es die Fronten verhärtet und die Motivation der Mitarbeiter erheblich leidet. Bei schlechten Arbeitsergebnissen der eigenen Gruppe steht die neue Führungskraft dann vollends zwischen den Stühlen. Zwischen dem eigenen Chef auf der einen und einem unzufriedenen Team auf der anderen Seite. Das Dilemma dabei: Der neue Vorgesetzte hat dann selbst in der Regel keinen Ansprechpartner, an den er sich mit seinen Problemen wenden kann.
Experten raten zu einer ruhigen Herangehensweise
Wer als Führungskraft seine Aufgaben neu beginnt, sollte sich nach Einschätzung von Personalberatern gerade zum Anfang zurücknehmen und erstmal die neuen Arbeitsabläufe erkennen und neuen Aufgaben verinnerlichen. Dabei dürfte vor allem die Führungsarbeit im Mittelpunkt stehen. So verlangt das Führen einer Gruppe ganz andere Fertigkeiten, als definierte Aufgaben zu erledigen. Chefs haben mit dem Tagesgeschäft zunehmend weniger zu tun. Sie sind für die Strategien, Ziele und deren Umsetzung verantwortlich. Entsprechend müssen sie die anstehenden Aufgaben sinnvoll delegieren.
Auf die Mitarbeiter zugehen
Die wichtigste Aufgabe eines Vorgesetzten ist nach Ansicht von Experten die Kommunikation mit den Mitarbeitern. Diese sollte von diesem aktiv angegangen werden. So sollte zum Start mit jedem Team-Mitglied über dessen Erfahrung bei der Arbeit, seine Erwartungen und mögliche Probleme und Sorgen gesprochen werden. Hier gilt es für die Führungskraft gut zuzuhören, denn wichtige Botschaften werden in solchen Gesprächen eher selten direkt kommuniziert. Generell gilt auch hier, dass sich der Vorgesetzte zunächst zurücknehmen und besser zuhören sollte, als selbst zu reden. Goldene Regel hierbei: Möglichst wenig versprechen, so kann man spätere Enttäuschungen vermeiden. Erst wenn man sich ein abschließendes Bild von der Gruppe und den einzelnen Mitarbeitern gemacht hat, kann man auch die Erwartungen an die Mitarbeiter formulieren und entsprechend kommunizieren.
Der Umgang mit Konkurrenten
Nicht selten kommt es vor, dass auch andere Kollegen sich auf die Führungsposition beworben haben. Diese Situation ist für den neuen Vorgesetzten durchaus heikel. Hier drohen Neid und Missgunst. Die Konkurrenten könnten auf Fehler lauern, um sich selber wieder zu positionieren. Hier bietet es sich an, diese Konkurrenten von Anfang an aktiv mit einzubinden. So kann einem entsprechenden Kollegen etwa ein eigenes Projekt übertragen werden. Der Mitarbeiter wird dadurch mit in die Verantwortung genommen und fühlt sich vom neuen Vorgesetzten wert geschätzt.
Korrekturinstanzen suchen
Hilfreich ist es zudem gerade am Anfang für neue Führungskräfte, eine Person ihres Vertrauens im Unternehmen in die Entscheidungsfindung einzubinden. Das kann wenn möglich auch eine Art Mentor aus dem höheren Management sein. Diese Vertrauensperson kann auf Fehler hinweisen oder hilfreiche Ratschläge geben.
J. Ollenik, Mai 2008
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