Bewerben im Ausland: Andere Länder, andere Sitten.
Für viele Menschen ist das
Arbeiten im Ausland ein Lebenstraum. Die Motivation kann vielfältig ein: Bessere Arbeitsbedingungen und -Aufstiegschancen, Klima, Kultur oder einfach Neugier. Wer allerdings im Ausland arbeiten möchte, hat auf dem Weg dorthin einige Hürden zu nehmen.
Binnenmarkt Europa
Der europäische Binnenmarkt ist einer der größten Arbeitsmärkte der Welt. Für Arbeitnehmer hat der Binnenmarkt den Vorteil, dass Sie hier ohne Arbeitserlaubnis oder Visum ihrer Tätigkeit nachgehen können. Im Zuge der so genannten Freizügigkeit für Arbeitnehmer gilt seit 1968 für Arbeitnehmer, Selbstständige und deren Familienangehörige die Möglichkeit, ohne Einschränkungen eine Beschäftigung in einem anderen
EU-Mitgliedsstaat aufzunehmen. Inzwischen gilt dieses Recht beispielsweise auch für Rentner und Studenten.
Arbeiten außerhalb der EU
Wer außerhalb der Europäischen Union auf Stellensuche geht und sich bewerben möchte, sollte sich im Vorfeld über die gesetzlichen Regelungen für Visa-, Aufenthalts- und Arbeitsgenehmigungen informieren. In den USA etwa müssen Arbeitnehmer, die ein Arbeitsvisum erhalten wollen, ein konkretes Arbeitsangebot haben. Der künftige Arbeitgeber muss dann bei der zuständigen US-Arbeitsbehörde nachweisen, dass er die Stelle nicht mit einem vergleichbar qualifizierten Mitarbeiter aus den USA besetzen kann. Als weiteres Problem könnte sich die restriktive Vergabepolitik für die unterschiedlichen in den USA gängigen und zeitlich befristeten Arbeitsgenehmigungen erweisen. Wer eine zeitlich unbefristete Aufenthalts- und Arbeitserlaubnis - in den USA Green Card genannt - erhalten will, braucht dagegen etwas Glück. Die Green Cards werden alljährlich in einer Lotterie verlost.
Anerkennung von Ausbildungen
Problematisch kann in manchen Berufsgruppen auch die Anerkennung von Berufsausbildungen sein. Zwar nähern sich hier - beispielsweise durch die Einführung der Bachelor- und Master-Studiengänge in Europa - die Systeme zunehmend an. Doch Berufsausbildungen und Diplome werden auch in Europa, trotz Freizügigkeitsregeln, in der Praxis nicht einheitlich anerkannt. So müssen in manchen Berufsgruppen entsprechende Anträge auf Anerkennung Ihrer Qualifikationen stellen, um ihren Beruf weiter ausüben zu dürfen. Das Antragsverfahren kann auch Prüfungen und Eignungstest beinhalten. Informationen zu den benötigten Nachweisen und dem Ablauf des Verfahrens gibt es in der Regel bei den zuständigen Behörden des Landes.
Offene Stellen finden
Im Internet-Zeitalter sind die Barrieren bei der Suche nach offenen Stellen im Ausland deutlich gesunken. Online-Jobbörsen mit nationalen oder regionalen Stellenausschreibungen gibt es inzwischen in nahezu allen Ländern der Welt. Internationale Stellenangebote werden aber auch in überregionalen deutschen Zeitungen, ausländischen Zeitungen und Magazinen bzw. dessen Online-Auftritten veröffentlicht. Auch staatliche Institutionen können bei der Vermittlung von offenen Stellen helfen. Die Europäische Union bietet mit dem European Employment Service eine umfassende Datenbank, in der auch Stellenangebote zu finden sind. Dadurch ist es heute vergleichsweise einfach, sich im Ausland auf eine Stelle zu bewerben.
Richtig Bewerben im Ausland
Wer im Ausland arbeiten will, sollte die Landessprache zumindest in Grundzügen beherrschen. So sollte die Bewerbung nach Empfehlung von Experten möglichst in der Landessprache verfasst sein - es sei denn die Stellenanzeige verlangt etwas anderes. Die Bewerbungsverfahren verlaufen in anderen europäischen Ländern ähnlich wie in Deutschland. So gehört zu jeder Bewerbung zumindest ein Anschreiben und ein Lebenslauf. Dennoch gibt es in Europa wie außerhalb der
EU regionale Besonderheiten bei der Bewerbung.
Frankreich
In Frankreich gehören zu einer Bewerbung lediglich das Anschreiben und der Lebenslauf. Referenzen und Zeugnisse werden nicht mit eingereicht. Das Anschreiben wird in Frankreich traditionell noch mit der Hand geschrieben. Allerdings löst sich diese Regelung zunehmend auf und maschinengeschriebene Anschreiben werden zunehmend akzeptiert. Inhaltlich gliedert sich das Anschreiben wie in Deutschland oder England: Motivation, Beschreibung von Kenntnissen und Fähigkeiten sowie die Bitte um eine Einladung zum Vorstellungsgespräch. Das Anschreiben sollte dabei besonders höflich formuliert sein und nicht länger als eine DIN-A4-Seite sein. Der Lebenslauf wird dagegen in der Regel maschinengeschrieben mitgeschickt und sollte nicht länger als zwei Seiten sein. Für den Lebenslauf gibt es in Frankreich keine verbindlichen Standards. So können persönliche Akzente gesetzt werden und wichtige Passagen hervor gehoben werden.
Großbritannien
Auch in Großbritannien sind Arbeitszeugnisse weitgehend unbekannt. Entsprechend sollte eine Bewerbung aus höchstens drei Seiten bestehen: Eine Seite Anschreiben und maximal zwei Seiten Lebenslauf. Auch in Großbritannien folgt der Aufbau des Schreibens in der Regel dem Dreiklang Motivation, Fähigkeiten und der Bitte um ein Bewerbungsgespräch. Generell gilt laut Experten, dass die Anschreiben in Großbritannien durchaus etwas lockerer gestaltet sein können. Der Lebenslauf wird als Curriculum Vitae (CV) bezeichnet. Gebräuchlich ist eine chronologische Auflistung. Wobei mit der jüngsten Station im Berufsleben angefangen wird und dann chronologisch absteigend fortgefahren wird. Wichtig können dabei im persönlichen Teil auch die Angaben der Hobbies sein. Diese helfen dem Personalverantwortlichen den Bewerber besser einzuschätzen. Angaben zur Religion und ehelichem Stand und dem Beruf der Eltern werden bei einem britischen Lebenslauf nicht gemacht.
Spanien
Die spanische Bewerbung besteht aus einem Anschreiben und einem Lebenslauf auf Spanisch. Dem Lebenslauf kann ein Foto hinzugefügt werden. Zeugnisse und Referenzen werden in der Regel nicht beigefügt. Form und Gestaltung von Anschreiben und Lebenslauf richten sich weitgehend nach den Regeln die auch in Deutschland gelten und sollten entsprechend gestaltet werden.
USA
In den USA ist eine Bewerbung in der Regel ebenfalls mit Anschreiben (cover letter) und Lebenslauf (resume) komplett. Im Anschreiben an Unternehmen in den USA sind unpersönliche Anreden eher unüblich. Bewerber sollten daher wenn möglich im Vorfeld den Namen eines konkreten Ansprechpartners recherchieren. Falls das nicht klappt, können Sie die Anrede auch ganz weglassen. Hilfreich kann im Anschreiben ein Hinweis auf ein bereits vorhandenes Visum sein. Das signalisiert dem potenziellen Arbeitgeber Eigeninitiative und dass er mit den zuständigen Behörden weniger Aufwand haben wird.
In den USA sollte im Lebenslauf unbedingt auf eine Reihe von in anderen Ländern üblichen Angaben verzichtet werden: Alter, Geschlecht, Größe und Gewicht, Familienstand, Angaben zu den Kindern, Religion, ethnische Herkunft, Gesundheitszustand und Gehaltsvorstellungen. Auch sollten Foto, Referenzen, Arbeitszeugnisse und Angaben zu den Gründen für die Aufgabe des letzten Jobs und den Hinweis zur Verfügbarkeit nicht verwendet werden. Hintergrund sind die vergleichsweise strengen Antidiskriminierungsgesetze in den USA.
Europass-Initiative soll Dokumente vereinheitlichen
Die europäische Kommission hat mit "Europass" eine Initiative gestartet, die die für die berufliche Laufbahn wichtigen Dokumente europaweit vereinheitlichen soll. So gibt es einen standardisierten Europass-Lebenslauf, der als ein Baustein des Europass-Systems Auszubildenden, Studierenden, Lernenden und/oder Arbeitssuchenden helfen soll, ihre Qualifikationen und Fähigkeiten so darzustellen, dass sie europaweit verständlich sind. Mehr Informationen zum Europass-System bietet das Online-Portal
www.europass-info.de Link zu: europass, www.europass-info.de.
Bundesagentur für Arbeit hilft mit Europaservice
Die Bundesagentur für Arbeit hat mit ihrem Europaservice eine zentrale Informationsplattform unter
www.europaserviceba.de Link zu: Zentrale Auslands- und Fachvermittlung (ZAV), www.europaserviceba.de eingerichtet, die aktuelle Informationen zu insgesamt 31 europäischen Arbeits- und Bildungsmärkten bietet. Das Angebot richtet sich an Arbeitnehmer, die Arbeits- oder Weiterbildungsmöglichkeiten im europäischen Ausland suchen, an Studierende, Auszubildende sowie junge Leute, die zwischen Schule und Beruf nach Jobs und Praktika im Ausland suchen.
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