In den Jahren 2006 und 2007 verzeichnete das Deutsche Handwerk erstmals nach zehn Jahren wieder eine steigende Anzahl bei den neu abgeschlossenen Ausbildungsverträgen. Das geht aus den Statistiken des Zentralverbands des Deutschen Handwerks (
ZDH) hervor. Im Jahr 2007 starteten demnach rund 180.000 junge Menschen ihre handwerkliche Ausbildung. Die Zahl der Auszubildenden stieg damit im Vergleich zum Vorjahr um 1,3 Prozent auf insgesamt rund 483.000.
Vielzahl an Ausbildungsberufen
Wer sich nach der Schule für eine handwerkliche Ausbildung entscheidet, hat zunächst im Wortsinne die Qual der Wahl. Über 100 anerkannte Ausbildungsberufe gibt es im Handwerk. Diese reichen von A wie Änderungsschneider bis Z wie Zweiradmechaniker. Angesichts dieser Vielfalt bieten die regionalen Handwerkskammern sowie bundesweite Initiativen der Handwerksverbände und auch andere Institutionen den Jugendlichen umfangreiche Hilfestellungen bei der Auswahl des späteren Berufs an.
Online informieren
Die Bundesagentur für Arbeit stellt auf ihrem Webportal
www.abi.de Link zu: abi >> dein weg in studium und beruf, www.abi.de unter der Rubrik "Links" eine Auswahl von Internetangeboten zum Thema Berufswahl von "bundesweit anerkannten Institutionen und Verbänden" bereit.
Wer sich darüber hinaus konkret über die Möglichkeiten im Handwerk informieren möchte, kann auf der Webseite
www.teamhandwerk.de Link zu: Aktion Modernes Handwerk e.V., www.teamhandwerk.de der Aktion Modernes Handwerk
e.V. speziell für angehende Lehrlinge aufbereitete Auskünfte abrufen. So kann man sich durch die verschiedenen Bereiche des Handwerks klicken und in kurzer Zeit viele relevante Informationen sammeln. Neben einer ausführlichen Beschreibung der Berufsbilder erfährt man hier auch die wichtigsten Fakten über schulische Voraussetzungen, Ausbildungsinhalte und -dauer auf einen Blick. Zudem bietet das Portal direkte weiterführende Links zu regionalen Praktikums- und Lehrstellenbörsen sowie Adressen und Telefonnummern der zuständigen Handwerkskammern.
Früh ausprobieren
Genau wie in anderen Berufen sollten auch im Handwerk künftige Lehrlinge bereits die Schulzeit nutzen, um mit Praktika in einzelne Berufe hineinschnuppern zu können. Diese Praktika stellen zudem eine gute Chance dar, erste Kontakte zu möglichen späteren Ausbildungsbetrieben zu knüpfen. Neben den ohnehin im Lehrplan vorgesehenen Berufspraktika können Schüler auch die Ferien für ein Praktikum in einem Handwerksbetrieb nutzen. Neben den örtlichen Handwerkskammern als Ansprechpartner kann man hier auch die oben genannten Internet-Portale und
-Datenbanken für die Recherche nach Praktikumsmöglichkeiten nutzen.
Branche mit Zukunft?
Ein grundlegendes Urteil darüber, welcher Ausbildungsberuf langfristig Erfolg und einen sicheren Arbeitsplatz verspricht, ist nicht zu treffen. Generell spielen dafür mehrere Faktoren wie etwa langfristige gesellschaftliche und wirtschaftliche Trends und vor allem auch technische Weiterentwicklungen eine wesentliche und oft schwer prognostizierbare Rolle. Eine Indikation für die Zukunftsfähigkeit kann aber die langfristige Entwicklung der Branche und auch der neu angefangenen Ausbildungsverhältnisse in der Vergangenheit sein. Hier sollte man allerdings beachten, dass manche Branchen wie etwa die Bauindustrie auch starken konjunkturellen Schwankungen unterworfen sind.
Berufsbilder verändern sich
Angesichts der Weiterentwicklungen der technischen Anforderungen verändern sich auch die Berufsbilder. So wurde wegen des zunehmenden Einsatzes von Elektronik in Automobilen vor einigen Jahren der Beruf des Automobilmechatronikers eingeführt. Dieser ersetzt inzwischen die bis dahin in diesem Bereich üblichen Berufe Automobilmechaniker und -elektriker in der Ausbildung nahezu vollständig. Aus dem Gas- und Wasserinstallateur wurde inzwischen der Ausbildungsberuf Anlagenmechaniker für Sanitär-, Heizungs- und Klimatechnik.
Auch politische Veränderungen können den Arbeitsmarkt im Handwerk verändern. So verweisen Experten darauf, dass sich vor allem in zulassungsfreien Bauhandwerksberufen wie Gebäudereiniger oder Fliesen- und Parkettleger der Wettbewerb deutlich verschärft hat, nachdem die Europäische Union nach Osteuropa erweitert wurde.
Im Jahr 2007 verzeichnete der
ZDH bei den neuen Ausbildungsverträgen deutliche Zuwächse, insbesondere in den Berufen aus dem Bau- und Ausbauhandwerk sowie dem Elektro- und Metallhandwerk. Auch in den Berufen der Gesundheitshandwerke legte die Zahl der neuen Auszubildenden zu. Die neu geordneten Ausbildungsberufe Änderungsschneider mit einem Plus von 31,7 Prozent gegenüber dem Vorjahr, Bestattungsfachkraft (+ 33,3 Prozent) und Sattler (+ 31,3 Prozent) finden den Angaben zufolge "starken Zuspruch".
Die meisten Auszubildenden gibt es nach Angaben des Zentralverbands des Deutschen Handwerks (
ZDH) derzeit in folgenden Berufen:
- Automechatroniker
- Friseure
- Maler und Lackierer
- Elektroniker
- Anlagenmechaniker für Sanitär-, Heizungs- und Klimatechnik
- Metallbauer
- Tischler
- Bäcker
- Feinwerkmechaniker
- Maurer
Auch IT-Kenntnisse werden immer wichtiger. Verbände und handwerksnahe Institutionen weisen darauf hin, dass in fast allen Handwerksberufen Computerkenntnisse immer wichtiger werden. Nicht selten gehört der Einsatz von Computern und dem Internet auch im Handwerk zum Arbeitsalltag.
Weitere Informationen zu diesem Thema
J. Ollenik, Oktober 2008
zum Seitenanfang