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R+V-Ratgeber Beruf + Karriere (Quelle: Thinkstock)

Beruf + Karriere

Ausbildung

Rechte und Pflichten in der Ausbildung

Abbildung: Händeschütteln
In Deutschland ist die Ausbildung für einen bestimmten Beruf gesetzlich klar geregelt. Während die konkreten Inhalte der Berufsausbildung von den zuständigen Industrie-, Handels- und Handwerkskammern festgelegt werden, sind die maßgeblichen Rahmenbestimmungen für das Ausbildungsverhältnis im Berufsbildungsgesetz (BBiG) geregelt. Die ausbildenden Betriebe haben selbst nur einen begrenzten Einfluss auf die inhaltliche Ausgestaltung der Berufsausbildung.

Ausbildungsvertrag

Grundlage jedes Ausbildungsverhältnisses zwischen Auszubildenden und dem Arbeitgeber ist der Ausbildungsvertrag. In ihm sind unter anderem die Ausbildungsdauer, die Vergütung, Urlaubsanspruch und die tägliche Arbeitszeit geregelt. Zudem enthält er die Rechten und Pflichten des Auszubildenden. Wichtig: Ein Ausbildungsvertrag ist nur gültig, wenn er vom Auszubildenden und dem dafür Bevollmächtigten des Ausbildungsbetriebs unterschrieben ist. Wer vor seinem 18. Lebensjahr eine Ausbildung beginnt, benötigt die Unterschrift von den Eltern oder einem anderen gesetzlichen Vertreter.

Dauer der Ausbildung

Die Länge der Ausbildungszeit ist gesetzlich vorgeschrieben und beträgt laut Arbeitsagentur in der Regel zwischen 36 und 42 Monaten. Wie lang die konkrete Ausbildungszeit dauert, ist in der jeweiligen Ausbildungsordnung festgelegt. Dabei hat der Auszubildende oder sein Betrieb die Möglichkeit, die Ausbildungszeit abhängig von den individuellen Begabungen und Fähigkeiten sowie der Zustimmung der zuständigen Stellen zu verkürzen oder zu verlängern. Zwingend vorgeschrieben ist eine Probezeit, in der sowohl Arbeitgeber als auch der Auszubildende den Vertrag vorzeitig kündigen können. Die Probezeit muss mindestens einen Monat und darf höchstens vier Monate dauern.

Vergütung

Nach dem Berufsausbildungsgesetz muss der Arbeitgeber dem Auszubildenden eine angemessene Vergütung zahlen. In der Regel wird diese durch die geltenden Tarifverträge bestimmt. Liegt keine Tarifbindung vor, soll sich die Angemessenheit dieser Vergütung nach den branchenüblichen Tarifen richten. Die Ausbildungsvergütung ist abhängig vom Alter des Auszubildenden und ist mit dem Verlauf der Berufsausbildung - mindestens einmal im Jahr - entsprechend anzuheben. Wichtig: Für die Ausbildungsvergütung benötigt der Auszubildende ein Gehaltskonto, auf das sein Geld überwiesen werden kann. Zudem muss beim Ausbildungsvertrag eine Lohnsteuerkarte vorliegen. Diese stellt die Stadt- oder Gemeindeverwaltung aus. Die anfallenden Beiträge für die Krankenversicherung werden zur Hälfte vom Arbeitgeber getragen. Ist die Ausbildungsvergütung sehr niedrig, muss der Arbeitgeber die vollen Beträge übernehmen.

Urlaubsanspruch

Der jährliche Urlaubsanspruch ist in der Regel durch die tariflichen Vereinbarungen zur Ausbildung festgelegt. Ansonsten gilt der gesetzliche Mindesturlaubsanspruch bei Jugendlichen von 30 Werktagen für unter 16-Jährige, 27 Werktagen für 16-Jährige und mindestens 25 Werktagen für 17-Jährige. Wer volljährig ist, für den gilt der generelle Mindesturlaubsanspruch von 24 Werktagen im Jahr.

Pflichten des Arbeitgebers

Der auszubildende Betrieb hat nach dem Berufsbildungsgesetz dafür Sorge zu tragen, dass dem Auszubildenden die Fertigkeiten und Kenntnisse vermittelt werden, die zum Erreichen des Ausbildungsziels in der vorgesehenen Ausbildungszeit erforderlich sind. Dazu gehört unter anderem auch, den Auszubildenden für den Berufsschulbesuch und für Prüfungen bei fortlaufender Bezahlung freizustellen.

Dabei hat der Ausbildungsbetrieb auch die Pflicht, alle zur Ausbildung und zur Ablegung der Prüfungen notwendigen Bücher, Werkzeuge und Werkstoffe dem Auszubildenden kostenlos zur Verfügung zu stellen.

Nach dem Gesetz ist der Ausbildungsbetrieb zudem verpflichtet, dem Auszubildenden ausschließlich "ausbildungsbedingte und kräfteangemessene Verrichtungen" zu übertragen. Das bedeutet, dass der Auszubildende nicht mit Arbeiten beschäftigt werden darf, die nicht dem Ausbildungszweck dienen oder seinen körperlichen Kräften nicht angemessen sind. Er darf zum Beispiel nicht für betriebsfremde Einkäufe oder etwa Reinigungstätigkeiten außerhalb seines Arbeitsplatzes eingesetzt werden.

Pflichten des Auszubildenden

Der Auszubildende ist vertraglich verpflichtet, die Weisungen, die ihm im Rahmen der Berufsausbildung von weisungsberechtigten Personen erteilt werden, gewissenhaft zu befolgen. Entsprechend müssen alle anstehenden Arbeiten nach diesen Vorgaben erledigt werden. Dabei sollte der Auszubildende immer das Bemühen zeigen, das Ausbildungsziel zu erreichen und die dafür benötigten Kenntnisse und Fertigkeiten des angestrebten Berufes zu erwerben. Die Teilnahme an Weiterbildungsmaßnahmen und der Besuch der Berufsschule gehört ebenfalls zu den Pflichten des Auszubildenden.

Bei der täglichen Arbeit ist der Auszubildende verpflichtet, die im Betrieb geltende Ordnung einzuhalten. Das gilt etwa für Sicherheitsbestimmungen oder die Einhaltung von vorgeschriebenen Schritten im Arbeitsprozess. Die vom Auszubildenden benutzten Einrichtungen, Maschinen, Fahrzeuge und Werkzeuge müssen pfleglich behandelt werden (Obhutspflicht). Ebenfalls ist der Auszubildende verpflichtet, über Betriebs- und Geschäftsgeheimnisse Stillschweigen zu bewahren.

Zudem müssen die Auszubildenden regelmäßig schriftliche Ausbildungsnachweise führen, soweit dies in der Ausbildungsordnung vorgeschrieben ist. Das sog. Berichtsheft muss vom Ausbilder kontrolliert werden und stellt auch eine Zulassungsvoraussetzung für die Prüfung dar.

Weitere Informationen

Ausführliche Informationen in einer umfangreichen Broschüre rund um das Thema Ausbildung bietet das Bundesministerium für Bildung und Forschung auf seiner Webseite zum Download an.
J. Ollenik, aktualisiert Dezember 2012
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